In der Süddeutschen Zeitung vom 20.08.2020 hat Harald Freiberger einen Artikel geschrieben mit dem Titel „Helden für einen Tag“. Darin geht es um Crash-Propheten wie beispielsweise Mark Friedrich/Matthias Weik, Max Otte oder Dirk Müller. Ich werde im Rahmen meiner Vermögensberatung immer wieder auf diese Autoren und deren Bücher angesprochen.

Sie führen in Ihren jeweiligen Werken Argumentationsketten aus, die plausibel klingen und zu dem (scheinbar) unausweichlichen Schluss kommen, dass ein nächster großer Börsencrash, vielleicht sogar der Zusammenbruch des gesamten Finanzsystems unmittelbar bevorsteht.

Überhaupt habe ich den Eindruck, dass derzeit viele Menschen besonders anfällig sind für Weltuntergangsszenarien. Vielleicht ist das noch eine Spätfolge der Finanzkrise 2008/2009 gefolgt von der Euro-Krise 2010, dass viele Menschen dem Finanzsystem gegenüber skeptisch sind. Ich weiß jedenfalls gar nicht mehr, wie häufig ich nach einem unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch von Währung, Börse, Banken, Staaten etc. angesprochen worden bin. Und zwar seit Jahren.

Die genannten Crash-Propheten nehmen diese vage allgemeine Stimmung offenbar auf, schüren sie vielleicht noch an – letztlich aber im Eigeninteresse. Zum Teil geht es darum, Bücher in hoher Auflage zu verkaufen. Andererseits managen Max Otte und Dirk Müller jeweils eigene Investmentfonds.

Klar. Wer den Leuten nach den Mund redet, verkauft sein Produkt gut. Manchmal ist aber genau jener ein guter Vermögensberater, der eine Gegenposition zur allgemein kursierenden Meinung vertritt. Das verkauft sich vielleicht schlechter, ist aber ehrlicher und ist auch mehr im Sinne der Anleger. So jedenfalls meine Meinung.

Nun ist der Corona-Crash vom März/April 2020 sicherlich durch keinerlei ökonomische Analyse vorher erkennbar gewesen. Dennoch passt diese Entwicklung natürlich gut ins Bild jener Crash-Propheten. Und selbstverständlich ist von Investmentfonds, die explizit gegen Crashs schützen sollen, zu erwarten, dass sie das dann auch tun, wenn es kracht.

Harald Freiberger schreibt in seinem Artikel:

„Der ‚Wertefonds‘ der Autoren Friedrich und Weik versucht, das Geld der Anleger vor dem prophezeiten Zusammenbruch des Geldsystems mit Sachwerten zu schützen. …  Da Edelmetalle im Corona-Crash ebenfalls litten, verlor der Wertefonds … von 19. Februar bis 23. März dieses Jahres 18,8 Prozent.“

Offenbar konnten Friedrich und Weik nicht wirklich vor dem Corona-Crash schützen. Allerdings hatten sie natürlich nicht Corona im Sinne, sondern den vermeintlichen Zusammenbruch des Geldsystems. Man könnte argumentieren, dass das ja zwei verschiedene Paar Stiefel seien.

Bezogen auf Max Otte schreibt Harald Freiberger:

„Ottes ‚Vermögensbildungsfonds‘ ist ein reiner Aktienfonds… Der Fonds verlor im Corona-Crash von 19. Februar bis 23. März 31,9 Prozent. Mittlerweile steht er noch mit 6,9 Prozent im Minus. Seit der Einführung im Juli 2013 stieg der Fonds um 41,1 Prozent im Wert – der Aktienindex MSCI AC World um 63,9 Prozent.“

Naja, was hier genau das Unterscheidungskriterium von anderen Aktienfonds sein soll, und warum der Fonds von Max Otte im Falle eines Crashs besonders gut sein soll, erschließt sich mir nicht.

