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Soll man in Tranchen einsteigen?

Wenn Anleger einen größeren Betrag anzulegen haben, gibt es immer wieder das Problem: Lege ich den Betrag in einem Schlag an oder investiere ich eine Zeitlang kleinere Tranchen?

Nehmen wir einen Anleger an, der 100.000 Euro anzulegen hat. Er möchte gerne damit in Aktienfonds (ETFs) anlegen, zögert aber noch, jetzt den gesamten Betrag anzulegen. Das Gefühl ist, dass mit Griechenland-Krise und China die Dinge noch nicht im Trockenen sind. Vielleicht, so meint er, ist es besser abzuwarten, wenn sich den Dinge beruhigt haben. Oder noch besser, den Betrag über die nächsten 10 Monate zu jeweils 10.000 Euro anzulegen.

Ist das wirklich sinnvoll?

Zunächst muss ich sagen, wenn sich der Anleger gefühlsmäßig auf diese Weise wohler fühlt, ist erst einmal nichts zu sagen. Die Frage ist aber auch, ob es nicht nur gefühlsmäßig richtig ist, sondern auch rational das Beste ist.

Hier ist meine Meinung, dass man ohne Weiteres in Tranchen anlegen kann, es aber letztlich genauso gut oder schlecht ist wie das Anleger mit einem Schlag.

Investiert der Anleger über 10 Monate in Tranchen, dann erreicht er, meiner Meinung nach, nur eine Schein-Sicherheit. Hinter der Idee, in Tranchen zu investieren, steckt ja letztlich die Angst, dass man heute alles anlegt und morgen passiert der große Crash.

Legt man über 10 Monate an, so steht man aber eigentlich vor demselben Problem. Es könnte sein, dass man Monat für Monat anlegt und die Börse jeden Monat steigt und erst ganz zum Schluss – wenn man also schließlich voll investiert ist – der große Crash stattfindet.

Wenn man in Aktien anlegt, legt man mit Risiko an. Daran ist nichts zu rütteln. Und dieses Risiko bedeutet, dass man unter Umständen hohe Wertschwankungen ertragen können muss. Und dieses Risiko kann man nicht durch Timing-Versuche mindern.

Genauso wenig gibt es besonders gute oder besonders schlechte Zeitpunkte für den Einstieg. Wer prinzipiell in Aktien investieren möchte, aber die gegenwärtigen Unsicherheiten erst einmal überstanden wissen möchte, begeht eigentlich gleich zwei Fehler:

Erstens kann man normalerweise in unruhigen Zeiten besonders günstig einsteigen. Man braucht halt etwas mehr Mut.

Zweitens aber kann man darauf wetten, dass nach einer überstandenen Griechenland-Krise oder einem sich normalisierenden chinesischen Aktienmarkt, irgendwann die nächste Krise kommt. Wir haben am Aktienmarkt einen ständigen Wechsel zwischen Verunsicherung und Euphorie. Man kann nicht erwarten, dass, sobald nur die momentanen Verunsicherungen überwunden sind, ab dann für alle Zeiten nur noch die Kurse nach oben gehen werden. Es wird immer ein Wechselbad der Gefühle bleiben.

Daher sollte man sich als Anleger fragen: Will ich überhaupt das mit Aktien verbundene Risiko? Kann ich das durchstehen? Bzw. muss ich das durchstehen, weil ich entsprechend hohe Zielrenditen benötige?

Beantwortet man sich diese Fragen mit Ja, dann spielen Timing-Effekte letztlich keine Rolle.

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2 Antworten
  1. Klaus-Dieter
    Klaus-Dieter says:

    Hallo Herr Dr. Petereins,

    ich stimme mit Ihrer Meinung aus dem Beitrag eigentlich voll überein. Der Einstiegszeitraum in Wertpapiere ist eigentlich egal. Viel wichtiger ist der Anlagezeitraum. Es ist ja bekannt das umso länger ein Aktieninvest dauert, umso geringer das Verlustrisiko wird. Aber um noch eine Möglichkeit darzustellen könnte man dem Investor noch folgendes Empfehlen: Zwei Drittel der Summe direkt in Wertpapiere investieren den Rest mit einem Monatlichem Sparplan. Dann könnte der Investor noch von dem Cost Averrage Effect profitieren. Aber wie gesagt, es wäre eine Möglichkeit von vielen.

    Gruß
    Klaus-Dieter

    Antworten

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