Staatsschulden und Inflation

In letzter Zeit habe ich immer wieder gehoert, dass sich Leute Sorgen um eine kuenftig hohe Inflation machen. Manche halten sogar in diesem Zusammenhang eine Waehrungsreform fuer wahrscheinlich. Das Argument: Im Zuge der Finanzkrise verschuldet sich der deutsche Staat deutlich mehr als geplant. In 2008 betrugen die detuschen Staatsschulden 65,9% des Brutto-Inlandsprodukts (BIP) und 2009 werden sie voraussichtlich auf 70% steigen.

Ich hingegen warne, vor solch einfachen Schluessen. In der Wirtschaft funktionieren die Dinge fast nie nach dem Schema: Wenn A, dann B. Also beispielsweise: Wenn Staatsverschuldung, dann Inflation.

Bestes Gegenbeispiel liefert Japan. Japan hatte 1991 Staatsschulden in Hoehe von ca. 64% des damaligen japanischen BIP. In den ganzen 1990er Jahren hatte Japan mit einer wirtschaftlichen Abschwung zu kaempfen, so dass die japanische Regierung immer wieder mit Konjunkturprogrammen die Wirtschaft wieder zum Laufen bringen wollte.

So verschuldete sich der japanische Staat immer mehr. In 2008 lag die Staatsverschuldung bei dramatischen 173 % des BIP.

Und was machte die japanische Waehgung? Erlebte der Yen eine entsprechend dramatische Geldentwertung? Nein, gerade im Gegenteil. Der Yen hat von 1998 bis 2005 um 4% an Wert gewonnen. Japan hatte keine Inflation, geschweige denn eine Hyper-Inflation, sondern eine Deflation.

1 Antwort
  1. Michal Broska
    Michal Broska says:

    Ein tolles Beispiel! Staatsverschuldung und Inflation ist ein beliebtes Mythos. Es gab vor einigen Jahren einen ähnlichen Bloedsinn in Italien: man spekulierte ueber einen Austritt aus der Währungsunion, um angeblich die Schuldenlast los zu werden.Dies wäre ein fataler Fehler gewesen, da Italien dank dem langfristig stabilen Zinsniveau der Eurozone ihre besonders hohen Schulden (ca. 120%) relativ einfachen bedienen und verringen konnte.

    Inflation kommt dann zustande, wenn das Geld entwertet wird, vereinfacht gesagt, wenn das Wachstum der Geldmenge nicht dem Wachstum des BIPs entspricht, also wenn ich mehr Geld in der Tasche habe als ich an Waren und Dienstleistungen kaufen kann. Die Staatsverschuldung hat damit eigentlich nur am Rande was zu tun.

    Viele Denken vielleicht an die Inflationswellen aus der Zeit der Weimarer Republik (Krise damals, Krise heute). Man bekämpfte die Reparationen mit Gelddruck. Das fuehrte logischerweise zur Inflation. Die Reparationen hatten wiederum aber nichts mit der Staatsverschuldung zu tun, es waren eben Reparationen.

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