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Warum man bei Aktientipps vorsichtig sein sollte

Allgemein

Aber die erste Frage, die man sich stellen sollte, ist: Warum gibt jemand Tipps, wenn er damit doch damit selbst reich werden könnte? Also wenn ich vermeintlich totsichere Anlagestrategien habe oder genau weiß, welche Aktie steigen wird und welche fallen wird, dann ist das doch ein lukratives Geheimnis, das ich eigentlich hüten sollte wie meinen Augapfel.

Besonders unangenehm empfinde ich solche Menschen, die in ihren Videos mit ihrem (angeblichen) Reichtum prahlen, in krassen Sportautos sitzen oder vor einer Luxusimmobilie posieren, und ihren Zuschauern vorgaukeln, dass sie das auch alles haben könnten, wenn sie nur genau das tun würden, was der Tippgeber sagt. Diese Videos spielen so offensichtlich auf die Gier und den Wunsch nach schnellem Reichtum an, dass es ganz nüchtern betrachtet einfach einen Haken geben muss.

Der Haken kann vielfältig sein. Erstens ist es meistens so, dass versucht wird, einem etwas zu verkaufen, also z.B. einen kostenpflichtigen Infobrief, Seminare oder Beratungen. Aber noch einmal: Warum sollte jemand, der ein Goldader entdeckt hat, diese freiwillig mit anderen teilen? Es ist doch viel wahrscheinlicher, dass es sich hierbei in irgendeiner Form um Abzocke handelt.

Zweitens könnte es sich um illegales Frontrunning handeln. D.h. der Tippgeber deckt sich ein paar Tage selbst mit einer marktengen Aktie A ein. Sobald er davon genug eingesammelt hat, empfiehlt er die Aktie A lautstark. Wenn viele darauf anspringen, wird der Kurs von A steigen. Bis dahin ist das Ganze wie eine selbsterfüllende Prophezeiung. Wenn A aber den Gipfel erreicht hat, verkauft der Tippgeber alle seine Anteile an A. Nicht lange danach stürzt A wieder ab und jeder, der auf den Tipp gehört hat, bleibt auf horrenden Verlusten sitzen.

Nicht weniger illegal ist die dritte Möglichkeit, zu der im Finanztest 8/2026 ein Artikel veröffentlicht worden ist. Der Finanztest beschreibt darin, wie Anleger zunächst mittels Werbung für Anlagetipps in eine WhatsApp-Gruppe gelockt wurden. In dieser Gruppe tritt eine Dame namens „Freya“ auf, die behauptet Assistentin des Hedgefonds DZ-72 zu sein (was natürlich nicht stimmte). Freya überredete die Chat-Mitglieder dazu, an einem sog. „Seed-Pan“ teilzunehmen. Sie stellte aberwitzig hohe Renditen in Aussicht. Wer sich tatsächlich dazu verführen ließ, erzielte tatsächlich in den ersten Wochen exorbitant hohe Gewinne. Um weiter dabei sein zu können, drängte Freya dazu, Kredite aufzunehmen. Man sei dumm, wenn man sich diese einmalige Chance entgehen ließe, schnell reich zu werden. Irgendwann hatten Anleger zwar tolle Gewinne, allerdings nur auf dem Papier, denn man konnte sie sich nicht auszahlen lassen. Schließlich wurden die vermeintlichen Trading-Konten gesperrt und das ganze Geld war futsch. Viele Anleger blieben sogar auf ihren Schulden sitzen.

Zur Zeit kommt es verstärkt vor, dass Betrüger in den sozialen Medien versuchen, Opfer zu ködern. Entweder mit Anlagetipps oder mit einem angeblichen, besonders schlauen Professor oder Insider. Und wenn man erst einmal an der Angel ist, ist es immer dieselbe Masche. Zunächst versucht eine Bezugsperson Vertrauen aufzubauen. Komplizen versuchen parallel Euphorie aufzubauen und gute Stimmung zu verbreiten. Dann wird von einem sehr renditestarken Investment gesprochen, zu dem die allermeisten keinen Zugang hätten. Oft wird auch gesagt, dass es sich dabei um etwas handeln würde, was die Banken gerne geheim halten würden. Wer auf diese Versprechen hereinfällt und tatsächlich Geld einzahlt, wird tatsächlich in der Anfangszeit hohe Gewinne sehen. So sollen die Opfer dazu gebracht werden, noch mehr Geld einzuzahlen, vielleicht sogar mittels Krediten oder indem sie sich Geld von Verwandten und Freunden ausleihen. Perfide ist vor allem, dass die Kriminellen sehr geschickt darin sind, allerlei Psychotricks anzuwenden, um ihre Opfer gefügig zu machen. Schließlich endet das Ganze in einem Totalverlust.

