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Anlageziele sind wichtig

Ich erlebe es immer wieder, dass Anleger einfach nur nach einem guten Investment fragen. Naja, was ist denn ein „gutes Investment“. Die erste Idee könnte ja sein, und wahrscheinlich meinen das die meisten genau so: eine Geldanlage, die erstens möglichst sicher ist und zweitens möglichst viel Rendite bringt. Das ist sozusagen die perfekte Geldanlage. Maximale Rendite und Null Risiko.

Und offenbar glauben bis heute genügend Menschen, dass es so etwas tatsächlich gibt. Vielleicht besteht auch die Auffassung, dass das gerade einen guten Anlageberater auszeichnet: Geldanlagen zu kennen, die mit Sicherheit viel bringen. Oder dass es so etwas wie Geheimtipps gibt, zu denen man nur Zugang bekommen muss, und schon gehört man zu dem auserwählten Kreis derjenigen, die hohe Renditen erzielen aber kein Risiko mehr zu tragen haben.

Wenn man darüber nachdenkt, dann müsste eigentlich klar sein, dass es so etwa nicht gibt. Es ist eine ganz banale Binsenweisheit, dass bei der Geldanlage Rendite und Risiko immer zusammen sind. Wer hohe Renditen will, muss auch hohe Risiken in Kauf nehmen. Und wer Sicherheit will, muss sich mit niedrigen Renditen zufrieden geben. Gans schlicht und einfach.

Und es gibt noch eine einfache Wahrheit. Risiko bedeutet immer auch Verlustrisiko. Wenn ich bereit bin, Risiken einzugehen, bekomme ich nicht unbedingt und in jedem Fall hohe Gewinne zurück. Es kommt auch vor, dass jemand Risiken eingegangen ist und am Ende nicht belohnt wird, d.h. am Ende mit Verlusten aussteigt.

Es gibt nicht die besagten geheimen Anlagetipps. Vielmehr kann man fast mit Sicherheit davon ausgehen, dass ein Anlageberater, der einem hohe Renditen bei minimalen Risiken verspricht, entweder selbst keine Ahnung hat (was oft genug vorkommt) oder in irgendeiner Form den Anleger belügt. Beides ist nicht sehr erfreulich. Und als Anleger täte man am besten, so schnell wie möglich das Weite zu suchen.

Die traurige Wahrheit ist aber leider, dass die Anleger oft genug betrogen werden wollen. Eben genau das ist dieses Fragen nach einem „guten Investment“. Wenn ich dem Anleger sage, dass ich ihm einen Anlagevorschlag machen kann, bei dem hohe Renditen möglich sind, er sich aber der entsprechenden Risiken bewusst sein muss, – dann ernte ich nicht selten: Enttäuschung.

Dann heißt es: „Der andere Berater hat mir aber … empfohlen und behauptet, dass das absolut sicher ist und Renditen von 5% oder mehr bringen wird.“ Tja, was soll ich da machen? Soll ich den Anleger dann, so wie es der andere Berater getan hat, belügen, nur um ihn als Kunden zu gewinnen? Oder soll ich bei der Wahrheit bleiben auf die Gefahr hin, einen potenziellen Kunden zu verlieren?

Für mich ist die Antwort natürlich eindeutig. Ich werde immer bei der Wahrheit bleiben und ich werde immer so beraten, dass ich hinterher noch in den Spiegel schauen kann. Interessant finde ich hierbei, wie gesagt, vor allem die Tatsache, wie leicht Anlegern die Unwahrheit anzudrehen ist. Ja, wie erfolgreich (zumindest für die Kundengewinnung) die Unwahrheit bzw. die Ahnungslosigkeit ist.  Das ist wirklich interessant. Sozusagen, wenn man eine philosophische Perspektive einnimmt.

Langfristig, davon bin ich fest überzeugt, führt die Unwahrheit natürlich ins Desaster. Und zwar zuerst den Anleger, zweitens aber auch den falsch beratenden Berater.

Zum Schluss noch ein Wort, wie man die Güte eines Investments – meiner Meinung nach – korrekt beurteilen kann. Das Kriterium hierfür liefern immer die Anlageziele des Anlegers. Ein bestimmter Fonds beispielsweise kann für den einen Anleger gut und geeignet sein, nicht aber für einen anderen Anleger. Je nachdem eben, welche Anlageziele die beiden Anleger verfolgen. Darüber werde ich aber vielleicht in einem späteren Beitrag noch schreiben.

 

 

2 Antworten
  1. Thinking
    Thinking says:

    Da ich Ihren Blog sehr schätze, wäre ich froh, wenn Sie wieder etwas häufiger kommentieren würden.
    Gestern wurde ich gefragt, ob man überhaupt noch eine Rentenversicherung abschließen sollte. Ich denke, dass hier zwar ein extrem niedriges Risiko besteht, aber eigentlich ein Tagesgeldkonto genauso sicher ist und man nicht während der gesamten Lebensarbeitszeit einzahlen muss. Letzeres finden wieder andere gut, da ein Sparzwang bestünde; ich selbst bevorzuge aber die Anpassung an die jeweilige Lebenssituation. Falls man eine Familie absichern muss, ist sowieso eine Risikolebensversicherung am besten.

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  2. Stefan Schaaf
    Stefan Schaaf says:

    Hallo Herr Peterreins, ich bin ebenfalls froh, mal wieder was im Blog zu lesen. Sicherlich lässt es Ihre Zeit nicht zu, aber es wäre wirklich schön mal wieder häufiger etwas zu lesen.
    Um beim Thema zu bleiben haben Sie völlig recht, es ist immer besser bei der Wahrheit zu bleiben als den Kunden etwas vorzulügen. Rendite und Risiko hängt nun einmal untrennbar voneinander ab. Neben den Anlagezielen hängt es meiner Meinung nach auch von der jeweiligen Risikotragfähigkeit ab. Des weiteren spielt die Anlagedauer eine sehr wichtige Rolle. In dem Zusammenhang würde mich interessieren, ob Sie viel von Ablaufstrategien halten oder eher den Anlagehorizont etwas ausgedehnter betrachten (z.B. +-2 Jahre), um eine höhere Performance zu generieren.

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