Stefan Riße schreibt (absurd) über Inflation

Es gbit ja immer wieder Bestseller zu bestimmten Geldanlagethemen. Manchmal werde ich darauf angesprochen, was ich zu dem und dem Buch zu sagen habe. So kommt es, dass ich einen Finanz-Bestseller lesen muss, obwohl ich es selbst lieber vermieden hätte. Genauso geht es mir mit dem Buch „Die Inflation kommt“ von Stefan Riße.

Was hätte ich getan, dieses Buch nicht lesen zu müssen! Aber ich wurde halt immer wieder darauf angesprochen. Inzwischen macht es mir spaß zu lesen. Aber nicht, weil es gut geschrieben oder inhaltlich gut ist. Nein, gerade im Gegenteil. Das Lesen macht mir Spaß, weil Riße mich -wahrscheinlich ungewollt – ständig zum Lachen bringt. Es wimmelt nämlich von lustigen Widersprüchen. Sehr häufig im selben Abschnitt oder auf der selben Seite.

Ich bin noch nicht ganz fertig, aber nachfolgend ein paar Kostproben meines Vergnügens…

Wege der Entschuldung

Stefan Riße schreibt auf Seite 14:

„Grundsätzlich gibt es nur zwei Wege der Entschuldung. Der erste ist die große Pleitewelle mti einer Abschreibung der Kredite … Der andere ist die Inflation, in der alle Schulden zwar erhalten bleiben und auch zurückgezahlt werdne, sich real jedoch entwerten.“

Also von Stefan Riße können wir lernen, dass es bei Krediten prinziell nur zwei Wege der Entschuldung gibt: Pleite oder Inflation. Einen dritten Weg, meint Riße, gibt es nicht.

Und wie steht es mit ganz normalen Tilgen? Ist es nicht der erste und normalste Weg sich zu entschulden, einfach seinen Kredit zurückzuzahlen also zu tilgen? Ich finde es erstaunlich und komisch, dass Stefan Riße diese Art der Entschuldung prinzipiell ausgeschlossen scheint.

Wie man sich entschuldet und dennoch verschuldet bleibt

Stefan Riße schreibt auf den Seiten 56/57:

„So schön der Bauboom sich in den USA entwickelt hatte, so rasch war er zu Ende. Der Traum vom Eigenheim, das sich jeder leisten konnte, war zerplatzt … Wer seinen Kredit nicht bediente, dem wurden zunächst immer mehr Gebühren und Zinsen aufgehalst. Konnte er die nicht entrichten, musste er gehen. Oder räumte freiwillig sein Haus, um den erdrückenden Schulden zu entkommen. In den USA fällt die Immobilie dann an den Kreditgeber zurück. Der verschuldete Eigentümer haftet nicht mit seinem gesamten persölichen Eigentum für den Teil des Darlehens, der mit den Verkaufserlösen nicht getilgt werden kann. [meine Hervorhebung] …

… Manche Viertel glichen plötzlich Geisterstädten. Die eintigen Bewohner – zutiefst verzweifelt. Ein Haufen Schulden und die Erinnerung an schöne Zeiten im gepflegten Eigenheim ist alles, was ihnen geblieben ist. [wieder meine Hervorhebung]“

Riße schreibt hier richtig, dass US-Immobilienkredite, wie man so sagt, regressfrei sind. D.h. ein US-Amerikaner haftet nur mit seiner Immobilie und nicht mit weiterem Vermögen darüber hinaus. Das unterscheidet einen US-Immobilienkredit wesentlich beispielsweise von einem deutschten Immobilienkredit.

Kann bei uns ein Immobilienbesitzer seine Kreditzinsen nicht mehr bezahlen, dann droht die Zwangsversteigerung. Wird so aber ein Verkaufserlös erzielt, der nicht die gesamten Schulden begleicht, dann bleibt der Ex-Immobilienbesitzer auf einer Restschuld sitzen, die er entweder aus anderem Vermögen oder mit seiner Arbeitskraft abbezahlen muss.

