Wald als Investment

Vor ein paar Wochen hatte ich die Gelegenheit, einen Vortrag von Prof. Thomas Knoke zum Thema „Wald als Investment“ zu hören. Prof. Knoke ist Professor an der TU München für das Fachgebiet Waldinventur und nachhaltige Nutzung. Den Vortrag fand ich sehr interessant und aufschlussreich. Im folgenden gebe ich eine kurze Zusammenfassung dieses Vortrages.

Alle folgenden Daten und Zahlen habe ich dem Vortrag von Prof. Knoke entnommen.

Weltweit gibt es eine Waldfläche von ca. 3,9 Mrd Hektar. Davon werden nur 87 Mio Hektar, also nur etwa 2,2%, als „Plantagen“ geführt. Solche Wald-Plantagen sind sehr langfristig ausgerichtet. Als „schnell wachsend“ gelten solche Bestände, die innerhalb eines Zyklus von 30 Jahren geerntet werden können. Bei manchen Baumarten dauert der Zyklus sogar 100 Jahre.

Prof, Knoke nennt die USA als einen der wichtigsten Holzproduzenten. Hier gibt es seit über 20 Jahren gute Erfahrungen mit Waldinvestments.

Je nach Land sehen die durchschnittlichen Renditen von Waldinvestments wie folgt aus:

  • Argentinien: 11,1%
  • Brasilien: 18,6%
  • Chile: 13,8%
  • Uruguay: 16,6%
  • USA: 5,8%
  • Panama: 12,5%

Zu beachten ist hier allerdings, dass es sich hierbei um keine historischen sondern um kalkulatorische Renditen handelt, die kein Risiko berücksichtigen. Die verschiedenen Standorte sind jedoch mit sehr unterschiedlichen Risiken versehen sind. Das mit einem Waldinvestment in Deutschland verbundene Risiko ist sicherlich deutlich niedriger als ein Waldinvestment in Brasilien. Nur im Lichte dieser Risikounterschiede sollte man natürlich die oben genannten Renditezahlen bewerten und sich nicht von zweistelligen Renditeversprechungen blenden lassen.

Anhand historischer Daten kann Prof. Knoke zeigen, dass Waldinvestments nur gering mit anderen Anlageklassen korreliert sind. Sollte dies auch so in Zukunft sein, dann eignet sich Wald sehr gut zur Risikodiversifikation von Vermögen.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor bei Waldinvestments ist die Altersstruktur. Wird eine Wald-Plantage erst heute neu angelegt, so dauert es unter Umständen viele Jahrzehnte bis es zur Ernte kommen kann. Ein nachhaltig aufgebauter Wald hingegen umfasst

  •  ältere Bäume, die kurz vor der Ernte stehen,
  • mittel-alte Bäume, die in ein paar Jahren geerntet werden können
  • junge Bäume, die noch viel Zeit brauchen.

Wichtig ist ferner, dass man nicht zu einem bestimmten Jahr zur Ernte gezwungen ist. Wenn man nämlich Pech hat, sind in diesem Jahr gerade die Holzpreise sehr niedrig. Ein Waldinvestment sollte so angelegt sein, dass man unter Umständen einfach ein paar Jahre abwarten kann, um das Holz zu optimalen Marktpreisen zu verkaufen. Dies ist ein wesentlicher Renditefaktor.

So wie ein gutes Wertpapier-Portfolio sowohl Aktien als auch Anleihen enthält und nicht einseitig ausgerichtet ist, so sollte auch die Baumstruktur eines Wald-Portfolios gut diversifiziert sein. Und zwar optimal sowohl auf Nadelhölzer als auch auf Laubhölzer.

Neben der Holzproduktion bietet Wald noch andere Dinge, die zum Teil nur unzureichend honoriert werden:

  • Bereitstellung von Erholung
  • Bodenbildung
  • Produktion von Nahrungsmitteln
  • Klimaregulation.

