Aber die erste Frage, die man sich stellen sollte, ist: Warum gibt jemand Tipps, wenn er damit doch damit selbst reich werden könnte? Also wenn ich vermeintlich totsichere Anlagestrategien habe oder genau weiß, welche Aktie steigen wird und welche fallen wird, dann ist das doch ein lukratives Geheimnis, das ich eigentlich hüten sollte wie meinen Augapfel.
Besonders unangenehm empfinde ich solche Menschen, die in ihren Videos mit ihrem (angeblichen) Reichtum prahlen, in krassen Sportautos sitzen oder vor einer Luxusimmobilie posieren, und ihren Zuschauern vorgaukeln, dass sie das auch alles haben könnten, wenn sie nur genau das tun würden, was der Tippgeber sagt. Diese Videos spielen so offensichtlich auf die Gier und den Wunsch nach schnellem Reichtum an, dass es ganz nüchtern betrachtet einfach einen Haken geben muss.
Der Haken kann vielfältig sein. Erstens ist es meistens so, dass versucht wird, einem etwas zu verkaufen, also z.B. einen kostenpflichtigen Infobrief, Seminare oder Beratungen. Aber noch einmal: Warum sollte jemand, der ein Goldader entdeckt hat, diese freiwillig mit anderen teilen? Es ist doch viel wahrscheinlicher, dass es sich hierbei in irgendeiner Form um Abzocke handelt.
Zweitens könnte es sich um illegales Frontrunning handeln. D.h. der Tippgeber deckt sich ein paar Tage selbst mit einer marktengen Aktie A ein. Sobald er davon genug eingesammelt hat, empfiehlt er die Aktie A lautstark. Wenn viele darauf anspringen, wird der Kurs von A steigen. Bis dahin ist das Ganze wie eine selbsterfüllende Prophezeiung. Wenn A aber den Gipfel erreicht hat, verkauft der Tippgeber alle seine Anteile an A. Nicht lange danach stürzt A wieder ab und jeder, der auf den Tipp gehört hat, bleibt auf horrenden Verlusten sitzen.
Nicht weniger illegal ist die dritte Möglichkeit, zu der im Finanztest 8/2026 ein Artikel veröffentlicht worden ist. Der Finanztest beschreibt darin, wie Anleger zunächst mittels Werbung für Anlagetipps in eine WhatsApp-Gruppe gelockt wurden. In dieser Gruppe tritt eine Dame namens „Freya“ auf, die behauptet Assistentin des Hedgefonds DZ-72 zu sein (was natürlich nicht stimmte). Freya überredete die Chat-Mitglieder dazu, an einem sog. „Seed-Pan“ teilzunehmen. Sie stellte aberwitzig hohe Renditen in Aussicht. Wer sich tatsächlich dazu verführen ließ, erzielte tatsächlich in den ersten Wochen exorbitant hohe Gewinne. Um weiter dabei sein zu können, drängte Freya dazu, Kredite aufzunehmen. Man sei dumm, wenn man sich diese einmalige Chance entgehen ließe, schnell reich zu werden. Irgendwann hatten Anleger zwar tolle Gewinne, allerdings nur auf dem Papier, denn man konnte sie sich nicht auszahlen lassen. Schließlich wurden die vermeintlichen Trading-Konten gesperrt und das ganze Geld war futsch. Viele Anleger blieben sogar auf ihren Schulden sitzen.
Zur Zeit kommt es verstärkt vor, dass Betrüger in den sozialen Medien versuchen, Opfer zu ködern. Entweder mit Anlagetipps oder mit einem angeblichen, besonders schlauen Professor oder Insider. Und wenn man erst einmal an der Angel ist, ist es immer dieselbe Masche. Zunächst versucht eine Bezugsperson Vertrauen aufzubauen. Komplizen versuchen parallel Euphorie aufzubauen und gute Stimmung zu verbreiten. Dann wird von einem sehr renditestarken Investment gesprochen, zu dem die allermeisten keinen Zugang hätten. Oft wird auch gesagt, dass es sich dabei um etwas handeln würde, was die Banken gerne geheim halten würden. Wer auf diese Versprechen hereinfällt und tatsächlich Geld einzahlt, wird tatsächlich in der Anfangszeit hohe Gewinne sehen. So sollen die Opfer dazu gebracht werden, noch mehr Geld einzuzahlen, vielleicht sogar mittels Krediten oder indem sie sich Geld von Verwandten und Freunden ausleihen. Perfide ist vor allem, dass die Kriminellen sehr geschickt darin sind, allerlei Psychotricks anzuwenden, um ihre Opfer gefügig zu machen. Schließlich endet das Ganze in einem Totalverlust.
Hier noch ein Link zu den Warnmeldungen der BaFin.










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