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Anlageberatung und Vergangenheitsdaten (Teil 2)

Ich möchte gerade anhand konkreter Beratungsbeispiele zeigen, dass in der Anlageberatung statistische Auswertungen vergangener Marktdaten nicht notwendig sind. Ein Blick in die Vergangenheit ist zwar hilfreich, um zu sehen, was es alles gab und was somit alles möglich ist. Der Blick in die Vergangenheit ist aber nicht hilfreich, um allgemeingültige Erkenntniss zu gewinnen.  Und insbesondere lassen sich solche vermeintlichen allgemeingültigen Erkenntnisse nicht auf zukünftige Kapitalmarktentwicklungen übertragen.

Das geben vergangene Marktdaten erstens nicht her, zweitens braucht man solche Verallgemeinerungen auch nicht für eine gute Anlageberatung.

In meinem letzten Beitrag habe ich bereits den Fall eines Herrn F. geschildert, der ohne weiteres sein Anlageziel schlicht durch Festgeld/Tagesgeld erreichen kann. Dieser Fall war in gewisser Weise natürlich sehr einfach, da Herrn F. eine Zielrendite von 0,5% genügte. Nachfolgend daher ein etwas anspruchsvollerer Fall …

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Anlageberatung und Vergangenheitsdaten (Teil 1)

Ich habe vor ein paar Wochen eine Buchbesprechung von Gerd Kommers Buch „Kaufen oder mieten?“ auf diesem Weblog veröffentlicht (siehe hier). Ich bin voll des Lobes für dieses Buch und kann es jedem weiterempfehlen, der darüber nachdenkt, eine Immobilie zu erwerben.

Anhand vieler historischer Daten zeigt Gerd Kommer auf, dass die Anlageklasse Immobilien in der Vergangenheit riskanter war, als viele Leute glauben. Und dass die Rendite in den letzten Jahrzehnten bei Immobilien im Durschnitt deutlich niedriger war, als viele Leute behaupten.

Ich hatte nur einen kleinen Kritikpunkt an Gerd Kommers Buch. Er behauptet nämlich, das zwar eine Zeitreihe von 5 Jahren nicht ausreicht, um Aussagen über künftige Kapitalmarktentwicklungen zu machen, – wohl aber eine Zeitreihe von 30 Jahren und mehr. Gerd Kommer meint insbesondere, dass der Mittelwert über Kapitalmarktrenditen über die letzten 30 Jahre einen guten Hinweis für die künftige langfristige Entwicklung ist. Hat man also beispielsweise eine Durschnittsrendite des DAX von 8,2% über die letzten 30 Jahre, so meint Gerd Kommer, dass diese 8,2% auch eine gute Schätzung für künftige DAX-Renditen darstellt.

Ich hingegen bin hier sehr skeptisch. Ich sage: Statistische Auswertungen von vergangenen Marktdaten sind immer mit Vorsicht zu genießen und man ist klug, nicht von vergangenen Entwicklungen auf künftige Entwicklungen zu schließen  – vollkommen egal, ob man 5 Jahre oder 30 Jahre analysiert. Der Schluss von der Vergangenheit auf die Zukunft ist generell nicht statthaft, egal wie lange die Zeitreihe ist. So meine Behauptung.

Um nicht missverstanden zu werden: Natürlich halte ich die Beschäftigung mit Vergangenheitsdaten für aufschlussreich und für interessant. Ich glaube nur nicht, dass man mit ihnen allgemeingültige Aussagen gebründenden kann oder eben Aussagen der Form: „Weil das in der Vergangenheit war, muss das notwendigerweise auch in der Zukunft so sein.“

Gerd Kommer antwortete mir ausführlich mit einer E-Mail, die ich auf meinem Weblog veröffentlichen durfte (siehe hier). Hier schreibt er unter Punkt 11:

