Ich wurde auf einen Artikel auf tagesschau.de aufmerksam gemacht: „Neue Finanzkrise durch ETFs? – 10 Jahre Lehman-Pleite„, Autor: Andreas Braun, veröffentlicht am 13.09.2018.

Der Autor, Herr Braun, vergleicht ETFs mit den Hypothekenanleihen (CDOs) und Finanzderivaten, die mit der Finanzkrise ab 2008 in Verbindung gebracht werden. Ähnlich wie damals diese synthetischen Finanzprodukte für eine globale Finanzkrise gesorgt haben, würden jetzt ETFs unser Finanzsystem bedrohen, so suggeriert der Artikel.

Herr Braun schreibt:

„Deutliche Hinweise auf Gefahren, die vom Erfolg der Produkte [gemeint sind ETFs] ausgehen könnten, sammelten Beobachter in den vergangenen Jahren immer dann, wenn es an den Börsen einmal heftig abwärts ging. Berühmtes Beispiel ist ein Ein-Tages-Crash an der Wall Street im August 2015… Die ETFs auf die US-Indizes verloren zum Teil deutlich mehr an Wert und mussten massenweise vom Handel ausgesetzt werden. Zudem schafften es die Produkte nicht mehr, den ihnen zugrundliegenden Index abzubilden.“

Hier wird also Bezug genommen auf die Geschehnisse am 24. August 2015. Die Ereignisse und Hintergründe sind in dem SZ-Artikel „Was für ein Montag“ gut beschrieben.

Was geschah am schwarzen Montag, 24. August 2015? – Welche Rolle hatten ETFs?

An diesem Montag, 24. August 2015, gab es zunächst an den europäischen Aktienmärkten starke Kursturbulenzen. Die New Yorker Börse machte daraufhin von ihrer „Regel 48“ Gebrauch. Danach kann der Handel bestimmter Aktien ausgesetzt werden mit dem Ziel, unerwünschte übertriebene Kursausschläge zu verhindern. Als die New Yorker Börse an jenem Montagmorgen startete, konnten somit 35 Prozent der amerikanischen Aktien keine korrekten Kurse gestellt werden. Für Börsianer ist das als würde man ein Flugzeug blind steuern müssen.

Auf der anderen Seite mussten Kurse für die Aktien-ETFs gestellt werden. Wie soll man aber ein Gesamtportfolio von Aktien bewerten, wenn man die Kurse vieler enthaltener Aktien nicht kennt? Eine faire Bewertung von ETFs war zu diesem Zeitpunkt schlicht nicht möglich.

Hier zeigt sich übrigens ein wesentlicher Unterschied zwischen herkömmlichen Investmentfonds und ETFs. Wie der Name „exchange traded funds“ schon sagt, werden ETFs fortwährend an der Börse gehandelt. Sogenannte Market Maker müssen laufend Kauf- und Verkaufkurse für ETFs stellen, damit Anleger jederzeit ihre ETF-Anteile kaufen bzw. verkaufen können.

Die Preisfeststellung von herkömmlichen Fonds läuft hingegen nicht über eine Börse. Vielmehr wird einmal am Tag (meistens um die Mittagszeit herum) der fairer Preis eines Investmentfonds von der Depotbank des Fonds berechnet. Und zwar  wird der sogenannte Nettoinventarwert (Net Asset Value) auf der Basis der aktuellen Kurse der gehaltenen Wertpapiere festgestellt. Während sich also die Kurse eines ETFs nach Angebot und Nachfrage im Markt richten, ist der Kurs eines herkömmlichen Investmentfonds ein berechneter Wert, egal ob jemand kaufen oder verkaufen will.

Jedenfalls gerieten Anteilsinhaber von ETFs am Montagmorgen des 24.8.2015 in Panik und wollten unbedingt ihre Anteile verkaufen. Allerdings zu einem Zeitpunkt, als für ein Drittel der im ETF-Portfolio gehaltenen Aktien kein aktueller Kurs zur Verfügung stand. Während ein Inhaber von ETF-Anteilen jederzeit verkaufen kann, kann ein Inhaber von herkömmlichen Investmentfonds, wie gesagt, nur einmal am Tag zu einem klar berechneten Kurs verkaufen. Dei Verkauforder von herkömmlichen Fondsanteilen hat mithin keinerlei Einfluss auf die Kursfeststellung des Fonds selbst.

Haben die Market Maker für ETFs hingegen keinerlei Anhaltspunkte für den fairen Wert eines ETFs, weil zu viele Aktien gerade keinen aktuellen Kurs haben, und wollen gleichzeitig zu viele Anleger ihre ETFs verkaufen, so ist es logisch, dass die ETF-Kurse massiv fallen.

Klar ist auch, dass sich solche in Panik geratene Anleger, die in einer solchen Situation überstürzt ihre ETF-Anteile verkauft haben, hinterher massiv ärgern werden.

Jetzt aber noch einmal die Frage: Waren damals, am Montag des 24.08.2015, ETFs eine Bedrohung für das Finanzsystem? Hätte damals die Finanzkonstruktion eines ETFs als solches die Märkte zu Fall bringen können?

Ursache und Wirkung werden verwechselt. ETFs waren nicht das Problem.

Zunächst ist einmal festzustellen, dass hier offenbar Ursache und Wirkung verwechselt werden. Es ist eben NICHT so, dass an jenem Montagmorgen die Aktienkurse wegen ETFs gefallen wären. Es gab an den europäischen Börsen Kursturbulenzen, viele Stunden bevor in New York überstürzt verkaufende ETF-Inhaber zu hohe Verluste realisierten. Auch waren die ETFs für sich genommen nicht schuld daran, dass in New York für etwa ein Drittel der Aktien die Kursstellung ausgesetzt wurde. Die New Yorker Börse machte von Ihrer Möglichkeit Gebrauch, den Handel für bestimmte Aktien einzustellen – aber nicht wegen der ETFs, sondern um einen sich anbahnenden Börsencrash zu vermeiden. Wie sinnvoll diese Maßnahme damals war, darüber kann man diskutieren, sie hatte jedenfalls nichts, aber rein gar nicht mit der Finanzkonstruktion von ETFs zu tun.

Ja, in Folge dieser Ereignisse und Maßnahmen, fielen die ETF-Kurse über die Maßen. Und wer in dieser Situation verkaufte, bekam denkbar schlechte Kurse und durfte sich hinterher über seine Verluste ärgern.

Aber bitteschön: Niemand wurde damals am Montagmorgen des 24.08.2015 gezwungen, seine ETF-Anteile zu verkaufen. Und es waren auch nicht diese ETF-Verluste, die für die Börsenturbulenzen verantwortlich waren. Sondern umgekehrt, die Börsenturbulenzen waren die Ursache dafür, dass sich die Kurse bei den ETFs nur noch nach Angebot und Nachfrage richteten, und nicht mehr nach einem inneren fairen Wert.

Die Behauptung, dass am 24.08.2015 ETFs für sich genommen eine Gefahr für das Finanzsystem gewesen sein sollen, steht somit auf extrem wackeligen Beinen. Um nicht zu sagen, sie ist ziemlich haltlos.

Man hätte damals das Problem nicht gehabt, wenn man schlicht auch den Handel von ETFs ausgesetzt hätte. Und zwar so lange, bis wieder die Kursfeststellung für genügend Aktien funktioniert hätte.

Warum der Vergleich von ETFs mit CDOs hinkt

Der Vergleich mit den CDOs und Hypothekenanleihen, die während der Finanzkrise ab 2008 eine Rolle spielten, ist zudem völlig unzutreffend und vollkommen an den Haaren herbeigezogen. Ich frage mich wirklich, wie man so etwas ernsthaft behaupten kann.