Was den Wald in Deutschland betrifft, so ist die 11,1 Mio Hektar große deutsche Waldfläche so verteilt:

  • 4% Bundeswald
  • 29% Wald der Länder
  • 20% Wald der Körperschaften
  • 47% Privatwald

In Deutschland ist verkäufliche Waldfläche sehr rar.

Außerdem halten sich die zu erwartenden Renditen mit deutschem Wald sehr in Grenzen. Prof. Knoke zitiert eine Studie von Wippermann und Möhring aus dem Jahr 2001, in der Waldrenditen im Privatwald Nordrhein-Westfalens analysiert wurden. Das Ergebnis:

  • Wertzuwachs der Waldfläche (Boden plus Holzbestand) als solcher: 3,22%
  • Operationale Rendite aus der Wald-Bewirtschaftung: 1,42%
  • Gesamtrendite: 4,64%

Abschießend zitiere ich die sechs Punkte, worauf man nach Prof. Knoke bei Waldinvestments besonders achten sollte:

  1. Eine wachsende Weltbevölkerung lässt eine steigende Holznachfrage erwarten. Dies spricht für steigende Waldrenditen.
  2. Man sollte nicht auf Landpreise spekulieren, sondern die nachhaltige Produktion optimieren. Insbesondere ist es wichtig, den Waldverkauf flexibel zu halten.
  3. Ein Waldinvestment sollte gut diversifiziert sein sowohl nach der Baumartenstruktur als auch nach der Produktstruktur.
  4. Ökosystemdienstleistungen können auf lange Sicht bedeutsam werden.
  5. Bei professioneller Bewirtschaftung ist Wald relativ krisensicher.

Mein persönliches Fazit ist: Wie bei allen Anlageformen muss man auch bei Waldinvestments genau wissen, was man tut. Einfach nur in Wald zu investieren, weil einem der Hochglanzprospekt anspricht, ist sicher zu wenig. Ratsam ist es, vor einer entsprechenden Investition einen kompetenten Fachmann zu konsultieren.

4 Antworten
  1. Ingo
    Ingo says:

    In der Theorie finde ich Waldinvestments äußerst interessant. Das Problem sind allerdings die Weichkosten, wie bei anderen geschlossenen Fonds auch.

    Egal ob Wald, Schiff oder Solaranlage, 99,99% aller geschlossenen Fonds bewegen sich haarscharf an der Grenze zum Betrug und scheinen nur einen einzigen Zweck zu haben: Dem Anleger völlig überhöhte Gebühren aus der Tasche zu ziehen.

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    • Peterreins
      Peterreins says:

      Ich stimme Ihnen 100%ig zu. Ich könnte Ihnen beispielsweise auch keinen einzigen Wald-Fonds nennen, den ich guten Gewissens empfehlen könnte. Ganz selten findet man mal eine Perle – man muss aber wirklich lange suchen. Und dann sind es zumeist diejenigen Angebote, die sehr unspektakulär daherkommen. Bei Modethemen, wie aktuell Solar, istsowieso besondere Vorsicht geboten.

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  2. Thorben W. Martin
    Thorben W. Martin says:

    … und gerade bei den unspektakulären Angeboten weiß man nie, ob sie wirklich gut sind und nur unfähig, sich gut zu verkaufen. Interessant wäre ggf. der Fonds von Jamestown, der aber m. W. derzeit kein Geld mehr abruft, weil eben die interessanten Zielinvestments auch nicht auf den Bäumen wachsen *g*. Aber auch hier stecken ganz schöne Kostenblöcke drin.

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  3. Ernst Haas
    Ernst Haas says:

    Es gibt durchaus auch Alternativen zu geschlossenen Beteiligungen. Natrülich sind auch dort Risiken und Kosten. Schließlich muss ja irgendjemand den Wald pflanzen, betreuen, ernten und verwerten. Aber Renditen ohen Berücksichtigung vo-n Inflation sind hier zwischen 4 und 7 % zu erzielen. Teilweise sogar in EU-Gebiet realiserbar.

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