Anlageberater Dr. Peterreins aus München

Ich habe Mathematik und Philosophie in München studiert und habe in beiden Fächern promoviert. Von 1995 bis 1998 arbeitete ich im Risikocontrolling der Kapitalanlagen weltweit bei der Allianz AG.  1998 machte ich mich selbständig und gründete mein Unternehmen. Seit dieser Zeit arbeite ich als BaFin-lizenzierter Vermögensverwalter.

Für meine Kunden lege ich Geld größtenteils so an, wie es David F. Swensen in seinem Buch „Erfolgreich investieren“ beschrieben hat. Swensen ist langjähriger, sehr erfolgreicher Vermögensverwalter des Yale-Stiftungsvermögens gewesen.

Ein Kernpunkt bei dieser Anlagestrategie ist die Erkenntnis, dass sich ein aktives Management nicht lohnt. Swensen schreibt:

„Es existieren Daten, die eindeutig belegen, dass Investmentfonds-Anleger, die sich Erträge erhoffen, welche über der Marktrendite liegen, so gut wie sicher enttäuscht werden … Es gibt keinen Zweifel, dass ein aktives Management keine zufriedenstellenden Ergebnisse für Privatanleger hervorbringt.“

Selbstverständlich gibt es aktive Fondsmanager, die über ein paar Jahre hinweg besser waren als der Markt. Dies wird gerne als Beleg dafür genommen, dass sich aktives Management doch lohnen würde. Wenn ein Manager beispielsweise fünf Jahre hintereinander besser als der Markt war, dann wird gerne so argumentiert: „Fünf Mal hintereinander besser als der Markt, das kann doch kein Zufall sein. Das wäre ja etwa so wahrscheinlich, wie fünf Mal hintereinander Zahl mit einer Münze zu werfen.“

Der Denkfehler hierbei ist, dass wir solche vermeintlich herausragenden Manager immer nur im Nachhinein erkennen, niemals im Vorhinein. Weltweit gibt es sicher mehr als 10.000 Manager und Vermögensverwalter, dann ist das richtige Münzwurf-Modell so: Nehmen wir z.B. eine Gruppe von 10.000 Menschen in einem Stadion an, jeder ausgestattet mit einer Münze, und jeder wirft die Münze fünf Mal hintereinander. Dann kann man sich die Frage stellen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass es unter diesen 10.000 Menschen mindestens einer schafft, fünf Mal hintereinander Zahl zu werden. Die Antwort darauf liefert die Mathematik und diese sagte, dass die Wahrscheinlichkeit bei 100% liegt.

Dass man immer wieder – im Nachhinein – einen herausragenden Manager findet, der rein zufällig über einige Jahre hinweg besser als alle anderen war, liegt absolut im Bereich der Wahrscheinlichkeit. Es wäre eher verwunderlich, wenn man einen solchen Manager nicht finden würde.

Das sind dann genau die Manager, die auf Rankinglisten ganz oben erscheinen. Die allermeisten Anleger und auch Anlageberater meinen, mittels solcher Rankinglisten zu stichhaltigen Anlageentscheidungen kommen zu können. Dabei wird, wie gesagt, verkannt, dass solche Manager einfach nur Glück hatten, und dass das nichts mit Können zu tun haben muss.

Es läuft dann so ab, dass sich die Anleger im großen Stil diesen vermeintlich guten Managern zuwenden. Meistens sind diese Manager aber genau dann kurz vor ihrem Zenit. Und nachdem viel Geld eingesammelt worden ist, verlieren sie ihre Glücksträhne. Einige Zeit danach sehen die Rankinglisten ganz anders aus, und die Anleger glauben, zu denjenigen Managern umschichten zu müssen, die jetzt neu ganz oben stehen. Kein Wunder, dass es so viele Menschen beim Geldanlegen zu nichts bringen!

Hier noch ein Zitat aus dem Buch von Daniel Kahnemann „Schnelles Denken, langsames Denken“:

„Investmentfonds werden von äußerst erfahrenen und tüchtigen Fachleuten gemanagt, die Aktien kaufen und verkaufen, um die bestmöglichen Ergebnisse für ihre Kunden herauszuholen. Dennoch ist die Datenlage nach über fünfzigjähriger Forschung eindeutig: Die Auswahl von Einzeltiteln gleicht eher einem Würfel- als einem Pokerspiel. Im Allgemeinen ist die Wertentwicklung bei zwei von drei Investmentfonds in jedem beliebigen Jahr schlechter als die des Gesamtmarktes.

… Die erfolgreichen Fonds in jedem beliebigen Jahr haben einfach das meiste Glück; sie haben gut gewürfelt. Es besteht Einigkeit unter den Forschern, dass fast alle Stockpicker, ob sie es wissen oder nicht – und nur wenige wissen es –, ein Zufallsspiel spielen.“

Wenn man all das weiß, dann kommt eigentlich nichts anderes in Frage als Indexfonds oder ETFs. Die Frage ist nur, auf welche Weise man das am besten tut. In seinem Buch behauptet David Swensen, dass man am besten wie folgt vorgehen sollte:

Erstens. Man überlegt sich das Anlageuniversum. Was ist wirklich relevant? Ich habe für mich die Frage so beantwortet:

  • Europäische Aktien (Stoxx Europe 600, EuroStoxx 50, MSCI Europe)
  • US-Aktien (S&P 500, Russel 2000, etc.)
  • Japanische Aktien (Nikkei 225, MSCI Japan)
  • Schwellenländer (MSCI Emerging Markets)
  • Europäische Staatsanleihen
  • US-Staatsanleihen

Zweitens. Danach legt man Soll-Quoten fest. Beispielsweise

  • Europäische Aktien: 35 %
  • US-Aktien: 28 %
  • Japanische Aktien: 10 %
  • Schwellenländer: 10 %
  • Europäische Staatsanleihen: 12 %
  • US-Staatsanleihen: 5 %

Drittens. Entsprechend dieser Soll-Quoten investiert man mithilfe passender ETFs.

Viertens. In regelmäßigen Zeitabständen vergleicht man die Ist-Quoten mit den Soll-Quoten und nimmt gegebenenfalls ein Rebalancing vor.

