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Behavioral Finance und Neuro-Ökonomie

Psychologie

Viele Anleger, Profis wie Privatanleger, meinen, bei ihren Anlageentscheidungen rational vorzugehen. Dabei stolpern fast alle über naturgegebene Fallstricke – und merken es sehr häufig noch nicht einmal. 

Man merkt es nur dann irgendwann einmal, wenn etwas bei der Geldanlage -wieder einmal- fundamental falsch gelaufen ist, man aber sich nicht genau erklären kann, wie man genau zu der im Nachhinein irrationalen Anlageentscheidung gekommen ist.

Genau damit beschäftigen sich die neueren wissenschaftlichen Disziplinen der Behavioral Finance und Neuro-Ökonomie. Nachfolgend zwei Zitate dazu …

Jason Zweig schreibt in seinem Buch „Gier. Neuroökonomie – Wie wir ticken, wenn es ums Geld geht“:

„Kurz gesagt ist das Anlegerhirn weit davon entfernt, der verlässliche, effiziente und logische Apparat zu sein, für den wir es gerne halten würden. Sogar Nobelpreisträger verhal-ten sich nicht immer so, wie es ihre eigenen Wirtschaftstheorien vorschreiben. Wenn Sie Geld anlegen – sei es als professioneller Anlageberater… oder als ‚Otto Normalverbrau-cher’… –, kombinieren Sie kühle Wahrscheinlichkeitsrechnung mit instinktiven Reaktionen zum Nervenkitzel des Gewinns und den Qualen des Verlusts.“

Und Professor Martin Weber schreibt in „Genial einfach investieren“:

„Behavioral Finance erweitert das bisherige, stark vereinfachte Bild des allein von seiner Vernunft geleiteten Marktteilnehmers, indem es auch intuitives Verhalten berücksichtigt. Gleichzeitig versucht diese Forschungsrichtung, die verhaltenswissenschaftlichen Hinter-gründe es intuitiven Verhaltens zu entschlüsseln. Erst dann, wenn wir verstehen, warum Menschen irrational handeln, können wir sie durch zielgerichtete Beratung zu besserem Anlageverhalten anleiten.“

Nachfolgend ein paar Beispiele für irrationales Verhalten von Anlegern:

(1) Anleger bleiben in schlechten Investments mit dem Argument, dass sie ansonsten einen Verlust realisieren müsste. Manchmal ist es eine rationale Entscheidung, lieber einen Ver-lust in Kauf zu nehmen, um danach ein optimaleres Portfolio zu haben.

(2) Anleger investieren gerne in solche Anlageformen, die bereits in der Vergangenheit gut gelaufen sind. Bei der Geldanlage ist aber der Schluss von einer vergangenen guten Per-formance auf zukünftige Renditen nicht nur unstatthaft, sondern auch gefährlich.

(3) Anleger überschätzen häufig ihre eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse und glauben be-stimmte Kapitalmarktentwicklungen prognostizieren zu können. Dies führt dann häufig zu einseitig ausgerichteten, schlecht diversifizierten Vermögen.

(4) Anleger lassen sich durch spektakuläre Geschichten beeindrucken und achten nicht auf die Dinge, die bei einer Geldanlage weniger spektakulär sind, aber viel wichtiger. So waren die Storys der Neuen-Markt-Unternehmen in den späten 1990er Jahren faszinierend, nicht aber deren nüchternen Unternehmenszahlen

(5) Anleger beurteilen, ob ein Aktienkurs fair ist oder nicht, nach zufälligen Ankern. So argumentierten manche während der aktuellen Finanzkrise, dass der DAX noch Potenzial bis 2800 Punkten hätte, weil er nämlich dort am Tiefpunkt der letzten Krise stand.

11. August 2009/0 Kommentare/von Peterreins
Schlagworte: Börsenpsychologie
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