Fehlt noch Dirk Müllers Fonds „Dirk Müller Premium Aktien“. Hierüber schreibt Harald Freiberger:

„Um den Fonds vor Kursverlusten zu schützen, geht Müllers Fonds Absicherungsgeschäfte ein. Diese Strategie ging im Corona-Crash auf. Der Fonds legte von 19. Februar bis 23. März, als die Börsen um 30 bis 40 Prozent einbrachen, im Wert um 5,4 Prozent zu. Die Absicherungsgeschäfte hatten die Kursverluste mehr als wettgemacht.“

Im Gegensatz zu Max Otte, Friedrich oder Weik, konnte Dirk Müller tatsächlich gegen deutliche Kursverluste schützen. Allerdings schreibt Freiberger weiter:

„Doch seine Strategie hat eine Kehrseite: Die Absicherungsgeschäfte kosten Rendite, wenn die Aktien steigen. So verlor Müllers Fonds seit 23. März 9,7 Prozent – obwohl der Aktienindex MSCI AC World in diesem Zeitraum um 44,4 Prozent zulegte. Müllers Strategie funktioniert zwar im Crash, aber nur dann – wie eine stehen gebliebene Uhr, die zweimal am Tag die richtige Zeit anzeigt. In der Erholungsphase nach dem Corona-Crash haben die Anleger, die ihm in Massen zugeströmt sind, viel Geld verloren.“

Exakt hier sehe ich auch das große Problem. Ich möchte nicht wissen, wie viele Anleger zunächst in der ersten Phase der Corona-Krise im März/April sehr viel Geld verloren haben, indem sie herkömmliche Aktienfonds verkauften, um sie in den Dirk Müller-Fonds umzuschichten. Danach ging das Verlieren aber gleich weiter. Denn obwohl die Aktien wieder zulegten, verlor der Dirk Müller deutlich an Wert.

Leider passiert das Anlegern immer und immer wieder, dass sie versuchen, einem bereits abgefahrenen Zug aufzuspringen. Der Dirk Müller-Fonds konnte wirklich in der ersten Crashphase nicht nur den Wert erhalten, sondern sogar Gewinne erzielen. Also, so meinen viele Anleger, ist es eine gute Idee schnell umzuschichten nach dem Motto: Einmal gut, immer gut. Und letztlich trafen sie damit eine Fehlentscheidung.

Wer kein Risiko will, ist letztlich mit Tagesgeld oder Staatsanleihen am besten beraten. Sobald man aber mehr Renditen haben möchte, ist man bereits im Risiko. Und Risiko bedeutet, dass auch einmal Verluste auftreten können. Wichtig dabei ist, nur „vernünftige“ Risiken einzugehen, indem man gut streut. Daher halte ich hier Aktien-ETFs letztlich für die beste Wahl. Und dann ist natürlich entscheidend, einen langen Anlagehorizont zu haben. Hat man diesen, dann kann man jede Kurskorrektur ohne weiteres einfach aussitzen. Und irgendwelche Absicherungsstrategien sind unnötig.

Viele Anleger meinen, dass sie täglich das Börsengeschehen beobachten müssen, wenn sie in Aktien einsteigen wollen. Manchmal höre ich Aussagen wie: „Ich kann nicht in Aktien investieren, weil ich nicht die Zeit habe, ständig nach den Kursen zu schauen.“

Man hat hier das Bild eines Traders vor Augen, der ständig vor dem Bildschirm sitzt, Charts und Börsennachrichten laufend überprüfend, mit einem nervösen Finger, jederzeit dazu bereit, kurzfristig und sehr schnell Wertpapiere zu kaufen oder zu verkaufen. Viele meinen, dass man so am ehesten an der Börse reich wird.

Es ist wohl eher das Gegenteil der Fall. Ständig Börsenkurse zu beobachten, um ggf. schnelle Trading-Geschäfte machen zu können, ist einer der sichersten Methoden, viel Geld zu verlieren.

Daniel Kahnemann schreibt beispielsweise:

„…es ist eine sehr schlechte Idee, Aktienkurse ständig zu beobachten. Es ist das Schlimmste, was Sie machen können, weil der Mensch so empfindlich auf kurzfristige Verluste reagiert. Wenn Sie Ihr Geld jeden Tag nachzählen, machen Sie sich unglücklich.“

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen einhellig und ziemlich klar, dass Anleger, die zwanghaft die Kurse Ihrer Anlagen überwachen, die Wahrscheinlichkeit erhöhen, einen vorübergehenden Verlust oder einen vermeintlichen Trend zu bemerken und dann falsch darauf reagieren.