Hier noch ein Link zu den Warnmeldungen der BaFin.

22. Juli 2026/0 Kommentare/von Peterreins
https://dr-peterreins.de/wp-content/uploads/2009/04/j04066971.jpg 853 1280 Peterreins https://dr-peterreins.de/wp-content/uploads/2014/11/logo_peterreins.png Peterreins2026-07-22 10:08:352026-07-22 10:08:59Warum man bei Aktientipps vorsichtig sein sollte

Warum ich skeptisch bin, was Immobilien betrifft

Allgemein

Man stelle sich vor, ich würde dazu raten, eine bestimmte Aktie A für 200.000 Euro zu kaufen. Und zwar nur diese eine Aktie. Und man stelle sich weiter vor, ich würde sagen, dass diese Aktie A so gut ist, dass man noch mal 500.000 Euro Kredit aufnehmen sollte, um alles, also insgesamt 700.000 Euro in diese eine Aktien zu investieren. Würde man mich für einen guten Vermögensberater halten, oder würde man mich für komplett verrückt halten?

Ich nehme mal an, die meisten würden mich für verrückt halten. Aber jetzt ersetze man einmal „Aktie A“ durch „Immobilie“. Komischerweise halten das viele dann mit einem Mal für eine gute Idee. Also: Alles auf eine Karte zu setzen plus Aufnahme eines Kredits, scheint vielen normal, wenn es sich um eine Immobilie handelt, aber für völlig verrückt, wenn es sich um eine einzige Aktie handelt. Aber bitteschön: Wo ist der Unterschied? Auch wenn man sehr viel Geld alleine in eine Immobilie investiert hat man Null Risikodiversifikation. Und das ist genauso unvernünftig, als würde man sich nur eine einzige Aktie kaufen.

Viele Leute, die in Immobilien investieren, meinen, dass man damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen könne. Erstens ist eine Immobilie toll, weil man darin wohnen möchte und weil sie für ein Stück Lebensqualität bedeutet. Zweitens sei sie gleichzeitig eine attraktive Geldanlage. Und ja, es spricht überhaupt nichts dagegen, eine Wohnung oder ein Häuschen zu erwerben, weil man es liebt, darin zu wohnen. Aber man soll sich bitte nicht einbilden damit auch eine gute Investition gemacht zu haben. Das spielt dann gar keine Rolle. Genauso wie es Leute gibt, die sich ein schönes Auto leisten wollen. Aber sie glauben nicht, dass sie damit eine tolle Rendite erzielen werden. Oder manche gehen schön essen oder kaufen sich einen guten Wein, weil sie einfach was Gutes konsumieren möchten. Und auch das hat nichts mit Geldanlage zu tun. Wenn man eine Immobilie für sich kauft, weil man darin gerne wohnen möchte, kommen ganz andere Kriterien zum Zuge als wenn man eine Immobilie als Anlageobjekt sieht. Dass viele das verwechseln bzw. nicht berücksichtigen, ist Teil der Problems beim Anlegen in Immobilien.

Einige meinen zudem: Während Aktien mal steigen mal fallen, würden Immobilien immer nur an Wert gewinnen. Naja, das ist einer der typischen Selbsttäuschungen von Immobilieninvestoren. Man muss sich ja nur die Statistiken ansehen. Wer z.B. 1994 eine Wohnungsimmobilie in Deutschland gekauft hat, hat bis 2009 einen Verlust von bis zu 20% gemacht. Über 10 Jahre lang sind die Immobilienpreise also tendenziell gefallen. Erst nach 2009 sind sie wieder gestiegen. Warum ist das vielen Immobilienbesitzern nicht bewusst? Weil sie sich eben nicht regelmäßig über die realistischen Marktwerte ihrer Immobilien informieren. Und hier liegt der Hauptunterschied zu Aktien. Wenn ich eine Aktie, sagen wir, für 100 gekauft habe, und ihr aktueller Kurs liegt bei 90, dann kann ich davor nicht meine Augen verschließen. Bei Immobilien geht das aber wunderbar. Man bildet sich einfach einen bestimmten Wert ein und behauptet, dass das der korrekte Wert sei. Solche Selbsttäuschungen sind bei Immobilien leicht möglich, kaum aber mit Aktien.

