Timing-Versuche gehen fast immer schief

Im August 2012 hatte ich ein Gespräch mit einem Anleger. Er war pessimistisch, was die weitere Börsenentwicklung betrifft. Aktuell war er stark in Aktien engagiert und dachte darüber nach, Gewinne zu realisieren. Seine Idee war: Die angefallenen Gewinne jetzt erst einmal zu sichern und abwarten, bis die Kurse wieder deutlich niedriger als aktuell sind und dann wieder einsteigen.

Ich habe den Kunden dringend davor gewarnt, sich auf Timing-Versuche einzulassen. Ich sagte ihm, dass ich in meiner über 20-jährigen Erfahrung im Kapitalanlagebereich bis auf ganz, ganz wenige Ausnahmen noch nicht erlebt habe, dass Anleger mit Timing Erfolg hatten. Gerade im Gegenteil…

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Verführerische Vergangenheitsdaten

Ich erlebe es immer wieder: Anleger setzen mit Vorliebe auf das, was in der jüngsten Vergangenheit gerade gut lief. Gold muss zwei Jahre hintereinander gute Preissteigerungen haben und plötzlich heißt es, dass Gold „schon immer“ eine gute Anlageform war. Oder ein Fonds X hat zwei Jahre lang eine überdurchschnittliche Performance und in den Medien wird der Fondsmanager als Genie gefeiert.

Dumm nur, dass die meisten Anleger erst mal nicht dabei waren. Dumm ist auch, dass man sich als Anleger natürlich in erster Linie für eines interessieren sollte: die Zukunft. Nicht die Vergangenheit zählt, sondern die voraussichtliche künftig Entwicklung. Der Fehler vieler Anleger ist, von der Vergangenheit auf die Zukunft zu schließen.

 

In vielen Bereichen ist das ja auch zulässig. Nehmen wir mal das Beispiel eines Handwerkers. Jemand, der bereits gute Arbeit geleistet hat, dem traut man auch zu, in der Zukunft gute Arbeit zu leisten.

Es gibt aber auch andere Bereiche des Alltags, bei denen jeder weiß, dass man von vergangenen Erfolgen nicht auf künftige Erfolge schließen darf. Zum Beispiel beim Würfeln. Wer ein paar Mal die Sechs gewürfelt hat, wird deswegen keine höhere Wahrscheinlichkeit, auch künftig überdurchschnittlich häufig Sechser zu würfeln. Wer doch daran glaubt, glaubt vielleicht an magische Zauberhände, oder an den Erfolg einer bestimmten Würfeltechnik.

Die Frage ist nun: Ist der Bereich Geldanlage eher mit der Leistung eines Handwerkers vergleichbar oder mit dem Würfeln?

So traurig es ist, so scheint es mir doch auf der Hand zu liegen, dass Geldanlage viel mehr mit Glück und Zufall zu tun hat, als die allermeisten Menschen zugeben möchten. Ein sehr guter Beleg dafür ist, dass in schöner Regelmäßigkeit die Börsenstars von gestern die Verlierer von heute sind. Oder anders formuliert: Man einiges darauf wetten, dass die Börsenstars von heute die Verlierer von morgen sind.

Bestes aktuelles Beispiel ist der Hedgefondsmanager John Paulson. Er traf kurz vor der Finanzkrise die richtigen Entscheidungen und verdiente Milliarden. Zur Zeit steht er in der Kritik, weil er im großen Stil Geld vernichtet hat. Einer seiner Fonds hat alleine im ersten Halbjahr 2013 über 60 % Verlust gemacht.

Sehr lesenswert in diesem Zusammenhang ist das Buch von Nassim Taleb: „Narren des Zufalls“. Taleb liefert hier eine Fülle von Beispielen von hochgefeierten Geldmanagern, die sich selbst für unfehlbar hielten, und dann bitterbös abgestürzt sind. Leider scheint es, dass die große Mehrheit der Anleger aus dieser Überfülle an Beispielen nichts zu lernen scheint.

Der Zufall spiel also sicherlich eine sehr große Rolle bei der Geldanlage. Und dennoch gibt es auch hier einen handwerklichen Aspekt. Gerade vor dem Hintergrund des Zufalls halte ich folgendes für unabdingbar:

  • Klare Ausrichtung der Geldanlage auf die Anlageziele des Anlegers
  • Minimierung der Kosten
  • Risikomanagement (!!!)

