Götterdämmerung und Euro-Krise

Ich habe gestern die Oper „Götterdämmerung“ von Richard Wagner besucht. Die Inszenierung, die Musik, die Sänger – alles hat mir sehr gut gefallen. Einen kleinen Wermutstropfen gab es aber für mich doch. Das Bühnenbild suggerierte nämlich den Zusammenhang: „Götterdämmerung“ = Euro-Krise.

Ich musste lang darüber nachdenken, warum mich diese Assoziation störte. Vielleicht stört mich ganz einfach der krampfhafte Versuch, eine Oper, die vor etwa 140 Jahren geschrieben wurde, mit branntheißer Aktualität versehen zu wollen…

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Was nun? Inflation oder Deflation?

Ich habe eben einen Artikel in der Financial Times Deutschland gelesen: Deflation als unterschätzte Bedrohung. Darin wird beschrieben, dass einige Wirtschaftswissenschaftler das Szenario einer Deflation in den nächsten Jahren für durchaus möglich halten. Das ist natürlich deswegen so bemerkenswert, weil die Stimmungslage der meisten Deutschen genau entgegengesetzt ist.

Erst gestern hatte ich wieder ein Gespräch mit einem Herren, der sich ganz und gar sicher war: „Staatsanleihen darf man derzeit nicht kaufen, weil eine Inflation unausweichlich ist.“ Aha, eine Inflation muss kommen, es gibt keine Alternative. Die Frage ist nur wann. So die Meinung sehr vieler Anleger momentan. Daher ja auch der Ansturm auf Gold und Immobilien. Nach dem Motto. Hier findet man einen Schutz vor Inflation.

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Die meisten meinen: So wie es war, wird es weitergehen

Ich finde es sehr interessant, wenn man sich mit der Stimmungslage beschäftigt, die Ende der 1990er-Jahre vorherrschte. Sehr gut beispielsweise dargestellt in Alan Greenspans Autobiografie: Mein Leben für die Wirtschaft.

Damals glaubten die Leute, dass eine Art neues Zeitalter angeborchen sein. Die Gefahr einer Inflation schien nachhaltig gebannt, die Wirtschaft wuchs und wuchs und wuchs (in Amerika z.B. mit unglaublichen 4% pro Jahr) und die Aktienkurse schienen nur noch eine Richtung zu kennen, nämlich nach oben. Selbst solche Rückshcläge wie die Mexikokrise 1995 oder die Asien- und Russlandkriese 1998 schienen nur kleine Täler auf dem Weg nach oben zu sein.

Ich persönlich kann mich noch sehr gut an die Gefühlslage damals erinnern. Alle möglichen Leute fingen plötzlich an, mit Aktien zu spekulieren. Manchmal sogar auf Pump. Wer nicht in Aktien ging, galt als unbelehrbar, dumm und rückständig. In den Bücherläden fand man Ratgeber, wie man möglichst schnell mit Aktiengeschäften reich wird.

Wie vollständig anders ist heute die Stimmung. Wenn man mit den Leuten spricht, dann reden sie davon, dass selbstverständlich alles noch schlimmer wird, als es heute bereits ist. Die vermuteten Horrorszenarien überschlagen sich förmlich. Manche raten allen Ernstes, Konserven zu horten oder sich ein Stück Ackerland zu besorgen. Bestseller sind derzeit solche Bücher, die genau solche Ängste bedienen: Hyperinflation, Währungsreform, große Bank- und Staatspleiten, das Ende des Abendlandes, etc. etc.

Damals wie heute schloss die Mehrheit der Leute von der Entwicklung der unmittelbaren Vergangenheit (2-3 Jahre) auf die Zukunft. Das was man Ende der 1990-er Jahre durchschritten hatte, war eine weitgehend „heile“ Welt, also dachte man, dass es so weitergeht. Das, was wir die letzten Jahre erlebt haben, war Kapitalmarkt-Chaos und Horror, also denken die Leute, so wird es weitergehen. Ganz einfach.

