Volker Looman: Wie legt man 90.000 Euro an?

Ich habe am Wochenende in der FAZ einen Artikel von Volker Looman gelesen, Titel: Kostspieliger Gang zur leidenschaftlichen Bank. Ich schätze Volker Looman sehr und kann auch -fast- alles unterschreiben, was er sagt. Nur das, was er ganz am Ende seines Artikels schreibt, kann ich nicht wirklich nachvollziehen…

In dem Artikel von Volker Looman geht es um eine 25-jährige Frau, die kurz vor dem Abschluss ihre Studiums steht und 90.000 Euro anzulegen hat.

Sind die Kosten zu hoch, kann nichts herauskommen

Die erste Idee war, sich von einer Bank beraten zu lassen. Der Vorschlag des Bankberaters war -wenn ich es richtig verstanden habe – eine fondsbasierte Vermögensverwaltung. Die Kosten für diese Verwaltung 1,5% plus Erfolgsbeteiligung von 25% plus „Eintirttsgebühr“ von 3%.

Volker Looman berechnet letztlich eine Kostenbelastung von 2,6% pro Jahr. Ich schätze,  dass diedurchgerechneten Kosten deutlich höher liegen. Denn normale Investmentfonds haben in der Regel schon eine laufende (und gut versteckte) Kostenebelastung in Höhe von 1,5% p.a. Außerdem wird auf die Bankgebühr von 1,5% noch Mehrwertsteuer anfallen, so dass die die Verwaltungskosten mit Berücksichtigung der MWSt auf  1,785% p.a. kommen wird.

Nach meiner Schätzung kommt die junge Dame mit dem Angebot der Bank locker auf eine jährliche Gebührenbelastung von 3 bis 4%.

Das unterstreicht noch die Schlussfolgerung, die Volker Looman zieht: „Im vorliegenden Fall ist das Vermögensfondsmandat grober Unfug, weil die Gebühren jeden Erfolg im Keim ersticken.“

Danach schreibt Volker Looman:

„Daher stehen Junioren und Senioren vor ähnlichen Aufgaben. Sie brauchen zu gewisser Zeit einfach Kapital, und da passen Anlagen mit hohen Kosten oder fehlender Verfügbarkeit nicht in die Landschaft. Die junge Dame wird gut beraten sein, vielleicht 10 000 Euro auf ihr Girokonto zu übertragen. Die restlichen 80 000 Euro kann sie zu gleichen Teilen in vier Sparbriefe mit Laufzeiten von 12, 24, 36 und 48 Monaten stecken …  Banken haben nicht die Aufgabe, das Vermögen ihrer Kunden zu mehren, sondern sie sind ihrem eigenen Wohl verpflichtet. So einfach ist das, und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.“

Nur ein Girokonto und ein paar Sparbriefe sind manchmal zu wenig

So sehr ich Volker Looman schätze, so bin ich doch mit diesem Abschnitt nicht einverstanden. Ich verstehe den Passus nämlich so, dass hier für alle Menschen – egal ob jung oder alt oder in welcher Situation auch immer sie sich befinden – dies der richtige Anlagevorschlag ist:

  1. Eine gewisse Liquidität aufs Girokonto
  2. den Rest des Verögens in Sparbriefe stecken mit Laufzeiten von 1, 2, 3 und 4 Jahren.

Ich verstehe an diesem Vorschlag schon einmal nicht, warum so viel Geld aufs Girokonto soll. Denn hier bekommt man in der Regel entweder gar keine oder nur sehr geringe Zinsen. Viel zielführender wäre doch hier ein Tagesgeldkonto.

Aber auch die Aufteilung in verschiedene Sparbriefe mit einer Laufzeit von bis zu 4 Jahren erscheint mir – entschuldigung – eher fragwürdig. Vollkommen unerwähnt bleibt hier nämlich das Risiko, das die junge Dame hier eingeht. Je länger man nämlich den Zinssatz festschreibt, um so höher das Inflations- und Zinsänderungsrisiko. Nehmen wir einmal rein hypothetisch an, dass die Inflation in 2 Jahren bei 10 % liegt (nicht dass ich das glaube, nur einmal als Szenarion durchgespielt), dann wird die junge Dame mit ihren beiden 3 und 4 Jahre lang laufenden Sparbriefen real erhebliche Verluste erleiden.