Gerade das Risikomanagement ist eigentlich eine Art Handwerk. Es kann aber keine Überrenditen garantieren und auch nicht vor Verlusten bewahren. Hierin ähnelt das Risikomanagement ein wenig der Feuerwehr. Die Feuerwehr kann Brände auch nicht (gänzlich) verhindern. Die wichtigste Funktion der Feuerwehr besteht vielmehr darin, dass sie weiß, was zu tun ist, im Falle eines Brandes. Auf diese Weise wird Schlimmeres verhindert.

Ein Risikomanager weiß, was zu tun ist für den Fall, dass die Dinge anders laufen als gewünscht. Und genau darüber machen sich sehr viele Privatanleger, aber auch viele professionelle Anleger gar keine Gedanken. Gekauft wird, was aussichtsreich erscheint, die Möglichkeit eines Anlagefehlers wird weggeblendet. „Da wird schon nichts schiefgehen“, denkt sich der Anleger. Und wenn es dann doch schief geht, handelt der Anleger mit ziemlicher Sicherheit in irgendeiner Form irrational.

Ich möchte es mal so formulieren: Ein guter Risikomanager ist ein Handwerker des Zufalls.

 

Die Menschen fürchten sich vor den falschen Dingen

Am 23. April habe ich einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung gelesen, der mich im übertragenen Sinne an das Verhalten vieler Anleger erinnert hat. Der Titel des Artikels von Christopher Schrader lautete: „Logik der Angst“. Untertitel: „Menschen überschätzen viele Gesundheitsgefahren und achten andere zu gering. Eine bessere Ausbildung in Statistik könnte die Sicht auf die wirklichen Risiken im Leben lenken.“

In dem Artikel geht es darum, dass viele Menschen dazu neigen, verhältnismäßig kleine Gefahren deswegen zu überschätzen, weil sie groß in den Medien aufgebauscht werden. Andere Gefahren sind zwar faktisch viel gravierender, erschrecken uns aber seltsamerweise viel weniger.

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Confirmation Bias

In der Wissenschaft ist dersogenannte Confirmaton Bias bekannt. Frei übersetzt: „der Bestätigungsfehler“.

Damit ist folgendes gemeint: Wir Menschen neigen dazu, überall Bestätigungen für unsere vorgefassten Meinungen zu sehen. Was unseren Ansichten widerspricht wird sehr häufig einfach nicht wahrgenommen.

Nehmen wir beispielsweise Frau X. Sie ist der Überzeugung, dass alle Männer gefühlsarm sind. Aus dem Stegreif kann sie dutzende Beispiele aufführen, in denen sie erlebt hat, dass Männer gefühlsarm sind. Selbstverständlich hat sie auch hin und wieder gefühlvolle Männer kennengelernt, das fällt ihr aber sozusagen durchs Raster. Trifft sie aber mal wieder auf einen unsensiblen Mann, dann wertet sie das als weiteren Beweis.

Dasselbe gilt für Herrn Y, der meint, dass Frauen nicht Autofahren können. Die vielen Frauen, die gut fahren, nimmt er gar nicht wahr. Fällt aber einmal eine Frau negativ im Verkehr auf, dann meint er: „Haben wir’s mal wieder: Frau am Steuer…“

Diese Neigung, überall Beweise für unsere vorgefassten Meinungen zu sehen, die Gegebneispiele aber gar nicht wahrzunehmen, ist in uns Menschen tief verwurzelt. Interessant ist, dass diese Neigung gerade auch bei der Geldanlage eine große Rolle spielt…

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Anleger handeln oft irrational

In der Financial Times Deutschland habe ich am 21. Juli einen interessanten Artikel gelesen (S. 21, Autor; Brigitte Watermann) mit dem Titel: „Gier frisst Hirn“…

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Planet Wissen-Video: Ist der Euro gleich Teuro

Auf  dem TV-Sender „BR alpha“ sehe ich mir hin und wieder die Sendung „Planet Wissen“ an. Letztens wurde hier zum Thema DM/Euro berichtet. Sehr interessant wie ich meine. Insbesondere wird ein Psychologe interviewt, der ein bemerkenswertes Experiment machte.

Das Ergebnis: Viele Deutsche glauben auch dann Preissteigerungen wahrgenommen zu haben, wo tatsächlich gar keine waren.

Hier der Link zum Video.