Ein weiteres Problem bei Immobilien besteht darin, dass in der Regel die Belastung durch die Nebenkosten krass unterschätzt werden. Und schließlich ist eine Immobilie hochgradig illiquide. Ich kenne Immobilien-Millionäre, die eine Vielzahl von Immobilien besitzen, aber wenn sie mal 100.000 Euro benötigen, dann müssen sie einen Kredit aufnehmen.

21. Juli 2026/1 Kommentar/von Peterreins
https://dr-peterreins.de/wp-content/uploads/2009/05/j04330281.jpg 1050 788 Peterreins https://dr-peterreins.de/wp-content/uploads/2014/11/logo_peterreins.png Peterreins2026-07-21 12:22:382026-07-21 12:24:37Warum ich skeptisch bin, was Immobilien betrifft

Ein häufiger Fehler: Spekulation

Allgemein

Viele denken, dass man beim Investieren in Aktien ständig auf dem Laufenden bleiben muss. Es sei notwendig, so meint man häufig, ständig die Börsenkurse zu beobachten, um gegebenenfalls schnell reagieren zu können. Überhaupt sei es am klügsten mit Aktien zu spekulieren oder wie man heutzutage auch sagt: zu traden.

Tatsächlich ist es aber so, dass diese Art des Investierens zu einer Reihe von Fehlern führt, so dass unterm Strich eine schlechte Rendite erzielt wird. Dazu gibt es zahlreiche Studien.

Ein Hauptfehler besteht darin, dass sich ein Trader in der Regel zu sicher fühlt und deswegen eine adäquate Risikodiversifikation vernachlässigt. Typische Trader-Depot von Privatanlegern umfassen normalerweise 20 Aktien oder weniger. Das ist aber außerordentlich gefährlich.

Ein zweiter Irrtum besteht darin zu glauben, man könne die Kursbewegungen vorhersagen. Beispielsweise war die Mehrheit der Anleger 2025 extrem pessimistisch, als Trump seine Schutzzölle verkündete. Immerhin fiel die Börse um bis zu 20%. Wer hier aber mit der Herde gegangen ist, musste es schwer bereuen. In sehr kurzer Zeit erholten sich die Kurse wieder. Und nicht nur das, sie erklommen einen Höchststand nach dem anderen,

Überhaupt ist von Timing-Versuchen abzuraten. Es gibt keinen „guten“ Einstiegskurs und auch keinen „guten“ Ausstiegskurs. Bzw. man kann so etwas nur im Nachhinein erkennen. Ob heute für die Aktie X ein guter Einstiegszeitpunkt ist, weiß ich trefflich in einem Jahr. Dann nämlich, wenn die Aktie bis dahin gestiegen ist. Da aber kein Mensch weiß, was in einem Jahr sein wird, kann ich heute auch nicht sagen, ob wir heute einen guten Einstiegszeitunkt haben oder nicht.

Es ist viel zielführender, eine solide Strategie mit ETFs umzusetzen. Hier hat man eine gute Risikostreuung und insbesondere mit der Anlagestrategie des Rebalancing kann man sich gute Renditen erhoffen (wie auch die Vergangenheit hervorragend gezeigt hat).

25. Juni 2026/0 Kommentare/von Peterreins
https://dr-peterreins.de/wp-content/uploads/2009/05/j04230191.jpg 852 1280 Peterreins https://dr-peterreins.de/wp-content/uploads/2014/11/logo_peterreins.png Peterreins2026-06-25 14:59:052026-06-25 14:59:09Ein häufiger Fehler: Spekulation
Vermögensverwaltung München

Honorarberatung ist nicht immer besser

Allgemein

Immer wieder kann man lesen, dass es besser sei, sich von einem Honorarberater in Finanzfragen beraten zu lassen. Das sei transparenter und unabhängiger im Vergleich zur klassischen provisionsorientierten Anlageberatung. Aber auch hier muss man aufpassen.

Ohne Frage wurde lange Schindluder in der Finanzberatung betrieben. Man wendet sich vertrauensvoll an einen vermeintlichen Experten, bekommt dann aber ein Finanzprodukt aufgedrückt, das vor allem einem nutzt: dem Berater selbst. Während man als Anleger zurückbleibt mit einem vollkommen überteuertem Investment, das noch nicht einmal die Probleme löst, weswegen man es erworben hat. Kein Wunder, dass der Gesetzgeber dem einen Rieger vorschieben will. Und kein Wunder, dass die Presse sich auf diese Art falscher Beratung eingeschossen hat.