CDOs waren damals extrem intransparente Anlageprodukte, deren Wert nach sehr komplizierten mathematischen Formeln berechnet wurden. In den 1990er Jahren musste ich mich einmal als Finazexperte mit der Frage beschäftigen, ob die Investition in ein bestimmtes CDO interessant wäre. Ich beschäftigte mich zwei Tage damit und konnte beim besten Willen nicht sagen, dass ich die Konstruktion verstanden hätte. Daraufhin war meine Empfehlung: Wenn ich nach zwei Tagen intensiver finanzmathematischer Arbeit das Produkt nicht verstehe, dann kann ich nur jedem Anleger raten, die Finger davon zu lassen.

ETFs hingegen sind extrem simpel. Insofern das genaue Gegenteil von CDOs oder Hypothekenanleihen.

Ein weiterer Unterschied ist, dass sich CDOs bei der Bewertung auf einen Portfolio von Hypothekendarlehen an Privatpersonen beziehen. Der Wert einer solchen Hypothek hängt wesentlich von zwei Dingen ab, a) von der Zahlungsfähigkeit der Privatperson, b) dem Wert der zugrundeliegenden Immobilie. Beides ist nicht auf die Schnelle herauszufinden, sondern bedarf normalerweise aufwendiger Recherche-Arbeit. Hat man nun Hunderte oder sogar Tausende solche Immobilien-Hypotheken gebündelt, so ist es extrem schwierig, zu beurteilen, wie viel das entsprechende Hypothekendarlehen gerade tatsächlich wert ist.

Und jetzt kommt ja eines noch dazu. Die Hypothekendarlehen und CDOs wurden dann ja noch weiter gestaffelt. Das heißt dass es Anleihen gab, die sich nicht auf Immobilien-Kredite bezogen, sondern auf andere Hypothekenanleihen. Und so weiter. Das war ein komplizierter Verhau an ineinander geschachtelter Wertpapiere, die sich am Ende auf etwas bezogen, was selbst extrem schwer zu bewerten war.

Und noch einmal: Wie einfach sind im Vergleich dazu ETFs? Sie beziehen sich ausschließlich auf Wertpapiere, zu denen – normalerweise – jederzeit Kurse gestellt werden. Es ist nichts verschachtelt, es ist einfach die Summe dieser Wertpapiere, die gemäß den Quoten eines bestimmten Index zusammengesetzt sind.

CDOs mit ETFs zu vergleicht ist etwa so, als würde man Infinitesimalrechnung mit dem kleinen Einmaleins vergleichen. Ok, manche finden vielleicht auch schon das kleine Einmaleins kompliziert genug.

Noch ein gravierender Unterschied. Die Rating-Agenturen hatten damals CDOs mit extrem guten Ratings versehen, AAA zum Beispiel. Die Banken fanden das damals toll, weil sie für solch gut gerateten Wertpapiere deutlich weniger Eigenkapital hinterlegen mussten. So sind die Bilanzierungsregeln für Banken. Je riskanter ein Wertpapier ist, das eine Bank erwirbt, umso mehr Eigenkapital muss dafür für etwaige Kursverluste hinterlegt werden. Was ja auch an sich vernünftig ist.

Das Problem ab 2008 war dann, dass diese wunderschönen mit AAA bewerteten Wertpapiere mit einem Schlag massive Kursabschläge hinnehmen mussten. Von Sicherheit war plötzlich keine Spur mehr. Genau das brachte Banken zum wackeln. Dass sie für als sicher eingestufte Wertpapiere nicht hinreichend Eigenkapital hinterlegt hatte, die sich von einem Tag zum anderen als hochriskant herausgestellt haben.

Man frage mal bei seinem Banker nach, in welche Risikoklasse beispielsweise ein DAX-ETF eingestuft wird. Man wird die Antwort erhalten: Hohes Risiko. Auf keinen Fall wird irgendjemand behaupten, dass ein Aktien-ETF eine sichere Wertanlage im Sinne einer AAA-Bundesanleihe ist.

Kauft sich also eine Bank ein ETF ins Portfolio, so wird sie dafür immer relativ viel Eigenkapital dafür hinterlegen müssen.

Es ist also ziemlich weit hergeholt, um nicht zu sagen unsinnig, CDOs mit ETFs zu vergleichen oder zu behaupten, ETFs könnten ähnlich wie CDOs einmal zu einer Finanzkrise führen. Bevor man solche Dinge leichtfertig behauptet, würde ich es gut finden, sich detailliert und tiefgehend mit dieser Materie zu beschäftigen.

Leider werden gerade im Finanzbereich bemerkenswerte häufig leichtfertig Dinge behauptet, bei denen man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass es vor allem um eines geht: um Angstmacherei.

 

Vermögensverwaltung München

Das große Zauberwort im Finanzbereich lautet derzeit „ETFs“ (exchange traded funds). In den Medien werden sie hochgejubelt und es erscheinen immer wieder Beiträge darüber. Noch vor ein paar Jahren waren die Finanzdienstleister, vorneweg die Banken, auf sogenannte aktiv gemanagte Fonds fixiert. Kam ein Kunde mit der Idee, Geld in ETFs anlegen zu wollen, so wurde ihm das fast immer schlechtgeredet.

Vermeintliche Argumente für aktives Management und gegen ETFs

Das Argument war zumeist, dass bei einem aktiv gemanagten Investmentfonds ein professioneller Manager ständig die Märkte beobachtet. Im entscheidenden Moment, so wurde behauptet, hätte ein solcher Manager die Freiheit, aktiv gegenzusteuern. Würde sich also ein Crash ankündigen, so könnte ein aktiver Manager seine Aktienpositionen reduzieren. Bzw. umgekehrt, wenn er das Gefühl hätte, die Märkte würden in nächster Zeit gut laufen, könnte er noch eine Schippe dazulegen. Ein ETF hingegen hat immer exakt dieselbe Investitionsquote. Niemand trifft hier eine Entscheidung, wie man sich in welcher Marktsituation zu verhalten hat.

Ein weiteres Argument war folgendes. Ein ETF hat einfach alle Aktien eines bestimmten Börsenindex im Portfolio. Wenn man sich den einen oder anderen Wert genauer ansieht, dann könnte man schon zu dem Schluss kommen, dass man gerade diesen nicht so gerne besitzen würde. Man zweifelt möglicherweise an der Geschäftsstrategie dieses Unternehmens, oder es ist sonstwie negativ in den Schlagzeilen.

Ein aktiver Manager, so argumentieren Bankberater gerne, könne hier eine Auswahl treffen und die schlecht erscheinenden Aktien aussondern, und vielmehr nur solche Wertpapiere kaufen, bei denen die Analysten und sonstige Experten eine positive Meinung haben.

Ein drittes sehr beliebtes Argument für aktiv gemanagte Fonds im Vergleich zu ETFs war schließlich der Verweis darauf, dass es den oder jenen aktiv gemanagten Fonds gab, der in der Vergangenheit deutlich besser lief als sein Vergleichsindex. Der Finanzberater zeigte dann gerne Charts, die die klare Outperformance des besagten Fonds belegte. Ferner behauptete der Berater, dass genau er das Wissen habe, solche besonders guten Investmentfonds herauszufiltern.

Diese Argumente haben sicherlich den einen oder anderen Privatanleger davon abgehalten, ETFs zu kaufen. Stattdessen haben sie sich mit den Investmentfonds, zu denen der Bankberater zudem wunderschöne Charts präsentieren konnte, wohl gefühlt.

