Ich habe letztens einen Video-Beitrag auf YouTube angesehen, in dem ein Vermögensverwalter zum Thema China interviewt wird. Der Vermögensverwalter sagt meiner Meinung nach ein paar richtige Dinge, im Großen und Ganzen aber bewerte ich seine Aussagen kritisch.

Großer China-Crash im August?

Der Vermögensverwalter sagt, aus meiner Sicht richtig, dass man einen Crash am Aktienmarkt naturgemäß nicht vorhersehen kann. Er weist, auch das völlig zurecht, darauf hin, dass es ein weitverbreiteter Fehler ist, von Vergangenheitsdaten auf künftige Kursentwicklungen zu schließen. Fast in jeder Bankberatung wird so vorgegangen und darin besteht auch der Kern von Fonds-Ratings. Immer und immer wieder wird so argumentiert: Dieses Wertpapier, dieser Fonds, diese Branche, diese Region hat in den letzten Jahren gut abgeschnitten, – also wird es so auch weitergehen.

Der Vermögensverwalter beschreibt, wie auch das typische Risikomanagement von Wertpapierportfolios genau so vorgeht: Vergangenheitsdaten werden auf die Zukunft projiziert. Naja, und das kann zu keinen vernünftigen Ergebnissen führen. Gerade Crashs zeichnen sich dadurch aus, dass sie jedes Mal aus den vorgehenden Vergangenheitsdaten alles andere als ablesbar waren.

Da dieser Vermögensverwalter (richtig) sagt, dass man Risikomanagement nicht anhand von Vergangenheitsdaten korrekt machen kann, plädiert er für synthetische Stresstests. Damit meint er, dass man ein mögliches oder als wahrscheinlich eingeschätztes Szenario simuliert, sowie alle wahrscheinlichen Konsequenzen daraus für den Kapitalmarkt.

Der Vermögensverwalter gibt dafür ein konkretes, aktuelles Beispiel. Er glaubt, dass es ein Stressereignis gibt, das schon heute absehbar ist und sich bereits jetzt langsam ankündigt. Joe Biden hat ja den US-Geheimdienst damit beauftragt, bis August 2021 herauszufinden, inwiefern China eine Hauptschuld an der Corona-Krise hat. Die Frage ist, ob den chinesischen Behörden schon recht frühzeitig bekannt war, dass sich im Land ein neuartiger Virus verbreiten würde, und ob die Chinesen das bewusst verschleiern wollten. In diesem Fall hätte die Weltgemeinschaft möglicherweise viel früher und besser darauf reagieren können, so dass es nicht zu einer Pandemie solchen Ausmaßes gekommen wäre.

Der Vermögensverwalter meint: Falls bis Ende August 2021 im Abschlussbericht des US-Geheimdienst „das Falsche“ drinsteht, dann wird es wahrscheinlich große Turbulenzen an den Märkten geben. Hier unterscheidet jetzt der Vermögensverwalter, je nachdem, ob es a) nur vorübergehenden heftigen Kursschwankungen kommt, ober ob b) echte Substanzverluste entstehen werden. Der Fall a) ist nicht so kritisch. Hier braucht der Anleger einfach Geduld, um die Zeit auszusitzen, bis sich wieder alles beruhigt hat.

Problematischer ist der Fall b). Das heißt, wenn eine Anlageklasse nach einer Krise sich über längere Zeit nicht mehr erholt. Der Vermögensverwalter nennt als Beispiel die Finanzwerte in Folge der Finanzkrise ab 2008.

Der Vermögensverwalter befürchtet, dass es nach einem China-Crash im Anschluss an den Abschlussbericht des US-Geheimdienstes im August, zu einen echten Substanzverlust chinesischer Unternehmen kommen wird. Darauf aufbauend stellt er sich ein Stresstest-Szenario vor, um zu sehen, wie stark das Wertpapier-Portfolio von einem solchen Rückschlag betroffen sein wird.

Nun liegt der Anteil chinesischer Aktien in üblichen Weltindizes etwa bei 5%. Das ist nicht besonders viel, und bei einem solchen Anteil im Portfolio hätte eine langfristige Abwertung chinesischer Aktien eine eher kleine Auswirkung. Der Vermögensverwalter hebt aber hervor, dass viele Anleger deutlich stärker in China investiert sind, und zwar genau aus dem oben genannten Grund: China ist in den letzten Jahren gut gelaufen, und so lässt man sich fehlerhafterweise dazu verleiten, auch künftig in China hohe Renditen zu erwarten. Offenbar würden solche Portfolios mit hoher China-Gewichtung durch den von ihm vermuteten Crash ab August 2021 stärker betroffen sein.

Der Vermögensverwalter rät dazu, sein Portfolio daraufhin zu überprüfen, wie es von dem vermuteten China-Crash in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Ganz konkret rät er zu folgendem:

  • China-Exposure reduzieren;
  • Etwa 2,5 % Gold mit ins Portfolio aufnehmen.

Crashs kündigen sich nicht an

Ich habe eine ganze Reihe von Kritikpunkten an dem, was dieser Vermögensverwalter sagt. Als erstes halte ich es für unglaubhaft, dass sich ein Crash schleichend ankündigt. Das erscheint uns nur – im Nachhinein – so. Es liegt im Wesen eines Crashs, dass er vollkommen unerwartet kommt. Hat er sich aber ereignet, dann glaubt man, dass es schon vorher Anzeichen gegeben hätte, die man nur richtig hätte interpretieren müssen. Das ist aber ein Umdeuten der Fakten im Nachhinein. Nun wird gerne so argumentiert: Ja, es gab doch ein paar (sehr schlaue) Analysten, die den Crash tatsächlich vorhergesagt haben, also muss es doch Anzeichen dafür vorher gegeben haben.

Aber dieses Argument ist ungefähr so: Man lässt 10.000 Leute raten, welche Ergebnisse ich erziele, wenn ich drei Mal hintereinander eine Münze werfe. Von der Wahrscheinlichkeitstheorie weiß man, dass es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird mindestens einen unter den 10.000 geben, der die Folge richtig vorhersagen wird, z.B. Wapp-Wapp-Zahl. Das heißt aber nicht, dass diese Person hellseherische oder besonders gute analytische Fähigkeiten hat, sie hatte einfach nur Glück.

