Beiträge

Hans-Olaf Henkel über die Finanzkrise

Ich habe inzwischen das Buch von Hans-Olaf Henkel „Die Abwracker“ fertiggelesen. Henkel hat bewusst aus einer sehr subjektiven, persönlichen Warte heraus geschrieben ohne jeglichen Anspruch auf Objektivität. Dieser Stil ist zum Teil erfrischend, ich muss aber gestehen, dass mir das Buch zum Ende hin immer weniger gefallen hat.

In jedem Fall finde ich vieles sehr bemerkenswert, was Henkel zum Thema „Finanzkrise in Deutschland “ geschrieben hat. Seine persönliche Sicht darauf rührt vor allem daher, dass er bis März 2004 im Aufsichtsrat der IKB saß …

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Lehren aus der Finanzkrise: Eigenkapital der Banken

Eben bei SpiegelOnline gelesen: Weber appelliert an die Moral der Banker. Darin wird Bundesbankpräsident Axel Weber zitiert mit der Forderung, dass die Banken zunächst ihre Eigenkapitalquoten erhöhen sollten, bevor sie wieder daran gehen, hohe Manager-Boni und hohe Dividenden an die Aktionäre auszuzahlen.

Auch ich habe darauf hingewiesen, dass eine der Hauptursachen für die Finanzkrise die sehr niedrigen Eigenkapitalquoten der Banken war:

Auch Prof. Sinn argumentiert in diese Richtung. Seiner Meinung nach ist es systemimmanent, dass Banken hohe Risiken eingehen, die dann in letzter Konsequenz andere ausbaden müssen. Link dorthin.

Finanzkrise Teil 10: US-Banken werden zu Kredithaien

CB022166Wenn ein Amerikaner für den Kauf einer Immobilie eine Hypothek aufnimmt, so haftet er nur mit dieser Immobilie, aber nicht darüber hinaus mit weiterem privatem Vermögen. Auf diese Weise hat er ein Interesse daran, die Fremdkapitalquote so hoch wie möglich zu treiben. Denn um so niedriger ist sein persönliches Verlustrisiko und um so höher sind seine Gewinnchancen. Denn falls die Hauspreise steigen, dann hat er einen enormen Hebel. Fallen die Hauspreise, dann ist sein Verlust auf das (möglichst geringe) Eigenkapital beschränkt. Die Hauptlast hat in diesem Fall der Kreditgeber zu tragen. (Dies habe ich bereits hier ausgeführt: „US-Hypotheken sind regressfrei„.)

Aus diesem Grunde ist es ein Rätsel, warum US-Banken bei solchen für sie offensichtlich ungünstigen Geschäften überhaupt mitmachen.

Das Rätsel verschärft sich noch. Denn ab 2000 verhalfen US-Banken immer mehr auch solchen Personen zu fremdfinanzierten Immobilien, von denen es von Anfang an klar sein musste, dass sie ihre Hypothek nicht zurückzahlen können. Sie verhalfen nicht nur, sie trieben und verführten die Leute regelrecht zu Fremdfinanzierungen.

Wolfgang Köhler hat dies in seinem Buch „Wall Street Panik – Banken außer Kontrolle“ sehr gut beschrieben …

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Finanzkrise Teil 8: Eigenkapitalquoten

CB023356Die Notenbankchefs und Bankenaufseher von 27 Nationen haben sich diese Tage auf neue Eingenkapitalregeln für Banken im Grundsatz geeinigt. Näheres dazu in folgenden Beiträgen:

Aus heutiger Sicht ist klar, dass die sehr geringen Eigenkapitalquoten von teilweise unter 2% mitverantwortlich für die Bankenkrise waren, die ihren Höhepunkt ziemlich genau vor einem Jahr erreichte. Ferner hatten die Kapitalregeln für Banken in ihrer bisherigen Form eine krisenverstärkende Wirkung …

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Finanzkrise Teil 7: Bilanzierungsregeln

j0175467Prof. Sinn beschreibt in seinem Buch „Kasino-Kapitalismus“, dass die Bilanzierungsregeln der Banken die Finanzkrise verstärkten [S. 164 ff.]. Auch Prof. Hellwig sieht einen Teilschuld bei den Bilanzierungsvorschriften der Banken, worüber ich im April schon einmal geschrieben habe: „Erste Lehren aus der Finanzkrise„.