Die Frage ist nur, wie man zu einer guten Finanzberatung kommt. Und ob nicht so manches, was als großer Fortschritt gefeiert wird, nicht faktisch den Teufel mit dem Beelzebub austreibt. Seitdem vor ein paar Jahren ein regelrechter Hype mit Bezug auf Honorarberatung im Gange ist, muss ich mich über vieles nur wundern.

Zunächst einmal ist eines klar: Der Vorteil der Honorarberatung ist, dass der Berater nicht hintenrum Beträge abkassiert, von denen man nichts weiß. Das Ganze ist also deutlich transparenter als das bisher übliche Provisionsmodell. Allerdings muss man schon hier anfügen, dass sich auch die Gesetzeslage bezüglich Provisionen verändert hat. Ein Berater ist heutzutage gesetzlich dazu verpflichtet, alle Kosten und evtl. vereinnahmten Provisionen dem Kunden aufzudecken. Als Anleger sollte man darauf achten, dass das tatsächlich geschieht. Selbstverständlich kann man sich auch schon im Vorfeld, d.h. vor Abschluss eines Geschäftes, gut über die möglicherweise versteckten Gesamtkosten und -provisionen informieren. Tut man das, dann ist die Honorarberatung nicht unbedingt transparenter als die herkömmliche Beratung.

Interessanterweise habe ich in den letzten Jahren des Öfteren mit Anlegern zu tun gehabt, die zuvor bei Finanzberatern waren, die sich damit brüsten, nur Honorare und keine Provisionen zu nehmen. Das wirklich Erstaunliche dabei war, dass oft die Honorare dieser Berater aberwitzig hoch waren. Und zwar deutlich höher im Vergleich dazu, was bei einer herkömmlichen Beratung an Provisionen angefallen wäre. Bisweilen ist das mit der „Honorarberatung“ nur eine andere Form der Kundenabzocke.

Und es gibt auch keine Garantie dafür, dass das, was so mancher dieser sogenannten Honorarberater empfehlen, unbedingt besser ist. Vor einigen Jahren beispielsweise kam ein Kunde zu mir, der vorher bei einem Honorarberater war und dem eine unglaublich hoher Betrag in Rechnung gestellt wurde. Der Kunde hatte ein etwas ungutes Gefühl bei dem Anlagevorschlag dieses Beraters und kam deswegen zu mir. Ich analysierte die vorgeschlagenen Investments und kam zu dem Ergebnis, dass es sich – meiner Einschätzung nach – größtenteils um betrügerische Schneeball-Produkte handelt. Ich warnte den Kunden entsprechend und glücklicherweise hörte er auf mich. Denn nicht einmal ein Jahr später, war jedes einzelne der vorgeschlagenen Investments wertlos. Mit meiner Einschätzung hatte ich 100%ig recht.

Interessant ist, dass derzeit (März 2025) auch der sogenannte „Bundesverband unabhängiger Honorarberater gemeinnütziger e.V.“ auf der Warnliste des Finanztests steht.

12. März 2025/1 Kommentar/von Peterreins
https://dr-peterreins.de/wp-content/uploads/2015/04/Vermoegensverwaltung-Muenchen-2.jpg 854 1280 Peterreins https://dr-peterreins.de/wp-content/uploads/2014/11/logo_peterreins.png Peterreins2025-03-12 12:00:462025-03-12 12:00:49Honorarberatung ist nicht immer besser

Hohe Kurse machen einen Kursrückgang nicht wahrscheinlicher

Allgemein

Seit Jahren kennen die Kurse nur eine Richtung: nach oben. Die Börsenstände haben inzwischen Höchststände erreicht. Da machen sich einige Anleger Sorgen, wie man sein Geld vor eventuellen Kursrückgängen sichert.

Zunächst halte ich es für wichtig, dass man nicht anlegt je nach Börsenlage. Wir haben zwar aktuell Höchststände, kein Mensch aber weiß, ob die Kurse noch weiter deutlich steigen werden. Ich habe es schon oft genug erlebt, dass Anleger ausgestiegen sind mit dem Argument, die Kurse seien ja gerade so hoch, da könne es nur noch runter gehen.