Das heißt: Liegen europäische Aktien beispielsweise bei 38 % (Soll: 35 %) und Staatsanleihen bei 9% (Soll 12%). Dann muss man für 3% europäische Aktien verkaufen und für 3% Staatsanleihen-ETFs nachkaufen, um die ursprünglich festgelegten Soll-Quoten wiederherzustellen.

Liegen umgekehrt europäische Aktien beispielsweise aufgrund einer schwachen Börse bei 30% (Soll: 35%) und Staatsanleihen bei 17% (Soll: 12%). Dann muss man für 5% Staatsanleihen verkaufen und für 5% Aktien-ETFs nachkaufen.

Ein wesentlicher Effekt dieser Strategie besteht darin, dass man immer strikt antizyklisch anlegt. Man kauft immer tendenziell das, was gerade gefallen ist, und verkauft tendenziell das, was gerade gut gelaufen ist. Ziemlich genau umgekehrt im Vergleich zu dem, wie die große Masse der Anleger agiert.

Denn die allermeisten Anleger handeln prozyklisch. Und das ist einer unserer großen menschlichen Schwächen, die einem Börsenerfolg entgegenwirken. Wir neigen dazu, das gut zu finden und kaufen zu wollen, was gerade in der letzten Zeit ein gute Wertentwicklung hatte. Das hingegen, was gerade an Wert verloren hat, meiden wir.

In meiner Praxis mit Privatanlegern könnte ich dazu dutzende Anekdoten erzählen. Zum Beispiel habe ich März 2009 Anlegern zum Kauf von Aktien geraten, die mir dann entgegenhielten, dass ich wohl nicht über die aktuell wütende Finanzkrise informiert sei. Dieselben Anleger kamen dann Jahre später wieder auf mich zu, fest entschlossen, jetzt in Aktien anlegen zu wollen. Allerdings waren da die Kurse 40% höher als 2009. Merkwürdigerweise fällt es vielen Anleger leichter bei hohen Kursen einzusteigen als bei niedrigen.

Es ist wirklich ein Trauerspiel, wie Anleger ständig Geld vernichten, indem sie versuchen auf Trends aufzuspringen, die eigentlich schon kurz vor dem Kippen stehen, nur um dann zu Tiefstkursen wieder in Panik zu verkaufen. Ich halte es lieber umgekehrt. Ich kaufe dann, wenn alle in Panik sind, und stehe auf der Verkäuferseite, wenn alle überoptimistisch sind.

So fielen am Tag nach der Wahl Trumps die Aktienkurse zunächst dramatisch. Ich bekam damals schon Panikanrufe von ein paar Kunden. Der eine oder andere war auch nicht davon abzubringen, all seine Wertpapiere zu verkaufen. Ich stand damals auf der Käuferseite und erwarb im großen Stil Aktien-ETFs für unsere Fonds. Diese ETFs waren bereits eine Woche etwa 10% mehr wert.

Wie gesagt. Das simple Konzept des Rebalancing führt zu einer strikt antizyklischen Anlagestrategie. Und hier hat sich gezeigt, dass es besser ist das Rebalancing häufig durchzuführen. Das ist uns das erste Mal Anfang 2010 aufgefallen.

Wir stellten uns nämlich die Frage, ob es gut war, das Rebalancing wöchentlich vorzunehmen. Dazu betrachteten wir hypothetisch ein Portfolio, das zum 1.1.2009 exakt gemäß unseren Soll-Quoten in ETFs angelegt hätte, und das ganze Jahr über kein Rebalancing durchgeführt hätte. Für dieses Buy-And-Hold-Portfolio berechneten wir die Jahresperformance bis zum 31.12.2009. Diese Performance konnten wir dann damit vergleichen, was unser Global Strategy-ETF-Dachfonds faktisch in 2009 erwirtschaftet hatte.

Das Ergebnis war für uns erst einmal überraschend: Unser ETF-Dachfonds hatte eine Überrendite im Vergleich zu dem hypothetischen Buy-And-Hold-Portfolio von mehr als 2%. Und zwar nach allen Kosten. Das war für uns erst einmal nicht zu verstehen.

Als wir die Sachlage genauer analysierten war klar, woher diese Überrendite kam. Wir nehmen ja mindestens wöchentlich ein Rebalancing vor. Sind die Aktienmärkte tendenziell eher gefallen, kaufen wir Aktien-ETFs zu relativ günstigen Kursen nach. Haben sich nach einer Woche die Kurse wieder erholt, verkaufen wir wieder Anteile an den Aktien-ETFs, diesmal etwas teurer. Und wir streichen Kursgewinne ein. Dann fallen die Kurse wieder und wir stehen wieder auf der Käuferseite. Auf diese Weise sammeln wir, sozusagen wie nebenbei, beständig Kursgewinne ein. Und offensichtlich sind gerade volatile Marktphasen gut für diese Strategie.

Das häufige Rebalancing ist nicht in jedem Jahr besser als Buy-and-Hold gewesen, auf lange Sicht erzielt man so aber durchaus mehr Rendite.

Ich habe gerade in eine Finanzzeitschrift einen Artikel gelesen, dessen Thema die Psychologie des Anlegers ist. Die Idee dabei ist, dass man einige Fehler vermeiden kann, wenn man über die Psychologie des Geldanlegens Bescheid weiß. Dem stimme ich prinzipiell zu.

Aber über einen Abschnitt in diesem Artikel bin ich gestolpert, dem ich beim besten Willen nicht zustimmen kann, nämlich:

„Wer einmal bestimmt hat, welcher Risikotyp er ist, bringt Kontinuität in einen Anlagemix. Also nicht heute nur Aktien und morgen nur Festgeld…“

Die Vorstellung ist hier, dass jeder Mensch einem bestimmten „Risikotyp“ zugeordnet werden kann. So ähnlich wie jeder Mensch ein eindeutiges Sternzeichen hat. Entweder bin ich der Typ „konservativ/absolut Verluste-avers“ oder ich bin „spekulativ/risikofreudig“, oder irgendwelche Mischformen dazwischen. Und diese Zuordnung könne man entweder selbst machen oder mithilfe irgendwelcher psychologischer Tests. Am Ende gehört man aber vermeintlich einer bestimmten Risikoklasse so unverrückbar an, wie man beispielsweise klar ein „Steinbock“ oder ein „Wassermann“ ist, samt der zugehörigen Eigenschaften.