Außerdem besteht bis zu einem gewissen Grade ein Emittentenrisiko. D.h. ein Sparbrief hängt von der Bonität einer bestimmten Bank ab. Gerät diese Bank in Schieflage, dann wird die junge Dame wohl ihre Einlagen (irgendwann) zurückbekommen, aber sicher nicht die versprochenen Zinsen.

Was ich aber fast am meisten kritisiere ist, dass dieses Modell vorgeschlagen wird, ohne Bezug zu nehmen auf die Anlageziele der Anlegerin. Dass dieser Analgevorschlag sozusagen als allgemein gültig dargestellt wird (oder ich habe den Text falsch verstanden).

Nehmen wir einmal an, dass es das Ziel der Anlegerin ist, in 20 Jahren 250.000 Euro zu haben. Und nehmen wir weiter an, dass sie zwar den Anlagebetrag von 90.000 Euro heute hat, aber nicht davon ausgeht, noch weiteres Geld in Zukunft zur Seite legen zu können. Alles nur mal als Annahme.

Um ihr Anlageziel: die 250.000 Euro in 20 Jahren, erreichen zu können, muss sie das Geld mit einer Netto-Verzinsung von 5,25% p.a. anlegen. 5,25% netto, d.h. nach Steuern und nach Kosten. Rechnen wir mal mit Steuern in Höhe von ca. 28% (= Abgeltungsteuer plus Soli-Zuschlag plus Kirchensteuern). Dann muss sie vor Steuern 6,72% erreichen.

Ohne dass ich an dieser Stelle einen alternativen Anlagevorschlag parat hätte, so ist doch eines ziemlich klar: Die junge Damit wird dieses Anlageziel mit Sicherheit nicht mit Banksparbriefen erreichen können. Komplett unmöglich.

Vollkommen richtig ist das Prinzip, ein Anlageziel so risikominimiert wie möglich anzustreben. Was heißt das? Nehmen wir einmal an die junge Dame will in 20 Jahren keine 250.000 Euro erreicht haben, sondern mindestens 130.000 Euro. In diesem Fall genügen ihr 2% p.a. Und in DIESEM Fall ist der Anlagevorschlag mit den Sparbriefen vertretbar. Nicht aber wenn sie mehr will oder braucht.

Ja, bei der Geldanlage gibt es sehr einfache Prinzipien zu beachten. Das sind vor allem:

  • Kosten nach Möglichkeit minimieren.
  • So anlegen, dass man eine reelle Chance darauf hat, seine Anlageziele zu risikominimiert erreichen.
  • Im Zweifel so sicher wie möglich anlegen.
  • Auf eine gute Diversifikation achten.

Aber ganz so einfach, dass jeder Anleger alles mit einem Girokonto und ein paar Sparbriefen abhaken kann. So einfach – sorry – ist die Sache dann doch nicht.

12 Antworten
  1. Tobias
    Tobias says:

    Wie würden Sie denn die 90.000 Euro anlegen, wenn sie das beschriebene Ziel von 250.000 Euro in 20 Jahren erreichen wollten?

    Viele Grüße
    Tobias

    Antworten
    • peterreins
      peterreins says:

      Danke für Ihre Frage.

      Eine Idee besteht zunächst darin, ein langfristig ausgerichtetes ETF-Portfolio zusammenzustellen. Das könnte (beispielsweise) so aussehen:
      * 70% Aktien-ETFs (weltweit, also neben Europa auch USA, Japan und Schwellenländer)
      * 10% Rohstoff-ETFs
      * 20% Anleihen ETFs.

      Man könnte – optional – auch darüber nachdenken, folgendes beizumischen:
      * einen guten Hedgefonds (sofern man einen solchen findet)
      * einen geschlossenen Immobilienfonds

      Diese Positionen hätten den Zweck eine weitere Risikodiversifikation sicherzustellen. Gerade in diesen Bereichen geschlossene Fonds und Hedgefonds ist es nicht besonders leicht, wirklich gute zu finden. Daher optional.

      Jedenfalls sollte man eine Struktur finden, die es wahrscheinlich macht, eine Rendite von 6,7 % zu erzielen.

      Meiner Meinung nach wirklich essentiell ist es, für ein regelmäßiges Re-Balancing zu sorgen. D.h. es genügt nicht, einmalig einfach die ETFs nach einer festgelegten Quote anzulegen. Man muss vielmehr hin und wieder auch die Ist-Quoten den festgelegten Soll-Quoten anpassen. Siehe dazu auch das Buch von David Swensen: „Erfolgreich investieren“.