Viele Anlagebetrüger halten sich für unschuldig

Wenn es ums liebe Geld geht, sind in der Regel die halbseidenen Berater nicht weit. Manchmal ist tatsächlicher und vorsätzlicher Anlagebetrug, manchmal ist der Grenzverlauf zwischen schlechter Beratung und Betrug fließend. Sehr interessant in diesem Zusammenhang ist ja aktuell der Fall des Helmut Kiener. Wenn ich recht informiert bin, lehnt er es ab, ein Geständnis abzulegen, um auf diese Weise eine Straferleichterung zu erhalten. (siehe auch Artikel in der FTD)

Helmut Kiener scheint sich selbst als für unschuldig zu halten. Und das, obwohl man den Eindruck hat, dass in seinem Fall, die Sachlage mehr als eindeutig ist.

Tatsächlich scheint es ein oft zu beobachtendes Phänomen zu sein, dass Betrüger sich selbst für unschuldig halten …

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Törngren-Experiment: Das Ergebnis

Vor einem Jahr hatte ich mit dem Blogger Sascha Huber eine Diskussion. Darüber nämlich, ob die Treffer, die manche Menschen mit ihren Kapitalmarktprognosen haben, möglicherweise nur auf Glück und Zufall beruhen, nicht aber auf Können (Link zu dieser Diskussion).

Meine Argumentation ging etwa so: Stellen Sie sich vor, jemand versucht 20 Mal hintereinander das Ergebnis eines Münzwurfs zu erraten. Dann kann es durchaus vorkommen, dass die Testperson die ersten 10 Mal – rein zufälligerweise – genau richtig geraten hat. Das ist aber noch lange kein Grund dafür anzunehmen, dass diese Testperson 10 weitere Male das Ergebnis eines Münzwurfes richtig voraussagt.

In etwa so ist es auch mich Kapitalmarktprognosen. Es kann durchaus vorkommen, dass jemand bei Kapitalmarktprognosen eine Zeitlang recht gute Treffer hat. Das könnten aber genauso reine Zufallstreffer gewesen sein. Langfristig – so meine These – liegt die Trefferquote jedes einzelnen von uns in etwa bei 50%. Das entspricht der Wahrscheinlichkeit, rein zufällig das Ergebnis eines Münzwurs richtig zu erraten.

 Daher ist auch das ganze Getue um Kapitalmarktprognosen vollkommen sinnlos. Ein Problem bei der Sache ist allerdings, so meine Meinung, dass sehr viele einfach ein schlechtes Gedächtnis haben, bzw. dass vielen die eigene Psyche das Ergebnis verfälscht. All die vergangenen Fehlprognosen vergessen wir oder verdrängen wir einfach. Wir wollen uns unsere Irrtümer und Fehleinschätzungen nicht eingestehen. Übrigens umso mehr, je mehr sich jemand für einen Experten hält. So kommt es, dass viele zwar tatsächlich in etwa der Hälfte der Fälle krass daneben liegen, sich selbst aber dennoch für sehr treffsicher halten.

Eine Möglichkeit, die Sache objektiv zu überprüfen, besteht darin, einen klar gesteckten Versuchsrahmen festzulegen. Genau das tat bereits einmal der schwedische Professor Törngren. Im Zuge unserer Diskussion vor einem Jahr, forderte ich Sascha Huber auf, dieses Törngren-Experiment zu wiederholen. Und Sascha Huber machte tatsächlich mit.

Um eine möglichst aussagekräftige Datenlage zu bekommen, bat ich so viele Menschen wie möglich, bei diesem Expereriment mitzumachen. Insgesamt machten genau 50 Personen mit. Hier das interessante Ergebnis …

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Soziale Ansteckung und Geldanlage

Am Freitag den 24. September habe ich einen interessanten Zeitungsartikel in der SZ gelesen: „Zeig mir deine Wunde“. Untertitel: „In sozialen Netzwerken infizieren sich Menschen auch mit psychischen Leiden.“ In diesem Artikel geht es um ein Phänomen, das in der Wissenschaft „soziale Ansteckung“ genannt wird. Dieses Theme ist, wie ich meine, sehr interessant, vor allem mit Bezug auf die Geldanlage…

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Willy Schneider: Wir überschätzen unsere Rationalität

In der Süddeutschen Zeitung vom 30. Juli 2010 stand ein Interview mit dem Ökonomen Willy Schneider. Er ist Professor an der Universität Mannheim und spezialisiert auf Strategien, wie Kunden in Geschäften zum Kaufen animiert werden.

Die meisten Anlageberater sind ja bekanntlich eigentliche Verkäufer bestimmter Anlageprodukte.  Mich jetzt natürlich interessiert, wie sich das, was Professor Willy Schneider übers Einkaufen in Geschäften sich möglicherweise auf das Finanzberatungsgespräch übertragen lässt.

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