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Was an der Börse geschieht, ist meist unlogisch

Aktuelles zum Kapitalmarkt

Im August und September sind die Aktienkurse in den Keller gegangen. Wenn man nach dem Warum gefragt hat, dann bekam man in der Regel zur Antwort: „Die Sache mit Griechenland wird wohl doch schlimmer als befürchtet, höchstwahrscheinlich wird Griechenlands Pleite nicht zu verhindern sein – selbst mit Rettungsschirm. Und was dann kommt … das wird sicherlich dramatisch.“

Ich schätze ja an sich die Süddeutsche Zeitung, aber auch hier war in dieser Zeit ein Artikel dick überschrieben mit „Wie Lehman, nur viel schlimmer“ (oder so ähnlich; ich zitiere gerade aus dem Kopf). Dieser Artikel wagte die Meinung, dass es im Falle einer Pleite Griechenlands (die ja jetzt seit ein paar Tagen amtlich ist) alles viel schlimmer werden würde als damals in 2008 bei der Lehman-Pleite.

Naja, jetzt werden die Staatsschulden Griechenlands auf 50 % zurechtgestutzt. Die Pleite Griechenlands ist also seit ein paar Tagen keine Befürchtung mehr, sondern eine Tatsache. Und was passiert? Ist es nun, wie von so vielen, vorhergesagt, dramatisch schlimmer als im Herbst 2008?

Nein, lautet die Antwort. Die Aktienkurse sind exorbitant gestiegen, seit der „Haircut“ Griechenlands beschlossene Sache ist. Mit einem Male hört man, dass es der Wirtschaft doch besser ginge als vor zwei Monaten gedacht. Und ein Domino-Effekt steht plötzlich auch nicht mehr zur Diskussion.

Ist das nicht seltsam wie schnell all diese Auguren ihre Meinung ändern? Das aller Seltsamste ist aber vor allem, dass die große Masse der Anleger, diesen Meinungswandel gar nicht mitzubekommen scheint. Es ist nur ein paar Wochen her und schon kann sich niemand mehr an die Prognosen von vor 4 Wochen erinnern.

Vielmehr scheint, so mein Eindruck, folgende Ansicht vorzuherrschen: „In der Situation von vor vier Wochen sah die und die Prognose am wahrscheinlichsten aus. Inzwischen ist zwar das genaue Gegenteil dieser Prognose eingetreten, aber wir haben heute ja auch eine andere Situation als vor vier Wochen.“

Als der Kursabsturz im August im vollen Gange war, traf ich ständig auf Leute, die ganz genau zu wissen glaubten, dass der DAX in Richtung 4000 gehen würde, möglichwerweise noch weiter runter. Damals ist der DAX in einer unaufhörlich scheinenden Abwärtsbewegung bis auf 5100 gefallen. Ich pflegte damals zu sagen: „Ja, es ist denkbar, dass der DAX noch weiter fällt. Es ist aber genauso denkbar, vielleicht sogar wahrscheinlicher, dass der DAX wieder steigt. Warum wahrscheinlicher? Weil die große Masse der Anleger gerade davon redet, dass noch viel schlimmer wird. Und meine Erfahrung sagt, dass immer dann, wenn die große Masse etwas meint, in der Regel das genaue Gegenteil eintritt.“

Ferner sagte ich jedem, der vor einer Anlageentscheidung stand: „Wenn Sie überhaupt in Aktien investieren möchten, dann ist es mit großer Wahrscheinlichkeit genau jetzt der richtige Zeitpunkt. Man kauft am besten dann, wenn alle anderen verkaufen. Allerdings braucht man dazu extrem gute Nerven. Und man hält sich am besten am Aktienmarkt zurück, wenn alle in Kauflaune sind.“ Gegen den Strom zu schwimmen fällt aber sehr, sehr schwer.

Eines kann man mit Sicherheit sagen: Die Börse verhält sich unlogisch. Die Kurse steigen oder fallen, und fast alle Gründe die zur Erklärung herangeführt werden sind schlicht falsch. Und wenn jemand meint, mit logischen Argumenten eine kommende Entwicklung vorhersehen zu wollen, dann hört sich das meinetwegen schlau an, ist aber doch letztlich immer nur eines: Unsinn.

29. Oktober 2011/0 Kommentare/von Peterreins
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