      Hier stößt man aber – meiner Meinung nach – mit einem selbst zusammengestellen ETF-Portflolio schnell an seine Grenzen. Wegen der Transaktionskosten kann man wohl maximal einmal im Jahr ein Re-Balancing durchführen. Das Problem ist aber auch, dass bei jedem Re-Balancing bereits Abgeltungsteuer anfallen wird. Ein weiteres Hindernis ist, meiner Erfahrung nach, psychologischer Natur. Das Re-Balancing erfordert es, immer genau das zu verkaufen, was gut gelaufen ist, und genau das zu kaufen, was schlecht gelaufen ist. Auf diese Weise anzizyklisch zu investieren widerspricht dem Gefühl vieler Anleger. Anleger neigen vielmehr zu prozyklischem Anlageentscheidungen.

      Genau aus diesem Grund habe ich meinen ETF-Dachfonds gegründet. Denn
      * Die Transaktionskosten sind hier so niedrig, dass wir fast wöchentlich ein Re-Balancing vornehmen können
      * Innerhalb des Fonds fällt bei ETF-Verkäufen keine Abgeltungssteuer an (=> Steuerstundungseffekt)
      * Ein Profi (nämlich ich) kümmert sich darum, dass die antizyklische Strategie konsequent umgesetzt wird.

      Ein Anleger hat noch ein paar weitere Vorteile, auf die ich an dieser STelle nicht eingehen möchte. Wichtig ist auch zu wissen, dass die Verwaltungskosten des ETF-Dachfonds bei 1,15% p.a. liegen. Da Investmentfonds in Deutschland durchschnittlich 1,76% p.a. kosten, handelt es sich hier um einen sehr kostengünstigen Fonds.

      Eine mögliche Beimischung, um das genannte Anlageziel zu erreichen, könnte übrigens auch der Total Return 2-Fonds sien (A0M0Y3). Aber das zu erläutern würde hier zu weit führen.

      Antworten
  2. Dr. Henrik Seifert
    Dr. Henrik Seifert says:

    Welche WKN-Nummer hat denn ihr ETF Dachfond?

    Mit besten Grüßen

    Henrik Seifert

    P.S. Interessant waren die Anmerkungen zu SHB Renditefonds 6

    Antworten
    • peterreins
      peterreins says:

      Mein Fonds hat die WKN A0M0Y4. Sie können ihn bei den meisten Bank kaufen. Wenn Sie aber keinen Ausgabeaufschlag bezahlen wollen und auch sonst in den Genuss extrem günstiger Bankkonditionen kommen wollen, können Sie sich -wenn Sie wollen – direkt an mich wenden.

      Antworten
  3. TÜLAI
    TÜLAI says:

    Lieber Herr Dr. Peterreins,

    1.) Sie bilden den europäischen Aktienmarkt in Ihrem Fonds mittels des EuroStoxx50-Index ab. Gerd Kommer beurteilt in seinem Buch „Souverän investieren mit Indexfonds, Indexzertifikaten und ETFs“, 2. Auflage 2007, Seite 220 und 328 gerade diesen Index ausgeprägt negativ, da er zum einen markt-eng sei, indem er weniger als 40% der Marktkapitalisierung der Euro-Währungsunion abdecke, und zum anderen growth-lastig sei.
    Für die Abbildung japanischer Aktien haben Sie sich für den Nikkei225 entschieden. Warum haben Sie für europäische Aktien nicht beispielsweise den EuroStoxx600 gewählt? Welches waren Ihre Entscheidungskriterien zugunsten des EuroStoxx50?