Traurig nur, dass nur in den seltensten Fällen aktiv gemanagte Fonds tatsächlich besser waren als vergleichbare ETFs. Irgendwann merkt fast jeder Privatanleger, dass der Chart zwar bis zum Kaufzeitpunkt sehr schön aussah, merkwürdigerweise aber ziemlich genau danach der empfohlene Fonds nur noch unbefriedigend war.

Besonders fadenscheinig war schon immer das oben genannte dritte Argument. Denn eine gute vergangene Performance ist noch lange keine Garantie für eine künftige Outperformance. Tatsächlich ist es sehr leicht im Nachhinein einen Fonds zu finden, der seine Benchmark geschlagen hat. Sehr sehr schwer hingegen ist es, einen solchen Fonds im Vorhinein zu finden.

Hier ein Zitat aus dem Buch „Erfolgreich Investieren“ von David Swensen (S. 18):

„Es gibt keinen Zweifel, dass ein aktives Management von Vermögenswerten keine zufriedenstellenden Ergebnisse für Privatanleger hervorbringt:“

Vermögensverwaltung mit ETFs

Der eigentliche Grund, warum Bankberater bislang gerne gegen ETFs argumentiert haben, ist, dass die Bank an ETFs so gut wie nichts verdient. Das ist die schlichte Wahrheit. Mit aktiv gemanagten Fonds hingegen können Banken gutes Geld verdienen.

Dass man aber mit ETFs aber als Privatanleger besser fährt als mit herkömmlichen Investmentfonds, dieses Tatsache konnten sich auch die großen Finanzdienstleister nicht auf Dauer leugnen. Nur wie konnte man einerseits auf den Zug ETFs aufspringen und gleichzeitig noch, wie bisher, gutes Geld verdienen?

Die Antwort auf diese Frage ist: Vermögensverwaltung mit ETFs.

Und ich muss zugeben, dass die Idee für sich genommen nicht schlecht ist. Das ist immer noch besser als das, was es bis heute auch noch gibt, nämlich Vermögensverwaltung mit aktiv gemanagten Investmentfonds.

Die Grundidee ist ohne Frage gut. Die Frage ist nur, wie das Ganze umgesetzt wird.

Erstens.

Der Anleger sollte unbedingt auf die Kosten achten. Auf die Vermögensverwaltungsgebühr kommt noch die Mehrwertsteuer oben drauf. Und zudem gibt es in der Regel Depotführungsgebühren und Transaktionskosten. Nicht selten belaufen sich die Gesamtgebühren auf mehr als 1,5 Prozent pro Jahr. Das ist sicherlich zu viel.

Zweitens.

Wichtig ist ferner nach welchem Konzept ETFs ausgewählt werden. Das Typische ist, dass ein Manager auf der Basis von Research und letztlich Bauchgefühl seine aktiven Anlageentscheidungen trifft. Er hat Positives über Japan gelesen, also investiert er in einen japanischen ETF. Oder er ist der Überzeugung, dass Indien ein Wachstumsmarkt ist, also wird ein Indien-ETF erworben.

Genau besehen ist man damit genau wieder beim aktiven Management angelangt, von dem man ja eigentlich wissen müsste, dass es nur zu suboptimalen Ergebnissen führt.

Wichtig ist, stattdessen einen systematischen Ansatz zu wählen, bei dem aktive Anlageentscheidungen keine Rolle spielen.

Als Vermögensberater habe ich mit sehr vielen Anlegern zu tun. Und über viele Jahre hinweg wurde ich immer wieder von Anlegern gefragt, was ich von den P&R-Container-Investments halte. Hin und wieder habe ich dann für einen Kunden einer seiner Investments etwas genauer durchgerechnet.

Dabei ist mir aufgefallen, dass die P&R-Container vor allem psychologisch gut konzipiert waren. Sagen wir, ein Anleger wollte 20.000 Euro investieren, dann bekam er quartalsweise Ausschüttungen, die sich aufs Jahr hochgerechnet auf (zumeist etwa) 5% der eingezahlten Summe aufaddierten.

Psychologisch gut hierbei sind schon mal drei Dinge. Erstens, dass der Anleger alle drei Monate Geld überwiesen bekam. Zweitens suggerierten die regelmäßigen Auszahlungen, dass es sich um eine Art Anleihe oder Rentenpapier handeln würde. Drittens sieht so eine Zahl wie 5% eigentlich ganz ordentlich aus.

Ich fange mal mit dem dritten Punkt an. Es war nämlich immer so konzipiert, dass der Anleger am Ende nicht die volle Investitionssumme zurückbekommt. Nehmen wir beispielsweise wieder den genannten Anleger, der 20.000 Euro investieren wollte und dann jährlich in Summe 4 x 250 = 1000 Euro ausgeschüttet bekommt. Am Ende durfte er nicht die Rückzahlung der investierten 20.000 Euro erwarten, sondern nur (beispielsweise) 15.000 Euro. Also deutlich weniger, als der eingezahlte Anfangsbetrag.

Hier sollte – rein rational betrachtet – eigentlich schon klar sein, dass die Rendite nicht 5% p.a. sein kann, wie die regelmäßigen Auszahlungen suggerieren, sondern deutlich weniger. Finanzmathematisch kam ich in der Regel auf solche Renditen von etwa 3,5 % p.a.

In einer Niedrigzinsphase, wie wir sie derzeit erleben, sind natürlich 3,5% gar nicht so schlecht. Jetzt komme ich aber zu dem zweiten Punkt, den ich oben genannt habe: dass die regelmäßigen Auszahlungen das Gefühl von Sicherheit vermittelten. Das war natürlich ganz offensichtlich ein Schein, der nichts mit den Tatsachen zu tun hatte. Jedem Anleger musste bei den P&R-Containern klar sein, dass es sich eben nicht um sichere Anleihen, sondern um eine mit hohen Risiken behaftete unternehmerische Beteiligung handelte.

Und wenn einem das klar war, dann war die in Aussicht gestellte Rendite von 3,5% eigentlich zu niedrig.

Bei der Geldanlage sollten immer Rendite und Risiko in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen. Man kann schon Risiken eingehen, wenn man will, es muss aber auch eine Chance auf entsprechend hohe Renditen bestehen. Wer nur hohe Risiken eingeht, ohne durch eine angemessene Renditeerwartung entlohnt zu werden, handelt nicht rational.

Und mir erschien eine Rendite von etwa 3,5 % p.a. nicht im richtigen Verhältnis zu stehen zu den unternehmerischen Risiken, die mit den P&R-Containern verbunden waren.

Das Problem an dieser Stelle ist, wie so oft im Finanzbereich, dass man sich fehlerhafterweise auf die Vergangenheit beruft. Wenn ich nämlich Anlegern diese Überlegungen mitteilte, stieß ich bemerkenswert häufig auf Unverständnis. Das Argument war immer: „Bisher ist doch auch immer alles gut gegangen, und das immerhin schon seit 40 Jahren, – ALSO wird künftig auch alles gut gehen. Und 3,5% Rendite ist für eine, naja ziemlich sichere Geldanlage, doch gar nicht schlecht …“

Risiko bezieht sich naturgemäß nicht auf die Vergangenheit, sondern auf die Zukunft. Das, was bisher geschah, ist im Bereich Geldanlage, leider nur ein sehr schlechter Indikator für das, was künftig alles möglich ist. Und die Anleger tappen immer und immer wieder in dieselbe Falle: Sie schließen von der Vergangenheit auf die Zukunft. Und das ist schon so manchem teuer zu stehen gekommen. Jetzt hat es leider auch die P&R-Container erwischt.

