Hans-Olaf Henkel über die Finanzkrise

Ich habe inzwischen das Buch von Hans-Olaf Henkel „Die Abwracker“ fertiggelesen. Henkel hat bewusst aus einer sehr subjektiven, persönlichen Warte heraus geschrieben ohne jeglichen Anspruch auf Objektivität. Dieser Stil ist zum Teil erfrischend, ich muss aber gestehen, dass mir das Buch zum Ende hin immer weniger gefallen hat.

In jedem Fall finde ich vieles sehr bemerkenswert, was Henkel zum Thema „Finanzkrise in Deutschland “ geschrieben hat. Seine persönliche Sicht darauf rührt vor allem daher, dass er bis März 2004 im Aufsichtsrat der IKB saß …

Das Geschäftsmodell der IKB bestand darin, deutsche mittelständische Unternehmen mit langfristigen Krediten zu versorgen. Henkel schreibt (S. 103):

„Während meiner Zeit im Aufsichtsrat gehörte die Bank zu den solidesten Instituten überhaupt. Wie oft habe ich mir … in den endlos langen Hauptversammlungen von den Aktionärsvertretern anhören müssen, dass unser Geschäftsgebaren geradezu ‚langweilig‘ wäre. Während die Aktienkurse der anderen Banken ab den neunziger Jahren nach oben gingen, dümpelte die IKB so vor sich hin, weil sie eben nur Geschäfte mit dem anscheinend nicht minder langweiligen Mittelstand tätigte. Warum, so wurden wir bedgrängt, besorgten wir uns nicht im Ausland ‚interessantere Papiere‘, die mehr Rendite brachten?“

Henkel beschreibt, wie dann im Jahre 2001 ein großes Aktienpaket an IKB-Aktien von der bisherigen Haupaktionärin Allianz  zur staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) überging. Eine Folge war, dass Jörg Asmussen in den Aufsichtsrat der IKB kam.

Jörg Asmussen gilt, so Henkel, als „Finanzkoryphäe der SPD“ und war lange Zeit die „rechte Hand“ des damaligen Finanzministers Peer Steinbrück. Da der Staat indirekt über die IKB jetzt mit 30 Prozent Hauuptaktionär der IKB war, war es nur billig, dass ein Vertreter des Staates mit im Aufsichtsrat saß.

Inzwischen hatte ja Henkel im Jahre 2004 die IKB verlassen.

Interessant ist, wie Henkel darauf hinweist, wie sehr Asmussen vor der Krise das hochlobte, was später allgemein als „toxische Wertpapiere“ und „Finanz-Giftmüll“ bezeichnet wurde (S. 116):

„2006 vrtratue er [Asmussen] der Zeitschrift Kreditwesen in einem Artikel an, wie wichtig ihm die aus Amerika herüberflutenden asset backen securities [auch ABS-Produkte genannt] waren, Unter dem Titel ‚Verbriefungen aus Sicht des Bundesfinanzministeriums‘ wies er die deutsche Kreditbranche darauf hin, wie sehr ‚eine moderne Kapitalmarktgesetzgebung eine Integration in die weltweiten Finanzierungskreisläufe über neue Kapitalmarktprodute‘ fördern könne und wie wichtig eine ‚aktive Begleitung des deutschen ABS-Marktes‘ sei. Deshalb sei bereits im Koalitionsvertrag ‚der Ausbau des Verbriefungsmarktes‘ beschlossen worden [meine Hervorhebung].“

Aus meiner Sicht ist das wirklich ein Hammer. Dieselben Leute, die sich heute als Retter der Nation aufspielen, haben wohl selbst eine erhebliche Mitschuld an dem Desaster. So stellt es sich mir jedenfalls dar.

Henkel weiter im Text (S. 117):

„Um den beteiligten Banken kein übertreibenes Risikomangement zuzumuten, kündigt das Bundesfinanzministerium in Gestalt seines damaligen Ministerialdirektors Asmussen an, ‚dass den Instituten keine unnötigen Prüf- und Dokumentationspflichten entstehen werden, wnn sie in ‚gängige‘ ABS-Produkte mit gutem Rating investieren‘. Zudem soll für viele Banken ‚die Eigenkapitalanforderung an ihre ABS-bestände sinken und für sie der Erwerb von ABS zur Diversifizierung ihres Portfolios wesentlich erleichtert‘ werden. Kurz, das BMF passt ‚die Rahmenbedingungen für den deutschen Verbriefungsmarkt Stück für Stück‘ der wachsenden Nachfrage an, um beim Milliardentransfer deutschen Steuergelds in die amerikanischen Tresore ja nicht im Wege zu stehen.“

Und auch die IKB legte mir ihren waghalsigen Geschfäten erst los, nachdem der Staat Hauptaktionär geworden ist. Zweckgesellschaften („conduits“ ) hatte die IKB zwar schon vorher in Irland gegründet, nämlich „Rhineland Funding Capital“ und „Rhinebridge“. Aber erst jetzt begannen sie eine Milliarden-Rad zu drehen.

Immerhin war es ja, seitdem der Staat eingestiegen ist, für die IKB viel leichter und günstiger zu refinanzieren. Das so günstig geliehene Geld wurde umgehend in höher rentierliche ABS-Produkte gesteckt. Und zwar alles -staatlich gewollt – wie es scheint. Auch die staatlich kontrollierten Landesbanken fanden im großen Stile Gefallen an diesen Milliarden-Geschäften.

So kam es, dass die IKB einer der ersten deutschen Banken war, die im Zuge der Finanzkrsei vor dem Aus stand.

Schon vor der Krise, waren – so Henkel – etwa die Hälfte aller deutschen Banken staatlich kontrolliert. Und genau diese sind besonders in den Strudel der subprime-Krise geraten.

Henkel schreibt weiter (S. 118):

„Es ist … nicht Besserwisserei, wenn ich jetzt großen Wert darauf lege, dass die Mitwirkung der deutschen Politik, besonders aber des Finanzministeriums, an den Vorgängen endlich klar dargestellt wird.

Denn gleichzeitig zog Peer Steinbrück, dem die eigene Schuld am ABS-Hype völlig entgangen zu sein schien, mit eisiger Arroganz über die gesamt Finanzwirtschaft her, als hätten nicht sein Adlatus, sein Ministerium und seine KfW das Hohelied auf die amerikanischen Papiere gesungen.“

Link zum Buch: Die Abwracker

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  1. […] den Weiten des Internets habe ich folgende, eher kritische Meinung zum Buch “Die Abwracker” im Geldanlage- und Finanz-Blog von Dr. Hannes Peterreins gefunden. Viel über den Inhalt des gleichen Buches erfährt der geneigte […]

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