Fakt ist aber, dass das in der Praxis nicht so läuft. Es fängt schon damit an, dass fast alle Menschen Schwierigkeiten damit haben, sich auf eine bestimmte Risikoklasse festzulegen. Wenn man System von beispielsweise sieben Risikoklassen von 1=“ganz konservativ“ bis 7=“hochspekulativ“, so wird man kaum jemanden finden, der sich klar zu den Extremen 1 oder 7 bekennt. Am meisten Anleger werden sich auf die mittleren Plätze zwischen 3 und 5 eingruppieren.

Und selbst dabei werden viele ihre Bauchschmerzen haben. Denn normalerweise „ist“ man nicht generell und absolut so oder so bezogen auf seine Geldanlagen. Vielmehr denken die allermeisten sozusagen in „Anlagetöpfen“. Man sagt zum Beispiel: „Naja, einen Großteil meines Vermögens will ich sehr sicher angelegt haben ohne große Verlustrisiken, daneben will ich aber eine Art ‚Spielgeld‘ von sagen wir 10% meines Vermögens, das durchaus hochspekulativ angelegt sein kann.“

Andere gewichten anders. Aber fast immer denken Anleger so, dass sie ihre Vermögen aufteilen möchten in verschiedene (wie ich es nannte) „Anlagetöpfe“, die für sich genommen eine sehr unterschiedliche Risiko-/Renditestruktur haben können.

Nehmen wir beispielsweise den obigen Anleger, der 90% seines Vermögens ganz sicher auf Tagesgeld- und Festgeldkonten angelegt hat. Er geht nun zu seiner Bank und sagt, dass er einen kleineren Teil seines Geldes in Aktien bzw. Aktienfonds anlegen will. Die Bank kommt jetzt erst einmal und fordert ihn auf, sich in eine Risikoklasse einzugruppieren. Er wird also gefragt: „Sind Sie eher der konservative Typ oder der hochspekulative Typ?“

Wenn er ehrlich antwortet, wird er sagen, dass er eher konservativ ist. Nach dieser Antwort müsste die Bank aber sagen, dass riskante Aktien bzw. Aktienfonds mit hohe Verlustrisiken nicht zu seinem Anlegerprofil passen.

Damit er bei der Bank überhaupt ein risikofreudig ausgerichtetes Wertpapier-Depot einrichten darf, muss er sich als spekulativen Risikotyp kategorisieren lassen, was er ja eigentlich gar nicht ist. Also nur aufgrund einer Art Falschaussage wird er das bekommen, was er will.

Das nächste Problem besteht darin, dass sich die Selbsteinschätzung der Anleger bezüglich ihrer Risikobereitschaft zum Teil dramatisch ändert. Hier ein Beispiel aus meiner Praxis als Anlageberater.

Als ich in den Jahren 2009/2010 Leute beraten habe und feststellte, dass sie auch in Aktien investieren müssten, um ihre Anlageziele zu erreichen, bekam ich nicht selten die Antwort: „Ja, Herr Peterreins, aktuell ist doch Finanzkrise, da kann ich doch nicht in Aktien gehen, das ist mir alles viel zu riskant. Ich möchte unbedingt Verlustrisiken vermeiden.“

Ein paar Jahre später, nachdem der DAX wieder dramatisch nach oben gegangen ist, kamen dieselben Leute und meinten, dass sie jetzt gerne in Aktien anlegen würden. Jetzt mit einem Male haben sie erkannt, dass sie doch nicht konservativ sind, sondern durchaus risikofreudig sind.

Die Erkenntnis ist, dass sich die Selbsteinschätzung ändert je nach Marktlage. Wackeln die Börsen und herrscht gerade Krisenstimmung, entdeckt fast jeder den „konservativen Anlegertyp“ in sich, – Hauptsache keine Verluste. Haben wir aber gerade eine gute Börsenphase mit schönen Kurssteigerungen, dann wollen die meisten auch bei den Gewinnen mit dabei sein und fühlen sich mutig für spekulative Anlageformen.

Die Risikoklasse eines Anlegers ist also beileibe nichts Konstantes, sondern ändert sich je nach Stimmungslage. Und letztlich ist es absurd, auf der Basis von der Selbsteinschätzung der eigenen Risikobereitschaft, einen Anleger zu beraten.

Was stattdessen zählt, sind vor allem die Anlageziele. Als erstes sollte man genau klären, was man mit seinem Vermögen bzw. mit seinem Sparen erreichen will. Als zweites stellt sich die Frage, welche Zielrendite man braucht, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Und bezogen auf eine solche Zielrendite sollte man dann sein Geld mehr oder weniger riskant anlegen. Und dabei gilt das Prinzip: So viel Risiko wie nötig, um die Zielrendite realistisch erzielen zu können, aber insgesamt so wenig Risiko wie möglich.

Einer der Dinge, die mich immer und immer wieder verwundern, ist der Glaube fast aller Privatanleger ans Timing. Wenn jemand Geld anzulegen hat, dann höre ich in der Regel die Frage: Ist es jetzt gerade der richtige Zeitpunkt? Oder sollten wir lieber noch etwas warten? Genau dieselbe Fragen bekomme ich umgekehrt, wenn jemand Geld braucht: Ich bräuchte eigentlich jetzt das Geld, ist es aber gerade ein guter Zeitpunkt zu verkaufen? Und bei Anlegern, die sich selbst um ihr Geld kümmern, habe ich auch den Eindruck, dass bei ihnen in der Regel nichts mehr im Vordergrund steht als die Frage des richtigen Zeitpunktes – entweder ein bestimmtes Wertpapier zu kaufen oder zu verkaufen.

All diese Timing-Fragen kann man aber eigentlich nur dann beantworten, wenn man die Zukunft kennt.

Heute (26.07.19) steht der DAX beispielsweise auf etwas über 12.360. Und damit etwa 17% höher als zu Jahresbeginn. Die Aktien hatten also in den letzten Monaten einen rasanten Kursanstieg. Die Kurse stehen somit – gefühlsmäßig – hoch. Sollte ein Anleger, der heute Geld anzulegen hat, deswegen lieber vermeintliche Kursrückgänge abwarten? Mit der Idee dann günstigere Einstiegskurse zu bekommen?

