Was passiert, wenn der Staat riskante Anlagen verbietet?

Im Zusammenhang mit dem Prokon-Desaster wird ja aktuell diskutiert, dass der Staat bestimmte riskante Anlagen verbietet. Das klingt ja zunächst vernünftig.

Immer wieder werden am Kapitalmarkt Anlageformen angeboten, bei denen hohe Renditen versprochen werden. Dadurch angelockt, investieren viele Anleger. Am Ende stellt sich aber heraus, dass die hohen Renditeversprechen einhergingen mit mindestens ebenso hohen Verlustrisiken, und die Anleger stehen vor einem Scherbenhaufen.

Wäre es da nicht sinnvoll, wenn eine staatliche Behörde schon im Vorfeld überprüft, wie solide bzw. wie windig eine bestimmte Anlageform ist? Und wäre es da nicht eine gute Form des Anlegerschutzes, gegebenenfalls zweifelhafte Anlageangebote zu verbieten?

Das Problem ist nur: Wie erkennt man zuverlässig, ob eine bestimmte Anlageform für Anleger gefährlich ist? Woran kann man das – im Vorhinein – wissen?

Klar sind die Dinge immer nur im Nachhinein. Heute wissen wir, dass es eine schlechte Idee ist, Prokon Geld zu geben. Aber hätte man das auch schon vor drei Jahren oder vor einem Jahr wissen können? Wer ist so schlau? Und wenn das Beamte können sollen, warum sind diese Beamte dann überhaupt noch im Staatsdienst und nicht schon längst Millionäre?

Viel gravierender ist aber noch folgendes.

Nehmen wir einmal an, ein Unternehmer A hat eine Idee. Er glaubt fest daran, dass man auf eine bestimmte Weise künftig gutes Geld verdienen kann. Das Problem ist nur, dass er Geld braucht, um seine Idee zu verwirklichen. Nun wendet er sich an Leute, die genug Geld haben und es lukrativ investieren möchten. Weil A so überzeugt von seiner Geschäftsidee ist, bietet er seinen Investoren 10 % Rendite an.

Jetzt gibt es zunächst zwei Fälle, je nachdem wie eine Aufsichtsbehörde reagieren kann:

  1. Die Aufsichtsbehörde versäumt es, dieses Angebot als für Anleger gefährlich einzustufen und verbietet es nicht.
  2. Die Aufsichtsbehörde klassifiziert das Angebot als gefährlich und verbietet es.

Nehmen wir mal den ersten Fall an und Anleger geben getrost ihr Geld an A. Nehmen wir weiter an, dass am Ende (wider Erwarten) die Sache schief geht und die Anleger ihr Geld verlieren.

Ein findiger Anleger könnte nun auf die Idee kommen, den Staat in die Haftung zu nehmen. Nach dem Motto: Warum hat die Behörde nicht rechtzeitig erkannt, dass mit A hohe Verluste möglich sind? Und warum hat die Behörde dieses Angebot nicht rechtzeitig verboten?

Klar jedenfalls ist: Plant der Staat wirklich ein Prozedere umzusetzen, potenziell gefährliche Anlageangebote zu verbieten, dann ist heute schon absehbar, dass auf den Staat Unsummen an Haftungsschäden zukommen werden.

Und ist das wirkich der Sinn der Sache. Soll es Privatanlegern ermöglicht werden, nach belieben zu Spekulieren, sobald aber Verlust entstanden sind, den Staat haftbar zu machen? Oder wollen wir insgesamt jedes risikobehaftete Geldanlegen verbieten?

In letzterem Falle müsste der Unternehmer A eben zusehen, wo er bleibt. Geld von Investoren könnte er nicht einsammeln. Und was das für unsere wirtschaftliche Zukunft als Volkswirtschaft hätte, kann sich jeder selbst ausmalen.

Nehmen wir nun den zweiten Fall. Die Behörde kommt zu dem Schluss, dass das Angebot des Unternehmers A zu riskant ist und deswegen zu verbieten ist. Und nehmen wir ferner an, dass A dieses Idee dann in den USA verwirklicht und zwar mit Erfolg. Nun könnte der Unternehmer zurück nach Deutschland gehen und den Staat auf Schadenersatz verklagen für den entgangenen Gewinn in Folge des Verbotes. Hätte er damals Geld von deutschen Investoren einsammeln können, um seine Idee in Deutschland zu verwirklichen, dann hätte er so und so viel verdient (wie man jetzt im Nachhinein glaubhaft erkennen kann) und diesen entgangenen Verdienst stellt der Unternehmer dem deutschen Staat in Rechnung.

Und wer meint, so etwas sei nicht denkbar, der sehe sich nur das aktuelle Gerichtsverfahren Kirch gegen die Deutsche Bank an.

Gar nicht auszurechnen ist der Image-Schaden in diesem Fall. Alle werden sagen: Wie konnte die Aufsichtsbehörde nur so eine tolle unternehmerische Idee in Deutschland blockieren, alleine aus Bedenken den Anlegerschutz betreffend? Im Nachhinein sind ja immer alle schlau und meinen genau zu wissen: Wenn ich damals die Chance gehabt hätte, in diese (geniale) Idee zu investieren, ich hätte es sofort getan. Warum hat unsere deutsche Bürokratie hier nur einen Rieger vorgeschoben?

Jedenfalls wird – das jetzt absolut absehbar – der Versuch, eine Aufsichtsbehörde entscheiden zu lassen, welche Anlageangebote so riskant sind, um sie in Deutschland zu verbieten, in ein riesiges Desaster führen. Für Unterneher, für Anleger, für den Staat und unsere Volkswirschaft.

Ein Musterbeispiel, wie populistisches Geschrei Schaden anrichten kann.

 

 

2 Antworten
  1. geldexperimente
    geldexperimente says:

    Guter Beitrag!

    Irreführende Werbung für Finanzprodukte muss verboten sein, Risiken müssen in veröffentlichten Unterlagen die selbe Sichtbarkeit haben wie „Renditeversprechen“ und dann sollte es noch eine vernünftige Finanzbildung in der Schule geben. Das sollte der Staat umsetzen, aber keine Verbote, die alle Bürger über einen Kamm scheren.

    christian

    Antworten
  2. Der Couponschneider
    Der Couponschneider says:

    Mein erster Gedanke war, dass ein so ein Verbot dazu führt, dass junge Unternehmen mit guten Ideen gar nicht mehr an Risikokapital kommen. Es ist mal wieder typisch beamtisch, dass man bei Risiko nur an den Schutz denkt. Dass Risiko und Chance zwei Seiten derselben Medaille sind, übersehen unsere Pappenheimer mit Vollkaskomentalität großzügig. Die glauben wirklich, dass Anleihen der BRD risikolos wären und hinter der Rendite wirtschaftliche geldwerte Prozesse stattfinden, die zu einer Zinzahlung berechtigen.

    Dass Risiko und Chance zwei Seiten derselben Medaille sind, zeigt uns der Staat Woche für Woche und das Jahrzehnten. Der Staat veranstaltet eine Lotterie. Man kann sehr viel gewinnen, nur ist das Risiko des Totalverlustes sehr, sehr hoch. Konsequenterweise müsste die Lotterie verboten werden. Dass man bei Risiko dir Diskussion über Aktien und Prokon aufflammt, war zu erwarten. Deutschland ist ein aktionärfeindliches Land.

    Ach ja: Prokon ist seit Jahren im Kreuzfeuer der Kritik. Wer da im letzten Jahr noch investiert war, ist selbst schuld.

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