Optimal fürs Alter vorsorgen
Der wichtigste Faktor für eine optimale Altersvorsorge ist die Zeit. Je früher damit anfängt, sich Gedanken über seine Finanzsituation im Alter zu machen, umso besser. Zweitens sollte man aber wissen, was man tut. Zu viele (gelinde gesprochen) suboptimale Angebote gibt es auf dem Markt.
Versicherungsprodukte sind zumeist zu teuer
Generell halte ich Versicherungsprodukte für nicht wirklich zielführend, weil sie fast immer schlicht zu teuer sind. Selbst bei fondsgebundenen Rentenversicherungen auf der Basis von ETFs muss man genau nachrechnen. Leider tun das die wenigsten, sondern vertrauen einfach dem Vermittler. Finanzmathematisch handelt es sich um einen sog. Zahlungsstrom. D.h. man muss abschätzen, wie alt man wird, und erhält so die künftigen Rentenzahlungen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt. Dem stellt man die Beitragszahlungen während der Ansparzeit gegenüber. So erhält man eine Reihe von Zahlen für jeden Monat, wobei es sich zunächst um lauter negative Zahlen handelt (eben Einzahlungen), gefolgt von einer Reihe von von positiven Zahlen. Die kann man dann, wie man es in der Finanzmathematik nennt, „abzinsen“. Auf diese Weise kann man sehr gut beurteilen, ob sich das Ganz lohnt oder nicht. Ich weiß, dass das vielleicht etwas kompliziert klingt, aber im Zweifel ist es Gold wert, sich eine solche Rechnung von einem unabhängigen Experten erstellen zu lassen. Das kann vor schwerwiegenden Fehlentscheidungen bewahren.
Immobilien sind zumeist ungeeignet
Manche meinen, dass eine Immobilie eine gute Altersvorsorge sei. Hier muss man zunächst zwischen einer vermieteten und einer selbstbewohnten Immobilie unterscheiden. Sehr häufig sind vermietete Immobilien definitiv nicht für die Altersvorsorge geeignet. Warum? Im Wesentlichen aus zwei Gründen. Erstens ist bei einer Immobilie kein allmählicher Kapitalverzehr möglich. Mann kann ein Haus nicht pro Backstein liquidieren. Das bedeutet aber, dass man ein ziemlich hohes Startvermögen für eine Immobilie braucht, damit einigermaßen passable monatliche Einkünfte daraus möglich sind.
Nehmen wir z.B. eine Frau A an, die 65 Jahre alt ist, und zusätzlich zu ihrer Rente 2000 Euro bekommen möchte. Frau A kauft dafür eine Immobilie X für einen Betrag von 1,2 Mio Euro. Nehmen wir einmal an, X hat eine Netto-Mietrendite von 2% p.a., dann hat Frau A tatsächlich 2000 Euro pro Monat.
Nehmen wir nun an, dass Frau A stattdessen in Wertpapiere oder Fonds anlegt, die auch (nur) 2% Rendite pro Jahr netto erzielen. Dann genügen ihr 750.000 Euro, um daraus über die nächsten 45 Jahre monatlich 2000 Euro daraus zu generieren. Allerdings nutzt sie die Möglichkeit des allmählichen Kapitalverzehrs. So ist im ersten Monat die erzielte Rendite 1239 Euro, so dass Wertpapiere im Wert von 761 verkauft werden müssen, um auf eine Entnahme von 2000 Euro zu kommen. Der Restbetrag am Ende des Monats ist dann also nur noch 749.239 Euro. So wird Monat für Monat das Wertpapiervermögen ein klein wenig geringer. Aber nach 45 Jahren ist immer noch ein Restbetrag von 89.000 Euro vorhanden. Naja, und Frau A wäre dann 110 Jahre alt, Da sie nicht annimmt so alt zu werden, ist ein solcher Kapitalverzehr für sie in Ordnung. Immerhin, wie man so sagt, man kann kein Geld mit ins Grab nehmen.
Das Fazit dieser (überschlägigen) Überlegungen ist, dass man dann, wenn ein Kapitalverzehr möglich ist, mit einem deutlich niedrigeren Startbetrag beginnen kann. Es macht nun einmal einen Unterschied, ob ich 1,2 Mio Euro brauche, um monatlich 2000 Euro zu generieren, oder 750.000 Euro. Und das bei gleicher angenommener Rendite!
Der zweite Grund, warum vermietete Immobilien keine gute Altersvorsorge sind ist folgender. Vermietete Immobilien erfordern immer in irgendeiner Form Engagement und bereiten bisweilen durchaus Ärger: Renovierungen, neue Heizung, Auseinandersetzungen mit den Mietern, nicht zahlende Mieter oder sogar Mietnomaden, etc. etc. Je älter man wird, umso weniger hat man die Nerven für all so etwas. Dazu im Vergleich ist ein Wertpapier- oder Fondsvermögen sehr stressfrei.
Selbst bewohnte Immobilien sind, rein rational finanzmathematisch betrachtet, auch nicht besonders vorteilhaft. Auf der anderen Seite ist klar, dass es bei einer selbst bewohnten Immobilie vor allem um Emotionen geht. Vielen ist es wichtig, dass man von keinem Vermieter hinausgeschmissen werden kann, oder dass man sich seine Wohnung so einrichten kann, wie es einem selbst gefällt. Da spielen natürlich harte finanzmathematische Renditeberechnungen eine untergeordnete Rolle.
Sehr häufig habe ich als Vermögensberater folgendes erlebt. Eine Ehepaar mit zwei oder mehr Kindern erwirbt ein schönes, geräumiges Haus mit Garten und allem Drum und Dran. Irgendwann ziehen die Kinder aus, dann ist das Haus eigentlich schon zu groß. Dann stirbt der Mann. Und dann bewohnt die Witwe alleine ein Haus, das für sie eigentlich zu groß ist und das ihr vor allem Arbeit macht: die riesige Wohnfläche sauber halten, den Garten pflegen. Das kann zu einer Belastung werden, die die Witwe kaum noch stemmen kann.
Tagesgeld plus ein ETF-Portfolio ist optimal
Meine Empfehlung für ein Vermögen, das optimal für die Altersvorsorge geeignet ist, ist eine Kombination aus Tagesgeld und einem ETF-Portfolio. Das könnte nach dem Verhältnis 20% / 80% sein, wenn man mehr Rendite braucht, oder nach dem Verhältnis 80% / 20% wenn man weniger Rendite benötigt, um seine laufenden Einnahmen für die Altersvorsorge zu generieren. Eine solche Aufteilung ist simpel, kostengünstig, effizient und kann perfekt auf die jeweiligen individuellen Bedürfnisse angepasst werden.



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