Dass sich jetzt bereits ein China-Crash im August sozusagen ankündigt, wie der Vermögensverwalter meint, werte ich als eine krasse Selbstüberschätzung der eigenen analytischen Fähigkeiten. Und letztlich ist eine solche Selbstüberschätzung sogar gefährlich. Denn wenn man aufgrund eines prognostizierten Ereignisses jetzt bestimmte Portfolio-Umschichtungen vornimmt, dann ist das ein hochgradiges Glücksspiel. Mit solider Geldanlage hat das nichts zu tun.

Ich erinnere (nur um ein Beispiel unter vielen zu nehmen) an den Sommer 2020. Die erste Corona-Welle war abgeflaut. Viele sagten aber schon die zweite Corona-Welle für den Herbst voraus, und meinten, dass es dann wieder zu heftigen Börsenturbulenzen kommen müsste. Tatsächlich lag es damals förmlich in der Luft, dass die Corona-Pandemie noch nicht ausgestanden war. Damals kündigte sich tatsächlich ein neuer Corona-Crash regelrecht an. Nur ist er eben nicht eingetreten. Wer damals im Sommer beispielsweise massiv aus Aktien in Cash oder Anleihen umgeschichtet hätte, weil man ja einen weiteren Corona-Crash förmlich „riechen“ konnte, der hätte sehr viel Geld verloren.

Es ist eben ein Irrtum zu glauben, dass sich Crashs irgendwie ankündigen würden oder dass es Vorzeichen dafür gibt, die man nur verstehen können muss. Und faktisch kostet dieser Irrtum den Anlegern regelmäßig viel Geld.

Konsequenzen werden falsch gezogen

Und selbst wenn (zufälligerweise) im August tatsächlich aufgrund des China-Abschlussreports des US-Geheimdienstes die Börse in Turbulenzen geraten wird, wer sagt denn dass das dann genau so vonstatten geht, wie der Vermögensverwalter meint? Er versucht sich ja dadurch zu schützen, dass er Chinesische Investments abbaut und Gold-Positionen ausweitet. Möglicherweise kommt es aber ganz anders. Möglicherweise fallen chinesische Werte zwar kurzfristig, erholen sich dann aber wieder schnell; möglicherweise fällt Gold sogar und amerikanische oder europäische Aktien fallen stärker als die chinesischen.

Also selbst, wenn der Vermögensverwalter recht hat, dann ist immer noch die Frage, ob er die richtigen Investitionsschlüsse aus seiner korrekten Prognose zieht. Auch das kommt bemerkenswert häufig vor. Ich kannte einmal jemanden, der im Vorfeld eine Presse-Konferenz von Siemens fest davon überzeugt war, dass der Siemens-Vorstand negative Neuigkeiten verkünden würde und er deckte sich deswegen vorher mit Siemens-Putoptionen ein, um an der fallenden Siemens-Aktie Geld zu verdienen. Tatsächlich räumte der Siemens-Vorstand damals eine schlechte Geschäftsentwicklung ein, aber was machte der Siemens-Kurs? Er stieg.

Der Ökonom John Maynard Keynes war sich sicher, dass Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg in eine große Inflation schlittern würde und er wettete mit seinen Investments entsprechend. Wir wissen, dass Keynes recht hatte, und dennoch hat er – trotz seiner richtigen Prognose – fast all sein Geld verloren.

Die Unterscheidung von vorübergehenden und dauerhaften Wertverlusten ist sinnlos

Der Vermögensverwalter meinte ja, dass es ein Unterschied sei, ob Aktien nur kurzfristige Wertschwankungen hätten oder einen dauerhaften Substanzwertverlust hinnehmen müssten. Auch das kann man ausschließlich im Nachhinein erkennen. In Crash-Situationen gehen viele Anleger davon aus, dass etwas geschehen ist, dass man bestimmte Aktien dauerhaft niedriger bewerten muss. Genau deswegen entsteht ja der Crash. Würden die meisten wissen, dass es nur vorübergehende Wertschwankungen sind, dann würden die Anleger ja nicht bei einem Minus von 30 Prozent und mehr verkaufen. Der Crash tritt auf, weil eine Mehrheit von Anlegern von einem dauerhaften Substanzwertverlust ausgeht.

Insofern ist die Unterscheidung des Vermögensverwalters einfach erst einmal unsinnig. Sie ist immer nur und ausschließlich nach einigen Jahren in der Retroperspektive erkennbar, nicht aber in der Crash-Situation selbst. Das ist eine Illusion.

Alles in allem suggeriert der Vermögensverwalter Dinge zu wissen, die man nicht wissen kann. Er will einem weiß machen, dass er a) als einiger der wenigen einen Crash schon jetzt drei Monate vorher erkennen kann. Er suggeriert b) zu wissen, wie man in dem prognostizierten Crash handeln soll, obwohl das heute keiner wissen kann. Und er glaubt wissen zu können, wann es sich bei einem Crash um nur vorübergehende Kursschwankungen handelt, die man einfach aussitzen kann, oder um einen dauerhaften Substanzwertverlust, obwohl das niemand wissen kann. Möglicherweise kann er Kunden gewinnen, indem er eine solche Schein-Expertise vorträgt, tatsächlich aber ist das eine der sichersten Methoden, um Kundengelder schlecht anzulegen.

Jedenfalls halte ich das geschilderte „synthetische Risikomanagement“ für nicht zielführend. Es kann schon sein, dass man auf diese Weise den einen oder anderen Glückstreffer haben wird, aber auf lange Sicht wird der Anleger so mit Sicherheit unterdurchschnittliche Renditen erzielen. Wie man meiner Meinung nach das Risiko managen sollte, werde ich in einen meiner nachfolgenden Beiträge darlegen.

Immer wieder erlebe ich es, dass Leute zu mir kommen und es zuvor jahrelang ganz alleine versucht haben. Solche Anleger hatten gemeint, dass man sich ja auch über die Medien informieren könne und ein Vermögensberater sei dann nur ein zusätzlicher Kostenfaktor. Paradoxerweise sind die Geldanlagen solcher Anleger alles andere als optimiert. Sehr häufig mit komplett einseitigen Risiken (weil man ja gelesen hat, dass die und die Branche künftig besonders gut laufen wird) und alles andere als kostenoptimiert. Das Problem ist oft, dass Privatanleger gar nicht genau wissen, welche Kosten „normal“ sind bzw. auf welche Kosten besonders zu achten ist.

