Welchen Nutzen haben Prognosen?

j0382674Heute stand in der Süddeutschen Zeitung auf Seite 26 ein Artikel, in dem der Chefanalyst der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, zitiert wird mit den Worten:

„Überraschend gute Konjunkturdaten sind der treibende Faktor an der Börse. Die taumelnde Weltwirtschaft stabilisiert sich schneller, als die meisten Wirtschaftswissenschaftler und Marktteilnehmer vermutet haben…“

Vor ziemlich genau einem Jahr war ich auf einer Veranstaltung, bei die Top-Volkswirte Deutschlands über die kommende Konjunturentwicklung Vorträge hielten. Gerade im Nachhinein ist für mich diese Veranstaltung sehr interessant gewesen …

Denn wirklich keiner der damals vortragenden Experten hat das vorausgeahnt, was dann im Herbst und Winter 2008 passierte. Ich frage mich ernsthaft, ob man nicht klugerweise  ganz auf volkswirtschaftliche Prognosen oder Kapitalmarktprognosen verzichtet.

Welchen Nutzen haben Wirtschaftswissenschaftler und Analysten, die mit ihren Prognosen sowieso ständig daneben liegen?

Ich erinnere an das Experiment, das der schwedische Professor Gustaf Törngren machte und einem Aufsatz „Worse than Chance?“ veröffentlichte. In diesem Experiment wurde einer Gruppe A von Studenten auf der einen Seite und einer Gruppe B von Finanzexperten auf der anderen Seite immer solche Fragen gestellt wie. Was denken Sie wird in den nächsten 12 Monaten besser laufen, Aktie X oder Aktie Y? die Sutdenten hatten eine Trefferquote zwischen 50 und 52 Prozent, die sogenannten Experten eine Trefferquoten von 40 Prozent. Also schlechter als der Zufall.

Wenn man also einen schlauen Menschen zum Beispiel im Fernsehen darüber fabulieren sieht, wie er die künftige Börsenentwicklung sieht, dann könnte man sich immer an diese eine Zahl erinnern: 40 Prozent Trefferquote. Und wenn er gut ist, dann liegt er vielleicht bei 50 Prozent. Auf dasselbe Ergebnis komme ich aber auch, wenn ich schlicht eine Münze werfe.

Was sollen dann überhaupt diese permanent falschen Prognosen? Welchen Zweck erfüllen sie (wenn überhaupt)?

Und zu guter letzt, einfach weil es so nett ist noch ein Zitat von Mark Twain: Prognosen sind dann besonders schwierig, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen.

Quelle der in diesem Beitrag verwendeten Bilder: http://office.microsoft.com/de-de/clipart

3 Antworten
  1. Thomas Boekhoff
    Thomas Boekhoff says:

    Das ist eine gute Ansage denen gegenüber, die immer behaupten, dass es kein Risoko in der Geldanlage gäbe.

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  2. peterreins
    peterreins says:

    Ich erlaube mir, die E-Mail eines Blog-Lesers, die ich heute erhalten habe, hier als Kommentar zu veröffentlichen:

    „Vielen Dank für den Artikel.
    Leider hat keiner den Mut, die ganze Branche öffentlich in Frager zu stellen.
    Die FAZ fragt in einem Artikel letzte Woche:
    Was wäre wenn man alle Unternehmensberater, Analysten und Wirtschaftsprüfer
    Einfach abschaffen würde. Wahrscheinlich entstünde keinerlei Schaden für die Wirtschaft. Viele der unternehmensberater gibt es nur, weil Manager in den Unternehmen gerne unbequeme Entscheidungen,
    die sie längst selbst im Kopf haben, damit auf ein externes Gewissen übertragen können.“

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