Es gibt ja das Sprichwort „Hin und Her macht Taschen leer“. Das bezieht sich natürlich zunächst auf die Kauf-/Verkaufgebühren, die beim ständigen Trading anfallen und sich summieren. Tatsächlich kann man dieses Sprichwort auch darauf beziehen, dass kurzfristiges, schnelles Trading schon für sich genommen nicht sinnvol ist und eher zu Verlusten als zu Gewinnen führt.

Viel zielführender hingegen ist ein Investieren mit ruhiger Hand. Langfristiges Anlegen schlägt hier ohne Frage kurzfristiges Spekulieren. Wer beispielsweise auf einen starken Kursabschwung schnell aussteigt, verpasst häufig den richtigen Zeitpunkt zum Wiedereinstieg.

Ein Kernproblem besteht auch schlicht darin, dass Börsennachrichten nicht monokausal zu verstehen sind. Damit meine ich, dass ein und dieselbe Meldung manchmal zu fallenden, manchmal zu steigenden Kursen führt. Und das kann für Anleger äußerst verwirrend sein. Man hört einmal die Meldung X und die Märkte fallen. Einige Zeit danach kommt wieder die Meldung X, als Anleger meint man, dass jetzt die Kurse wieder fallen müssten, positioniert sich vielleicht auch entsprechend. Und was passiert? Die Kurse steigen,

So schreibt Nassim Taleb in seinem Buch „Der schwarze Schwan“:

„… An einem Tag im Dezember 2003, als Saddam Hussein gefasst worden ist, verbreitet Bloomberg News um 13:01 Uhr die folgende Schlagzeile: US-STAATSANLEIHEN STEIGEN; ERGREIFUNG VON HUSSEIN WIRD DEN TERRORISMUS VIELLEICHT EINDÄMMEN…

Eine halbe Stunde später ist eine neue Schlagzeile nötig…: US-STAATSANLEIHEN FALLEN; ERGREIFUNG VON HUSSEIN STEIGERT ATTRAKTIVITÄT RISKANTER ANLAGEN.“

Leider ist das Börsengescheschehen alles andere als leicht zu verstehen. Wir können plausibel erscheinende Gründe für steigende oder fallende Kurse immer nur im Nachhinein erkennen. Im Vorhinein Entwicklungen zu prognostizieren ist, meiner Meinung nach, völlig unmöglich. Vernünftige Geldanlage jedenfalls muss versuchen, weitestgehend ohne Prognosen auszukommen.

Meiner Auffassung nach ist es ein Fehler, bei der Geldanlage ausschließlich auf Aktien bzw. Aktienfonds (oder natürlich Aktien-ETFs) zu setzen. Man erhält so ein nicht wirklich optimal strukturiertes Wertpapier-Portfolio. Und zwar optimal im Sinne eines guten Risiko-Rendite-Verhältnisses.

Viele Anleger verstehen nicht, wie wichtig eben dieses Risiko-Rendite-Verhältnis ist. Fast immer wird alleine auf die Rendite gesehen. Vergleicht ein Privatanleger zwei Fonds, dann geht es fast immer darum, welcher der beiden in einem bestimmten Zeitraum den höheren Wertzuwachs hatte.

Wie kurzsichtig diese Sichtweise ist, sieht man vielleicht an folgendem Extrembeispiel. Manchmal ist es gut, sich die Dinge anhand von Extremen klar zu machen. Nehmen wir einen Anleger A, der am 01.07.2005 ein Vermögen von insgesamt 100.000 Euro hat. Er überlegt sich, ob er dieses Geld in einen DAX-ETF gibt oder alles in die Adidas-Aktie. Da er sehr optimistisch ist, was die Adidas-Aktie betrifft, investiert er seine gesamten 100.000 Euro in diese eine Aktie. A hatte mit seiner Einschätzung recht und erzielte mit Adidas bis zum 31.12.2019 eine Rendite von 15,6% p.a. Aus seinen anfänglichen 100.000 Euro sind bis dahin 819.000 Euro geworden.