Prof. Sinn sieht vor allem die sog. Mark-to-Market-Methode kritisch. Es besteht kaum ein Zweifel, dass diese Bilanzierungsregel die Finanzkrise verstärkt hat …

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Finanzkrise Teil 6: Collaterized Debt Obligations (CDOs)

Eine Form der Verbriefung von amerikanischen Hypothekendarlehen stellen Mortgage-Backed Securities dar. Dieses Geschäft betreiben die halbstaatlichen Institutionen Fannae Mae, Freddie Mac und Ginnie Mae sehr erfolgreich und zuverlässig seit 70 Jahren. Wer MBS-Wertpapiere von diesen Instituten kaufte, wusste, was er hatte. Denn sie waren mit gewissen Qualitätssstandards verknüpft.

Amerikanische Investmentbanken hatten ein großes Interesse daran, eigene Mortgage-Backed Securities zu emittieren. Denn an dem Emissionsgeschäft lässt sich gut verdienen. Die Qualitätsstandards lagen dabei aber deutlich niedriger als bei den oben genannten halbstaatlichen Instituten.

Seit Ende der 1990er Jahre kam noch eine komplexere Form der Verbriefung hinzu, die es vorher nicht gab: die sogenannten Collaterized Debt Obligations (CDOs). Das Besondere an CDOs: Sie schaffen das Kunststück, aus einer Vielzahl schlechter Wertpapiere ein gutes zu machen(zumindest unter normalen Umständen, doch dazu später).

Warum erfanden Investmentbanken diese neue Art von Wertpapieren? Die Antwort ist denkbar einfach: Weil sie dabei wegen der Emissionsgebühren viel Geld verdienen konnten.

In Folge der Finanzkrise wurde sehr viel Unsinn zum Thema CDOs geschrieben und gesagt. Im folgenden erläutere ich (in hoffentlich verständlichen Worten) die Funktionsweise von CDOs anhand eines einfachen Beispiels.

Vorneweg: Die Mathematik, die hinter den CDOs steckt ist richtig. Und das Ganze klappt auch unter normalen Umständen. Sie funktionieren aber nicht in Krisenzeiten.

In meiner Bschreibung lehne ich mich an das Buch von Prof. Sinn“Kasino-Kapitalismus“ an [ab Seite 136]… Weiterlesen

Finanzkrise Teil 5: Mortgage-Backed Securities (MBS)

Die Finanzkrise, das ist unstrittig, hatte ihren Ausgang von Hypothekenfinanzierungen amerikanischer Immobilien. Unstrittig ist weiter, dass es politisch gewollt war, auch ärmere Bevölkerungsschichten über Kreditfinanzierungen zu Hausbesitzern zu machen.

Rätselhaft für mich ist, warum US-Banken schlechten Schuldnern eine Immobilie bis zu 100% und darüber hinaus finanzierten. Prof. Sinn vermutet, dass hier die Haftungsbeschränkung moderner Kapitalgesellschaften eine Rolle gespielt hat . Aktionäre von Bank-Aktiengesellschaften verlieren maximal ihre Einlagen, können aber nicht darüber hinaus mit ihrem sonstigen Privatvermögen zur Rechenschaft gezogen werden. Dies, so Sinn, verleitet Banken dazu, ihre Geschäfte erstens mit einem möglichst hohen Fremdkapitalhebel zu versehen und zweitens eine möglichst renditestarke und somit riskante Geschäftspolitik zu wählen. (mehr dazu hier)

Interessant ist, wie es möglich war, dass schlechte amerikanische Hypotheken das globale Finanzsystem zum Schwanken bringen konnte. Hier spielen Mortgage-Backed Securities, CDOs (collaterized debt obligations) und Kreditausfallversicherungen (engl. Credit Default Swaps) eine wichtige Rolle. Sicherlich aber auch die sehr niedrige Eigenkapitalquoten von Banken (zum Teil 2-4%).

Der nachfolgende Beitrag erklärt Geschichte und Funktionsweise US-amerikanischer Mortgage-Backed Securities

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Finanzkrise Teil 4: Kritik an Prof. Sinns Erklärungen

In seinem Buch „Kasino-Kapitalismus“ erörtert Prof. Sinn den Hergang der Finanzkrise. Ein wichtiger Faktor hierbei ist, dass amerikanische Hypotheken regressfrei sind. D.h. ein amerikanischer Immobilienkäufer, der sein Häuschen fremdfinanziert, muss nur mit dieser Immobilie haften, darüber hinaus aber nicht. Ein amerikanischer Hauskäufer trägt somit weniger Risiko als beispielsweise ein deutscher Kollege. Letzterer wird im schlimmsten Fall auch mit seinem sonstigen Vermögen geradestehen müssen. (Hier mehr dazu)

Amerikanische Banken gehen bei der Vergabe von Hypothekendarlehen somit höhere Risiken ein als eine deutsches Kreditinstitut. Die Frage ist dann, warum amerikanische Banken überhaupt bereit sind, Hypotheken an Personen zu geben, die sich einen Hauskauf eigentlich nicht leisten können.