Beispielsweise meinen viele, dass es das Wichtigste sei, keinen Ausgabeaufschlag zu bezahlten. Nur was nützt es, wenn man zwar nur die Hälfte des Ausgabeaufschlags bezahlt, dafür aber langjährig in einem Investmentfonds engagiert ist mit viel zu hohen laufenden Gebühren? Klar ist: Idealerweise zahlt man gar kein Agio UND hat niedrige jährliche Gebühren. Aber man sollte sich nicht durch Lockangebote hinters Licht führen lassen. In der Regel bekommen übrigens Kunden, die über einen Vermögensberater bei einer Depotbank ein Depot anlegen, deutlich bessere Konditionen im Vergleich zu Privatkunden, die alleine auf dieselbe Depotbank zugehen. Ein guter Vermögensberater erhält so etwas wie einen „Mengenrabatt“.

Noch schlimmer ist es natürlich, wenn man strategische Fehler bei der Geldanlage macht. Wenn man sich auf eine Weise ausrichtet, die sich später einmal böse rächen wird. So kommen solche Anleger, die es zunächst alleine versucht haben, meist dann zu mir, wenn das Kind, wie man so sagt, bereits in den Brunnen gefallen ist. Es ist ziemlich klar, dass es um vieles günstiger gewesen wäre und auch weniger Nerven gekostet hätte, wenn man vorher sich kompetent beraten lässt. Am besten auf der Basis einen Stundenhonorars. Das ist nämlich die fairste und korrekteste Sache. Man bezahlt exakt für die Zeit, die der Berater aufwendet. Keine versteckten Provisionen oder heimlichen Verkaufsabsichten.

Es ist nämlich so. Nach einer guten Vermögensberatung ist man ja immer noch frei, sein Ding sozusagen alleine zu machen. Deswegen ist es wichtig, dass der Vermögensberater einen nicht gleich in eine bestimmte Richtung manipulieren will, so nach dem Motto: „Alleine können Sie es sowieso nicht, nur ich kann für Sie Ihr Geld richtig anlegen.“ Selbstverständlich kann man das auch ohne weitere Betreuung durch einen Vermögensberater hinbekommen, man sollte aber wissen was man tut. Und da ist eine gute Erstberatung wirklich Gold wert.

Der Spiegel hat das Buch „Factfulness“ von Hans Rosling als Bestseller ausgezeichnet. Der Untertitel lautet: „Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist“. Rosling zeigt, wie sich die große Mehrheit von uns systematisch ein falsches Bild von der Welt macht, sowohl bezogen auf wichtige vergangene Entwicklungen als auch bezogen auf all das, was Experten über unsere Zukunft wissen.

Einer der Gründe für unser verzerrtes Weltbild ist etwas, was Rosling „Instinkt der Negativität“ nennt. Um diesem Instinkt entgegenzutreten, rät er unter anderem folgendes (S. 94):

  • „Gute Nachrichten sind keine Nachrichten. Über gute Entwicklungen wird fast nie berichtet. Nachrichten sind gewöhnlich schlecht. Wenn Sie schlechte Nachrichten bekommen, fragen Sie sich, ob ähnlich positive Nachrichten Sie auch erreicht hätten.
  • Allmähliche Verbesserungen sind keine Nachricht. Wenn sich eine Entwicklungstendenz langsam und allmählich verbessert und dabei zeitweilige Rückschläge auftreten, werden Sie diese Rückschläge eher wahrnehmen als die allgemeine Verbesserung.“

Dies kann man eins zu eins auf Aktien übertragen. Einige Menschen sind skeptisch gegenüber dieser Anlageform, sie haben regelrecht Angst davor. Und warum? Weil man normalerweise die langsame Aufwärtstendenz an der Börse nicht mitbekommt. Die Kurse steigen langsam und allmählich. Und selbstverständlich ist es keine Nachricht, darüber zu berichten, dass beispielsweise innerhalb eines halben der DAX um 5% gestiegen ist.

Passiert hingegen etwas massiv Negatives, z.B. wenn der DAX in ein paar Tagen um 10% fällt, dann kann das jeder in den Schlagzeilen lesen. Die allgemeine Berichterstattung über das Börsengeschehen konzentriert sich definitiv auf Crash-Ereignisse, nicht aber auf die langsamen und allmählichen Wertsteigerungen.

Sieht man aber genauer hin, dann bringen die langen, unspektakulären Aufwärtsphasen deutliche mehr Rendite als durch einen einen darauffolgenden Crash wieder vernichtet wird. Ich gebe hier einmal die Wertentwicklung eines gemischten Investmentfonds wieder, der 17% in Anleihen investiert und den Rest in Aktien.

Aufgrund der Übergewichtung von Aktien hatte dieser Fonds im März 2021 infolge der Corona-Krise etwa 25% Kursverlust. Ja, das war ein starker Abwärtsschwung, und das nur innerhalb weniger Wochen. Selbstverständlich bekam auch die breite Öffentlichkeit diese Börsenturbulenzen mit, es wurde ja fleißig darüber berichtet. Ich kann mich noch an solche Aussagen erinnern, wie: „Es wird mindestens 5 Jahre dauern, bis dieser Verlust wieder wettgemacht sein wird.“

Wie lange hat es tatsächlich gedauert? Nicht einmal 6 Monate. Trotz des Crashs stand dieser Fonds am Ende des Jahres 2021 mit einem Plus von 3,4% da. Das wiederum ist natürlich keine Meldung wert. Auch nicht, dass wer Anfang 2019 in diesen Fonds eingestiegen ist bis heute fast +30% Rendite erzielt hat – und das (wie gesagt) trotz des Crashs.

Hier noch weitere Jahresrenditen dieses Wertpapiers:

  • 2013:+10,6%
  • 2014: +8,6%
  • 2015: +5,3%
  • 2017: +6,0%
  • 2018: -9,0%

Also: über Jahre hinweg schöne Anstiege. Und dann einmal ein größeres Minus. Und was bekommen die meisten Anleger mit? Naja, dass es Ende 2018 Börsenturbulenzen gab, was mal wieder als Beweis dafür angesehen wird, dass Aktien zu riskant sind und man besser die Finger von ihnen lassen sollte.