 

Derzeit gibt es einen neuen Trend in der Finanzbranche. Immer wieder werden neue sogenannte Computerfonds neu aufgelegt. In der Zeitschrift Euro am Sonntag (Nummer 32) konnte man auf Seite 17 lesen:

„Hinter solchen Strategien steht eine faszinierende Idee: dass die chaotischen Finanzmärkte durch mathematische Berechnungen zu bändigen sind …

Jede Information kann wichtig sein: Makroökonomische Daten wie Zinsentwicklung und Wirtschaftsleistung; Bilanz- und Bewertungskennziffern; historische Kursmuster; selbst Wetterberichte können Hinweise geben, wohin sich die Notierungen künftig bewegen. Das Ganze ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen: Wer aus dem Datenwust die richtigen Formeln herauswühlt, kann das Risiko seines Portfolios reduzieren und überdurchschnittliche Renditen erzielen.“

Was ich in jedem Fall an quantitativen Methoden gut finde, ist, dass Emotionen ausgeschaltet werden. Mit der größte Feind des Anlegers sind seine Emotionen. Kaum rutschen die Kurse, wird der eine oder andere von Panik erfasst. Legendäre Fehlentscheidungen wurden letztes Jahr unmittelbar nach der Brexit-Wahl und nach des US-Präsidentschaftswahl getroffen. Und warum ließ sich ein Anleger nach der Wahl Trumps zum Verkauf verleiten? Weil die Person Trumps bei dem Anleger emotional negativ belegt war.

Dass man aber mit mathematischen Formeln ein Chance hat, die Entwicklung an den Börsen vorwegzunehmen, das halte ich für ein unhaltbares Märchen. Direkt von naiv ist der Glaube, man müssen nur genug Daten zur Verfügung haben und die richtige Formel – und schon steht einem der Blick in die Zukunft offen. Recht betrachtet hat das stark etwas von Astrologie. Auch Astrologie ist sehr mathematisch, das ist aber noch keine Garantie für deren Richtigkeit.

Außerdem ist die Idee, mit geeigneten mathematischen Modellen die Aktienkurse in den Griff zu bekommen, sehr alt. Im wissenschaftlichen Bereich beschäftigt man sich damit schon mindestens ein halbes Jahrhundert. Man hat es mit statistischen Methoden versucht, mit Fuzzy-Logik, mit Chaostheorie, mit Extremwerttheorie, ich weiß nicht mit was alles. Meines Wissens ist bis heute nichts wirklich Handfestes dabei herausgekommen.

Die Hoffnung, mittels Mathematik einen Wissensvorsprung an der Börse zu haben, halte ich für sehr illusionär. Und immerhin bin ich selbst Mathematiker. Überhaupt ist mein Gefühl, dass, je weniger Ahnung jemand von Mathematik hat, umso eher sich jemand dazu verführen lässt, Mathematik für die Heilsbringerin bei Finanzprognosen zu halten.

Aus meiner Sicht ist klar, dass Computerfonds und deren quantitativen Modelle vor allem eines sind: ein Marketing-Instrument, um Kundengelder anzulocken. Eine Mode, wie es sie immer wieder im Finanzbereich gibt. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere: vor etwa 15 Jahren galten Hedgefonds als die große Erleuchtung. Heute redet niemand mehr davon.

Normalerweise gehen Entwickler quantitativer Modelle so vor. Es wird ein Pool von Vergangenheitsdaten hergenommen, der einige Jahre zurückreicht. Auf dieser Basis wird versucht, eine mathematische Formel zu finden, in die man als Input bestimmte Vergangenheitsdaten eingibt und dann die Aktienkurse als Output erhält. Die Formel wird so lange verbessert, bis die Vergangenheitsdaten möglichst gut die historischen Börsenverläufe modellieren.

Haben die Entwickler endlich eine solche Formel, dann sind sie zuversichtlich, sie auch auf neue Datensätze anzuwenden. Das ist dann sozusagen die Nagelprobe. Man nimmt also beispielsweise die aktuellen Wirtschaftszahlen etc., steckt sie in die Formel und sieht zu, was das Modell über die künftige Aktienkursentwicklung sagt. Wenn die Entwickler Glück haben, dann erhalten sie tatsächlich eine zutreffende Prognose. In diesem Fall ist der Jubel groß und man glaubt, wirklich ein gutes mathematisches Modell gefunden zu haben.

Oft genug stimmt die Prognose aber nicht. Dann machen sich die Entwickler wieder an die Arbeit, verbessern ihre Formel, damit jetzt auch die neuesten Datensätze das richtige Ergebnis liefern. Und dann kommt wieder der nächste Test anhand aktueller Daten. Und wieder haben die Entwickler entweder Glück oder Pech. In letzterem Fall wird die Formel einfach „weiterentwickelt“. Die Hoffnung ist, so eine immer bessere Annäherung an die „Wahrheit“ zu bekommen.

Die traurige Erkenntnis wird aber über kurz oder lang kommen: So sehr sie sich auch bemühen und immer wieder ihre Formel weiter anpassen, die Prognosegüte ihres mathematischen Modells wird jedes Mal aufs Neue nicht viel höher sein als 50%. Und dann könnte man sich diese ganze Arbeit auch sparen.

Ich erlebe es immer wieder, dass Anleger einfach nur nach einem guten Investment fragen. Naja, was ist denn ein „gutes Investment“. Die erste Idee könnte ja sein, und wahrscheinlich meinen das die meisten genau so: eine Geldanlage, die erstens möglichst sicher ist und zweitens möglichst viel Rendite bringt. Das ist sozusagen die perfekte Geldanlage. Maximale Rendite und Null Risiko.

Und offenbar glauben bis heute genügend Menschen, dass es so etwas tatsächlich gibt. Vielleicht besteht auch die Auffassung, dass das gerade einen guten Anlageberater auszeichnet: Geldanlagen zu kennen, die mit Sicherheit viel bringen. Oder dass es so etwas wie Geheimtipps gibt, zu denen man nur Zugang bekommen muss, und schon gehört man zu dem auserwählten Kreis derjenigen, die hohe Renditen erzielen aber kein Risiko mehr zu tragen haben.

Wenn man darüber nachdenkt, dann müsste eigentlich klar sein, dass es so etwa nicht gibt. Es ist eine ganz banale Binsenweisheit, dass bei der Geldanlage Rendite und Risiko immer zusammen sind. Wer hohe Renditen will, muss auch hohe Risiken in Kauf nehmen. Und wer Sicherheit will, muss sich mit niedrigen Renditen zufrieden geben. Gans schlicht und einfach.

Und es gibt noch eine einfache Wahrheit. Risiko bedeutet immer auch Verlustrisiko. Wenn ich bereit bin, Risiken einzugehen, bekomme ich nicht unbedingt und in jedem Fall hohe Gewinne zurück. Es kommt auch vor, dass jemand Risiken eingegangen ist und am Ende nicht belohnt wird, d.h. am Ende mit Verlusten aussteigt.

Es gibt nicht die besagten geheimen Anlagetipps. Vielmehr kann man fast mit Sicherheit davon ausgehen, dass ein Anlageberater, der einem hohe Renditen bei minimalen Risiken verspricht, entweder selbst keine Ahnung hat (was oft genug vorkommt) oder in irgendeiner Form den Anleger belügt. Beides ist nicht sehr erfreulich. Und als Anleger täte man am besten, so schnell wie möglich das Weite zu suchen.

Die traurige Wahrheit ist aber leider, dass die Anleger oft genug betrogen werden wollen. Eben genau das ist dieses Fragen nach einem „guten Investment“. Wenn ich dem Anleger sage, dass ich ihm einen Anlagevorschlag machen kann, bei dem hohe Renditen möglich sind, er sich aber der entsprechenden Risiken bewusst sein muss, – dann ernte ich nicht selten: Enttäuschung.