Stattdessen ist es mehr als offensichtlich. Wirtschaft wie Börse durchschreiten schlechte Jahre und gute Jahre – im Wechsel. Irgendwann, das ist mehr als klar, werden wieder alle jubilieren, die düsteren Zeiten von heute werden vergessen sein und man wird wieder ein neues, glückliches Zeitalter ausrufen (das aber dann leider auch nur ein paar Jahre so sein wird).

Wie erzieht man zur finanziellen Allgemeinbildung?

Ich habe dieses Wochenende einen Beitrag in der SZ darueber gelesen, wie man Schuelern finanzielle Allgemeinbildung versucht beizubringen. Aus meiner Sicht ist dieses Thema extrem wichtig. Immer wieder versuchen Politiker die schlimmsten Auswuechse in der Finanzbranche durch Regulierung zu bekaempfen.

Ich denke aber, dass man regulieren kann wie man will, wenn die Verbraucher nicht entsprechendes Wissen besitzen. Ein solches Wissen eignet man sich aber am besten schon als Kind an…

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John Kay über Börsenexperten

Ich habe in meinem letzten Beitrag Bezug genommen auf das Buch von John Kay: „Obliquity: Die Kunst des Umwegs oder Wie man am besten sein Ziel erreicht„. Auf Seite 135 schreibt er folgendes:

„Das menschliche Gehirn ist darauf ausgerichtet, ständig nach Mustern und Ursachen zu suchen, was oftmals auch sehr sinnvoll ist. Doch diese Ausrichtung führt dazu, dass wir in rein zufälligen Ereignissen ebenfalls Muster erkennen und ihnen Intentionen zuschreiben wollen, die es gar nicht gibt. Wir bilden uns dann in Fällen von Obliquity ein, Geradlinigkeit zu sehen. Börsenexperten meinen, sie könnten Entwicklungen auf dem Aktienmarkt vorhersagen, indem sie Börsenwerte aus der Vergangenheit analysieren. Sie glauben noch immer daran, obwohl wiederholt nachgewiesen wurde, dass solche Gewinn- bzw. Torserien und Kursverläufe rein zufällig entstehen können.“

Kant und Anlageberatung

Im Jahre 1784 schrieb der Philosoph Immanuel Kant den Aufsatz „Zur Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ Diese berühmte Schrift beginnt so:

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursche derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Erschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!, ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“

Nachfolgend schreibe ich darüber, was diese Sätze mit Geldanlage und Anlageberatung zu tun haben …

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Wie Statistiken in die Irre führen können

In der Süddeutschen Zeitung vom 5./6. März ist auf Seite 34 eine Buchbesprechung veröffentlicht. Und zwar geht es um das Buch „Lügen mit Zahlen. Wie wir mit Statistiken manipuliert werden“ von Gerd Bosbach und Jens Jürgen Korff.

Nachfolgend ein paar Zitate aus dieser Buchbesprechung, die ich für interessant halte …

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Nachtrag: Vom richtigen Umgang mit Vergangenheitsdaten

Ich habe letzte Woche von einem richtigen und einem falschen Umgang mit vergangenen Marktdaten geschrieben (siehe hier). Darin sagte ich, dass es grob zwei Arten gibt, vergangene Marktdaten auszuwerten:

  1. Vergangene Daten werden als Beweis für eine verallgemeinernde Aussage herangezogen;
  2. Vergangene Daten werden als Beweis für eine Möglichkeits- oder Existenzaussage.

Beispiele für 1. sind:

  • „Der Mittelwert von Aktien liegt generell bei 8,2%. So war es in den letzten 30 Jahren, und so wird es auch in Zukunft sein.“
  • „Aktien haben immer eine bessere Rendite als Anleihen“
  • „Gold steigt immer, wenn die Inflation anzieht.“
  • „Wenn man in den 1970er Jahren in Deutschland eine Immobilie gekauft hat, dann hat man daran bis heute sehr gut verdient.“

Letzteres sind Aussagen, die einen allgemeingültigen Zusammenhang behaupten und ihn durch vergangene Marktdaten zu belegen meinen.