A ist deswegen der Überzeugung, dass es genau richtig war, alles auf diese eine Karte Adidas zu setzen, und auf eine Risikodiversifikation mittels eine DAX-ETFs zu verzichten. A verkennt aber, dass er schlicht Glück hatte. Auch wenn im Nachhinein alles gut gegangen ist, war es auch schon in 2005 falsch all sein Geld auf nur eine Aktie zu setzen. Das Totalverlustrisiko ist einfach viel zu hoch. Und ich denke, dass die allermeisten Anleger mir darin folgen, dass ein solche extrem einseitiges Investment ohne jegliche Risikostreuung unvernünftig ist.

Dass das so ist, sieht man auch an der jüngsten Entwicklung von Adidas. Nehmen wir an, A hätte seinem Freund Anfang 2020 empfohlen, auch alles auf Adidas zu setzen, dass hätte dieser Freund bis Ende März 2020 einen Verlust von -47% erlitten.

Rendite ist nicht alles. Das müsste eigentlich klar sein. Es kommt immer auch darauf an, mit welchem Risiko man eine bestimmte Rendite erzielt hat. Aus diesem Grunde halte ich eine Beimischung von Staatsanleihen-ETFs für sinnvoll. Man kann hier keine großen Renditen erwarten. In Crash-Zeiten hat man hier aber Sicherheit und eine Art Liquditätsreserve, – und zwar um nachkaufen zu können.

Wer nur Aktien-ETFs hat, ist in dramatischen Börsenzeiten normalerweise unfähig zu handeln. Hat man hingegen z.B. in Form von Renten-ETFs eine Reserve, dann kann man diese nutzen, um günstig neu einzusteigen.

Wie sinnvoll dies ist, zeigt das nachfolgende Rechenbeispiel. Nehmen wir einen Anleger B an, der seine 100.000 Euro so aufteilt: 50.000 Euro DAX-ETF, 50.000 Euro Renten-ETF. Nehmen wir nun eine Börsensituation an, in der der Index zunächst 20% fällt, während die Renten im Prinzip unverändert bleiben. Das DAX-ETF von B ist jetzt also nur noch 40.000 Euro wert und das Renten-ETF steht nach wie vor bei 50.000 Euro.

B beschließt nun, ein Rebalancing durchzuführen. Er hat mit einer Aktien-Renten-Quote von 50%/50% gestartet und hat jetzt aufgrund der Börsenlage eine Ist-Quote von 44,4%/55,6%. Um die ursprüngliche Quote wiederherzustellen verkauft er für 5000 Euro Renten-ETFs, um von diesem Betrag das DAX-ETF nachzukaufen.

Nach dem Rebalancing hat B also 45.000 Euro im DAX-ETF und 45.000 Euro im Renten-ETF.

Nehmen wir schließlich an, dass sich die Börsenlage wieder komplett normalisiert. D.h. der DAX ist wieder bei seinem anfänglichen Niveau. Das bedeutet, dass er 25% gestiegen ist (nicht 20%, sondern 25%, denn man rechne 100->80->100).

Die Aktienposition von B wird damit 56.250 Euro wert sein und der Renten-ETF nach wie vor unverändert bei 45.000 Euro. Insgesamt wird B somit, nach der Börsenerholung, ein Vermögen von 101.250 Euro haben. Das sind 1250 Euro mehr als am Anfang.

Das heißt: Obwohl der DAX nach dem Crash nur seinen ursprünglichen Wert wieder erreicht hat, hat B mittels des Rebalancing einen Gewinn von 1250 Euro gemacht. Hätte B all sein Geld nur in den DAX-ETF investiert, hätte er während des Crashs keine Liquidität zum Nachkaufen gehabt. Er hätte keine Rebalancing durchführen können, und wäre am Ende der Erholung einfach wieder bei +/- Null. Kein Gewinn, kein Verlust. Durch das Rebalancing konnte er aber einen Gewinn erzielen.