Dann heißt es: „Der andere Berater hat mir aber … empfohlen und behauptet, dass das absolut sicher ist und Renditen von 5% oder mehr bringen wird.“ Tja, was soll ich da machen? Soll ich den Anleger dann, so wie es der andere Berater getan hat, belügen, nur um ihn als Kunden zu gewinnen? Oder soll ich bei der Wahrheit bleiben auf die Gefahr hin, einen potenziellen Kunden zu verlieren?

Für mich ist die Antwort natürlich eindeutig. Ich werde immer bei der Wahrheit bleiben und ich werde immer so beraten, dass ich hinterher noch in den Spiegel schauen kann. Interessant finde ich hierbei, wie gesagt, vor allem die Tatsache, wie leicht Anlegern die Unwahrheit anzudrehen ist. Ja, wie erfolgreich (zumindest für die Kundengewinnung) die Unwahrheit bzw. die Ahnungslosigkeit ist.  Das ist wirklich interessant. Sozusagen, wenn man eine philosophische Perspektive einnimmt.

Langfristig, davon bin ich fest überzeugt, führt die Unwahrheit natürlich ins Desaster. Und zwar zuerst den Anleger, zweitens aber auch den falsch beratenden Berater.

Zum Schluss noch ein Wort, wie man die Güte eines Investments – meiner Meinung nach – korrekt beurteilen kann. Das Kriterium hierfür liefern immer die Anlageziele des Anlegers. Ein bestimmter Fonds beispielsweise kann für den einen Anleger gut und geeignet sein, nicht aber für einen anderen Anleger. Je nachdem eben, welche Anlageziele die beiden Anleger verfolgen. Darüber werde ich aber vielleicht in einem späteren Beitrag noch schreiben.

 

 

In meiner beruflichen Praxis erlebe ich es immer wieder, dass Anleger zu mir kommen, um sich eine Zweit- oder vielleicht sogar eine Drittmeinung einzuholen. Der Anleger war zunächst bei einem anderen Finanzberater, sei es bei einem Bankberater oder bei einem selbständigen Honorarberater, ist sich aber unsicher, was er von dessen Vorschlägen zu halten hat. Was ich hier manchmal an unsinnigen Anlagevorschlägen oder an überteuerter Fehlberatung mitbekomme, ist wirklich bemerkenswert.

Ich habe in diesem Blog auch schon hin und wieder darüber geschrieben, z.B.

In letzter Zeit kann man in der Presse immer wieder nachlesen, dass man darauf achten sollte, nicht zu einem provisionsorientierten Finanzberater zu gehen, sondern zu einem Honorarberater. Ich selbst berate ja auch auf Honorarbasis, und dennoch erscheint mir eine so simple Unterscheidung viel zu kurz zu greifen.

Ist Honorarberatung immer besser?

Ich kann verstehen, dass man sich einfache Regeln wünscht, um gute von schlechter Finanzberatung zu unterscheiden. Schön wäre es beispielsweise, wenn man sagen könnte, alle Finanzberater mit einem Bart sind schlecht und alle ohne Bart sind gut. Oder alle Finanzberater, die größer als 1,78 cm sind, sind gut, alle anderen sind schlecht. Wenn es so einfache Unterscheidungskriterien gäbe, dann wäre die Welt sehr schön. Nur leider ist die Welt nicht so einfach strukturiert. Und genauso simpel wäre es, schlicht die Weise, wie sich ein Berater finanziert, als Unterscheidungskriterium zu wählen.

Es ist nämlich sogar so, dass ich gerade in letzter Zeit vermehrt beobachten konnte, dass sich besonders schlechte Finanzberater inzwischen zu Honorarberatern umfirmiert haben. Gerade die schwarzen Schafe haben schnell gemerkt, woher der Wind plötzlich weht, und dass man eine Art Vertrauensvorschuss erhält, wenn man sich heute Honorarberater nennt. Gerade beim Verkauf von Versicherungsprodukten kann man hier sehr merkwürdiges Gebaren beobachten.

Die frühere Abschlussprovision beim Verkauf einer Lebensversicherung wird jetzt dem Kunden selbst in Rechnung gestellt und als“Honorar“ umgemünzt. Dass dieses „Honorar“ nur bei Abschluss fällig ist und außerdem in etwa dieselbe Höhe hat, wie früher die Provision, scheint den Kunden nicht zu stören. Außer der Tatsache aber, dass das Geld jetzt nicht mehr von der Versicherungsgesellschaft, sondern vom Kunden selbst gezahlt wird, scheint sich nichts Wesentliches geändert zu haben.

Schon das sollte ja eigentlich stutzig machen. Denn offenbar wird mit einer solchen Art von Honorar nicht eine Beratungsdienstleistung honoriert, sondern der Vermittlungserfolg. Die Krönung ist dann noch, wenn sich ein solcher Honorarberater „unabhängig“ nennt. Denn ein solcher Berater hat doch ein massives Interesse, den Kunden zu einem Abschluss zu überreden, ob es ihm nun nutzt oder nicht. Nur so verdient er sein „Honorar“. Von Unabhängigkeit kann hier beileibe nicht die Rede sein.

Außer dem wohligen Gefühl, sich durch einen Honorarberater betreut zu wissen, hat der Kunde ansonsten übrigens nur Nachteile. Das Honorar kann er nicht von der Steuer absetzen und im Falle einer vorzeitigen Kündigung ist der Berater nicht in der Stornohaftung. Aber der Abschlussdruck von seiten des „Beraters“ als auch die sehr hohe Vermittlungsgebühr – egal ob sie Provision oder Honorar genannt wird – sind exakt gleich. Der Kunde gibt sich hier nur einer Illusion hin: nur deswegen, weil am Ende er bezahlt, eine bessere Beratung zu erhalten.

Meine Meinung ist, dass man bei Finanzdienstleistungen unterscheiden sollte,

  1. zwischen einmaliger Beratung oder einmaliger Vermittlung eines Produktes
  2. laufender Betreuung.

Jemand ist in der ersten Situation, wenn er z.B. seine Finanzen ordnen möchte, und von außen Hinweise und Tipps haben möchte, was er besser machen könnte. Oder wenn er seine Altersvorsorge regeln möchte. Oder wenn er darüber nachdenkt, ein bestimmtes Versicherungsprodukt (z.B. einen Rürup-Vertrag) abzuschließen und sich unsicher ist, ob das wirklich eine gute Idee ist.

Ich denke, dass das alles Beispiele von Situationen sind, in denen es nicht gut ist, mit einem Finanzdienstleister zusammenzukommen, der ein Interesse darin hat, ein bestimmtes Anlageprodukt zu vermitteln. Ein „Finanzberater“ der Verkaufsdruck hat, kann einen Kunden nicht wirklich im Sinne des Kunden beraten.

Aber auch hier sieht man, dass es egal ist, ob dieser Verkaufsdruck von Provisionen herrührt oder davon, dass der Honorarberater zunächst „kostenlos“ berät, aber nur im Falle eines Abschlusses ein paar Tausend Euro „Honorar“ kassieren wird. Dieser Honorarberater wäre ja über die Maßen selbstlos, wenn er den Kunden zwei Stunden umsonst berät, aber am Ende sagt, dass alle Lebensversicherungen oder anderen Finanzprodukte, durch deren Vermittlung er erst sein Honorar bekäme, nichts für den Kunden sind. Er müsste ja – im Interesse des Kunden – ganz bewusst auf sein eigenes Honorar verzichten. Wer macht denn so etwas?