Beispiele für Aussagen der zweiten Art sind:

  • „Es gibt Perioden, in denen Aktien sehr schlecht laufen. Das zeigt die Vergangenheit. Auch für die Zukunft ist nicht auszuschließen, dass man hin und wieder schlechte Marktphasen haben werden.“
  • „Es gab Phasen, bei denen die Inflation zwar anstieg, der Goldpreis aber trotzdem gefallen ist. Auch für die Zukunft ist es denkbar, dass zwar die Inflation anzieht, nicht aber Gold an Wert gewinnen wird.“
  • „Es gibt deutsche Immobilien, die jemand in den 1970er Jahren erworben hat, und dennoch eine unbefriedigende Rendite damit erzielt hat.“

Ich halte die Aussagen der ersten Form für problematisch und eigentlich nicht korrekt. Die letztere Art von Aussagen halte ich für zulässig und korrekt.

Der Leser Klaus hat meine Position kritisiert, weil er meinte, dass auch ich in der Anlageberatung Vergangenheitsdaten heranziehen müsste. Ohne das, so meint er, könne man gar nicht Kunden gut beraten. Um noch mal klarzustellen, was genau ich meine, nachfolgender kurzer Beitrag …

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Was Nassim Talebs John alles falsch gemacht hat

In meinem letzten Beitrag habe ich die Geschichte des Asset-Managers John aus dem Buch „Narren des Zufalls“ zitiert (S. 135 ff). Für Nassim Taleb ist John ein Beispiel für einen „Narren des Zufalls“. John war mit einer bestimmten Anlagestrategie über sieben Jahre hinweg sehr erfolgreich. Er war so erfolgreich, dass er über die Jahre insgesamt16 Mio. USD verdiente. Von diesem Verdienst investierte er 14 Mio USD in diejenigen Geschäfte, die er auf für seinen Arbeitgeber tätigte.

Doch mit einem Male liefen die Dinge ganz anders als erwartet. Der Verlust für seinen Arbeitgeber belief sich innerhalb von sieben Tagen auf 600 Mio USD, so dass er fristlos gekündigt wurde. Da er aber auch privat auf dieselben Geschäfte setzte, war auch sein privates Vermögen von 14 Mio USD futsch.

Ich habe ja ein Buch geschrieben mit dem Titel „Grundsätze soliden Investierens„. Darin stelle ich eine Reihe von Grundsätzen auf, die – meiner Meinung nach – geeignet sind, die gröbsten Fehler bei der Geldanlage zu vermeiden. Intuitiv hat, denke ich, fast jeder das Gefühl, dass John eine ganze Reihe von Dingen falsch gemacht hat. Nachfolgend zeige ich, gegen welche meiner Grundsätze John verstoßen hat. Bzw. was John hätte vermeiden können, wenn er damals mein Buch zu Rate hätte ziehen können …

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Nassim Taleb über öknomische oder statistische Messgrößen

Nassim Taleb hat in seinem Buch „Narren des Zufalls: Die verborgene Rolle des Glücks an den Finanzmärkten und im Rest des Lebens“ viel aus der Praxis des Geldanlagens geschrieben. Nassim Taleb ist aufgefallen, dass es gerade in der Finanzbranche sehr häufig Leute gibt, die über eine lange Zeit hinweg sehr erfolgreich waren, dann aber mit einem Schlag dramatisch abstürzen. Solange diese Leute erfolgreich sind, glauben sie, dass ihr Erfolg mit ihren speziellen Fähigkeiten zu tun hat, keinesfalls aber auf bloßem Glück oder Zufall beruht.

Dass ihr Erfolg aber tatsächlich viel mehr mit Glück und Zufall zu tun hatte, als sie gerne zuzugeben bereit sind, erweist sich mit einem Paukenschlag am Ende, wenn sie mit viel Verlusten abtreten müssen. Solche Leute, die man (wie gesagt) in der Finanzbranche zuhauf anfindet, nennt Nassim Taleb „Narren des Zufalls“.

Es ist interessant, was Nassim Taleb zum Thema ökonomische und statistische Messgrößen im Zusammenhang mit „Narren des Zufalls“ sagt …

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