Meiner Meinung nach sorgt ein ausgewogenes Portfolio mit Rebalancing nicht nur zu einer besseren Risikostruktur. Es führt gerade auch in Krisensituationen zu klaren Zusatzerträgen – selbstverständlich unter der Voraussetzung, dass sich die Dinge irgendwann wieder normalisieren.

Ich bin ein großer Fan von ETFs. Zumal es eigentlich keinen Zweifel gibt, dass ein passives Vermögensmanagement mit ETFs dem herkömmlichen aktiven Management überlegen ist. In Fachkreisen und der Wissenschaft herrscht darüber jedenfalls Einigkeit. Hier nur ein Zitat von David Swensen  (dem langjährigen Vermögensverwalter des Yale-Stiftungsvermögens):

„Es existieren Daten, die eindeutig belegen, dass Anleger in aktiv gemanagten Investmentfonds so gut wie sicher enttäuscht werden … Es gibt keinen Zweifel, dass ein aktives Management vom Vermögenswerten keine zufriedenstellenden Ergebnisse für Privatanleger hervorbringt.“

Trotz dieses eindeutigen Befunds werden in der Presse immer wieder kritische Artikel zum Thema ETFs lanciert. Ein Kunde machte mich jüngst auf einen Artikel des WELT-Redakteurs Holger Zschäpitz aufmerksam mit dem Titel „Die Übermacht der Fünf gefährdet die Idee vom neuen Sparen„.

Hier ein paar Zitate aus diesem Artikel:

„Apple, Microsoft, Google, Amazon und Facebook nehmen in fast allen wichtigen Indexfonds eine dominante Stellung ein …

Und das ist vor allem für die Anleger problematisch… Während die Sparer überzeugt sind, in die globale Ökonomie zu investieren, nährt ihr Geld womöglich eine Technologie-Blase. Mehr noch: Ohne es zu wissen, gehen viele Anleger ein Klumpenrisiko ein…

… Bestes Beispiel ist der MSCI All Country World. Der Index wird gern für Sparpläne verwendet … Mit seinen 3050 Titeln gilt er al das Paradebeispiel für breite Streuung… Doch der Index ist weniger divers als angenommen. Big Tech steht für knapp zehn Prozent des MSCI ACWI … Noch gravierender ist das Klumpenrisiko beim ebenfalls beliebten MSCI World. Hier fließen 10,5 Prozent der Anlagesumme in Facebook, Apple, Amazon, Microsoft und Google.“

Der Journalist zitiert als Experten Louis-Vincent Gave vom Analysehaus GK Research. Auch er sieht ETFs kritisch und behauptet sagar, dass durch ETFs die „allgemeine Kapitalmarkttheorie außer Kraft“ gesetzt werden würde.

Dass aber Herr Gave ETFs nicht besonders mag, ist natürlich auf der Hand liegend. Als Dienstleister, der sein Geld mit Kapitalmarktanalysen und Research verdient, ist es nicht weiter erstaunlich, dass er ein Feind des passiven Investmentansatzes ist. Immerhin wäre er arbeitslos, wenn – hypothetisch gesehen – alle Anleger nur noch ETFs kaufen würden. Kein Wunder also, dass Herr Gave Ängste schürt. Schade nur, dass man sich als Journalist so offensichtlich missbrauchen lässt.

Es werden nämlich ganz allgemein gehaltene Befürchtungen und Ängste gestreut. Bis dato ist aber nicht ersichtlich, inwiefern Anleger durch die genannten angeblichen Marktverzerrungen tatsächlich geschädigt worden wären.

Eine ganz konkrete Tatsache hingegen ist es, dass Anleger bereits massenweise durch den Investmentansatz, für den solche Analysten wie Herr Gave steht, geschädigt worden sind. Aktives Management ist erstens in der Regel überteuert, und zweitens führt es langfristig fast immer zu enttäuschenden Ergebnissen. Und das seit Jahrzehnten gut belegbar.

Anleger werden ständig durch absurd teure Investmentfonds oder zu teure Vermögensverwaltungen um ihr Geld gebracht.  Dazu muss man keine allgemein gehaltene Ängste schüren. Das sind konkrete Schäden.