Wer also in einer Erstberatung oder einer einmaligen Beratung eine wirklich gute Dienstleistung will, sollte vor allem darauf achten, dass sein Berater keinen Verkaufsdruck hat. Und das, meine ich, ist am besten dadurch gewährleistet, dass der Berater ein Beratungshonorar erhält, das davon abhängt, wie lange der Finanzdienstleister mit der Beratung beschäftigt ist. Braucht er 5 Stunden, ist eben mehr zu zahlen, als wenn nur 2 Stunden benötigt werden. Und vor allem sollte dieses Honorar bezahlt werden, unabhängig davon, ob am Ende ein Abschluss stattfindet oder nicht. Das ist für alle Seiten die fairste Lösung. Der Kunde muss die Gewissheit haben, dass er nicht am Ende mit mehr oder weniger starken Druck doch wieder in ein Finanzprodukt gedrängt wird, das er eigentlich nicht will und eigentlich nicht braucht.

Und um diese Gewissheit noch zu vergrößern, ist es eine gute Idee, dass die Beratung von vornherein unter dem Vorzeichen steht: Hilfe zur Selbsthilfe. Das heißt, dass der Berater versucht, dem Kunden alles so zu erklären, dass der Kunde dann hinterher alles alleine und ohne weitere Unterstützung des Finanzdienstleisters umsetzen könnte, wenn er denn will.

Wenn eine Beratung unter diesem Vorzeichen steht, ist, meiner Meinung nach, am allerbesten gewährleistet, dass der Finanzberater nicht doch letztlich seine eigenen Interessen verfolgt.

Anders sieht es aus, wenn der Kunde – nachdem er erfahren hat, wie er theoretisch alles alleine machen könnte – sagt, dass er sich das dennoch nicht zutraut und deswegen eine laufende Unterstützung durch den Finanzberater wünscht. Dann mündet die einmalige Beratung in eine dauerhafte Betreuung. Und hier sollten, meiner Meinung nach andere Regeln für die Honorierung des Finanzdienstleister gelten. Und hier könnte eventuell das Provisionsmodell sogar für den Kunden selbst vorteilhaft sein. Wichtig aber ist, dass man ideologiefrei darauf schaut, was für den Kunden tatsächlich das Beste ist.

In einem Magazin habe ich eben einen „Börsenausblick“ gelesen. An dieser Stelle will ich nicht sagen, wer diesen Ausblick verfasst hat noch aus welchem Magazin ich ihn habe, da ich niemanden persönlich bloßstellen möchte. Ich gebe im Folgenden den Text wieder und gebe meine Kommentare dazu. Der Ausblick beginnt so:

„Die Rahmenbedingungen für 2017 lassen sich aus heutiger Sicht nur schwer einschätzen.“

OK, war das je anders? Gab es irgendwann einmal einen Zeitpunkt, an dem ganz klar war, wie sich die Börse weiterentwickeln wird? Und wie war das, als sich die meisten Marktbeobachter ziemlich einig in ihren Prognosen waren? Trat dieser Konsens dann tatsächlich ein oder standen dann die meisten letztlich als begossene Pudel da?

Ich erinnere mich beispielsweise noch gut an den April 2007. Damals besuchte ich eine Konferenz, bei dem Chefanalysten und die Creme de la Creme der deutschen Volkswirte anwesend waren. Kein einziger sah die kommende Krise voraus, die nur ein paar Monate später einsetzte. Und es herrschte ein sehr schöner Konsens darüber, dass es an der Börse tendenziell positiv weitergehen werde.

Oder bis Mitte 2014 gab es einen Konsens, dass der Ölpreis steigen wird. Dass er aber dann in Folge so stark einbrechen würde, sah damals niemand.

„Daher sollten Anleger vorsichtig sein …“

Wann sollten Anleger bitte nicht vorsichtig sein?

„… und ihr Portfolio breit über unterschiedliche Anlageklassen diversifizieren, …“

Ich verstehe nicht, was jemand damit sagen will. Jetzt ist Diversifikation gut, aber zu anderen Zeiten ist Diversifikation schlecht? Eigentlich steht im jeden Lehrbuch zum Thema Geldanlage, dass man generell und immer auf eine gute Diversifikation achten sollte.

„Denn trotz der vielen positiven Faktoren könnten sich sowohl Zentralbank und politische Entscheidungen als unternehmensspezifische Nachrichten zu einem Störfaktor für die Wertpapiermärkte entwickeln.“

Und trotz des guten Wetters heute, könnten Wolken aufziehen und Regenwetter aufkommen. Es könnte aber auch, wer weiß, alles bleiben, wie es ist. Könnte, könnte, könnte … Was sind denn das für Banalitäten?

Interessant an dieser Stelle ist, dass es exakt dieselbe Sprache ist, wie sie von Astrologen und anderen Wahrsagern verwendet werden. Einige wichtig klingende Worte, wie z.B. „Zentralbank“, „unternehmensspezifisch“ etc. werden zu einer aussagenlosen Trivialität zusammengeflochten.

„Zudem wird es auch im Jahr 2017 darauf ankommen, die Chancen und Risiken einzelner Märkte und Segmente richtig zu beurteilen, um Investitionen in mögliche Verlierer zu vermeiden.“

Die Frage ist doch an dieser Stelle, ob es überhaupt – im Vorhinein – möglich ist, „Chancen und Risiken einzelner Märkte und Segmente richtig zu beurteilen“.

Nehmen wir an, es ist möglich, naja, dann ist der ganze Satz aber wieder eine nichts sagende Trivialität. Denn warum sollte es in 2017 wichtig sein Chancen und Risiken einzelner Märkte richtig zu beurteilen, nicht aber in 2016 oder in 2015?

Und wenn es möglich ist, warum bleibt der Autor dann so vage? Warum sagt er uns nicht konkret welche genauen Märkte und Segmente welche Chancen und Risiken haben?

Nehmen wir aber an, dass das sowieso vergebliche Liebesmüh ist, suggeriert der Autor dann nicht etwas, was es gar nicht gibt. Für mich klingt der obige Satz etwa so: „Damit Ihr nächster Urlaub besonders schön wird, wird es darauf ankommen, dass Sie das Wetter am Zielort richtig einschätzen.“

„Ebenso wird die richtige Einschätzung der Entwicklung des Euro einen erheblichen Einfluss auf die Wertentwicklung der Portfolios von Investoren, die auch außerhalb der Eurozone investieren wollen, haben.“

Und wer gerne Bananen isst, sollte auf den Bananenpreis achten. Hören die Banalitäten denn nicht auf?

„Auch 2017 sollten mögliche Rückschläge genutzt werden, um eventuell einzelne Positionen im Portfolio aufzustocken. Um diese taktischen Transaktionen durchführen zu können ist es notwendig, einen Teil des Portfolios in Cash vorzuhalten.“

Das ist immerhin eine einigermaßen konkrete Aussage. Nehmen wir beispielsweise jemanden an, der sein ganzes Geld in den DAX anlegen möchte. Der Autor rät dazu, das eben nicht vollständig zu tun, sondern einen Teil seines Vermögens, sagen wir, auf einem Tagesgeldkonto zu belassen. Wichtig wäre jetzt natürlich noch eine Aussage darüber gewesen, wie hoch dieser Anteil sein soll. 50 Prozent, 10 Prozent oder nur 5 Prozent?

Die nächste Frage aber ist, ob das wirklich ein so guter Rat ist. Es könnte doch auch folgendes Szenario eintreten: Der DAX steigt das ganze Jahr unaufhörlich und die Kurse, die wir jetzt haben, werden im Laufe des Jahres nicht unterschritten.