Das, was Hans Rosling, den Instinkt der Negativität nennt, hält viele Menschen davon ab, ihr Geld vernünftig anzulegen.

Manchmal höre ich von Anlegern: „In diesem Marktumfeld sollte man keine Aktien kaufen“ oder „Erst, wenn sich die Lage wieder entspannt hat, steige ich wieder in Aktien ein.“ Viele Menschen glauben an Timing, das heißt, dass es richtige und falsche Zeitpunkte gibt, um Aktien zu kaufen oder zu verkaufen.

Ich hingegen halte überhaupt nicht von Timing. Denn den richtigen Zeitpunkt erkennt man immer nur im Nachhinein, niemals in der Situation selbst oder im Vorhinein. Wenn man beispielsweise den Chart des DAX für die letzten 10 Jahre hat, dann kann man sehr gut Höchststände und Tiefpunkte erkennen. Anhand dieses Charts kann man sehr schön sehen, dass es sehr gut gewesen wäre, im August 2011 zu kaufen, im April 2015 zu verkaufen und wieder im März 2016 zu kaufen, etc. Man hätte immer zu den genau richtigen Zeitpunkten gekauft bzw. verkauft.

Es ist nur so: Im August 2011 war es alles andere als klar, dass die Börse wieder drehen würde und eine neue Hausse bevorstehen würde. Die meisten Anleger waren an diesem Zeitpunkt noch davon geschockt, dass der DAX von Mai bis August 2011 innerhalb von nur ein paar Monaten etwa um 25% gefallen ist. Wenn so etwas passiert, haben die meisten Menschen das Gefühl, dass der Kursverfall erst einmal ungebremst weitergeht. Und nur sehr wenige Anleger trauen sich, angesichts stark gefallener Kurse wieder mutig einzusteigen.

Und selbst die Tatsache, dass der DAX gefallen ist, ist ja für sich genommen noch kein Kaufsignal. Denn selbstverständlich können die Aktien immer noch weiter fallen.

Es ist einfach so. Wenn man in der konkreten Situation ist, weiß man schlicht nicht, ob die Aktienkurse in näherer Zukunft steigen oder fallen werden. Und dafür geben uns die jüngsten Kursentwicklungen keinerlei Anhaltpunkte. Auch wenn das Chartanalysten und andere angebliche „Experten“ immer wieder behaupten. Nein, wir müssen heute eine Anlageentscheidung treffen, und das basierend auf einem weitgehenden Nicht-Wissen über die nähere Zukunft.

Das Einzige was uns bleibt ist die Annahme, dass -langfristig- alles gut wird. Ich möchte mich einmal so salopp ausdrücken. Wenn man sich die vergangenen Marktentwicklungen ansieht, dann spricht viel dafür, dass man auf Sicht von 5-10 Jahren oder mehr, mit Aktien gute Renditen erzielen wird. Wenn man diese Annahme nicht teilt, naja, dann sollte man auch nicht in Aktien investieren.

Viel wichtiger als die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt, ist folgende Frage:

  • Was sind meine Anlageziele beim Geldanlegen?

Hierzu vielleicht zwei kleine Geschichten.

Herr X ist ein vermögender Herr, der vor ein paar Jahren zu mir in die Vermögensberatung gekommen ist. Er hatte sein Geld in Immobilien und Aktien angelegt. Die Börsenkurse verfolgte er täglich und reagierte ständig auf die Marktsituation. Die Verwaltung seiner Immobilien nahm ihm auch viel Zeit und Kraft. Nach eigener Aussage war er unzufrieden mit seinen Ergebnissen, die er an der Börse erzielte und die Immobilienverwaltung machte ihm auch zunehmend keinen Spaß mehr. Daher kam er zu mir, damit ich ihm etwas Arbeit abnehmen könnte.

Bislang lag das Augenmerk von Herrn X darauf, möglichst hohe Renditen zu erzielen. Im Zuge der Vermögensberatung stellte sich heraus, dass er aber nur eine Rendite von 2% braucht, um ohne Weiteres gut von seinem Vermögen leben zu können. Auf dieser Basis konnten wir sein Vermögen so umstrukturieren, dass es erstens risikoärmer angelegt was und zweitens deutlich weniger Arbeit verursachte.

Ein anderes Beispiel ist Frau Y. Als sie zu mir in die Vermögensberatung kommt, ist sie 35 Jahre alt, hat 70.000 Euro und kann 300 Euro im Monat ansparen. Ihr Anlageziel ist, mit 65 ein Vermögen von 700.000 Euro zu haben. Angesichts der aktuellen Börsensituation war sie stark verunsichert und war sich unsicher, ob sie risikoreich in Aktien oder sicherheitsorientiert anlegen sollte.

Rein finanzmathematisch ist es nun so, dass Frau Y ihr Anlageziel nur erreichen kann, wenn sie eine Rendite von mindestens 6% nach Steuern und Kosten erzielen wird. Letztlich bleibt Frau Y nichts anderes übrig, als aktiennah zu investieren und entsprechende Risiken einzugehen. Denn macht sie es nicht, ist eines mit Sicherheit klar: dass sie ihr Anlageziel nicht erreichen wird. Für Frau Y kommt noch hinzu, dass sie ja einen Anlagehorizont von 30 Jahren hat, so dass sie etwaige Kursrückgänge gut aussitzen kann.

In beiden Beispielen, sowohl bei Herrn X als auch bei Frau Y, spielte die aktuelle Marktlage für eine vernünftige Anlageentscheidung überhaupt keine Rolle. Vielmehr waren die jeweiligen Anlageziele entscheidend. Und genau so sollte es sein.

In der Süddeutschen Zeitung vom 20.08.2020 hat Harald Freiberger einen Artikel geschrieben mit dem Titel „Helden für einen Tag“. Darin geht es um Crash-Propheten wie beispielsweise Mark Friedrich/Matthias Weik, Max Otte oder Dirk Müller. Ich werde im Rahmen meiner Vermögensberatung immer wieder auf diese Autoren und deren Bücher angesprochen.