Und hier ein Zitat von David Swensen, dem langjährigen Vermögensverwalter des Yale-Stiftungsvermögens:

„Es existieren Daten, die eindeutig belegen, dass Anleger in aktiv gemanagten Investmentfonds so gut wie sicher enttäuscht werden … Es gibt keinen Zweifel, dass ein aktives Management vom Vermögenswerten keine zufriedenstellenden Ergebnisse für Privatanleger hervorbringt.“

Klar, dass Herr Gave seine Felle davonschwimmen sieht, da Anleger es immer mehr als gute Idee erkennen, kostengünstig in ETFs ihr Geld anzulegen. Wenn man Anleger über Geldanlage informieren will, wie es ja Holger Zschäpitz von der WELT vermutlich tun will, dann sollte man auch sagen, dass es eigentlich keine wirkliche Alternative zu ETFs gibt. Aktives Management kann es jedenfalls nicht sein.

Selbstverständlich meine auch ich, dass man bei ETFs wissen sollte, was man tut. Ich rate beispielsweise Anlegern auch davon ab, in ETFs auf den MSCI World oder den MSCI All Country World zu gehen. Hier hat man unter anderem regionale Gewichtungen, die man möglicherweise nicht unbedingt will.

Meine Empfehlung ist, ETFs für mindestens drei Assetklassen auszuwählen:

  •  Europäische Aktien (Stoxx Europe 600)
  •  Amerikanische Aktien (S&P 500)
  •  Schwellenländer Aktien (MSCI Em. Mkts).

Und noch besser ist es, wenn man noch folgende Assetklassen mit hinzunimmt:

  • Japanische Aktien (Nikkei 225)
  •  Staatsanleihen-ETFs

Nehmen wir beispielsweise an, man hat 30% seines Vermögens in einen S&P 500-ETF angelegt, und nehmen wir an dass die größten Unternehmen im S&P 500-Index 20% darin ausmachen. Dann ist der Gesamtanteil, den man selbst an diesen größten US-Unternehmen hat nicht größer als 6% (30% von 20%). Von einer dramatischen Übergewichtung kann man da beim besten Willen nicht mehr sprechen.

Aber selbst wenn ein Anleger all sein Geld in den einen ETF auf den MSCI World geben sollte (was ich selbst, wie gesagt, nicht empfehlen würde), dann ist das immer noch besser, als all sein Geld in teures, ineffizientes aktives Management zu geben.

Tsipras und Co. haben eine dramatische Wende in der Griechenland-Staatsschuldenkrise eingeleitet. Wir können alle gespannt sein, wie es hier weitergeht. Ein Happy End – für Griechenland – scheint immer unwahrscheinlicher.

Die Börsenkurse sind am Montag (29. Juni) um etwa 3-4 % gefallen. Nicht wenige wundern sich angesichts dieser eher moderaten Verluste. So mancher hat einen veritablen Aktiencrash vorhergesagt. Der ist bislang definitiv ausgeblieben.

Ich vermute, dass viele Anleger die Bedeutung Griechenlands richtig einschätzen. Politisch ist das Ganze natürlich unschön und ein Rückschlag für Europa. Wirtschaftlich ist Griechenland hingegen ziemlich unwichtig.

Bei Griechenland geht es um Staatsschulden in Höhe von etwa über 300 Mrd Euro. Man erinnere sich, dass die Bilanzsumme von Lehman Brothers bei der Pleite ungefähr 750 Mrd Euro betrug, also mehr als doppelt so viel wie die griechischen Schulden.

Außerdem war Lehman Brothers mit der gesamten Bankenwelt stark vernetzt. Griechenland ist derzeit, was seine Staatsschulden betrifft, in erster Linie von den drei Institutionen (IWF, EZB und EU) abhängig.

Deutschlands Exporte gehen beispielsweise nur mit unter 0,5% nach Griechenland. Was die Bevölkerungsgröße betrifft, ist Griechenland ein wenig größer als Baden-Würtemberg.