In diesem Fall wäre der Rat zu einer Liquiditätsreserve – um bei einem Kursrückschlag zu investieren – fatal. Erstens für die Performance des eigenen Vermögens, zweitens aber auch für die arme Seele des Anlegers. Denn von Monat zu Monat zusehen zu müssen, wie einem die Kurse davonlaufen, bereitet Schmerzen.

Es könnte aber auch sein, dass wir tatsächlich, sagen wir mal, in einem Monat einen heftigen Kursrückschlag haben werden. Wer wird denn dann wissen, ob dann schon der Tiefpunkt erreicht sein wird. Meine Erfahrung ist, dass viele Anleger mit dem Vorhaben scheitern, bei Kursrückschlägen nachzukaufen, weil sie Angst haben, dass es noch weiter runtergehen könnte. Viele warten, warten und warten … und schließlich haben sie doch den besten Zeitpunkt verpasst.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich von solchen taktischen Ratschlägen überhaupt nichts halte. Es hört sich natürlich gut an, eine Liquiditätsreserve zu halten, um bei Kursrückschlägen kaufen zu können. Und – im Nachhinein – sieht es ja ganz klar aus, wann man hätte einsteigen sollen und wann man noch weiter hätte warten sollen. Ja im Nachhinein – jeder Anleger muss aber jetzt Geld anlegen, ohne zu wissen, was danach kommt.

In der Praxis ist das mit so vielen konkreten Fallen und Schwierigkeiten verbunden, dass ich einem Privatanleger wirklich nur von solchen taktischen Spielchen abraten kann.

Ich frage mich ernsthaft, warum Leute Geld bezahlen, um solche „Börsenausblicke“ zu lesen.

Vermögensverwaltung München

Seit 2014 ist die Honorarberatung gesetzlich geregelt. Der offizielle Titel lautet: Honoraranlageberatung nach § 36c Abs. 1 WpHG. Wer diesen Titel will, muss das erst bei der BaFin beantragen und untersteht einer laufenden Überwachung durch die Aufsichtsbehörde. Davor war der Begriff „unabhängige Honorarberatung“ nicht geschützt.

Ein unabhängiger Honorarberatung gemäß WpHG muss drei wesentliche Kriterien erfüllen.

Erstens darf er nicht auf bestimmte, wenige Anbieter beschränkt sein, sondern muss eine hinreichende Unabhängigkeit von Produktanbietern nachweisen können.

Zweitens darf ein Honorarberater ausschließlich von seinen Kunden vergütet werden. Er darf keinerlei Provisionen annehmen. Höchstens, um sie danach umgehend an seine Kunden weiterzugeben.

Den dritten Punkt habe ich bereits erwähnt. Er muss sich nämlich bei der BaFin registrieren lassen. Stand heute sind (nur) 19 unabhängige Honorarberater gemäß WpHG eingetragen.

Das ist tatsächlich eine sehr kleine Zahl. Anscheinend interessieren sich die allermeisten Finanzdienstleister nicht für diesen Titel. Einerseits bringt es zwar einen gewissen Marketing-Vorteil, wenn man sich selbst offiziell als unabhängiger Honorar-Anlageberater bezeichnen kann. Andererseits aber ist der aufsichtsrechtliche und administrative Aufwand so hoch, dass viele Finanzdienstleister diesen Schritt scheuen.

Außerdem kommt noch dazu, dass die Idee einer unabhängige Honorarberatung vielleicht ganz gut klingt. In der Praxis ist es aber nicht immer klar, ob der Kunde so am besten wegkommt. Es mag vielleicht paradox klingen, aber bisweilen ist die Honorarberatung für den Kunden eher von Nachteil.

Zum Beispiel werden Menschen mit kleinen Anlagebeträgen in der Regel mit dem Provisionsmodell weniger Kosten haben als mit der Honorarberatung. Das sieht man bereits an Großbritannien. Dort ist nämlich inzwischen die Beratung auf Provisionsbasis verboten, mit der Folge, dass kleinere Anleger keine Beratung mehr erhalten. Schlicht, weil sie es sich nicht mehr leisten können.

Honorarberatung hat zudem steuerliche Nachteile. Bei einer Provision fällt keine Mehrwertsteuer an, bei einem Beratungshonorar hingegen schon. Ferner schmälert eine Provision unter Umständen die Anschaffungskosten und ist somit steuerwirksam, ein Beratungshonorar hingegen lässt sich nicht von der Steuer absetzen. Schließlich müssen an den Kunden rückvergütete Bestandsprovisionen von dem Kunden als Einnahmen versteuert werden.

Hier ein Rechenbeispiel. Nehmen wir einen Anleger A an, der 100.000 Euro in einen Fonds anlegt, bei dem 0,5% Bestandsprovision für den provisionsorientierten Berater anfällt. Nehmen wir ferner an, dass der Fonds 4,5% Rendite p.a. über 10 Jahr erzielt. Dann hat A nach 10 Jahren 155.297 Euro angespart. Verkauft er nun alle Fondsanteile. so wird der Gewinn von 55.297 Euro versteuert, und ihm bleiben unterm Strich 139.814 Euro.

Nehmen wir nun einen Anleger B an, der auch 100.000 Euro in denselben Fonds anlegt. Diesmal aber über einen Honorarberater kauft, der ihm die Bestandsprovision von 0,5% pro Jahr immer rückvergütet, dafür aber für seine laufende Betreuung ein jährliches Honorar in Höhe von 0,5% in Rechnung stellt.

B muss jedes Jahr die rückvergütete Provision versteuern, so dass ihm faktisch nicht 0,50% bleiben, sondern nach Steuern nur 0,36% oder 360 Euro. Da er auf das Honorar Mehrwertsteuer zahlt, wird er an den Honorarberater 0,595 % oder 595 Euro zahlen müssen. Unterm Strich kostet ihm die Honorarberatung also 595 – 360 = 235 Euro. Das sind Kosten, die er aber nicht von seinem Kapitalgewinn abziehen kann.

Über 10 Jahre hinweg wird auch der Anleger B, so wie A, ein Fondsvermögen von 155.297 Euro erreichen. In der Zwischenzeit wird er jedes Jahr Provisionen rückvergütet bekommen, dafür aber Honorarkosten haben, was für ihn insgesamt und unterm Strich auf 2.887 Euro hinausläuft. Das sind die Kosten, die er über die 10 Jahre nicht von der Steuer absetzen kann.

Verkauft B nun alles, so bleiben ihm nach Abzug der Steuern, so wie A, 139.814 Euro. Zieht man jetzt aber noch die oben genannten 2887 Euro ab, so hat B nach allen Kosten und Steuern gerechnet über 2800 Euro weniger in der Tasche als A.

An diesem Rechenbeispiel sieht man, dass die Honorarberatung für sich genommen noch keinen Vorteil darstellt. In der Praxis kann sie dem Kunden erheblich teurer kommen als das herkömmliche Provisionsmodell.

Der entscheidende Punkt kann also nicht sein: Honorarberatung oder Provisionsmodell? Nein, die entscheidenden Punkten sind vielmehr:

  • Wo hat der Kunde ein möglichst gutes und faires Gebührenmodell?
  • Wie erhält der Kunde eine wirklich gute Finanzberatung?

Um den ersten Punkt beurteilen zu können, ist vor allem Transparenz wichtig. Merkwürdigerweise habe in den letzten Jahren vermehrt erlebt, dass gerade im Versicherungsbereich Honorarmodelle angeboten werden, die dem Kunden um vieles teurer zu stehen kommen als das herkömmliche Provisionsmodell.