Sie führen in Ihren jeweiligen Werken Argumentationsketten aus, die plausibel klingen und zu dem (scheinbar) unausweichlichen Schluss kommen, dass ein nächster großer Börsencrash, vielleicht sogar der Zusammenbruch des gesamten Finanzsystems unmittelbar bevorsteht.

Überhaupt habe ich den Eindruck, dass derzeit viele Menschen besonders anfällig sind für Weltuntergangsszenarien. Vielleicht ist das noch eine Spätfolge der Finanzkrise 2008/2009 gefolgt von der Euro-Krise 2010, dass viele Menschen dem Finanzsystem gegenüber skeptisch sind. Ich weiß jedenfalls gar nicht mehr, wie häufig ich nach einem unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch von Währung, Börse, Banken, Staaten etc. angesprochen worden bin. Und zwar seit Jahren.

Die genannten Crash-Propheten nehmen diese vage allgemeine Stimmung offenbar auf, schüren sie vielleicht noch an – letztlich aber im Eigeninteresse. Zum Teil geht es darum, Bücher in hoher Auflage zu verkaufen. Andererseits managen Max Otte und Dirk Müller jeweils eigene Investmentfonds.

Klar. Wer den Leuten nach den Mund redet, verkauft sein Produkt gut. Manchmal ist aber genau jener ein guter Vermögensberater, der eine Gegenposition zur allgemein kursierenden Meinung vertritt. Das verkauft sich vielleicht schlechter, ist aber ehrlicher und ist auch mehr im Sinne der Anleger. So jedenfalls meine Meinung.

Nun ist der Corona-Crash vom März/April 2020 sicherlich durch keinerlei ökonomische Analyse vorher erkennbar gewesen. Dennoch passt diese Entwicklung natürlich gut ins Bild jener Crash-Propheten. Und selbstverständlich ist von Investmentfonds, die explizit gegen Crashs schützen sollen, zu erwarten, dass sie das dann auch tun, wenn es kracht.

Harald Freiberger schreibt in seinem Artikel:

„Der ‚Wertefonds‘ der Autoren Friedrich und Weik versucht, das Geld der Anleger vor dem prophezeiten Zusammenbruch des Geldsystems mit Sachwerten zu schützen. …  Da Edelmetalle im Corona-Crash ebenfalls litten, verlor der Wertefonds … von 19. Februar bis 23. März dieses Jahres 18,8 Prozent.“

Offenbar konnten Friedrich und Weik nicht wirklich vor dem Corona-Crash schützen. Allerdings hatten sie natürlich nicht Corona im Sinne, sondern den vermeintlichen Zusammenbruch des Geldsystems. Man könnte argumentieren, dass das ja zwei verschiedene Paar Stiefel seien.

Bezogen auf Max Otte schreibt Harald Freiberger:

„Ottes ‚Vermögensbildungsfonds‘ ist ein reiner Aktienfonds… Der Fonds verlor im Corona-Crash von 19. Februar bis 23. März 31,9 Prozent. Mittlerweile steht er noch mit 6,9 Prozent im Minus. Seit der Einführung im Juli 2013 stieg der Fonds um 41,1 Prozent im Wert – der Aktienindex MSCI AC World um 63,9 Prozent.“

Naja, was hier genau das Unterscheidungskriterium von anderen Aktienfonds sein soll, und warum der Fonds von Max Otte im Falle eines Crashs besonders gut sein soll, erschließt sich mir nicht.

Fehlt noch Dirk Müllers Fonds „Dirk Müller Premium Aktien“. Hierüber schreibt Harald Freiberger:

„Um den Fonds vor Kursverlusten zu schützen, geht Müllers Fonds Absicherungsgeschäfte ein. Diese Strategie ging im Corona-Crash auf. Der Fonds legte von 19. Februar bis 23. März, als die Börsen um 30 bis 40 Prozent einbrachen, im Wert um 5,4 Prozent zu. Die Absicherungsgeschäfte hatten die Kursverluste mehr als wettgemacht.“

Im Gegensatz zu Max Otte, Friedrich oder Weik, konnte Dirk Müller tatsächlich gegen deutliche Kursverluste schützen. Allerdings schreibt Freiberger weiter:

„Doch seine Strategie hat eine Kehrseite: Die Absicherungsgeschäfte kosten Rendite, wenn die Aktien steigen. So verlor Müllers Fonds seit 23. März 9,7 Prozent – obwohl der Aktienindex MSCI AC World in diesem Zeitraum um 44,4 Prozent zulegte. Müllers Strategie funktioniert zwar im Crash, aber nur dann – wie eine stehen gebliebene Uhr, die zweimal am Tag die richtige Zeit anzeigt. In der Erholungsphase nach dem Corona-Crash haben die Anleger, die ihm in Massen zugeströmt sind, viel Geld verloren.“

Exakt hier sehe ich auch das große Problem. Ich möchte nicht wissen, wie viele Anleger zunächst in der ersten Phase der Corona-Krise im März/April sehr viel Geld verloren haben, indem sie herkömmliche Aktienfonds verkauften, um sie in den Dirk Müller-Fonds umzuschichten. Danach ging das Verlieren aber gleich weiter. Denn obwohl die Aktien wieder zulegten, verlor der Dirk Müller deutlich an Wert.

Leider passiert das Anlegern immer und immer wieder, dass sie versuchen, einem bereits abgefahrenen Zug aufzuspringen. Der Dirk Müller-Fonds konnte wirklich in der ersten Crashphase nicht nur den Wert erhalten, sondern sogar Gewinne erzielen. Also, so meinen viele Anleger, ist es eine gute Idee schnell umzuschichten nach dem Motto: Einmal gut, immer gut. Und letztlich trafen sie damit eine Fehlentscheidung.

Wer kein Risiko will, ist letztlich mit Tagesgeld oder Staatsanleihen am besten beraten. Sobald man aber mehr Renditen haben möchte, ist man bereits im Risiko. Und Risiko bedeutet, dass auch einmal Verluste auftreten können. Wichtig dabei ist, nur „vernünftige“ Risiken einzugehen, indem man gut streut. Daher halte ich hier Aktien-ETFs letztlich für die beste Wahl. Und dann ist natürlich entscheidend, einen langen Anlagehorizont zu haben. Hat man diesen, dann kann man jede Kurskorrektur ohne weiteres einfach aussitzen. Und irgendwelche Absicherungsstrategien sind unnötig.