Nicht wenige haben mit einem regelrechten Börsencrash gerechnet. Der ist bislang ausgeblieben. Dennoch stellt sich die Frage, wie man angesichts solcher Krisensituationen am besten sein Geld anlegt, bzw. was man im Rahmen einer Vermögensverwaltung vernünftigerweise tut?

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Immer wieder sind Anleger mit dem Thema Investmentfonds konfrontiert. In Zeitungen und Zeitschriften werden sie besprochen, nicht selten in Zusammenhang mit Ranking-Listen. Aber auch Bankangestellte und Finanzberater empfehlen gerne Fonds. Das Geschäft mit der Fondsberatung läuft wie eh und je gut.

Ich habe jedoch den Eindruck, dass sehr vieles von dem, was über Investmentfonds gesagt oder geschrieben wird, höchst inkompetent ist. Selbst wenn es von angeblichen Experten stammt.

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Ich bin seit über 15 Jahren in der Vermögensberatung in München tätig. Ich stelle immer wieder fest, wie schwierig es für normale Anleger ist, zu erkennen, ob sie wirklich unabhängig beraten werden oder nicht. Sehr viele Finanzberater behaupten von sich, neutral und unabhängig zu beraten. Aber stimmt das wirklich? Wie kann man das als Laie überprüfen?

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Warren Buffet wird der Satz zugeschrieben: „Kaufe nur, was du verstehst!“

Viele Anleger versuchen diese Maxime zu erfüllen und investieren daher mit Vorliebe:

  1. in Wertpapiere des eigenen Heimatlandes;
  2. in Branchen, die sie selbst kennen, weil sie beispielsweise ihr eigenes Geld in dieser Branche verdienen.

So neigen Deutsche dazu deutsche Aktien zu kaufen, Franzosen kaufen französische Aktien und Amerikaner kaufen eben US-Aktien. Und genauso kauft jemand, der in der Software-Branche arbeitet, sehr gerne Software-Aktien, oder ein Apotheker kauft bevorzugt Pharma-Aktien.

Ist das tatsächlich vernünftig? Oder wird hier Warren Buffets Aussage missverstanden?

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Im Finanztest vom März 2015 habe ich einen interessanten Artikel zum Thema typische Anlegerfehler gelesen. Einer dieser typischen Fehler besteht darin, dass Anleger zu große Geldbeträge auf hochriskante Einzeltitel setzen. Sehr häufig werden sie dazu verleitet durch angebliche Geheimtipps, vermeintliche Insidertipps oder durch eigene Analysen.

Die Wirkung ist immer, dass sich Anleger zu sicher fühlen. Sie sind fest davon überzeugt, ein Wissen zu haben, das es ihnen überdurchschnittliche Gewinne bescheren wird. Kein Wunder also, dass solche Selbstsicherheit dazu führt, alle Regeln der Risikodiversifikation über Bord zu schmeißen.

Der Finanztest zitiert die Studie von Andreas Hackethal, einem Finanz-Professor an der Universität Frankfurt am Main. Demnach führen einseitige Wetten auf hochriskante Einzeltitel in der Regel zu stark unterdurchschnittlichen Renditen…

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Ein Anleger, nennen wir ihn Herrn X, hat mich vor etwa zwei Wochen kontaktiert. Er war bei einem (angeblichen) Honorarberater und wollte jetzt noch eine Zweitmeinung zu dessen Anlagevorschlägen von mir.

In den Medien heißt es ja immer, dass man in Finanzdingen lieber zu einem Honorarberater gehen sollte als zu einem herkömmlichen, provisionsorientierten Finanzberater. Deswegen war Herr X auf die Suche nach einem Honorarberater gegangen. Nur: Wie findet man einen guten Honorarberater?

Herr X. dachte, dass er sich über einen großen Verband von Honorarberatern einen empfehlen lassen kann. Auf seiner Internet-Seite wirbt dieser Verband damit, dass die bei ihm registrierten Berater sich unter anderem auf bestimmte Leitlinien der Honorarberatung verpflichtet hätten.

Interessant ist, auf was für eine Art Berater Herr X auf diese Weise gestoßen ist …

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