In der Wissenschaft ist die sogenannte „Gambler’s Fallacy“ bekannt. Es ist nämlich so: Wenn ein Spieler im Kasino sieht, dass am Roulette-Tisch bereits 10 Mal Rot gekommen ist, dann neigt er zu der Annahme, dass jetzt irgendwann Schwarz kommen MÜSSE. Bzw. dass es nun wahrscheinlich sei, dass Schwarz kommen würde, und nicht Rot. Also setzt er auf Schwarz. Die Täuschung besteht darin, dass er verkennt, dass auch wenn z.B. 100 Mal Rot gekommen ist, beim nächsten Mal die Wahrscheinlichkeit für Rot wieder bei 50% liegt.

Ähnlich kann man bei Aktien argumentieren. Auch wenn immer wieder die Kurse gestiegen sind, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Kurse als nächstes fallen werden, nicht höher.

Gerade bei Aktienkursen kommt sogar noch ein Faktor dazu. Wir haben ja einen langfristigen Trend nach oben. Das bedeutet aber, dass rein statistisch gesehen, die Wahrscheinlichkeit, dass wir in einem Jahr die Kurse gestiegen sein werden, höher ist als die Wahrscheinlichkeit, dass die Kurse nach einem Jahr gefallen sein werden. Es ist, also würde man ein Wettspiel mit einer „unfairen“ Münze machen, d.h. einer Münze, bei der die Wahrscheinlichkeit für Wapp bei 52% liegt, und die Wahrscheinlichkeit für Zahl bei 48%.

Nehmen wir nun an, dass mit dieser München 100 Mal hintereinander Wapp geworfen worden ist. Wenn man nun meint, dass doch jetzt endlich auch mal wieder Zahl kommen müsse, und deswegen auf Zahl wettet, dann fällt man erstens auf die „Gamblers’s Fallacy“ herein, zweitens sieht man aber nicht, dass auch jetzt beim 101. Mal die Wahrscheinlichkeit für Zahl nur bei 48% liegt. Es ist also unvernünftig, so zu wetten. Man wettet gegen die Wahrscheinlichkeit und nur aus einem dumpfen Gefühl heraus.

Genauso ist es im Prinzip, wenn man aus einem Gefühl heraus jetzt alles glattstellt mit der Erwartung, dass doch jetzt endlich mal die Kurse wieder fallen müssten. Ja, ich kann natürlich auch nicht in die Zukunft schauen. Aber ich betreue schon seit sehr, sehr langer Zeit Privatkunden. Und ich habe es wirklich häufig erlebt, dass Anleger aufgrund eines solchen Bauchgefühls Fehlentscheidungen getroffen haben. Die beste Anekdote in diesem Zusammenhang ist vielleicht, dass ich einmal auch eine Kundin hatte, die ihr Geld als Wahrsagerin verdient hat. Und eines Tages (vor mehr als 15 Jahren) ruft sie bei mir an und sagt, sie hätte ein Vision gehabt, dass die Kurse ins Bodenlose stürzen. Ich solle deswegen alles für sie verkaufen und auch ihre Depot auflösen. Das habe natürlich umgehend gemacht. Naja, und was machte die Börse: die Aktienkurse sind gestiegen und gestiegen.

27. Februar 2025/0 Kommentare/von Peterreins
https://dr-peterreins.de/wp-content/uploads/2015/03/zufall.jpg 394 600 Peterreins https://dr-peterreins.de/wp-content/uploads/2014/11/logo_peterreins.png Peterreins2025-02-27 10:27:472025-02-27 10:27:49Hohe Kurse machen einen Kursrückgang nicht wahrscheinlicher

Kursgewinne verpassen versus Crashs

Allgemein

Viele Anleger zögern, in Aktien zu investieren, weil sie Angst vor einem Crash haben. Man hört und liest, dass es wohl in nächster Zeit krachen wird. Die Aktienkurse sind gefühlt hoch, und da müsse doch demnächst eine dramatische Kurskorrektur kommen. Irgendwie liegt das gerade in der Luft.

Das Problem ist nur, dass kein Mensch weiß, ob es wirklich zu einem Kursabschwung kommen wird. Vielleicht passiert das, vielleicht auch nicht. Und ehrlich gesagt. Meine Erfahrung nach dreißig Jahren im Finanzbereich hat mich gelehrt: Je mehr an ein bestimmtes Ereignis an den Kapitalmärkten glauben, umso unwahrscheinlicher ist es, dass es eintreten wird.

