j0435725Ich habe mich am Sonntag Nachmittag mit Freunden getroffen. Einer davon ist Ivo,  ein bosnischer Kroate, der während des Bosnien-Krieges in den 1990er-Jahren mitten im Krisengebiet lebte.

Eher zufällig kam das Gespräch heute auf das Thema Gold. Ich fand es sehr interessant, was mein kroatischer Freund dazu sagte …

Einer der Anwesenden meinte, dass Gold ein Zahlungsmittel gerade in Krisenzeiten sei. Ivo hingegen sagte, dass Gold während des Bosnien-Krieges ein vollkommen ungeeignetes Zahlungsmittel war. Mit einem goldenen Ehering (ca. 1000 Euro wert) konnte man vielleicht einen großen Sack Kartoffeln (ca. 40 Euro wert) zu bekommen.

Was damals wirklich zählte, waren Lebensmittel, insbesondere Mehl und Öl. Und natürlich Zigaretten. Gold konnte man eintauschen, aber dramatisch unter dem normalen Wert.

In wirklichen Krisenzeiten war Gold bisher noch nie Zahlungsmittel

Die Idee, dass Gold gerade in Krisenzeiten ein bewährtes Zahlungsmittel ist, ist geradezu absurd, und ist historisch nicht zu belegen. Selbst bei uns war in der schlechten Nachkriegszeit Gold kein gängies Zahlungsmittel. Das waren vor allem Zigaretten und Damenstrümpfe.

Wenn man sich etwas näher mit der These auseinandersetzt, Gold sei ein bewährtes Zahlungsmittel in Krisenzeiten, kann man sich wirklich nur wundern. Wundern nämlich, warum manche selbsternannte Experten und viele Medien das immer wieder gebetsmühlenartig wiederholen. Nur dadurch, dass diese These immer wieder wiederholt wird, wird sie nicht wahrer. Sie ist und bleibt falsch, direkt absurd. 

Das einzige, was man vielleicht behaupten kann ist, dass Gold in Krisenzeiten ein geeignetes Mittel zu Bewahrung von Vermögenswerten war. Wer beispielsweise vor dem Krieg ein Teil seines Vermögens in Gold eintauschte, das Gold irgendwo vergrub oder deponierte, hatte, nachdem die Krise vorbei war, Werte durch die Krise gebracht (sofern er natürlich wieder an seinen Goldschatz kam).

Bewahrung: ja vielleicht. Zahlungsmittel: nein. So ist das mit Gold in Krisenzeiten. 

Ich habe ein gute Bekannte, die Goldschmiedin ist. Und sie sagte mir, dass sich ein Laie sehr schwer tut überhaupt zu erkennen, ob ein Stück Gold echt ist oder nicht. Schon aus diesem eifnachen Grund, dass in der Praxis eine viel zu hohe Unsicherheit besteht, ob das Stück Gold echt ist oder nicht, ist Gold gerade in Krisenzeiten als Zahlungsmittel vollkommen unbrauchbar.

Übrigens ist das genau der Grund, warum man in früheren Zeiten dazu überging, Gold und andere Metalle zu Münzen zu prägen. Auf diese Weise sollten die Leute eine Sicherheit erhalten dafür, dass das Stück Metall vor ihnen, nicht etwas anderes ist als der Käufer in spe behauptet.

Außerdem ist Gold als Zahlungsmittel auch deswegen ungeeignet, weil bereits sehr kleine Mengen sehr wertvoll sind. Und gerade in Krisenzeiten braucht man ein kleinteiliges Zahlungsmittel, eben wie beispielsweise Zigaretten oder Damenstümpfe.

Welche Rendite bringt Gold langfristig?

Rendite darf man aber bei Gold in keinem Fall erwarten. Erstens sind die Ankaufkosten viel zu hoch. Und zweitens zeigt das die langfristige historische Betrachtung. Beispielsweise war von 1980 bis heute die durchschnittliche Wertsteigerung p.a. von Gold bei sage und schreibe 1,7 % pro Jahr. Nach Inflation ist das ein realer Verlust.

Jeremy Siegel hat einmal berechnet, was aus einem US-Dollar bis ins Jahr 1990 geworden wäre, den man 1800 in US-Aktien, US-Staatsanleihen oder Gold investiert hätte. Also ein langfristiger Vergleich von fast 200 Jahren.

Das Ergebnis: Aus Aktien wurden mehrere Millionen USD, aus US-Staatsanleihen mehrere Tausend USD und aus Gold ganze 13 USD!!!

Die Ironie der Geschichte: Ein papierner Geldschein, sagen wir aus dem frühen 19. Jahrhundert, hätte heute einen um vieles höheren Sammlerwert, als das entsprechende Gold, das man damals in Zeiten des Goldstandards gegen den Geldschein hätte eintauschen können.

