Historisches zum Goldstandard

Der 15. August 1971 markiert das Ende des Währungssystems Bretton Woods und damit auch das Ende des sogenannten Goldstandards. Bis dahin sollten der US-Dollar und die europäischen Währungen an dem Edelmetall Gold gekoppelt sein.

Gerade angesichts der aktuellen Krise gibt es ein paar Stimmen, die diese Abkehr vom Goldstandard mit verantwortlich machen für unseren heutigen Probleme. In diesem Zusammenhang kann man dann auch solche Dinge hören oder lesen wie: „Gold war schon immer ein Zahlungsmittel“.

Zu diesem Thema habe ich schon einmal in dem Beitrag  „Gold war nicht immer ‚die‘ Währung“ geschrieben. Nachfolgend noch ein paar historische Tatsachen zum Goldstandard…

Den Goldstandard gibt es in Europa erstmals ab dem Jahre 1816. Damals wurde nach den Napoeonischen Kriegen in Großbritannien ein Gesetz verabschiedet, das Gold als alleinige Zahlungsmittel zuließ. 1821 wurde die Bank of England dazu verpflichtet, alle ihre Banknoten auf Wunsch gegen Gold einzutauschen.

Vorher gab es in England neben Goldmünzen vor allem auch Silbermünzen. Während des Mittelalters dominierten sogar Silbermünzen eindeutig in ganz Europa. Gold war knapp und wurde kaum als Geld verwendet.

Im 19. Jahrhundert führte außer England kaum eine Nation den Goldstandard ein. In Frankreich, der Schweiz, Belgien beispielsweise wurde der sogenannte Bimetallismus parktiziert. D.h. diese Länder hatten eine Doppelwährung: Goldmünzen und Silbermünzen. In dem damals zerklüfteten Deutschland dominierte die Silberwährung. Österreich wollte zwar etwa um 1850 den Goldstandard einführen, scheiterte aber am Widerstand Preußens.

Erst 1871 führte mit dem neu gegründeten Deutschen Reich ein zweiter europäischer Staat den Goldstandard ein. Wenn also manche Leute behaupten, dass Gold schon immer „die“ Währung war, dann lehren uns die historischen Tatsachen etwas ganz anderes. Der Goldstandard galt in Deutschland (mit Unterbrechungen) nur etwa 100 Jahre lang. Vorher (also vor 1871) war in Deutschland nicht Gold das allgemein gängige Zahlungsmittel, und nachher (also nach 1971) auch nicht mehr.

Übrigens  kam ab dem 19. Jahrhundert nur deswegen Gold als Währung ins Spiel, weil die Goldproduktion im Laufe des 19. Jahrhunderts erheblich gestigert werden konnte. Von geschätzten 15 Tonnen jährlich Anfang des Jahrhunderts auf etwa 160 Tonnen jährlich ab 1850.Das ist eine Steigerung um 967 Prozent! 

In den Jahren 1901 bis 1910 wurden gar 567 Tonnen jährlich produziert. Das ist eine Steigerung um 3680 Prozent bezogen auf den Anfang des Jahrhunderts. Wichtig waren die Goldfunde in Kalifornien, aber auch in Australien.

Manche heutige Befürworter des Goldstandards führen als Argument an, dass Gold nicht beliebig vermehrbar ist. Papiergeld könne man aber beliebig drucken. Dieses Argument übersieht, dass Gold im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts überhaupt nur deswegen eine Chance als Zahlungsmittel hatte, weil in dieser Zeit die Goldmenge eben NICHT fix war. Vielmehr konnte Gold nur deswegen als Zahlungsmittel verwendet werden, weil die Goldmenge so rasant wuchs.

Ansonsten hätte die Geldmenge nicht mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Industrialisierung Schritt halten können. Und genau genommen tat sie es ja auch nicht. Denn trotz der der rasant ansteigenden Goldproduktion gab es im 19. Jahrhundert immer wieder gefährliche deflationäre Tendenzen. Etwa alle 10 Jahre kam es damals zu schweren Wirtschafts- und Finanzkrisen, die unserer heutigen in nichts nachsteht.

Fakt ist: Gerade die Begrenztheit der Goldmenge machte in der Vergangenheit (in Deutschland vor 1871) Gold als Standard-Zahlungsmittel vollkommen ungeeignet. Und was die Zukunft betrifft, gilt das erst recht. Ferner ist es illusoarisch zu glauben, mit dem Goldstandard gäbe es keine Finanzkrisen. Die Geschichte lehrt uns jedenfalls etwas anderes.

Als Literatur zu diesem Thema empfehle ich das Buch von Michael North: „Kleine Geschichte des Geldes“.

1 Antwort
  1. TÜLAI
    TÜLAI says:

    Schlechte Nachricht für Goldwährung: Goldstandard schuld an „Großer Depression“

    Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sieht im Goldstandard den Grund dafür, warum die Bankenkrise von 1931 viel schwerere Folgen für die Realwirtschaft hatte als der Crash von 2008:
    http://www.heise.de/tp/blogs/8/150115
    – – – – – – – – – –

    Die erwähnte Originalpublikation:
    http://www.bis.org/publ/work348.pdf
    – – – – – – – – – –

    Viele Grüße
    TÜLAI

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