Aber davon unabhängig halte ich es nicht für rational, mit seiner Investition zu warten, sofern klar ist, dass man investieren will. Denn Timing-Versuche führen schon aus, ich möchte sagen, logischen Gründen zu nichts. Nehmen wir einmal an, man hätte eine Münze, von der man weiß, dass mit 55% Wahrscheinlichkeit „Wapp“ und mit 45% Wahrscheinlichkeit „Zahl“ geworfen wird. Also eine sogenannte unfaire Münze. Wenn man das weiß, dann ist es zu jedem Zeitpunkt unvernünftig auf „Zahl“ zu wetten. Und es ist zu jedem Zeitpunkt eine rationale Entscheidung auf „Wapp“ zu setzen. Viele denken intuitiv so: Wenn beispielsweise eine Zeitlang „Wapp“ geworfen worden ist, dann müsste doch jetzt irgendwann auch mal wieder „Zahl“ kommen. Also wette ich auf „Zahl“.

Das ist aber ein Irrtum bzw. eine letztlich irrationale Entscheidung. Und genauso ist es, wenn man mit dem Investieren wartet aus Angst vor einem Crash. Denn statistisch ist es ziemlich klar: Die Wahrscheinlichkeit, dass morgen die Aktienkurse höher stehen als heute, ist größer, als dass sie fallen werden. Es ist also wie bei der unfairen Münze. Darauf zu setzen, dass die Kurse steigen werden, also zu kaufen, ist vergleichbar damit, auf „Wapp“ zu setzen. Darauf zu setzen, dass die Kurse fallen werden, also zu warten, ist vergleichbar damit, auf „Zahl“ zu setzen. Aber warum sollte man auf das unwahrscheinlichere Ereignis wetten? Rational ist das jedenfalls nicht.

Auch meine langjährige Erfahrung hat gezeigt. Zu warten lohnt sich nicht. Ich halte es nicht einmal für eine gute Idee, nach und nach seinen Anlagebetrag zu investieren, also z.B. 100.000 Euro auf zehn Monate à 10.000 Euro zu verteilen. Wie oft habe ich das schon erlebt, und jedes Mal wäre es die bessere Entscheidung gewesen, alles gleich ganz am Anfang anzulegen. Mit Timing-Versuchen oder dem Strecken des Investitionsbetrags auf viele Monate macht sich der Anleger nur selbst etwas vor. Es „fühlt“ sich besser an. Aber rational ist es nicht.

Timing-Versuche sind auch psychologisch unklug. Denn wer auf einen nahen Crash wettet und deswegen jetzt nicht investiert, kommt sehr leicht in eine Zwickmühle. Nehmen wir an, dass nach ein paar Monaten die Kurse weiter gestiegen sind, dann wird es dem Anleger noch schwerer fallen zu investieren. Denn erstens tut es weh zu höheren Kursen einsteigen zu müssen. Zweitens würde man sich dann umso mehr ärgern, wenn dann doch noch der erwartete Crash kommen würde. Also wartet man weiter.
Nehmen wir aber an, dass die Kurse tatsächlich gefallen sind. Die allermeisten Anleger fühlen sich dann erst recht verunsichert. Wenn die Kurse gerade fallen, vielleicht ist das nur der Anfang und die Kurse purzeln noch weiter. Man fühlt sich nicht gut dabei zu kaufen, wenn alle anderen verkaufen und gerade sowieso eine schlechte Stimmung an den Kapitalmärkten ist. Also wartet man.
So oder so, neigt man dazu zu warten. Und man wird noch einmal einen Monat warten, und noch einmal einen Monat , etc. Ich kenne tatsächlich Anleger, die seit drei Jahren warten. Und seitdem sind die Kurse, trotz zwischenzeitlicher Abschwünge deutlich nach oben gegangen, so dass ihnen das Warten definitiv Geld gekostet hat in Form von entgangenen Gewinnen, von der psychologischen Belastung ganz zu schweigen.