Natürlich kann ich dieses Gefühl verstehen und nachvollziehen. Und dennoch ist es irrational. Denn um beurteilen zu können, ob es jetzt besser ist einzusteigen oder in ein paar Monaten, kann man sich nicht an Vergangenheitsdaten orientieren. Das einzige, was zählt, ist, wie die Kurse sich innerhalb der nächsten Monate entwickeln werden. Und das weiß nun einmal niemand.

Würden die Kurse innerhalb der nächsten Monate fallen, dann kann man sagen: „Am 26.07.19 standen die Aktienkurse höher als heute, daher war es richtig abzuwarten und jetzt zu kaufen.“ Stehen in ein paar Monaten aber die Kurse höher als heute, dann war es sicher falsch abzuwarten. Das heißt: Ob die Kurse heute hoch sind oder nicht, ob heute ein guter Einstiegszeitpunkt ist oder nicht, dafür müsste ich wissen, wie die Kurse in ein paar Monaten sind. – Nicht wie sie in der Vergangenheit waren.

Für diese Zukunftsprognose kann mir ein Blick auf die Vergangenheit nicht einmal ansatzweise helfen.

Der Glaube ans Timing kommt meiner Meinung nach durch den Blick auf Charts. Man sieht sich beispielsweise den Verlauf des DAX der letzten 12 Monate an. Wenn man sich das ansieht, sieht man klar, dass – im Nachhinein betrachtet – ein Einstieg in den Aktienmarkt im Oktober 2018 deutlich ungünstiger war als beispielsweise im Januar 2019. Man sieht einmal sehr hohe Kurse, dann einen starken Kursverfall im Herbst 2018, die ihren Tiefpunkt etwa im Dezember/Januar erreicht haben und von da an sind die Kurse wieder stark gestiegen.

Bezogen auf diesen Vergangenheits-Chart ist die Sachlage absolut klar. Das Problem aber ist, dass es keine Charts künftiger Entwicklungen gibt. Bezogen auf die Zukunft ist die Sachlage alles andere als klar. Und das war sie z.B. damals im Januar 2019 auch nicht. Wir bekommen nur im Nachhinein diesen Eindruck: dass es ja klar war, dass damals ein Tiefpunkt erreicht worden ist, von dem aus es nur noch nach oben gehen konnte. Man unterliegt hier aber so etwas wie einer optischen Täuschung.

Denn in der Situation damals im Januar 2019 waren die Dinge alles andere als selbstverständlich. Alle Probleme, mit denen man den Kursverfall im Herbst 2018 begründet hat (Brexit, Trump, etc.) waren auch im Januar 2019 immer noch ungelöst. Zum Teil hatten sie sich sogar verschärft. Wenn man damals mit Leuten über Geldanlage gesprochen hat (was ich ja von Berufs wegen ständig tue), dann waren im Prinzip alle pessimistisch, was die weitere Kursentwicklung an den Aktienmärkten betraf. Damals im Januar 2019 war absolut nicht klar, dass es wieder stark nach oben geht, das stellt sich uns jetzt ein paar Monate später nur so dar.

Dasselbe gilt auch beispielsweise für den März 2009. Damals ging alles drunter und drüber wegen der Finanzkrise. Heute wissen wir, dass das der beste Einstiegszeitpunkt überhaupt gewesen wäre. Aber ich kann mich noch sehr gut an diese Zeit erinnern. Die allermeisten Anleger machten seinerzeit einen riesen Bogen um Aktien. Wenn ich als Anlageberater Kunden zu einem Aktienportfolio riet, dann wurde ich mit großen, verwunderten Augen angesehen und regelmäßig gefragt: „Ja haben Sie nicht mitbekommen, was gerade am Aktienmarkt los ist, da kann ich doch nicht investieren.“

Schaut man sich den 10-Jahres-Chart aber an, dann möchte man fast weinen, damals nicht bzw.  nicht mehr investiert zu haben. Das sind aber, wie gesagt, Dinge, die einem – im Nachhinein – klar werden.  Und die man zu jenem Zeitpunkt bzw. im Vorhinein einfach nicht wissen kann. Wer damals vor der Frage stand, zu investieren oder nicht, kannte nicht den weiteren Kursverlauf der Aktien. Er musste eine Entscheidung in starker Unsicherheit treffen. Heute wissen wir, wie es weiterging. Die damalige Zukunft liegt sozusagen unbestreitbar vor uns, und so unterliegen wir dem Fehler zu vergessen, dass das damals nicht so war.

Wenn jemand heute Geld anzulegen hat, dann führen alle Timing-Versuche (meiner Meinung nach) definitiv in die Irre. Merkwürdigerweise erlebe ich es in meiner beruflichen Erfahrung fast ausschließlich, dass Privatanleger mit ihren Timing-Versuchen Geld verlieren. Sie wollen zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht kaufen in Erwartung eines künftigen Kursverfalls, und was passiert? Die Kurse steigen und steigen.

Oder Anleger verkaufen, weil sie meinen, dass künftig die Kurse nur fallen können. Sie verkaufen also mit der Erwartung, künftig wieder günstiger einzusteigen. Und was passiert? Sie warten monatelang vergeblich darauf, dass die Kurse endlich, wie vermutet, fallen. Und steigen schließlich bei deutlich höheren Kursen wieder ein.

Zu unterschätzen ist auch nicht die psychische Belastung, der solche Anleger sich mit ihren Timing-Versuchen aussetzen. Hat man die Erwartung, dass die Kurse fallen werden, und hat daraufhin seine Wertpapiere verkauft, und dann passiert das Gegenteil, dann hat man schlaflose Nächte. Und kaum fallen die Kurse wieder, dann kommt sofort die Frage, ob das schon der Tiefpunkt war, ob man noch weiter abwarten soll.

Ich denke auch, dass viele meinen, dass man durch richtiges Timing sozusagen das Risiko von Aktien-Investments mindern könne. Wenn man sozusagen „oben“ verkauft oder eben nicht einsteigt, dann ist das Risiko eine Kursverlustes geringer. Bzw. wenn man vermeintlich „unten“ kauft, dann ist die Gewinnchance höher. Auch das ist meiner Meinung nach ein Irrtum. Man macht sich nur selbst etwas vor. Das Risiko eines Kursverlustes bzw. eines Kursanstiegs ist jederzeit gleich.