Punkt 11. Vielleicht am wichtigsten: Welche Alternative empfehlen Sie zum Versuch erwartete Renditen für verschiedene Asset-Klassen zu ermitteln. Welche erwarteten Renditen (kurz- und/oder langfristig) nehmen Sie an für bestimmte Asset-Klassen, wenn Sie Portfolios für Ihre Kunden konstruieren?  Welche Methode benutzen Sie dafür?“

Ich möchte nachfolgend erörtern, warum man in der Anlageberatung nicht mit erwarteten Renditen im Sinne der modernen Finanztheorie arbeiten muss…

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Lange Zeitreihen und erwartete Rendite

Wer Geld anlegt, dem geht es um die Zukunft. Nur wenn ich glaube, dass beispielsweise deutsche Aktien künftig gute Renditen erzielen werden, werde ich  in diese Anlageklasse investieren wollen. Nun ist aber die Wertentwicklung von Aktien alles andere als vorhersehbar. Wenn ich heute investiere, könnte es durchaus sein, dass ich in einem Jahr nicht reicher, sondern ärmer bin.

Aber auch das muss mich nicht stören, sofern die Rendite auf lange Sicht stimmt. Bei Aktien bin ich mir also dessen bewusst, dass ich zwar zwischenzeitlich Verluste haben kann, nach einigen Jahren erwarte ich aber eine ordentliche Durchschnittsrendite.

Mit welcher langfristigen Durchschnittsrendite kann ich aber rechnen? Ist es, um beim Beispiel zu bleiben, bei detuschen Standardaktien (DAX) realistisch, langfristig 7%, 8%, 9% oder gar 10% zu erwarten?

Um diese Frage zu beantworten, suchen viele ihr Heil in der Vergangenheit. Man schaut sich also historische Zeitreihen an, analysiert sie und wagt dann den Schluss auf die Zukunft. Man nimmt das, was man kennt (die Vergangenheit), und überträgt es auf das, was man nicht kennt (die Zukunft). An irgendwas muss man sich doch halten, oder nicht?

Gerade bei Kapitalmarktdaten (Aktienkursen, Zinssätzen, Wechselkurse) liefern aber unterschiedlich lange Zeitreihen zum Teil sehr unterschiedliche Ergebnisse. Bezogen auf den Dax bekomme ich z.B. folgende durchschnittlichen Renditen, je nachdem wie viele Jahre ich zurückgehe:

  • durchschnittliche DAX-Rendite der letzten 3 Jahre  (bis 31.01.2011): 3,6%
  • durchschnittliche DAX-Rendite der letzten 5 Jahre: 6,6%
  • durchschnittliche DAX-Rendite der letzten 10 Jahre: 3,3%
  • durchschnittliche DAX-Rendite der letzten 20 Jahre: 10,5%
  • durchschnittliche DAX-Rendite der letzten 25 Jahre: 9,8%
  • durchschnittliche DAX-Rendite der letzten 30 Jahre: 11,4%

Diese Zahlen liegen doch sehr weit auseinander. Woran soll man sich hier halten? Eher an den 3,3%, die in den letzten 10 Jahren erzielt wurden, oder an den 11,4% der letzten 30 Jahre? Welche Zahl ist aussagekräftiger und lässt einen zuverlässigeren Schluss auf künftige DAX-Renditen zu?

 Manche Leute argumentieren:

„Je länger die historische Zeitreihe ist, auf die man abstellt, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie für die langristige Zukunft repräsentativ ist. Je länger die Zeitreihe, desto näher wird sie vermutlich an der erwarteten Rendite oder Wertentwicklung liegen. Die erwartete Rendite ist definitionsgemäß die beste Schätzung der zukünftigen langfristigen Rendite.“

Ich habe daran so meine Zweifel …

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Risikoklassifizierung ist unsinnig

Jeder kennt es, der sich schon einmal von einem Bankberater in Anlagefragen hat beraten lassen: Man muss angeben, welcher Risikoklasse man sich zugehörig fühlt. Gehört man nun in die Schublade A, B, C, D oder E?