4. Oktober 2024/0 Kommentare/von Peterreins
https://dr-peterreins.de/wp-content/uploads/2014/11/fondsberatung.jpg 448 600 Peterreins https://dr-peterreins.de/wp-content/uploads/2014/11/logo_peterreins.png Peterreins2024-10-04 13:43:182024-10-07 10:10:02Kursgewinne verpassen versus Crashs

Zum Thema Altersvorsorge

Allgemein

Eines der wichtigsten Anlageziele ist die Altersvorsorge. Vielen ist klar, dass sie mit der in Aussicht gestellten Rente im Alter nicht genug Geld haben werden, um gut über die Runden zu kommen. Wie sorgt man hier vernünftig vor?
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15. Mai 2024/2 Kommentare/von Peterreins
https://dr-peterreins.de/wp-content/uploads/2014/11/logo_peterreins.png 0 0 Peterreins https://dr-peterreins.de/wp-content/uploads/2014/11/logo_peterreins.png Peterreins2024-05-15 11:54:022024-05-15 12:03:47Zum Thema Altersvorsorge

Was bringt der Cost-Average-Effect tatsächlich?

Allgemein

Als Vermögensverwalter habe ich immer wieder Neukunden, die größere Beträge anlegen möchten, sich aber unsicher sind, ob es nicht vielleicht besser ist, anstatt einen großen Betrag einmal anzulegen vielleicht besser mehrer kleinere Beträge z.B. über ein Jahr verteilt. Dabei wird gerne mit dem sog. Cost-Average-Effect argumentiert.

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Fonds-Sparpläne werden oftmals beworben mit dem Verweis auf den sog. Cost-Average-Effect. Demnach würden Kursrückgänge für Sparer nicht so schmerzhaft sein. Natürlich würde auch das bisher Angesparte an Wert verlieren, andererseits legt man aber einen Sparbetrag neu an, und zwar jetzt zu niedrigeren Kursen. So wird ein Aktiencrash gewissermaßen positiv bewertet, weil man ja billiger neu einsteigen kann. Der Durchschnitt (“Average“) der Einstiegskosten wird so gemindert.

Gilt dieselbe Argumentation aber auf für Einmalinvestitionen? Ist es somit klug, sagen wir, einen Betrag von 500.000 Euro nicht mit einem Schlag anzulegen, sondern lieber 50.000 Euro über zehn Monate?
Viele Anleger glauben, dass das wirklich eine gute Idee sei. Denn wenn es schlecht läuft, legt man die 500.000 Euro an und ein paar Tage danach kommt der große Kursabsturz. Dann ist es doch besser, so denkt man, erst einmal nur mit 50.000 Euro angefangen zu haben, so dass eventuelle spätere Kursrückgänge zum kostengünstigen Nachkaufen genutzt werden können. Man würde dann über 10 Monate hinweg zehn Mal hintereinander 50.000 Euro investieren. Käme es in dieser Zeit zu einem starken Kursrückgang, dann ist es ja nicht so schlimm, weil man dann ja wieder günstig nachkaufen kann. So wie beim Cost-Average-Effect von Sparplänen.
Ich kann es gut verstehen, dass Anleger bei dieser Vorgehensweise ein besseres Gefühl haben. Ich denke aber dennoch, dass es falsch ist und in der Regel zu subopimalen Ergebnissen führt. Und das aus mehreren Gründen.

Der erste Grund ist, dass man sich mit diesem Vorgehen nur scheinbar mehr Sicherheit verschafft. Wer sagt nämlich, dass der große Carsh nicht stattfindet, direkt nachdem die zehn Einzahlungstranchen geleistet worden sind? Man verschiebt das Risiko nur, ohne dass es irgendwie geringer wird.

Zweitens wettet man gegen die Wahrscheinlichkeit. Statistisch betrachtet gibt es am Aktienmarkt einen Aufwärtstrend. Sieht man sich lange Kursreihen z.B. des DAX an, dann hat man, je nach gewähltem Zeitraum eine langfristige Durchschnittsrendite von 7 bis 10% p.a. Wenn man also heute Geld in den DAX anlegt (z.B. mittels eines ETFs), dann ist nach einem Monat ein Gewinn wahrscheinlicher als ein Verlust. Wenn man also heute Geld hat, das man in jedem Fall investieren möchte, dann ist es vernünftig es sofort zu tun, und nicht in die Zukunft zu verschieben. Denn, wie gesagt, rein statistisch ist es wahrscheinlich, dass später die Kurse höher sind. Man kann das vergleichen mit einem Wettspiel mit einer unfairen Münze. Nehmen wir an man hat eine Münze, bei der die Wahrscheinlichkeit für „Zahl“ 53% ist, und die Wahrscheinlichkeit für „Wapp“ 47% ist. Dann ist es vernünftig immer aur „Zahl“ zu setzen. Ähnlich kann man sagen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Kurse von heute auf morgen steigen im geringfügig wahrscheinlicher, als dass sie fallen. Also macht es keinen Sinn, mit seiner Investition zu warten.