Die Kunden ticken aber oft so: „Aha, er berät auf Honorarbasis. Also ist er einer der Guten, das hört und liest man doch so immer in den Medien.“  Und weil sich der Kunde sicher ist, bei einem der „Guten“ gelandet zu sein, überprüft er nicht mehr, wie viel er alternativ beim Provisionsmodell gezahlt hätte. Was ihm also abgeht, ist exakt mangelnde Transparenz – was sich in diesem Fall paradoxerweise Honorarberater zunutze machen.

Also egal ob herkömmlicher Berater oder Honoraranlageberater: Der Kunde darf nicht blind vertrauen, sondern sollte gründlich nachrechnen.

Was den zweiten Punkt betriff: Wie man überhaupt eine gute Finanzberatung erhält, schreibe ich später einmal.

 

 

 

… vor allem wenn sie sich auf die Zukunft beziehen. Dieses Bonmot wird Mark Twain zugeschrieben.

In der Süddeutschen Zeitung vom 30.01.2017 wird das Buch „Geschichte der Zukunft“ des Historikers Joachim Radkau vorgestellt. Darin geht es darum, wie sich im Laufe der Zeit die Vorstellung von der Zukunft gewandelt hat. Wenn nämlich ein Historiker die Menschen in ihrer Zeit verstehen will, dann gehört dazu auch, welches Bild von der Zukunft sich die Menschen damals gemacht haben.

Beschäftigt man sich aber damit, welche Vorstellungen von der Zukunft die Menschen früher hatten, dann sticht vor allem eines ins Auge: wie häufig sich die Menschen über die Zukunft getäuscht haben. In der SZ steht:

„Egal auf welche Zukunftsprognosen man blickt: Man sieht nur Irrtümer. Das Wirtschaftswunder sehen Politiker und Ökonomen ebenso wenig vorher wie die Wiedervereinigung, die Ölkrise, die 68er-Bewegung. Stattdessen hielt man es in den Sechzigern für wahrscheinlich, dass Menschen bald Bergwerke auf dem Mond betreiben und einen Großteil ihrer Nahrung in Tablettenform zu sich nehmen.“

Das Problem ist nur, dass man sehr schnell die falschen Prognosen wieder vergisst. Und im Nachhinein meint, die vergangene Entwicklung sei immer klar gewesen und wäre mit einer Art inneren Notwendigkeit geschehen.

Gerade im Finanzbereich begegnet man erstens einer überbordenden Fülle an Fehlprognosen, und zweitens den nicht klein zu kriegenden Glauben, dass sich die Kapitalmärkte gemäß einer gewissen Gesetzmäßigkeit verhalten würden (und daher – sofern man diese Gesetzmäßigkeit nur kennt – alles vorhersehbar ist).

Noch vor ein paar Jahren traf ich auf Leute, die der festen Überzeugung waren, der Ölpreise können nur steigen. Dass er zwischenzeitlich um etwa die Hälfte fällt (wie geschehen), war für sie völlig undenkbar.

Die permanenten falschen Zukunftserwartungen im Finanzbereich sind wirklich bemerkenswert. Fast noch bemerkenswerter aber ist, wie wenig diese Irrtümer zur Kenntnis genommen werden. Normalerweise geht man ja davon aus, dass die Menschheit mit der Zeit schlauer wird und aus ihren Fehlern lernt. Viele Anleger oder Anlageberater scheinen aber über Jahrzehnte hinweg nichts dazuzulernen.

Warum ist das so? Weil Kapitalmarktprognosen vor allem einem Zweck dienen: Sie stellen ein Marketing-Instrument für Finanzdienstleister dar. Sie dienen eben größtenteils NICHT einer Renditeverbesserung der betreuten Vermögen. Nein, Prognosen helfen dem Finanzdienstleister, potenzielle Kunden auf sich aufmerkasm zu machen.

Man schaue hierauf Internet-Anzeigen an mit dem Inhalt „Der Euro bricht bald zusammen – retten Sie Ihr Vermögen“ oder ähnlich. Die Idee ist, dass man eine gerade verängstigte Klientel anspricht, die sich dann (hoffentlich) meldet und denen man dann für teures Geld seine Heilsideen verkaufen kann.

Oder wenn im Fernseher Bankenvertreter anscheinend klug daherreden und schlau analysieren, warum was geschehen wird. Es geht doch letztlich nur darum, einen Interviewtermin im Fernsehen zu bekommen, auf diese Weise aufzufallen, kompetent zu erscheinen, um so mögliche Neukunden zu gewinnen.

Marketing. Nichts als Marketing.

Das merken die Kunden spätestens dann, wenn sie ein paar Jahre auf die Prognosen eines Finanzdienstleisters vertraut haben und gemerkt haben, dass die Performance Ihrer Wertpapierdepots nicht besser war, als hätten sie darauf verzichtet.

Wie würde man aus den Fehlern lernen?

Antwort: Indem man sich Anlagestrategien überlegt, die unabhängig von Prognosen funktionieren.

 

Der Start ins Börsenjahr 2016 war ein Desaster, die Aktien erlitten hohe Verluste. Alleine der DAX verlor bis etwas 10.2.2016 bis zu 19%. Das war der schlechteste Börsenstart seit 50 Jahren. Bis April erholten sich dann die Aktienmärkte zwar, danach kam aber immer wieder Störfeuer von politischer Seite.

Am 23. Juni stimmten die Briten mit knapper Mehrheit für den Ausstieg aus der EU. Die Folge war ein kurzzeitiger Kursabsturz von Aktien um bis zu 10%. Innerhalb einer Woche waren die Verluste aber bereits wieder ausgeglichen. Und die Aktienmärkte machten bis August einen weiteren Anlauf.

Bis zur US-Präsidentschaftswahl am 8. November. Für die meisten überraschend gewann Donald Trump knapp. Ähnlich wie beim Brexit reagierten auch am Tag nach der US-Wahl die Aktienmärkte zunächst mit hohen Verlusten, diesmal von bis zu -6%. Und auch jetzt erholten sich die Kapitalmärkte schnell.

Schließlich legten die Aktien noch eine Jahresend-Ralley hin, die Kurse stiegen in den letzten Wochen des Jahres 2016 um bis zu 10%.

Nach diesem wechselhaften Geschehen, war das Fazit für das Jahr 2016 so:

  • DAX-Rendite in 2016: 6,9%
  • Euro Stoxx 50 in 2016: +0,55%
  • S&P500 in 2016: +9,76%
  • 1 Euro in USD: -2,81%
  • Gold in USD: +9,13%
  • Inflationsrate 2016 in Deutschland: 1,7%

Man kann von Trump halten was man will, aber historisch gesehen war der Kursanstieg nach seinem Wahlsieg der größte Kursanstieg unmittelbar nach einer US-Präsidentenwahl seit 1900.

Einen Ausblick zu geben ist schwer. Wie sagte Mark Twain? –  „Prognosen sind dann besonders schwer, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen.“ Und gerade derzeit gibt es eine Reihe von Unsicherheiten.

Meiner Meinung nach zählt letztlich die richtige strategische Ausrichtung. Versuche, aufgrund bestimmter Ereignisse durch kurzfristiges Trading die richtigen Entscheidungen zu treffen, sind in der Regel ohne Erfolg. Das zeigte ganz besonders gut das Jahr 2016. Wer aufgrund des Brexit-Referendums oder einen Tag nach der US-Wahl schnell Aktienpositionen verkaufte, musste schwere Verluste hinnehmen.

Besser war es, diese Kursrückschläge durch antizyklisches Handeln auszunutzen. Dazu gehört ein klares Anlagekonzept, das strategisch und langfristig ausgerichtet ist. Ein solches Vorgehen halte ich auch in 2017 für zielführend.