Tja, da kann man lange grübeln. Manche schlauen Leute haben deshalb Tests entwickelt. Da muss man einfach ein paar Fragen beantworten. Am Ende wird das dann ausgewertet und man weiß dann: „Aha, ich bin Risikoklasse B!“

Wie unsinnig dieses ganze Utnerfangen ist, sieht man, wenn man sich ein wenig mit der wissenschaftlichen Literatur zu diesem Thema beschäftigt…

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Kurz gemeldet: Offene Immobilienfonds

Eben habe ich in der heutigen Ausgabe der Financial Times Deutschland (FTD) einen sehr kurzen Arikel gelesen (S. 24). Überschrift: „Immobilienfonds machen dicht.“

Darin geschildert, dass die Informationspolitik vieler offener Immobilienfonds, die derzeit eingefroren sind, extrem schlecht ist. Daraus leitet die FTD die Vermutung ab, dass die Fondsgesellschaften diese Fonds wohl schon aufgegeben haben. Damit ist gemeint, dass die Fondsgesellschaft nicht mehr vorhat weiteres Geld für diese Fonds einzusammeln, sondern die Objekte nach und nach geregelt zu verkaufen, um am Ende alle Anleger auszuzahlen. Danach würde der Fonds dann aufgelöst werden.

Jeder, der mich gut kennt, weiß, dass ich seit vielen Jahren (deutlich vor September 2008) vor offenen Immobilienfonds gewarnt habe. Wenn ich bei einem Beratungsgespräch gesehen habe, dass jemand offene Immobilienfonds im Depot hat, habe ich immer geraten, sofort und ohne zu zögern diese Anteile zu verkaufen. Wirklich kein einziger Anleger hatte begriffen, auf was für einer Zeitbombe er/sie hier saß.

Und wenn ich es versuchte zu erklären, so gab es einige, die mir schlicht nicht glaubte. Gerne wird dann auf die bisherige glorreiche Vergangenheit verwiesen. Nur bei der Geldanlage ist es halt so: Die Vergangenheit zählt nicht, – das was zählt, ist die Zukunft. Und die kann ganz anders sein als die Vergangenheit.

Den Fehler, von der Vergangenheit auf die Zukunft zu schließen, machen Anleger permanent.

In einem Gespräch letztens ist mir folgender Vergleich eingefallen. Man stelle sich einen jungen Mann, Herrn A, vor. Herr A ist Motorrad-Fan und hasst Sturzhelme. Außerdem rast er gerne. Als Herr A. danach gefragt wird, warum es ein so hohes Risiko eingeht, und ohne Helm 200 km/h auf der Autobahn fährt, antwortet er: „Bisher ist alles gut gegangen. Also ist es wohl nicht so riskant, wie viele Leute meinen. Ich fahre weiter ohne Helm.“

Genauso, wie dieser unbesonnene Motorradfahrer gehen viele bei der Geldanlage vor. Sie wissen gar nicht, auf welche Risiken sie sich einlassen – mit Verweis auf gute Vergangenheitsdaten.

Welchen Nutzen bringt Vermögensberatung? – Risikomanagement

Ich halte nichts, und zwar rein gar nichts, von Kapitalmarktprognosen. Das ist mitunter die sinnloseste Tätigkeit, die es überhaupt gibt. Es gibt auch massenhaft Belege dafür, dass auch sogenannte Finanzmarkt-Experten keine höheren Trefferquoten haben – sagen wir im Vergleich zu Laien oder zum Zufall.

Sehr bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist eine Studie von Prof. Törngren aus Schweden „Worse than chance“ (zu deutsch „Schlechter als der Zufall“). In einem Experiment hatten die „Experten“ eine Trefferquote von etwas über 40 Prozent. Würde man alleine aufgrund eines Münzwurfes Anlageentscheidungen treffen, darf man (langfristig) eine Trefferquote von 50 Prozent erwarten. Die angeblichen Experten haben also deutlich schlechter abgeschnitten als der Zufall.

