Wie manche Profis Anlageentscheidungen treffen

Ich bin gerade fast fertig mit dem Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ von Daniel Kahnemann. Ich werde sicherlich die nächsten Wochen immer wieder dieses sehr lesenswerte Buch zitieren. Kahnemann schreibt viel zu Themen, die mit Geldanlage zu tun haben. Ein Grundtenor ist, dass viele Finanzexperten glauben, eine Expertise zu haben, die Sie laut Kahnemann faktisch nicht haben. Viele Anlageprofis vertrauen mit viel Selbstbewusstsein ihrer eigenen Intuition, das aber mit einer Trefferquote, die  ziemlich genau dem Zufall entspricht …

Auf Seite 24 des genannten Buches schreibt Kahnemann:

„Vor vielen Jahren besuchte ich den Leiter der Vermögensverwaltung eines großen Finanzdienstleisters, der mir sagte, er habe gerade einige zehn Millionen Dollar in Aktien der Ford Motor Company investiert. Als ich ihn fragte, wie er zu diesem Entschluss gelangt sei, antwortete er, er sei kürzlich auf einer Automesse gewesen und das, was er gesehen habe, habe ihn beeindruckt … Er ließ keinen Zweifel daran dass er seinem Bauchgefühl vertraute, und war zufrieden mit sich und mit seiner Entscheidung. Ich fand es bemerkenswert, dass er anscheinend die eine Frage, die ein Ökonom als relevant erachten würde, nicht in Betracht gezogen hatte: Sind Ford-Aktien gegenwärtig unterbewertet? Stattdessen hörte er auf seine Intuition; er mochte Autos, er mochte das Unternehmen, und er mochte die Vorstellung, Ford-Aktien zu besitzen. Nach allem, was wir über die Treffgenauigkeit beim Stock-Picking … wissen, kann man vernünftigerweise davon ausgehen, dass er nicht wusste, was er tat.“

Man überlege sich nun, wie häufig Privatanleger, Fondsmanager und institutionelle Anleger genau so „aus dem Bauch heraus“ ihre Anlageentscheidungen treffen. Ziemlich ähnlich, wie es der von Kahnemann beschriebene Vermögensverwalter tat.

Alles was man in der einschlägigen Fachliteratur dazu lesen kann, was durch zahlreiche Studien belegt ist, ist, dass diese Art, Anlageentscheidungen zu treffen, langfristig bestenfalls zu durchschnittlichen Ergebnissen führt. Berücksichtigt man noch die Kosten, so wird man am Ende mit ziemlicher Sicherheit ein unterdurchschnittliches Ergebnis haben.

 

 

1 Antwort
  1. hjstaiger
    hjstaiger says:

    Sehr geehrter Herr Peterreins

    ich freue mich sehr, dass Sie dieses Buch genauso hoch einschätzen wie ich. Ich habe es Ende Dezember 2012 gelesen und bin jetzt immer wieder überrascht, welche Kommentare zur künftigen Entwicklung von Aktienmärkten und Einzelaktien von renommierten Spezialisten in Wirtschaftszeitungen zu lesen sind und wie diese Prognosen dann in sich zusammen fallen.
    Eigentlich wäre dieses Buch Pflichtlektüre für Alle, die Finanz- und Volkswirtschaften studieren.

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