Viele Anleger meinen, dass sie täglich das Börsengeschehen beobachten müssen, wenn sie in Aktien einsteigen wollen. Manchmal höre ich Aussagen wie: „Ich kann nicht in Aktien investieren, weil ich nicht die Zeit habe, ständig nach den Kursen zu schauen.“

Man hat hier das Bild eines Traders vor Augen, der ständig vor dem Bildschirm sitzt, Charts und Börsennachrichten laufend überprüfend, mit einem nervösen Finger, jederzeit dazu bereit, kurzfristig und sehr schnell Wertpapiere zu kaufen oder zu verkaufen. Viele meinen, dass man so am ehesten an der Börse reich wird.

Es ist wohl eher das Gegenteil der Fall. Ständig Börsenkurse zu beobachten, um ggf. schnelle Trading-Geschäfte machen zu können, ist einer der sichersten Methoden, viel Geld zu verlieren.

Daniel Kahnemann schreibt beispielsweise:

„…es ist eine sehr schlechte Idee, Aktienkurse ständig zu beobachten. Es ist das Schlimmste, was Sie machen können, weil der Mensch so empfindlich auf kurzfristige Verluste reagiert. Wenn Sie Ihr Geld jeden Tag nachzählen, machen Sie sich unglücklich.“

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen einhellig und ziemlich klar, dass Anleger, die zwanghaft die Kurse Ihrer Anlagen überwachen, die Wahrscheinlichkeit erhöhen, einen vorübergehenden Verlust oder einen vermeintlichen Trend zu bemerken und dann falsch darauf reagieren.

Es gibt ja das Sprichwort „Hin und Her macht Taschen leer“. Das bezieht sich natürlich zunächst auf die Kauf-/Verkaufgebühren, die beim ständigen Trading anfallen und sich summieren. Tatsächlich kann man dieses Sprichwort auch darauf beziehen, dass kurzfristiges, schnelles Trading schon für sich genommen nicht sinnvol ist und eher zu Verlusten als zu Gewinnen führt.

Viel zielführender hingegen ist ein Investieren mit ruhiger Hand. Langfristiges Anlegen schlägt hier ohne Frage kurzfristiges Spekulieren. Wer beispielsweise auf einen starken Kursabschwung schnell aussteigt, verpasst häufig den richtigen Zeitpunkt zum Wiedereinstieg.

Ein Kernproblem besteht auch schlicht darin, dass Börsennachrichten nicht monokausal zu verstehen sind. Damit meine ich, dass ein und dieselbe Meldung manchmal zu fallenden, manchmal zu steigenden Kursen führt. Und das kann für Anleger äußerst verwirrend sein. Man hört einmal die Meldung X und die Märkte fallen. Einige Zeit danach kommt wieder die Meldung X, als Anleger meint man, dass jetzt die Kurse wieder fallen müssten, positioniert sich vielleicht auch entsprechend. Und was passiert? Die Kurse steigen,

So schreibt Nassim Taleb in seinem Buch „Der schwarze Schwan“:

„… An einem Tag im Dezember 2003, als Saddam Hussein gefasst worden ist, verbreitet Bloomberg News um 13:01 Uhr die folgende Schlagzeile: US-STAATSANLEIHEN STEIGEN; ERGREIFUNG VON HUSSEIN WIRD DEN TERRORISMUS VIELLEICHT EINDÄMMEN…

Eine halbe Stunde später ist eine neue Schlagzeile nötig…: US-STAATSANLEIHEN FALLEN; ERGREIFUNG VON HUSSEIN STEIGERT ATTRAKTIVITÄT RISKANTER ANLAGEN.“

Leider ist das Börsengescheschehen alles andere als leicht zu verstehen. Wir können plausibel erscheinende Gründe für steigende oder fallende Kurse immer nur im Nachhinein erkennen. Im Vorhinein Entwicklungen zu prognostizieren ist, meiner Meinung nach, völlig unmöglich. Vernünftige Geldanlage jedenfalls muss versuchen, weitestgehend ohne Prognosen auszukommen.

Meiner Auffassung nach ist es ein Fehler, bei der Geldanlage ausschließlich auf Aktien bzw. Aktienfonds (oder natürlich Aktien-ETFs) zu setzen. Man erhält so ein nicht wirklich optimal strukturiertes Wertpapier-Portfolio. Und zwar optimal im Sinne eines guten Risiko-Rendite-Verhältnisses.

Viele Anleger verstehen nicht, wie wichtig eben dieses Risiko-Rendite-Verhältnis ist. Fast immer wird alleine auf die Rendite gesehen. Vergleicht ein Privatanleger zwei Fonds, dann geht es fast immer darum, welcher der beiden in einem bestimmten Zeitraum den höheren Wertzuwachs hatte.

Wie kurzsichtig diese Sichtweise ist, sieht man vielleicht an folgendem Extrembeispiel. Manchmal ist es gut, sich die Dinge anhand von Extremen klar zu machen. Nehmen wir einen Anleger A, der am 01.07.2005 ein Vermögen von insgesamt 100.000 Euro hat. Er überlegt sich, ob er dieses Geld in einen DAX-ETF gibt oder alles in die Adidas-Aktie. Da er sehr optimistisch ist, was die Adidas-Aktie betrifft, investiert er seine gesamten 100.000 Euro in diese eine Aktie. A hatte mit seiner Einschätzung recht und erzielte mit Adidas bis zum 31.12.2019 eine Rendite von 15,6% p.a. Aus seinen anfänglichen 100.000 Euro sind bis dahin 819.000 Euro geworden.

A ist deswegen der Überzeugung, dass es genau richtig war, alles auf diese eine Karte Adidas zu setzen, und auf eine Risikodiversifikation mittels eine DAX-ETFs zu verzichten. A verkennt aber, dass er schlicht Glück hatte. Auch wenn im Nachhinein alles gut gegangen ist, war es auch schon in 2005 falsch all sein Geld auf nur eine Aktie zu setzen. Das Totalverlustrisiko ist einfach viel zu hoch. Und ich denke, dass die allermeisten Anleger mir darin folgen, dass ein solche extrem einseitiges Investment ohne jegliche Risikostreuung unvernünftig ist.