    2.) Für alle, die bisher nicht die Gelegenheit hatten, sich mit Statistik zu beschäftigen, dürfte meine nachfolgende Erläuterung geradezu schrecklich wirr und unverständlich bleiben.
    Klaus Spremann erläutert in „Portfoliomanagement“, 4. Auflage 2008 Seite 423 -428 und 449 ein paar mathematische Eigenschaften der statistischen Verteilungskurven von Aktienerträgen für historische lange Zeiträume. Solche Verteilungskurven sind keine streng symmetrischen (= seitengleichen) Glockenkurven (= Gauss-Kurven = Normalverteilungen) sondern weisen eine bestimmte statistische Schiefe (englisch: skewness) nach rechts sowie statistische Wölbungen (= Kurtosis) auf. Sie sind sozusagen ausgestülpt mit Ausbuchtung beziehungsweise eingedellt mit Einbuchtung. Zu den statistischen Eigenschaften solcher Kurven gehören sogenannte Lageparameter (Modus, Median, Erwartungswert). Im Falle nicht-symmetrischer Häufigkeitsverteilungen fallen die drei Lageparameter auseinander. Sie befinden sich nicht am selben Punkt der Kurve. Für rechts-schiefe Kurven gilt: Der Wert für den Modus (= Modalwert) ist immer kleiner als der Median-Wert. Der Median-Wert ist immer kleiner als der Erwartungswert.
    Jede einzelne Anlegerin, die per Definition sozusagen während ihrer gesamten Lebenszeit mittels Anlage in den Weltaktienmärkten grundsätzlich nur eine einzige Runde im Spiel der Häufigkeitsverteilungen mitspielen kann, darf rationalerweise als Ertrag lediglich den Modalwert erwarten, also den niedrigsten der drei genannten statistischen Werte.
    Der Modalwert ist das wahrscheinlichste Ergebnis, dass auftritt, wenn man nur ein einziges Mal einen Zufallsprozess durchlaufen lässt. Das ist der Fall jeder einzelnen Person, die Geld in Aktien anlegt.

    Auf ausdrücklichen Wunsch und Nachfrage Ihrer Leserinnen könnte ich dies ausführlicher erläutern, aber dieser Betrag ist ohnehin schon ungebührlich lang.

    Worauf beziehen sich die historischen Rendite-Angaben von Aktienmärkten, die man in allen möglichen Veröffentlichungen findet? Modus, Median oder Erwartungswert?

    Mir selber erscheint eine Rendite-Erwartung von 6,7% derartig, geradezu unglaublich hoch, dass ich mutmaße, es handele sich dabei um das, was für Laien irreführenderweise „Erwartungswert“ heißt.

    Viele Grüße
    TÜLAI

    Antworten
    • peterreins
      peterreins says:

      Lieber Herr „Tülai“,
      Danke für Ihren ausführlichen Kommentar.

      Zu hrer ersten Frage: Ich unterscheide zwischen europäischen Aktien großer, mittlerer und kleiner Unternehmen. Für jedes Segment setze ich eigene ETFs ein. Und für die großen Unternehmen ist der EuroStoxx50 sicher der richtige Index. Bei europäischen Aktien will ich selbst die Quote zwischen groß, mittel und klein steuern können, was im EuroStoxx600 nicht möglich ist.

      Zu Ihrer zweiten Frage: Das Beispiel war so: Wenn jemand 90.000 Euro hat und damit nach 20 Jahren 250.000 Euro erreichen möchte, welche Zielrendite braucht er/sie? An dieser Stelle fragte ich nicht, WIE das zu erreichen ist. Es ging erst mal nur um reine Mathematik, vollkommen gleichgültig, wie das dann tatsächlich umzusetzen ist.

      Die Antwort lautete: Dazu ist netto eine Rendite von 5,25% notwendig. Denn 90.000 x (1,0525) hoch 20 = 250.429 Euro. Berücksichtige ich jetzt noch überschlägig eine Abgeltungsteuer in Höhe von 28%, dann komme ich auf eine Zielrendite vor Steuern von 6,72% (=1,28 * 5,25%). Auch hier habe ich noch nichts von einer Realisierbarkeit gesagt.

      Was Ihre Unterscheidung zwischen erwarteter Rendite und Median betrifft, sollte an dieser Stelle klar sein, dass es sich – statistisch gesprochen – nicht um den Erwartungswert handelt sondern um das sogenannte geometrische Mittel handelt.

      Und jetzt zur Realisierbarkeit: Nur weil wir ein paar schlechte Börsenjahre hatten, sehe ich keinen Grund anzunehmen, dass wir vielleicht in der Zukunft wieder sehr gute Renditen haben werden. Für meine Argumentation war vor allem eines wichtig: Wenn das Ziel ist, in 20 Jahren aus 90.000 Euro 250.000 Euro zu machen, kann man sich komplett sicher sein, dieses Ziel alleine mit Banksparbriefen NICHT zu erreichen. Wenn man überhaupt die Chance haben möchte, dieses Ziel zu erreichen, bleibt einem keine andere Wahl als irgendwie ins Risiko zu gehen und auch Aktien zu verwenden. Auch hier weiß man natürlich nicht, ob man das erreichen wird, aber es gibt zumindest die Möglichkeit der Zielerreichung.

