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Gibt es bei globalen Aktien-ETFs ein Währungsrisiko?

Ich sollte jüngst für einen Kunden Aktien-ETFs heraussuchen, die international investieren. Also ETFs, die nicht nur beschränkt beispielsweise Europa sind, sondern sowohl US-Aktien, europäische Aktien und möglicherweise auch asiatische Aktien umfassen.

Ich schlug dem Anleger ein paar in Euro notierte ETFs vor, die ich für geeignet hielt. Dem Anleger hingegen war es wichtig, in einen USD-notierten ETF zu investieren mit dem Argument, dass er sein bisheriges Geld in USD hätte und er kein Fremdwährungsrisiko haben wolle.

Das finde ich interessant. Weil hier ein immer wieder auftauchender Irrtum vorliegt. Privatanleger meinen manchmal, dass ein Aktienfonds, deswegen weil er beispielsweise in USD notiert ist, aus diesem Grunde auch ein USD-Währungsrisiko darstellt. Oder umgekehrt, dass ein in Euro notierter Aktienfonds der Währungsklasse Euro zuzuordnen sei.

Nachfolgend erkläre ich, warum das nicht so ist.

Nehmen wir zwei Investmentfonds an, Fonds X und Fonds Y. Beide Fonds sind exakt gleich und investieren ausschließlich in eine einzige US-Aktie A. Der einzige Unterschied zwischen Fonds X und Fonds Y besteht darin, dass X in Euro notiert und Y in USD. A notiert als US-Aktien natürlich in USD.

Nehmen wir weiter an, dass beide Fonds jeweils 100 Stück dieser Aktie A halten und dass der Dollarkurs gerade bei 1,10 USD/EUR steht. Dann ist der Wert des Fonds X in Euro:

Euro-Wert von X (t1) = 100 x Wert von A/1,10.

Der Wert des Fonds Y in USD ist offenbar:

USD-Wert von Y (t1) = 100 x Wert von A.

Da X in Euro notiert ist die Intuition, dass der Anleger hier ein Euro-Risiko trägt. Was passiert also, wenn der Euro bzgl. des USD stark fällt. Nehmen wir also beispielsweise an, dass der USD-Devisenkurs von 1,10 auf 1,0 fällt. Das bedeutet dass man für einen Euro weniger USD bekommt als vorher, der Euro also gefallen ist.

Wie verändern sich nun die Werte der Fonds?

Zunächst wie gesagt, liegt es nahe anzunehmen, dass der Euro-Kurs des Fonds X gefallen wäre. Immerhin ist ja der Euro gefallen. Der Wert des Fonds X in Euro muss aber gestiegen sein, denn man muss ja so rechnen:

Euro Wert von X (t2) = 100 x Wert von A / 1,0

Vorher musste durch 1,10 geteilt werden, jetzt durch 1,0. Das entspricht einem Mehr von ungefähr 10%.

Rein mathematisch muss also ein fallender Euro zur Folge haben, dass der Fonds X exakt um dasselbe Verhältnis an Wert gewinnt, wie der Euro an Wert verliert.

Für einen USD-Investor spielt die Tatsache, dass X in Euro notiert ist offenbar gar keine Rolle. Denn:

USD-Wert von X = USD-Devisenkurs x Euro-Wert von X =

       = USD-Devisenkurs x (100 x Wert von A / USD-Devisenkurs)=

       = 100 x Wert von A = USD-Wert von Y

Der USD-Devisenkurs kürzt sich sozusagen heraus.

Ferner gilt generell:

USD-Wert von X = USD-Wert von Y.

Was bei Investmentfonds zählt ist sozusagen nur der Inhalt. In welcher Währung ein Investmentfonds notiert wird hat überhaupt keinen Einfluss auf das Währungsrisiko, das mit dem Fonds verbunden ist. Es zählen ausschließlich die Vermögensgegenstände, die der Fonds hält.

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