Nehmen wir aber beispielsweise an, ein US-Amerikaner ist hat mit einem Kredit von 100.000 USD seine Immobilie finanziert. Nehmen wir an, dass er diesen Kredit nicht mehr bedienen kann und dass es deswegen zur Zwangsversteigerung kommt. Wenn dabei nur 80.000 USD erzielt werden, kann es dem Ex-Immobilienbesitzer aus den USA komüplett egal sein. Er ist entschuldet, während die Bank auf einem Verlust von 20.000 USD sitzen bleibt. Mehr zum Thema „regressfreie Darlehen“ hier.

So ist das in Amerika, sehr zum Vorteil des Schuldners. Und das wollte Riße sagen mit dem etwas verzwurbelten Satz „Der verschuldete Eigentümer haftet nicht mit seinem gesamtenpersönlichen Eigentum für den Teil des Darlehens, der mit den Verkaufserlösen der Immobilien nicht getilgt werden kann“ Man hätte es vielleicht auch etwas klarer ausdrücken können, aber was Riße meint, ist die Regressfreiheit von US-Immobiliendarlehen.

Nur: Wie kann ein Ex-Immobilienbesitzer, der sich mit einem regressfreien Darlehen finanziert hatte, hinterher noch auf einem „Haufen Schulden“ (wie Riße schreibt) sitzen bleiben? Er haftet ja eben nicht über die Immobilie hinaus. Also sind für ihn mit der Übergabe der Immobilie an seine Bank – schwups – alle Schulden getilgt.

Riße beschreibt also zunächst regressfreie Darlehen und stellt amerikanische Ex-Immobilienbesitzer als immer noch verschuldet dar. Ein wirklich lustiger Widerspruch.

Wie man an Risiken pleite gehen kann, die man nicht in den eigenen Büchern hat

Auf Seite 57 des Buches „Die Inflation kommt“ steht:

„Bei der Vergabe der Hypothekenkredite waren die Banken noch von stark steigenden Immobilienpreisen ausgegangen und hatten entsprechend großzügig die Immobilie selbst als sicherheit akzeptiert … Jetzt stellte sich heraus, dass der Marktwert der Immobilien bei Weitem nciht ausreichte, um die aufgenommenen Schulden zu tilgen und die Zinsen zu zahlen. Die Banken und Investoren blieben auf ihren faulen Krediten sitzen. Faule Kredit, die dank undurchsichtiger Verbriefungen jetzt wie Landminen über den gesamten Globus verteilt waren … 95 Bankenpleiten zählten wir bis September 2009 in den USA.“

Also nochmal langsam. US-Banken vergeben schlecht gesicherte Immobilienkredite vergeben. Diese Kredite haben sie verbrieft, d.h. sie haben sie gebündelt und in das Kleid von Wertpapieren gebracht. Danach wurden diese Wertpapiere an Investoren rund um den Globus verkauft. So Riße.

Der Punkt ist nur: Wenn eine US-Bank Kredite verbrieft hat, um sie an andere weiterzuverkaufen, dann sind diese Kredite nicht mehr in den Büchern der US-Bank. Diese Kredite stellen kein Risiko mehr für die abgebende Bank dar.

Wie können dann aber 95 US-Banken an Krediten pleite gehen, die sie ja, wenn man dem Text Rißes folgt, gar nicht mehr in ihren Büchern haben. Irgendwas kann doch hier nicht stimmen. Entweder konnten US-Banken ihre faulen Kredite verbreifen und als solche in die weite Welt weiter verkaufen, dann können sie aber nicht an diesen faulen Krediten pleite gehen.

Oder sie gingen an Krediten pleite, die sie eben nicht in verbriefter Form an andere weiterreichen konnten.

Oder wollte Riße andeuten, dass US-Banken erst faule Kredite in verbriefter Form von sich abgestoßen haben, um sie dann sogleich wieder zurückzukaufen?