      Antworten
      • TÜLAI
        TÜLAI says:

        Lieber Herr Dr. Peterreins,

        vielen Dank für Ihre detaillierte Antwort! Es ist klar geworden, dass hier eine Aktienanlage als notwendige aber nicht hinreichende Bedingung für eine langfristige Rendite oberhalb der sechs Prozent-Schwelle zu verstehen ist.

        Sie schreiben ganz methodisch konform mit der Forderung des Wissenschaftsphilosophen Karl Popper:
        „Nur weil wir ein paar schlechte Börsenjahre hatten, sehe ich keinen Grund anzunehmen, dass wir vielleicht in der Zukunft wieder sehr gute Renditen haben werden.“
        Popper fordert ja dazu auf, man soll immer nach Einwänden suchen, die die eigene, vorläufige Hypothese bzw. Vermutung als falsch erweisen (= falsifizieren) können. Denn Bestätigungen sind jederzeit leicht zu finden.

        Selbstverständlich weiß ich nicht, was gegen künftig sehr hohe Aktienrenditen sprechen könnte. Zur Anregung könnte man jedoch einmal in zwei online verfügbare Aufsätze des Soziologen Christoph Deutschmann schauen. Deutschmann ist wohl Professor für Soziologie an der Universität Tübingen und anscheinend irgendwie dem Max Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln assoziiert:

        1.) Soziologie kapitalistischer Dynamik; MPIfG Working Paper 09/5 Mai 2008
        http://www.mpi-fg-koeln.mpg.de/pu/workpap/wp09-5.pdf
        MPIfG Working Paper 09 /5
        Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, Köln
        MPIfG Working Paper
        ISSN 1864-4333 (Internet)
        Die Arbeit entwirft drei Wachstumsszenarien – ein positives und zwei negative.

        2.) Der kollektive Buddenbrooks Effekt“: Die Finanzmärkte und die Mittelschichten; MPIfG Working Paper 08/5 Oktober 2008
        http://www.mpi-fg-koeln.mpg.de/pu/workpap/wp08-5.pdf
        MPIfG Working Paper 08 /5
        Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, Köln
        MPIfG Working Paper
        ISSN 1864-4333 (Internet)

        In letzterem Aufsatz argumentiert er so:
        Falls die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft nachlasse, und falls Aktionäre weiterhin unverändert hohe oder noch höhere Gewinnausschüttungen einforderten, müssten diese durch Entnahmen aus der Unternehmenssubstanz finanziert werden. Solche Gewinne seien lediglich Umverteilungen zu Lasten von Löhnen, Gehältern und Steuern. Durch Gewinnmaximierung werde dann aus dem Positivsummenspiel einer Wirtschaft ein Nullsummenspiel, das das Wachstum senke und Transferleistungen für Bildung, Wissenschaft, Forschung, Gesundheit und Kultur vermindere. Die genannten Bereiche gerieten in Finanzierungsschwierigkeiten, während gleichzeitig tendenziell Kapital auf der Suche nach Rendite in sie ströme und sie ökonomisiere.
        Der Finanzmarkt-Kapitalismus als degenerative Spielart des Kapitalismus schwäche echtes Unternehmertum und verdränge in der Wirtschaft selbst Unternehmer durch Rentiers [in Anlehnung an Keynes].
        Auch Vermögensbesitzer der Mittelschichten handelten selbstwidersprüchlich, indem sie durch ihr Handeln die Bedingungen für die Produktion realen Reichtums zerstörten. Aktionäre erwarteten Erträge, ohne zu bedenken, wo die Schuldner herkommen sollten und ohne selber bindendes unternehmerisches Risiko zu tragen. Doch ohne schöpferische Zerstörung an einer Stelle [in Anlehnung an Schumpeter] seien Kapitalgewinne an anderer Stelle unmöglich. Exzessives Wachstum der Geldvermögen müsste mit immer härter arbeitenden Schuldnern einhergehen, doch Gesellschaften könnten nicht immer schneller agieren, um Kapitaleigentümer zu bedienen. Der Aufbau übermäßiger Vermögen führe zu Finanzmarktblasen und nachfolgend zu Kapitalmarktzusammenbrüchen sowie Gesellschaftskrisen, wie wir sie derzeit mit einer Implosion von Vermögen (und Schulden) gerade durchlebten.