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5 Kommentare
  1. Yuriy
    Yuriy sagte:

    Stimme teilweise zu. Als wir 1944-46 durch Europa wirrten konnte mein Grossvater definitiv mit den Friedrich 2 2o Reichsmark an Lebensmittel kommen. Goldbesitz war damals verboten. An Brot und sogar Fleisch sind wir dennoch gekommen. Ich erinnere mich sehr gut an die Erschiessung von 2 Männern durch die Polizei in Linz die Brot gegen unglaubliche 1000 Reichsmark oder Gold ausgaben. Staatsanleihen brachten meinem Grossvater 0,0. Mein Grossvater hatte nichts von seinen polnischen und deutschen Anleihen. Die wurden einfach nicht mehr bedient. Die Aktien brachten wegen der Währungsreform auch nicht wirklich viel. Bargeldscheine waren ebenfalls entwertet nach 1948. Er starb dank seinen vielen Goldmünzen K Freidrich 2 und vielen 2 Mark Silbermark dennoch als wohlhabender Mann 1955.

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    • Peterreins
      Peterreins sagte:

      Die Funktion, die ich Gold oder Silber wirklich zugestehe ist: Ein Vermögen durch eine schlecht Zeit hindurchzubringen. Das ist ohne Zweifel richtig. Dafür ist Gold und Silber sogar hochgradig geeignet. Denn man kann hiermit ein Vermögen beweglich machen (im Gegensatz zu Immobilien), verstecken (im Gegensatz zu einem Wertpapierdepot) und nachdem das Schlimmste vorbei ist wieder hervorholen.
      Was aber Gold und Siber NICHT ist, ist ein Zahlungsmittel in Krisenzeiten. Und genauso werden Gold und Silber oft angepriesen. Das ist aber komplett unhistorisch und nicht belegbar.
      Gold und Silber: Ja, gute Vermögensaufbewahrungsmittel durch Krisenzeiten, aber Nein, keine Zahlungsmittel in Krisenzeiten. Das ist der Unterschied.

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  2. P. Krüger
    P. Krüger sagte:

    Ich verstehe das nicht ganz mit dem Nennwert. Wenn ich mir eine Unze kaufe wo bsp 50 CAD draufsteht, und eine wo 200 CAD draufstehen. Wieso sollte man mir im Falle eines goldstandards für eine Unze Gold wo die 200 CAD draufstehen 4x 50 CAD tauschen. Es bleiben doch jeweils nur 1 Unze Gold. Und was mich brennend interessieren würde ist welche Münzen man in Deutschland besser kaufen sollte. Ich meine canada ist ja weit weg und im Falle eines goldstandards in Deutschland würden doch unsere Banken nicht unbedingt den Nennwert den die canadier dafür erheben hier nachziehen oder?
    Schöne grüße

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    • Peterreins
      Peterreins sagte:

      Erstens. Dass überhaupt der Goldstandard eingeführt wird ist etwa so wahrscheinlich wie der Sturz eines Meteorits auf Deutschlands. Letzteres ist vielleicht sogar noch ein klein wenig wahrscheinlicher.
      Zweitens. Und selbst wenn der Goldstandard wieder eingeführt wird, dann weiß kein Mensch, in welcher Form genau. Es gab Zeiten, während der der Goldstandard Gültigkeit hatte, und man dennoch nicht so ganz einfach seine Banknoten in Gold tauschen konnte.
      Drittens. Eines muss klar sein. Der Materialwert einer Goldmünze ist immer deutlich niedriger als der Nominalwert. Das ist so schon seit dem Mittelalter. Das war ja damals eine Form von Steuererhebung, dass die Fürsten die Münzen eingezogen haben, und mit einer schlechteren Legierung wieder ausgegeben haben. Nominal stand beidemale dasselbe darauf, aber der Materialwert der neuen Münze war geringer. Die Differenz hat der Fürst einkassiert. Das hat natürlich dann zu einer Minderung der Kaufkraft geführt. Das waren die ersten Formen der Inflation.
      In dem Zusammenhang ist übrigens folgendes interessant. Gab es im Mittelalter zwei benachbarte Fürstentümer, sagen wir A und B, und wurden die Münzen von A verschlechtert. Welche Münzen haben sich sowohl in Fürstentum A als auch in B langfristig durchgesetzt? Was denken Sie?
      Naja, es war immer die schlechtere Münze. Sehr zum Ärger des Fürsten von B. Die Münzen mit der besseren Legierung wurden gehortet und wurden so nach und nach aus dem Geldverkehr herausgenommen. Während die schlechteren Münzen kursierten. Das Paradox: Für die Wirtschaft besser waren die Münzen mit der schlechteren Legierung, da hier der Wirtschaftskreislauf in Schwung blieb. Je besser die Münze, um so eher blieben die Leute auf ihren Münzen sitzen und der Wirtschaftsfluss begann zu stocken. Schade, dass so einfache historische Tatsachen sich nicht bei den Anhängern des Goldstandards herumgesprochen haben.

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