Prof. Sinn gab darauf zwei Antworten. Erstens weil amerikanische Banken seit 1995 durch eine Gesetzesnovelle von Bill Clinton gesetzlich dazu gezwungen wurden (hier mehr dazu). Und zweitens wegen der Bloos-Regel („blood out of the stone“).

Mit der Bloos-Regel ist folgendes gemeint: Wegen der Haftungsbeschränkung auf die Einlagen sind Aktionäre

  1. an einer möglichst hohen Fremdkapitalquote interessiert (um so höher ist der Hebel) und
  2. an einer möglichst riskanten Geschäftspolitik. Denn, so Prof. Sinn, alleine durch die Übernahme von Risiken steigt die zu erwartende Rendite der Aktionäre starkt. Im Zweifel sind die Fremdkapitalgeber die dummen. So lange alles in geordneten Bahnen verläuft, machen die Kapitalgesellschaften auf diese Weise bezogen aufs Eigenkapital am meisten Gewinn.

Dass Fremdkapitalgeber dieses Spiel in der Praxis überhaupt mitmachen, liegt nach Prof. Sinn daran, dass die meisten Menschen einfach nicht gut genug informiert sind, was die Banken so treiben.

Insgesamt halte ich diese Punkte für sehr interessant und aufschlussreich. Dennoch fällt es mir schwer, Prof. Sinns Argumentation 100%ig zu folgen. Irgendwo hakt es, meiner Meinung nach, noch…

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Finanzkrise Teil 3: Die Bloos-Regel

Ich habe dargelegt, dass US-Hypotheken regressfrei sind. D.h. ein amerikanischer Immobilienkäufer haftet nur mit der gekauften Immobilie, nicht aber darüber hinaus mit seinem sonstigen Privatvermögen. Dies hat zur Folge, dass seine Ertragschancen mit der Immobilie um so höher sind, je weniger er eigenes Kapital einbringt bzw. je höher die Fremdkapitalquote ist. Siehe dazu Finanzkrise Teil 1. Im Extremfall einer 100%igen Fremdfinanzierung, kann ein Amerikaner nur gewinnen, während die Bank ein erhöhtes Risiko eingeht.

Die Frage war dann: Warum lassen sich US-Banken dann überhaupt auf solche für sie schlechten Geschäfte ein?

Prof. Sinn antwortet, dass die US-Banken aus zwei Gründen mitmachen [„Kasino-Kapitalismus“, S. 118]:

  1. Wegen des gesetzlichen Zwangs resultierend aus Bill Clintons Gesetz von 1995. Siehe Finanzkrise Teil 2.
  2. Aufgrund der sog. Bloos-Regel: Da die Banken selbst nur ein Minimum an Eigenkapital einsetzen (2-8% der Bilanzsumme) haben sie eine künstliche Neigung, erhöhte Risiken einzugehen.

Mehr zur Bloos-Regel und deren Folgen in diesem Blog-Beitrag [oder bei Sinn S. 91 ff.] …

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Finanzkrise Teil 2: Der Community Reinvestment Act von 1995

j0305894Im letzten Blog-Beitrag habe ich dargelegt, dass US-Hypotheken regressfrei sind. D.h. ein amerikanischer Immobilienkäufer haftet nur mit der gekauften Immobilie, nicht aber darüber hinaus mit seinem sonstigen Privatvermögen. Dies hat zur Folge, dass seine Ertragschancen mit der Immobilie um so höher sind, je weniger eigenes Kapital er einbringt bzw. je höher die Fremdkapitalquote ist. Im Extremfall einer 100%igen Fremdfinanzierung (oder höher), kann ein Amerikaner nur gewinnen, während die Bank ein erhöhtes Verlustrisiko eingeht.

Die Frage war dann: Warum lassen sich US-Banken überhaupt auf solche für sie offensichtlich schlechten Geschäfte ein?

Prof. Sinn antwortet, dass die US-Banken aus zwei Gründen mitmachten [S. 118]:

  1. Wegen des gesetzlichen Zwangs resultierend aus einer Gesetzesnovelle von 1995.
  2. Aufgrund der sog. Bloos-Regel: Da die Banken selbst nur ein Minimum an Eigenkapital einsetzen (2-8% der Bilanzsumme) haben sie eine künstliche Neigung, erhöhte Risiken einzugehen.

Ich gehe zunächst auf die erwähnte Gesetzesnovelle von 1995 ein …

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