Capital-Bankentest: Auch hier schneiden Bankberater schlecht ab

Eigentlich können sie einem langsam leid tun. Ständig werden Bankberater getestet. Erst Anfang der Woche wurde das Ergebnis des Finanztests veröffentlicht. Der Finanztest bemängelte unter anderem die schlechte Umsetzung gesetzlicher Vorschriften, wie das Erstellen eines Beratungsprotokolls und das Einholen wichtiger Kundendaten. (Ich habe hier darüber berichtet)

Gestern kam nun auch die Zeitschrift Capital mit einem eigenen Testergebnis heraus. Diesmal wurden Test-Anleger losgeschickt, denen es vorgeblich darum ging ihr Geld inflationssicher anzulegen …

Die Testsituation ist also die folgende: Ein vorgeblicher Neukunde kommt in eine Filiale und gibt vor, 50.000 Euro so anlegen zu wollen, dass er möglichst gut gegen eine anenommene Inflation geschützt ist. Der Testkunde bringt seine große Angst vor einer Geldentwertung zum Ausdruck.

Bemerkenswert viele getestete Bankberater sind auf diese Vorgabe so gut wie nicht eingegangen. Stattdessen wird das Standard-Verkaufsprogramm für irgendwelche Finanzprodukte abgespult – ob sie nun gegen Inflation schützen oder nicht spielt dabei kaum eine Rolle.  Hier ein paar Vorschläge der Bankberater:

  • Eine Commerzbank-Beraterin empfiehlt eine Stufenzinsanleihe
  • Ein Postbank-Berater: Sparbuch
  • Ein HypoVereinsbank-Berater empfiehlt unter anderem eine Rentenversicherung
  • Ein Berater von der Frankfurter Volksbank glaubt, dass festverzinsliche Anleihen gegen Inflation schützen

Für jeden, der sich nur ein wenig mit Geldanlage auskennt, haben solche Anlagevorschläge etwas direkt Belustigendes – wie gesagt unter dem Aspekt, dass sie vor Geldentwertung schützen sollen. So lustig das auf der einen Seite ist, so traurig ist das natürlich für all jene, die von ihrem Bankberater kompetenten Rat erwarten. Das Capital-Ergebnis zeigt, dass man einen solch kompetenten nur mit sehr viel Glück von seinem Bankberater erwarten kann.

Das Dilemma ist und bleibt, dass Bankangestellte größtenteils Vertriebsvorgaben haben, die sie erfüllen sollen. D.h. sie müssen bestimmte Finanzprodukte verkloppen, vollkommen unabhängig davon, ob das im Sinne des Anlegers ist oder nicht.

Gut finde ich, was sich Capital gewünscht hätte. Auf Seite 24 heißt es:

„Er [der Berater] sollte Sorgen aufgreifen, über die Wahrscheinlichkeit einer Inflation aufklären – und anschließend über die Vor- und Nachteile verschiedener Asset-Klassen.“

Auf derselben Seite stellt Capital jedoch fest:

„… Meist hakt es daran, dass Berater Sonderwünsche einfach ausblenden…

Nur wenige Institute fallen wie der HypoVereinsbank dadurch negativ auf, dass sie Produkte verkaufen, die bei einer Inflation enttäuschen müssen. Vielmehr sind sie mit speziellen Bedürfnissen überfordert .Stattdessen wird die standardisierte Beratung abgespult…

Das Capital erklärt auch, woran das liegt (auf Seite 25):

„Den Beratern kann man das kaum verdenken. Sie dürfen bei den meisten Instituten nur asugesuchte Produkte empfehlen … Gleichzeitig müssen Berater ihre Verkaufsziele erreichen, die auf Produktkategorien wie Fonds oer Versicherungen verteilt sind. Welche Produkte gerade empfohlen werdne, orientiert sich deshalb zwangsläufig daran, in welchem Segment die Ziele noch nicht erreicht sind …

Dass Banken jene Produkte absetzen, mit denen sie hohe Provisionen kassieren, liegt in der Natur der Sache…“

Immer und immer wieder also das alte Lied: Bankberaung ist schlecht, weil zu sehr vertriebs- und provisionsorientiert.

Die auf der Hand liegende Lösung wäre die Honorarberatung. Aber auch hier gibt es (leider!) Vor- und Nachteile. Honorarberatung für sich alleine ist nicht der Heilsbringer schlechthin.

Mein Vorschlag ist in jedem Fall, dass eine eingehende Strategieberatung in jedem Fall honorarbasisert sein sollte. Also wenn es darum geht, ein klares Konzept für den Kunden zu erstellen, wie er seine Anlageziele am besten erreichen kann. Ein guter Berater hilft hier insbesondere auch dem Anleger dabei, sich über seine Anlageziele überhaupt klar zu werden.

Viele Anleger sagen ja einfach: „Ich will mein Geld gut anlegen.“ Gut anlegen bedeutet aber etwas anderes, je nachdem, welches Anlageziel jemand verfolgt.

Für den einen oder anderen kann es beispielsweise ideal sein, den Großteil seines Geldes als Fest- oder Tagesgeld anzulegen. Bei diesen Anlageformen verdient ein Anlageberater in der Regel nichts oder so gut wie nichts. Damit der Berater aber dennoch dazu rät (wie gesagt, wenn es für den Kunden opportun ist), muss entweder der Berater besonders moralisch veranlagt sein oder eben nach einem Stundenhonorar bezahlt werden. Jedenfalls kann der Kunde keine objektive Beratung erwarten, wenn er – vordergründig – nichts bezahlt.

Das muss sich teilweise noch unter den Anlegern erst herumsprechen. Zu viele – so jedenfalls meine Erfahrung – sind nicht bereit, für eine kompetente Finanzberatung ein Honorar zu bezahlen.

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1 Antwort
  1. M. Baumann
    M. Baumann says:

    Hallo,
    ich kann mich der Meinung nur anschließen: solange die Arbeit auf der Provisionsbasis erfolgt und die Höhe der Provisionen für die Anleger nicht einsichtbar bleiben, muss einfach mit einer nicht optimaler Beratung gerechnet werden.
    Viele Grüße

    Antworten

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