Abwrackprämie

Das ist jetzt kein Widerspruch in sich. Zeigt aber vielleicht die Prognosefähigkeit Rißes. Auf Seite 60 schreibt er:

„Zwar mögen eilig beschlossene Maßnahmen wie die Abwrackprämie … ein gewisses Strohfeuer entfachen … Aber nachhaltig wirken solche Maßnahmen nicht…“

Ja, so hat mancher Abwrackprämien-Kritiker letztes Jahr argumentiert. Sie rechneten alle mit dem großen Geschäftseinbruch für die Automobilindustrie ab dem Januar 2010. Und was ist tatsächlich passiert? Wie wir heute wissen, brummt gerade das Geschäft in der Automobilindustrie. Definitiv jedenfalls eine Fehlprognose von Stefan Riße.

Fazit

Wie gesagt, ich bin noch nicht fertig mit Rißes Buch. Ich habe nur ein paar Kostproben gegeben, die ich für besonders absurd und lächerlich halte. Ich hätte noch einige weitere bringen können. Nach dem, was ich bisher gelesen habe, kann ich es nicht fassen, dass viele Leute Rißes Buch ernst nehmen und sich tatsächlich eine Angst vor der Inflation einreden lassen.

Entschuldigung, ich kann dieses Buch nicht ernst nehmen. Es ist gespickt mit absurden Darstellungen und Widersprüchen in sich. Mich bringt dieses Buch auf jeder dritten Seite zum Lachen. Auf diese Weise ist es – wider Erwarten – ein Genuss.

4 Antworten
  1. Sandro
    Sandro says:

    Genial wiedergegeben. Dieser Risse ist ein Blender ohne Substanz.
    Wurde bei CMC Markets rausgeschmissen und versucht jetzt krampfhaft Bücher ohne inhaltlichen Wert zu schreiben. Danke für die sehr wertvolle Einschätzung.

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  2. Alexander
    Alexander says:

    Ja, Stefan Riße scheint den Widerspruch zu lieben. Sehr unterhaltsam ist auch der Kommentar im Februar zu seinem eigenem Fonds:
    „Was ich in meiner Börsianer-Karriere nie leiden konnte, waren Experten, die stets nur auf ihre richtigen Prognosen und ihre gut laufenden Produkte verweisen, während sie Misserfolge verschweigen. Sind diese jedoch unübersehbar, dann waren stets unvorhersehbare Ereignisse daran schuld…“
    „Ich gestehe deshalb ohne Wenn und Aber ein, dass ich in den vergangen Monaten massive Fehler mit der Positionierung des „Riße Inflation Opportunities UI“ gemacht habe. Da gibt es nichts zu beschönigen…“

    Das ist ok, aber dann weiter die Begründung:
    „Es wird mir derzeit oft die Frage gestellt, warum ich den Kurs denn nicht korrigiert habe, nachdem sich gezeigt hat, dass Short die falsche Richtung ist? Natürlich stelle ich mir diese Frage in der Rückbetrachtung auch. Ein Grund ist sicherlich die Tatsache, dass ich hier nicht mehr nur mein eigenes Geld verwalte, wie in den Jahrzehnten davor, sondern fremdes Geld. Das hat mir viel von meiner Flexibilität genommen…“

    Doch nicht selbst schuld 🙂

    Quelle: http://www.hpm-hamburg.de/Investmentfonds.html

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    • Peterreins
      Peterreins says:

      Ich bin ja sehr vorsichtig, was Prognosen betrifft. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die allermeisten derjenigen, die derzeit und in jüngster Vergangenheit Anlageentscheidungen getroffen haben mit Blick auf eine vermeintliche Inflation, große Verluste erleiden werden. Vorneweg diejenigen, die in den letzten Jahren vollkommen überteuerte Immobilien erworben haben. Da wird es noch das eine oder andere böse Erwachen geben.

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  3. Jan Petters
    Jan Petters says:

    Stefan Riße ist ein Schwätzer, der lieber seine Kolumnen schreiben soll, als ihm anvertrautes Geld als „Vermögensverwalter und Fondsmanager“ zu verbrennen. So würde er weniger Schaden anrichten. Seine ausgeprägten Short-Position auf den DAX und den EuroStoxx50 haben den vom ihm betreuten Fonds sowie das Depot bei wikifolio seit Beginn um 20% fallen lassen. Er hat von Chartanalyse nicht die leiseste Ahnung.

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