Schlimmer noch. In der Fachliteratur ziemlich eindeutig belegt ist die Tatsache, dass, je häufiger Anleger, traden, umso schlechter werden ihre Ergebnisse. Das heißt, je häufiger jemand meint, verkaufen zu müssen weil die Kurse vermeintlich „oben“ sind, und zu kaufen, weil die Kurse vermeintlichen „unten“ sind, umso schlechter mit Sicherheit langfristig sein Anlageerfolg.

Immer wieder kommen Anleger zu mir und fragen sich, ob ihr Wertpapierdepot wirklich passt. Sie möchten einen Depotcheck. Was ist bei einem Depotcheck zu beachten?

Als erstes ist es wichtig, dass man sich darüber im Klaren wird, was mit dem Wertpapierdepot überhaupt erreicht werden soll. Ein Depot ist nicht für sich genommen gut oder schlecht, sondern vor allem bezogen auf ein Anlageziel. Mein Erfahrung ist, dass viele Anleger gerade diesen Punkt nicht hinreichend klären.

Die Idee ist oft, dass man eine gute Rendite haben möchte bei möglichst geringen Risiken. Das ist aber eigentlich gar nicht möglich. Wahr ist hingegen, dass gute Renditen immer mit entsprechenden Risiken zu haben sind. Die entscheidende Frage ist: Sind die eingegangenen Risiken wirklich notwendig – bezogen auf das zu erreichende Anlageziel? Oder schlummern im Depot Risiken, die nicht zu rechtfertigen sind?

Es gilt die Regel: So viel Risiko wie nötig, so wenig Risiko wie möglich. Das ist in jedem Fall ein wichtiges Prinzip für einen Depotcheck.

Meine Erfahrung ist übrigens, dass viele Depots eher zu riskant aufgestellt sind als umgekehrt.

Ein gutes Anlageziel ist übrigens vor allem ein Ziel folgender Art: Bis zum Jahr 2030 will ich ein Vermögen von 1 Mio Euro erreicht haben, um ab dann monatlich 1500 Euro aus dem Vermögen entnehmen zu können.

Ein schlechtes Anlageziel ist die Angabe einer Renditezahl. Also beispielsweise: Ich möchte 5% p.a. erzielen. Denn hier stellt sich sofort die Frage: 5% Rendite wozu?

Ein weiterer wichtiger Punkt beim Depotcheck sind die Gebühren und Kosten. Gerade bei Depots, die viele Investmentfonds enthalten, gibt es häufig eine sehr hohe Kostenbelastung durch versteckte Gebühren. Ein aktiv gemanagte Fonds hat in der Regel eine Gesamtkostenbelastung von 1,6 – 2,5% p.a. Das muss erst einmal erwirtschaftet werden.

Ein weiteres Problem beim Depotcheck ist, dass viele Depots sozusagen „zerfleddert“ sind. Das Stichwort ist hier auch: Schein-Diversifikation. Das heißt, dass der Schein einer Diversifikation da ist, einfach durch die Tatsache, dass das Depot viele verschiedene Wertpapiere enthält. Sind es aber beispielsweise nur viele Aktien deutscher Unternehmen, so ist vielleicht faktisch eben der Anlagebereich Deutschland übergewichtet, während z.B. USA, Asien oder die Emerging Markets fehlen.

Ähnliches kann passieren, wenn sehr viele Fonds einer einzigen Anlageklasse erworben worden sind. Beispielsweise lauter Europäische Aktienfonds.

So paradox es klingen mag, aber manchmal kann man mit einem einzigen Fonds eine größere Diversifikation erreichen als mit vielen einzelnen Investmentfonds. Ein Depot z.B., das nur aus einem einzigen weltweit anlegenden Fonds anlegt, ist besser diversifiziert als ein Depot, das 20 europäische Aktienfonds enthält. Zumal bei Investmentfonds ja das Emittentenrisiko keine Rolle spielt.

 

Seit über dreißig Jahren bin ich in der Finanzbranche tätig und fast wöchentlich werden mir Wertpapierdepots von Privatanlegern vorgelegt. Grob eingeteilt legen Privatanleger entweder bevorzugt in einzelne Aktien an oder in einer Auswahl von Investmentfonds.

Portfolio von einzelnen Aktien

Wenn ein Privatanleger in einzelne Aktien investiert, dann geht das fast immer auf eine frühere sehr gute Erfahrung zurück. Irgendwann in grauer Vergangenheit hat man selbst, ein Bekannter oder Verwandter, eine bestimmte Aktien gekauft und damit in kurzer Zeit sagenhafte Gewinne erzielt. Dieses positive Erlebnis sollte nun wiederholt werden, indem man sich eine Reihe von Aktien zulegt. In der Regel führt man dieses gute Initialerlebnis auf einen guten „Riecher“ oder besonders gute analytische Fähigkeiten zurück. Dass es schlicht Glück und Zufall (wie beim Glücksspiel) gewesen sein könnte, darauf kommt man in der Regel nicht.

Meistens studiert der Privatanleger dann Börsen-Zeitschriften oder lässt sich Börsenbriefe zuschicken. Immer auf der Suche nach vermeintlichen Geheimtipps.

Bei mir schlagen diese Anleger dann schließlich auf, weil sie irgendwann merken, dass sie auf keinen grünen Zweig kommen. Ja, da war einmal dieser schöne Gewinn viele Jahre her, aber irgendwie ist seitdem alles schief gelaufen.

Ich erkläre dann, dass die Geldanlage in einige wenige Einzelaktien eher einem Glücksspiel gleicht als professioneller, systematischer Geldanlage. Zumal fast immer der Punkt Risikodiversifikation zu kurz kommt. Letztlich gehen die Anleger mit ihren zehn bis zwanzig verschiedenen Werten Wetten ein, bei denen der zu erwartende Gewinn nicht im richtigen Verhältnis zu den eingegangenen Risiken stehen.

Auswahl von Investmentfonds

Eine andere Gruppe von Anlegern beachtet zumindest das Prinzip der Risikostreuung, indem sie vor allem Investmentfonds kaufen. Das Problem aber hier ist, dass sie nicht aufhören daran zu glauben, dass es ein paar Fonds-Manager gibt, die dauerhaft den Markt schlagen können. Und dass sie die Punkt Kosten sträflich unterschätzen.  Das Argument ist: Wenn ein Manager wirklich gut ist, bin ich auch bereit entsprechend hohe Gebühren zu bezahlen.