        Meine beiden Hinweise sind keinesfalls belehrend gemeint. Ich wollte lediglich nicht immer nur in bewährter Schweinchen-Dick-Manier mit saublöden Fragen in Erscheinung treten. 😉
        Letztlich habe ich kein Urteil über die Stichhaltigkeit der vorgestellten Argumentation.
        Sie lesen ja gerne und viel. Vielleicht kennen Sie die Arbeiten noch nicht, dann könnten Sie zumindest anregend sein. Zudem sind Beide zur Abwechslung nicht journalistisch.

        Viele Grüße
        TÜLAI

        Antworten
        • peterreins
          peterreins says:

          Vielen Dank, lieber TÜLAI, für Ihren Kommentar. Sehr weiterführend. Und der erste Blick auf die beiden Aufsätze verspricht mir eine interessante Lektüre.
          Ach und nur so nebenbei, weil Sei Popper erwähnten. Wussten Sie, dass dei Hedgefonds-Legende George Soros bei ihm studiert hat. Soros in den 1950er Jahren eine Arbeit bei ihm ein, ich weiß nicht als Dissertation oder so. Popper reagierte abweisend, so dass Soros die Philosphie hinschmiss von London nach New York umzog und in der Finanzbranche anfing.
          Gruß Hannes Peterreins

          Antworten
      • Peterreins
        Peterreins says:

        Ein Leser hat mich freundlicherweise darauf aufmerksam gemacht, dass ich in diesem Text eine Rechenfehler hatte. Und zwar habe ich geschrieben:

        „Zu Ihrer zweiten Frage: Das Beispiel war so: Wenn jemand 90.000 Euro hat und damit nach 20 Jahren 250.000 Euro erreichen möchte, welche Zielrendite braucht er/sie? An dieser Stelle fragte ich nicht, WIE das zu erreichen ist. Es ging erst mal nur um reine Mathematik, vollkommen gleichgültig, wie das dann tatsächlich umzusetzen ist.

        Die Antwort lautete: Dazu ist netto eine Rendite von 5,25% notwendig. Denn 90.000 x (1,0525) hoch 20 = 250.429 Euro. Berücksichtige ich jetzt noch überschlägig eine Abgeltungsteuer in Höhe von 28%, dann komme ich auf eine Zielrendite vor Steuern von 6,72% (=1,28 * 5,25%). Auch hier habe ich noch nichts von einer Realisierbarkeit gesagt.“

        Richtig ist, dass man in diesem Besipiel eine Rendite vor Steuern in Höhe von sogar 7,29% braucht – nicht 6,72%. Denn 7,29% abzüglich 28% Steuer = 7,29% x (1-0,28) = 5,25%.

        Ich bedankge mich bei dem aufmerksamen Leser für seinen Hinweis.

        Antworten
  4. Christian Schmidt
    Christian Schmidt says:

    Eine interessante Abhandlung. Volker Loomans Artikel sind immer lesenswert. Dieser Artikel zeigt, dass es für Vermögensfragen nicht „die eine Lösung“ gibt, sondern dass der Anleger gut daran tut, seine Ziele und Wünsche genau zu formulieren. Wann möchte ich über wieviel Kapital verfügen? Welche Mindesterträge sind zur Erreichung meiner Ziele notwendig? Welches Risiko kann ich in Kauf nehmen? Ohne klare Zielvorgaben wird es nichts mit der Zusammenstellung eines passenden Portfolios. Deswegen: Definieren Sie, wohin die Reise geht und fragen Sie nach dem Mehrwert einer Finanzdienstleistung!

    Antworten
  5. Wolfgang Kasberger
    Wolfgang Kasberger says:

    Zu erwähnen sei hier noch, daß der Gedanke 250000 TSD in 20 Jahren die gleiche Kaufkraft haben soll wie bei der Einlage.
    Würde man 2% Inflation annehmen, wäre die Summe nur noch 168242 € wert. Also muss das Ziel sein, 371486 € zu ereichen. Die Rendite ohne steuerliche Berücksichtigung 7,35 %.

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