Dass das so ist, sieht man auch an der jüngsten Entwicklung von Adidas. Nehmen wir an, A hätte seinem Freund Anfang 2020 empfohlen, auch alles auf Adidas zu setzen, dass hätte dieser Freund bis Ende März 2020 einen Verlust von -47% erlitten.

Rendite ist nicht alles. Das müsste eigentlich klar sein. Es kommt immer auch darauf an, mit welchem Risiko man eine bestimmte Rendite erzielt hat. Aus diesem Grunde halte ich eine Beimischung von Staatsanleihen-ETFs für sinnvoll. Man kann hier keine großen Renditen erwarten. In Crash-Zeiten hat man hier aber Sicherheit und eine Art Liquditätsreserve, – und zwar um nachkaufen zu können.

Wer nur Aktien-ETFs hat, ist in dramatischen Börsenzeiten normalerweise unfähig zu handeln. Hat man hingegen z.B. in Form von Renten-ETFs eine Reserve, dann kann man diese nutzen, um günstig neu einzusteigen.

Wie sinnvoll dies ist, zeigt das nachfolgende Rechenbeispiel. Nehmen wir einen Anleger B an, der seine 100.000 Euro so aufteilt: 50.000 Euro DAX-ETF, 50.000 Euro Renten-ETF. Nehmen wir nun eine Börsensituation an, in der der Index zunächst 20% fällt, während die Renten im Prinzip unverändert bleiben. Das DAX-ETF von B ist jetzt also nur noch 40.000 Euro wert und das Renten-ETF steht nach wie vor bei 50.000 Euro.

B beschließt nun, ein Rebalancing durchzuführen. Er hat mit einer Aktien-Renten-Quote von 50%/50% gestartet und hat jetzt aufgrund der Börsenlage eine Ist-Quote von 44,4%/55,6%. Um die ursprüngliche Quote wiederherzustellen verkauft er für 5000 Euro Renten-ETFs, um von diesem Betrag das DAX-ETF nachzukaufen.

Nach dem Rebalancing hat B also 45.000 Euro im DAX-ETF und 45.000 Euro im Renten-ETF.

Nehmen wir schließlich an, dass sich die Börsenlage wieder komplett normalisiert. D.h. der DAX ist wieder bei seinem anfänglichen Niveau. Das bedeutet, dass er 25% gestiegen ist (nicht 20%, sondern 25%, denn man rechne 100->80->100).

Die Aktienposition von B wird damit 56.250 Euro wert sein und der Renten-ETF nach wie vor unverändert bei 45.000 Euro. Insgesamt wird B somit, nach der Börsenerholung, ein Vermögen von 101.250 Euro haben. Das sind 1250 Euro mehr als am Anfang.

Das heißt: Obwohl der DAX nach dem Crash nur seinen ursprünglichen Wert wieder erreicht hat, hat B mittels des Rebalancing einen Gewinn von 1250 Euro gemacht. Hätte B all sein Geld nur in den DAX-ETF investiert, hätte er während des Crashs keine Liquidität zum Nachkaufen gehabt. Er hätte keine Rebalancing durchführen können, und wäre am Ende der Erholung einfach wieder bei +/- Null. Kein Gewinn, kein Verlust. Durch das Rebalancing konnte er aber einen Gewinn erzielen.

Meiner Meinung nach sorgt ein ausgewogenes Portfolio mit Rebalancing nicht nur zu einer besseren Risikostruktur. Es führt gerade auch in Krisensituationen zu klaren Zusatzerträgen – selbstverständlich unter der Voraussetzung, dass sich die Dinge irgendwann wieder normalisieren.

Ich bin ein großer Fan von ETFs. Zumal es eigentlich keinen Zweifel gibt, dass ein passives Vermögensmanagement mit ETFs dem herkömmlichen aktiven Management überlegen ist. In Fachkreisen und der Wissenschaft herrscht darüber jedenfalls Einigkeit. Hier nur ein Zitat von David Swensen  (dem langjährigen Vermögensverwalter des Yale-Stiftungsvermögens):

„Es existieren Daten, die eindeutig belegen, dass Anleger in aktiv gemanagten Investmentfonds so gut wie sicher enttäuscht werden … Es gibt keinen Zweifel, dass ein aktives Management vom Vermögenswerten keine zufriedenstellenden Ergebnisse für Privatanleger hervorbringt.“

Trotz dieses eindeutigen Befunds werden in der Presse immer wieder kritische Artikel zum Thema ETFs lanciert. Ein Kunde machte mich jüngst auf einen Artikel des WELT-Redakteurs Holger Zschäpitz aufmerksam mit dem Titel „Die Übermacht der Fünf gefährdet die Idee vom neuen Sparen„.

Hier ein paar Zitate aus diesem Artikel:

„Apple, Microsoft, Google, Amazon und Facebook nehmen in fast allen wichtigen Indexfonds eine dominante Stellung ein …

Und das ist vor allem für die Anleger problematisch… Während die Sparer überzeugt sind, in die globale Ökonomie zu investieren, nährt ihr Geld womöglich eine Technologie-Blase. Mehr noch: Ohne es zu wissen, gehen viele Anleger ein Klumpenrisiko ein…

… Bestes Beispiel ist der MSCI All Country World. Der Index wird gern für Sparpläne verwendet … Mit seinen 3050 Titeln gilt er al das Paradebeispiel für breite Streuung… Doch der Index ist weniger divers als angenommen. Big Tech steht für knapp zehn Prozent des MSCI ACWI … Noch gravierender ist das Klumpenrisiko beim ebenfalls beliebten MSCI World. Hier fließen 10,5 Prozent der Anlagesumme in Facebook, Apple, Amazon, Microsoft und Google.“

Der Journalist zitiert als Experten Louis-Vincent Gave vom Analysehaus GK Research. Auch er sieht ETFs kritisch und behauptet sagar, dass durch ETFs die „allgemeine Kapitalmarkttheorie außer Kraft“ gesetzt werden würde.