Nur wie erkennt man einen guten Fonds-Manager? Dazu greifen Anleger immer nur auf Vergangenheitsdaten zurück. Entweder indem Sie selbst Charts und vergangene Wertentwicklungen studieren oder indem sie auf Ranking-Listen zurückgreifen.

Dabei ist es mehr als auffällig, dass bei Ranking-Listen und dergleichen über die Jahre hinweg keine Konstanz da ist. 1999 waren beispielsweise Templeton Growth oder Fidelity European Growth die Renner. Ein paar Jahre später war es der Aktienfonds ULM. Wieder ein paar Jahre später wieder andere Fonds.

Wenn mir ein Depot von Investmentfonds vorgelegt wird, kann ich mit relativer guter Genauigkeit bestimmen, wann das Depot zusammengestellt wurde. Und zwar anhand den Fonds, die zu bestimmten Zeiten die Ranking-Listen anführten und gerade „in“ waren. Ähnlich wie eine Mode-Expertin anhand der Kleider in einem Schrank erkennen kann, wann alles gekauft wurde.

Fonds haben für ein paar Jahre eine gute Wertentwicklung, dann landen sie in den Ranking-Listen auf Top-Positionen, alle Anlageberater und Bankberater empfehlen sie jetzt. Immerhin führen sie ja gerade die Ranking-Listen an. Die Masse der Anleger steigt ein. Nur damit sie nach ein paar Jahren im großen Stil enttäuscht sind, wieder zu ihrem Anlageberater gehen, der dann wieder neue Investmentfonds aus dem Hut zaubert, die jetzt auf einmal ganz oben stehen. Und so geht das Spiel weiter und weiter.

Reich werden dabei vielleicht die Anlageberater, bestimmt aber nicht der Anleger.

Was ich vermisse ist eine klare Struktur, wobei der Kostenaspekt hinreichend berücksichtigt wird. Und hierbei sind ETFs das ideale Instrument.

Wer in die Anlageklasse Immobilien investieren möchte, tut sich schwer, ein passendes Investmentprodukt zu finden. Kauft man sich eine Wohnung oder ein Haus, dann reichen die vorhandenen Mittel in der Regel gerade einmal für eine Immobilie. Meistens müssen auch noch Kredite aufgenommen werden.

Sein ganzes Geld aber nur in ein einziges Objekt zu stecken widerspricht dem elementaren Prinzip der Risikodiversifikation. Wer würde, nur mal zum Vergleich, sein ganzes Vermögen nur in eine einzige Aktie geben? Das käme jedem höchst spekulativ vor. Warum soll dies bei einer Immobilie anders sein?

Für die allermeisten Menschen bleibt dann nur, in irgendeiner Form von Fonds zu investieren, sofern man unbedingt in Immobilien anlegen möchte. Naja, jetzt beginnen aber erst die Probleme. Denn was gibt es da so auf dem Markt?

Geschlossene Immobilienfonds haben normalerweise so extrem hohe Kosten, dass man als Anleger hierum einen großen Bogen machen sollte. Ferner schrecken die Intransparenz und die langen Haltedauern.

Das Hauptproblem bei offene Immobilienfonds ist, dass bei der Bewertung des Immobilienbestands nicht Marktpreis hergenommen werden, sondern Schätzungen von Gutachtern. Solche Schätzungen können sich bisweilen erheblich von den Marktpreisen entfernen. Sollten dann zu viele Anleger auf einmal auf die Idee kommen, Anteile an einem offenen Immobilienfonds zu verkaufen, dann kann das Management in Zugzwang kommen und Immobilien unter Wert verkaufen müssen. Zuletzt so geschehen in 2009. In Folge mussten ein paar offene Immobilienfonds abgewickelt werden mit zum Teil erheblichen Verlusten für die Privatanleger.

Bleibt noch die Idee, in REIT-ETFs zu investieren. REITs sind Unternehmen, die ihr Geschäft mit dem Handel und der Verwaltung von Immobilien machen. Dabei handelt es sich um herkömmliche Aktiengesellschaften, deren Anteile an der Börse gehandelt werden. Im Gegensatz zu herkömmlichen Aktien aber werden REITs steuerlich günstiger behandelt.

Das Problem mit REITs ist aber dass sie ebensowenig wirklich ein eins-zu-eins Investment in Immobilien darstellen, wie Minenaktien eins-zu-eins Investments sind die entsprechenden Rohstoffe. Sie sind vielmehr immer noch eine Spur riskanter und volatiler. Ich habe hier als beliebiges Beispiel den Verlauf der Affinity Goldminenaktie im Vergleich zum Goldpreis über die letzten 5 Jahre gewählt:

Man sieht zweierlei: Der Wertverlauf der Affinity Goldaktie war deutlich schwankungsreicher im Vergleich zum Goldpreis. Und zweitens hat die Goldaktie im Vergleich zu Gold einen deutlich höheren Wertverlust innerhalb der letzten 5 Jahre gehabt. Es kann keine Rede davon sein, dass die Goldaktie einen ähnlichen Kursverlauf hat wie der Gold Spot.

Ähnlich ist es mit REITs. Wer glaubt, sich mit einem REIT in die Anlageklasse Immobilien einkaufen zu können, täuscht sich. REITs sind in der Regel deutlich schwankungsreicher als Immobilien selbst. Außerdem kann es sein, dass die Immobilienpreis zwar steigen, ein REIT aber Verluste macht, möglicherweise sogar pleite geht. Selbstverständlich ist auch das umgekehrte denkbar: dass die Immobilienpreise fallen, ein REIT aber aufgrund eines besonders guten Managements an Wert gewinnen wird.

Eine graphische Darstellung eines REITs im Vergleich zum Immobilienmarkt ist aus einigen Gründen schwieriger als das obige Beispiel einer Goldaktie im Vergleich zu Gold. Die Sache ist aber, wie gesagt, ziemlich ähnlich. Hier nur als Beispiel die Wertentwicklung des Ventas REIT seit 2017:

Ich habe mir die Mühe gespart, einen Immobilienindex einzufügen. Aber ich denke, es dürfte jedem klar sein, dass die Immobilienpreis sich im Durchschnitt anders entwickelt haben als dieser Kursverlauf.