Das Abwarten birgt außerdem gewisse psychologische Fallen. Steigen nämlich die Kurse, dann fällt es einem schwer anzulegen. Man ist also geneigt, noch weiter abzuwarten. Steigen die Kurse aber noch weiter, wird das Investieren immer schwieriger. Fallen andererseits die Kurse, dann geraten Anleger nicht selten in ein anderes Dilemma. Fallende Kurse sind ja zumeist mit bestimmten negativen Ereignissen oder negativen Erwartungen verbunden. Die Kurse fallen, weil gerade der Pessimismus am Markt Überhand gewinnt. Pessimismus ist aber ansteckend. Man müsste jetzt also investieren, obwohl man jetzt eigentlich ein mulmiges Gefühl bekommen hat, was den Aktienmarkt betrifft. Außerdem, so könnte man meinen: wenn die Wertpapiere jetzt schon gefallen sind, dann fallen sie vielleicht noch weiter, und dann wäre es doch schlecht zu früh zu kaufen. Also wartet man ab und es wird immer schwerer, zu einer Entscheidung zu kommen.

Daher rate ich, wenn man schon das Investieren auf mehrere Male strecken möchte, sich fixe Termine zu setzen, an denen man, egal was ist, anlegt. Oder natürlich, dass man sowieso gleich alles mit einem Schlag anlegt. Jedenfalls sehe ich keinen Vorteil darin, den Anlagebetrag über mehrere Monate zu verteilen, eher Nachteile und Risiken. Zumal ja noch eines dazukommt. Wenn man in Aktien investiert, dann sollte man sowieso einen eher langfristigen Anlagehorizont mitbringen. Dann sind aber die Einstiegskurse oft weniger wichtig als man denkt. Nehmen wir als Beispiel die Crash-Phase in 2008. Im September war der DAX etwa bei 6200 Punkten. Wer zu diesem Zeitpunkt investierte, hat bis heute eine Rendite von 6,2% p.a. erzielt. Zwei Monate später, im November 2008, war der DAX etwa 20% niedriger. Hätte man zu diesem Zeitpunkt investiert, dann hätte man bis heute 7,8% p.a. Rendite erzielt. Ich gebe zu, dass das schon eine gewisse Differenz ist. Man muss aber bedenken, dass es sich hier um einen Extremfall handelt. Und wenn man das berücksichtigt, letztlich zählt, dass man auch mit einer Rendite von 6,2% p.a. langfristig ein schönes Plus erzielen konnte.

27. September 2023/0 Kommentare/von Peterreins
https://dr-peterreins.de/wp-content/uploads/2015/02/vermoegensoptimierung-muenchen-geldanlage.jpg 264 455 Peterreins https://dr-peterreins.de/wp-content/uploads/2014/11/logo_peterreins.png Peterreins2023-09-27 09:30:562023-12-07 11:52:17Was bringt der Cost-Average-Effect tatsächlich?

Was man bei ETFs beachten sollte

Allgemein

Immer mehr Anleger erkennen die Vorteile des passiven Managements und von ETFs. In der Presse findet man zahlreiche Artikel darüber. Was man dabei wirklich beachten sollte, will ich nachfolgend beschreiben.

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12. Mai 2023/2 Kommentare/von Peterreins
https://dr-peterreins.de/wp-content/uploads/2009/04/j043065421.jpg 1024 1199 Peterreins https://dr-peterreins.de/wp-content/uploads/2014/11/logo_peterreins.png Peterreins2023-05-12 10:05:382023-12-06 15:06:28Was man bei ETFs beachten sollte

Jahresrückblick 2022

Allgemein

Am 24. Februar 2022 überfielen russische Truppen die Ukraine. Und das, obwohl Russland im Jahre 1994 das sogenannte Budapester Memorandum im Rahmen einer KSZE-Konferenz mit unterschrieben hat. Dafür, dass die Urkaine alle ihre Atomwaffen an Russland abtritt, verpflichtete sich Russland, die ukrainischen Grenzen zu garantieren.

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25. Januar 2023/0 Kommentare/von Peterreins
https://dr-peterreins.de/wp-content/uploads/2009/05/j04008311.jpg 853 1280 Peterreins https://dr-peterreins.de/wp-content/uploads/2014/11/logo_peterreins.png Peterreins2023-01-25 11:33:212023-01-25 11:33:21Jahresrückblick 2022
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