Dass aber Herr Gave ETFs nicht besonders mag, ist natürlich auf der Hand liegend. Als Dienstleister, der sein Geld mit Kapitalmarktanalysen und Research verdient, ist es nicht weiter erstaunlich, dass er ein Feind des passiven Investmentansatzes ist. Immerhin wäre er arbeitslos, wenn – hypothetisch gesehen – alle Anleger nur noch ETFs kaufen würden. Kein Wunder also, dass Herr Gave Ängste schürt. Schade nur, dass man sich als Journalist so offensichtlich missbrauchen lässt.

Es werden nämlich ganz allgemein gehaltene Befürchtungen und Ängste gestreut. Bis dato ist aber nicht ersichtlich, inwiefern Anleger durch die genannten angeblichen Marktverzerrungen tatsächlich geschädigt worden wären.

Eine ganz konkrete Tatsache hingegen ist es, dass Anleger bereits massenweise durch den Investmentansatz, für den solche Analysten wie Herr Gave steht, geschädigt worden sind. Aktives Management ist erstens in der Regel überteuert, und zweitens führt es langfristig fast immer zu enttäuschenden Ergebnissen. Und das seit Jahrzehnten gut belegbar.

Anleger werden ständig durch absurd teure Investmentfonds oder zu teure Vermögensverwaltungen um ihr Geld gebracht.  Dazu muss man keine allgemein gehaltene Ängste schüren. Das sind konkrete Schäden.

Und hier ein Zitat von David Swensen, dem langjährigen Vermögensverwalter des Yale-Stiftungsvermögens:

„Es existieren Daten, die eindeutig belegen, dass Anleger in aktiv gemanagten Investmentfonds so gut wie sicher enttäuscht werden … Es gibt keinen Zweifel, dass ein aktives Management vom Vermögenswerten keine zufriedenstellenden Ergebnisse für Privatanleger hervorbringt.“

Klar, dass Herr Gave seine Felle davonschwimmen sieht, da Anleger es immer mehr als gute Idee erkennen, kostengünstig in ETFs ihr Geld anzulegen. Wenn man Anleger über Geldanlage informieren will, wie es ja Holger Zschäpitz von der WELT vermutlich tun will, dann sollte man auch sagen, dass es eigentlich keine wirkliche Alternative zu ETFs gibt. Aktives Management kann es jedenfalls nicht sein.

Selbstverständlich meine auch ich, dass man bei ETFs wissen sollte, was man tut. Ich rate beispielsweise Anlegern auch davon ab, in ETFs auf den MSCI World oder den MSCI All Country World zu gehen. Hier hat man unter anderem regionale Gewichtungen, die man möglicherweise nicht unbedingt will.

Meine Empfehlung ist, ETFs für mindestens drei Assetklassen auszuwählen:

  •  Europäische Aktien (Stoxx Europe 600)
  •  Amerikanische Aktien (S&P 500)
  •  Schwellenländer Aktien (MSCI Em. Mkts).

Und noch besser ist es, wenn man noch folgende Assetklassen mit hinzunimmt:

  • Japanische Aktien (Nikkei 225)
  •  Staatsanleihen-ETFs

Nehmen wir beispielsweise an, man hat 30% seines Vermögens in einen S&P 500-ETF angelegt, und nehmen wir an dass die größten Unternehmen im S&P 500-Index 20% darin ausmachen. Dann ist der Gesamtanteil, den man selbst an diesen größten US-Unternehmen hat nicht größer als 6% (30% von 20%). Von einer dramatischen Übergewichtung kann man da beim besten Willen nicht mehr sprechen.

Aber selbst wenn ein Anleger all sein Geld in den einen ETF auf den MSCI World geben sollte (was ich selbst, wie gesagt, nicht empfehlen würde), dann ist das immer noch besser, als all sein Geld in teures, ineffizientes aktives Management zu geben.

Tsipras und Co. haben eine dramatische Wende in der Griechenland-Staatsschuldenkrise eingeleitet. Wir können alle gespannt sein, wie es hier weitergeht. Ein Happy End – für Griechenland – scheint immer unwahrscheinlicher.

Die Börsenkurse sind am Montag (29. Juni) um etwa 3-4 % gefallen. Nicht wenige wundern sich angesichts dieser eher moderaten Verluste. So mancher hat einen veritablen Aktiencrash vorhergesagt. Der ist bislang definitiv ausgeblieben.

Ich vermute, dass viele Anleger die Bedeutung Griechenlands richtig einschätzen. Politisch ist das Ganze natürlich unschön und ein Rückschlag für Europa. Wirtschaftlich ist Griechenland hingegen ziemlich unwichtig.

Bei Griechenland geht es um Staatsschulden in Höhe von etwa über 300 Mrd Euro. Man erinnere sich, dass die Bilanzsumme von Lehman Brothers bei der Pleite ungefähr 750 Mrd Euro betrug, also mehr als doppelt so viel wie die griechischen Schulden.

Außerdem war Lehman Brothers mit der gesamten Bankenwelt stark vernetzt. Griechenland ist derzeit, was seine Staatsschulden betrifft, in erster Linie von den drei Institutionen (IWF, EZB und EU) abhängig.

Deutschlands Exporte gehen beispielsweise nur mit unter 0,5% nach Griechenland. Was die Bevölkerungsgröße betrifft, ist Griechenland ein wenig größer als Baden-Würtemberg.

Nicht wenige haben mit einem regelrechten Börsencrash gerechnet. Der ist bislang ausgeblieben. Dennoch stellt sich die Frage, wie man angesichts solcher Krisensituationen am besten sein Geld anlegt, bzw. was man im Rahmen einer Vermögensverwaltung vernünftigerweise tut?

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Immer wieder sind Anleger mit dem Thema Investmentfonds konfrontiert. In Zeitungen und Zeitschriften werden sie besprochen, nicht selten in Zusammenhang mit Ranking-Listen. Aber auch Bankangestellte und Finanzberater empfehlen gerne Fonds. Das Geschäft mit der Fondsberatung läuft wie eh und je gut.

Ich habe jedoch den Eindruck, dass sehr vieles von dem, was über Investmentfonds gesagt oder geschrieben wird, höchst inkompetent ist. Selbst wenn es von angeblichen Experten stammt.

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