REITs können also eine komplett andere Wertentwicklung haben als die entsprechenden Immobilienmärkte. Mithin können REIT-ETFs nicht die Anlageklasse „Immobilien“ widerspiegeln. Das sind zwei verschiedene Dinge. Oder anders formuliert: So wie die Anlageklasse „Goldaktien“ eine andere Anlageklasse als „Gold“ ist, so ist sind „REITs“ eine andere Anlageklasse als „Immobilien“.

Selbstverständlich kann man, wenn man es für eine gute Idee hält, in die Anlageklasse „REITs“ investieren, man soll ich aber bitte nicht einbilden, damit die Anlageklasse „Immobilien“ zu bekommen.

Ein REIT-ETF ist somit weniger ein ETF in der Anlageklasse „Immobilien“. Vielmehr handelt es sich hier um eine Art Branchen-ETF, ähnlich wie es Chemie-ETFs, Healthcare-ETFs oder Automobil-ETFs gibt. Ein REIT-ETF bildet ein Segment innerhalb des Aktienmarkts nach.

Ich für meinen Teil rate generell von Branchen-ETFs ab. Das sind wieder Wetten auf die besondere Wertentwicklungen innerhalb der allgemeinen Wertentwicklung der Aktienmärkte. Eine Anlage in Branchen-ETFs kann man nur rechtfertigen, wenn man behauptet, Informationen hat, die darauf hinweisen, dass eine bestimmte Branche besser laufen wird im Vergleich zum Gesamtmarkt. Das sind wiederum aktive Anlageentscheidungen, die in der Praxis nur sehr selten funktionieren. Ich empfehle stattdessen, ganz einfach, in die allgemeinen Börsenindizes zu gehen, wie beispielsweise Stoxx Europe 600 oder S&P 500. Aber auf Einzelwetten auf bestimmte Branchen lieber zu verzichten.

Und diese Empfehlung gilt auch für REIT-ETFs.

Ich erlebe es sehr häufig, dass mir Anleger ihre Investments vorlegen, die sie im Laufe ihres Lebens so abgeschlossen haben, und mich fragen, ob sie gut sind. Dahinter steckt die Idee, dass es Anlageprodukte gibt, die an sich richtig oder falsch sind. Bis zu einem gewissen Grade kann man das tatsächlich sagen, nämlich vor allem bezogen auf die Kosten.

Ein Investment, das mit übermäßig hohen Kosten verbunden ist, ist für sich genommen einfach schlecht. Da muss man nicht lang weiter herummachen.

Liegen die Kosten aber im normalen Bereich, dann ist das Hauptkriterium, ob ein Investment gut oder schlecht ist, das jeweilige Anlageziel des Anlegers. Letztlich kommt es darauf, an was man mit der Geldanlage erreichen möchte. Um es einmal mit dem Autokauf zu vergleichen: Man kann nicht sagen, dass ein VW Touran an sich ein schlechteres Auto als ein Mercedes SL ist. Es kommt darauf an, wozu man das Auto verwenden will. Also Familienauto ist der Touran sicherlich besser, für den Fahrspaß der SL. Ähnlich ist es bei der Geldanlage. Man kann nicht sagen, dass ein Rentenfonds oder Tagesgeld an sich schlechter wäre als ein Aktienfonds, es kommt eben darauf an, was man damit erreichen will.

Ich muss also erst nach den Anlagezielen fragen, um beurteilen zu können, ob bestimmte Anlageprodukte für einen Kunden geeignet oder ungeeignet sind. Meiner Erfahrung nach ist das aber oft gerade ein blinder Fleck bei vielen Anlegern.

Wenn ich nach den Anlagezielen frage, dann bekomme ich nicht selten sinngemäß die Antwort: „Ich möchte möglichst viel Rendite bei möglichst geringem Risiko erreichen.“ Das ist kein Anlageziel, sondern ein frommer Wunsch. Natürlich wäre es schön, wenn es so etwas gäbe: Hohe Renditen bei minimalem Risiko. Man sollte sich aber realistischerweise darüber im Klaren sein, dass es so etwas nicht gibt. Entweder will ich hohe Renditen, dann muss ich in den sauren Apfel „Risiko“ beißen, oder mir ist Sicherheit wichtig, dann muss ich in den sauren Apfel „geringe Renditen“ beißen. Alles zusammen geht nicht.

Interessant ist ferner, dass es kein wirkliches Anlageziel ist, wenn man sagt: „Ich will hohe Renditen“. Die Frage hier ist sofort: „OK. Hohe Renditen. Aber für was? Zu welchem Zweck?“

Um im Autobeispiel zu bleiben: Das ist etwa so, als würde man sagen, dass man ein Auto will, das möglichst schnell fahren kann. Und auch hier stellt sich sofort die Frage: Wozu will man denn schnell fahren? Für den Nervenkitzel auf der Autobahn, oder weil man an Autorennen teilnehmen möchte, oder weil man beruflich viel unterwegs ist und es dabei bisweilen eilig hat.

Bei der Geldanlage sind meistens solche Dinge wichtig wie:

  • ab dem Jahre x will ich meinem Vermögen monatlich y Euro entnehmen können, um damit gut leben zu können; oder
  • in x Jahren will ich mir eine bestimmte Sache anschaffen, wofür ich y Euro benötige.

Das sind, ich möchte mal sagen, gute Anlageziele, mit denen man etwas anfangen kann. Denn dann kann man sozusagen finanzmathematisch weiter vorgehen. Ich muss nur wissen, wieviel der Anleger jetzt hat bzw. wie viel er in den nächsten Jahren zur Seite legen kann. Ich kenne das Ziel und kann dann ausrechnen, welche Zielrendite der Anleger benötigt, um sein Ziel zu erreichen.

Nehmen wir einen Anleger A, der heute 50 Jahre alt ist und sich fragt, wie er einen Geldbetrag in Höhe von 370.000 Euro anlegen soll. Wenn man seine Anlageziele klärt, so stellt sich heraus, dass er sich in 15 Jahre zur Ruhe setzen will. Dazu wird er dann 1500 Euro pro Monat zusätzlich neben seinen sonstigen Rentenbezügen brauchen. Die Frage ist nun, welches Vermögen er mit 65 benötigen wird, um diesen monatlichen Betrag regelmäßig entnehmen zu können.