Wenn das wirklich so ist, dass Experten auch nicht besser in die Zukunft schauen können als wir alle, dann stellt sich natürlich die Frage: Welchen Nutzen soll es überhaupt bringen, in Finanzfragen einen Experten zu konsultieren?

Eine Antwort habe ich in meinem letzten Beitrag gegeben, nämlich Kostenminimierung. Was eine gute Vermögensberatung, meiner Meinung nach, auch noch gewährleistet, ist ein gutes Risikomanagement …

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Ein guter Anlageberater ist vor allem Kostenminimierer und Risiko-Mananger

Finanz- und Vermögensberater haben zum Teil einen sehr schlechten Ruf. Ich erlebe es immer wieder, dass Menschen wie folgt antworten, wenn Sie danach gefragt werden, ob sie einen Vermögensberater haben: „Um Gottes willen, verschone mich mit diesen Finanzberatern. Als ich das letzte Mal auf so einen gehört habe, habe ich so und so viel Geld verloren.“

Im Finanztest vom Januar 2010 wurde das Ergebnis eines Tests von Bankberatern veröffentlicht. Das blamable Ergebnis: von 21 getesteten Bankberatern bekam nur einer die Note Gut. D.h. etwa 95 Prozent der Berater schnitten mittelmäßig bis schlecht ab.

Und genau so hoch ist auch meine persönliche (rein subjektive) Schätzung: Meiner Erfahrung nach ist Finanz- und Vermögensberatung in Deutschland zu 95 Prozent mittelmaäßig bis schlecht.

Nachfolgend gebe ich ein paar Hinweise, was – meiner Meinung nach – gute Vermögensberatung kennzeichnet:
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Risikomanagement in den Total Return Fonds

Gestern sind die Aktienmärkte zwischen 2 und 2,5 Prozent gefallen. Damit ist der DAX seit Jahresbeginn 7,4 Prozent gefallen. Demgegenüber sind die beiden Total Return-Fonds in diesem Zeitraum nur 0,33 bzw 0,73 Prozent gefallen:

  • Dr. Peterreins Total Return 1-Fonds (A0M0Y2): -0,33 % von 31.12.09 bis 04.02.2010
  • Dr. Peterreins Total Return 2-Fonds (A0M0Y3): -0,73 % von 31.12.09 bis 04.02.2010

Dass das Minus in diesen Fonds so deutlich niedriger ist als der Gesamtmarkt, liegt an dem konsequenten, regelbasierten Risikomanagement, das ich in diesen Fonds verfolge…

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Edward de Bonos Denkschule und Prognosen

Ich habe in einem Beitrag bereits erwähnt, dass ich gerade das Buch „De Bonos neue Denkschule“ lese. (Link zu diesem Beitrag). Nachfolgend wieder ein Zitat hieraus, das man wunderbar auf das Thema Kapitalmarktprognosen beziehen kann …

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ETF-Dachfonds oder ETFs selbst zusammenstellen?

Ich manage ja den Global  Strategy-ETF-Dachfonds (A0M0Y4) nach einem strikt quantitativen Ansatz, ähnlich wie er von David Swensen in seinem Buch „Erfolgreich Investieren“ beschrieben wurde. Mein Management-Honorar liegt hier bei 0,7% und ist somit sehr preisgünstig im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds. In  meinen Gesprächen wird mir hin und wieder die Frage gestellt, ob man sich nicht einfach selbst ein ETF-Portfolio zusammenstellen könnte.

Meine Antwort lautet: Ja, das kann man natürlich machen. Und es ist sicher besser, als irgendwelche teuren aktiv gemangten Fonds zu erwerben. Ein wichtiger Aspekt ist aber sehr schwer konsequent alleine umzusetzen: und zwar das, was ich als Risikomanagement bezeichne …

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