Die Antwort lautet: Sofern er mit einem allmählichen Kapitalverzehr leben kann, wird er mit 65 ein Vermögen von etwa 550.000 Euro benötigen. Dann kann er einmal im Jahr seine Monatsentnahmen um 1,5% anheben und das Geld reicht mindestens bis zu seinem 95. Lebensjahr.

Bezogen auf dieses Vermögensziel von 550.000 Euro, kann man jetzt leicht berechnen, mit welcher Zielrendite A sein derzeitiges Vermögen von 370.000 Euro für die nächsten 15 Jahre anlegen muss. Er wird nämlich durchschnittlich eine Rendite von 2,7% p.a. benötigen.

Das ist nicht besonders viel, aber es ist auch nicht komplett risikolos zu erreichen. Der weitere Gang der Beratung kann dann so aussehen, dass man sich überlegt, wie man den Anlagebetrag auf verschiedene Anlageformen aufteilen muss, damit eine Zielrendite von 2,7% mit hoher Wahrscheinlichkeit erreichbar ist.

Das Gute an diesem Vorgehen ist, dass man mit konkreten Zahlen arbeiten kann. Man kann so sein Geld zielorientiert anlegen, und so wie es zur Erreichung konkret definierter Anlageziele wirklich notwendig ist. Ein Gerede ins Blaue entfällt dann.

Ein befreundeter Kunde wurde kürzlich zu einem Finanzvortrag eingeladen. Erst kurz nach Beginn des Vortrags stellte sich heraus, dass der Vortragende für einen Finanzvertrieb arbeitet.

Finanzvertriebe bewerben hochriskante Anlagemodelle, um Provisionen abzukassieren

Es wurde für folgendes Konzept geworben: Immobilien mit hoher Mietrendite zu kaufen und zu 100% fremd zu finanzieren, möglichst wenig zu tilgen und den positiven Cashflow (Miete abzgl. Zinsen und Tilgung) am Aktienmarkt zu investieren.

Der Kunde hat sehr gut erkannt, dass mit diesem Modell sehr hohe Risiken verbunden sind. Mich erinnert das Ganze an Modelle, wie sie auch bereits vor etwa 20 Jahren beworben wurden. Damals nur mit dem Unterschied, dass der Anleger keine Immobilie fremdfinanziert erwerben sollte, sondern eine Rentenversicherung mit Einmalbeitrag. Auch hier sollte der angebliche positive Cashflow (monatliche Rentenzahlungen abzgl. Zinsen und minimale Tilgung) in Aktienfonds angelegt werden. So etwas wie ein magisches Finanzkonzept, bei dem man ohne eigenen Aufwand wie aus dem Nichts reich werden könne – so die Finanzvertriebe damals wie heute.

Damals hatte ich allen Anlegern, die mit dieser Anlageidee zu mir kamen, dringend davon abgeraten. Inzwischen weiß ich, dass nicht eines dieser Modelle von damals funktioniert hat. Die Anleger sind auf zum Teil immensen Verlusten sitzen geblieben.

Die einzigen, die dabei verdient haben, waren die Finanzvermittler: Erstens eine Abschlussprovision für die vermittelte Rentenversicherung, zweitens eine Provision für den vermittelten Kredit, und drittens Ausgabeaufschlag und laufende Bestandsprovisionen für die empfohlenen Aktienfonds.

Mit Sicherheit kann man davon ausgehen, dass bei dem aktuell angebotenen Modell, fremdfinanzierte Immobilie plus Tilgung über Aktienfonds, auch die Provisionen für den Finanzvermittler gleich drei Mal üppig sprudeln werden. Dass das Modell für den Anleger aufgeht – gerade bei dieser hohen Gebührenbelastung – ist eher unwahrscheinlich.

Die Angst vor Inflation als Verkaufsargument

Wie gesagt, der Kunde, der mich darauf aufmerksam gemacht hat, war sich der hohen Risiken dieses Modell durchaus bewusst. Interessant für ihn war vor allem, auf welche Weise für dieses Modell geworben wurde. Der Finanzvermittler argumentierte nämlich mit der Inflation. Genau genommen mit etwas, das er „reale Inflation“ nannte.

Diese sogenannte „reale Inflation“ sei, diesem Finanzvermittler nach, deutlich höher als die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Inflation. Ein vom Amt veröffentlichter Verbraucherpreisindex hatte z.B. für September 2017 den Stand 109,6. Für den September 2018 lag dieser Index bei 112,1. Das ist ein Anstieg um 2,28%. Dies ist also die Inflation innerhalb der letzten zwölf Monate, … sofern man dem Statistischen Bundesamt trauen darf.

Genau daran zweifeln manche Leute, die dann die sogenannte „reale Inflation“ berechnen. Danach berechnet sich die „reale Inflation“ wie folgt:

„reale Inflation“ = Geldmengenwachstum – Wirtschaftswachstum.

Für Deutschland wäre diese „reale Inflation“ im letzten Jahr demnach 4,0%, denn:

Geldmengenwachstum von 5,3% – Wirtschaftswachstum von 1,3% = 4,0 %.

Natürlich kann man alles Mögliche berechnen, alle möglichen Formeln aufstellen und behaupten, dass sie zu einer wertvollen Erkenntnis führen. Nur zu welcher Erkenntnis soll bitteschön diese Formel zur Berechnung der „realen Inflation“ führen? Warum soll sie besser oder „realer“ sein, als das, was das Statistische Bundesamt veröffentlicht?

Gemessene Inflation und Theorien zur Inflation

Der Begriff „Inflation“ ist zunächst, wenn man wissenschaftlich argumentieren will, eine empirische Größe. Inflation misst den Wertverfall des Geldes in einem bestimmten Zeitraum. Um das messen zu können, hat man sich in den Wirtschaftswissenschaften darauf verständigt, einen sogenannten Warenkorb zusammenzustellen. Die Idee ist, dass man einen Korb von Waren festlegt, den deutsche Bürger typischerweise im Monat verbrauchen. Das werden also Lebensmittel sein, wie Fisch, Fleisch, Mehl, etc., aber auch Genussmittel, wie Zigaretten, Kaffee, Schokolade etc., ferner Ausgaben für Unterhaltung, für Miete, und so weiter und so weiter.

Hier fängt natürlich schon eine Schwierigkeit an, denn bei einem solchen Warenkorb kann es sich nur um einen allgemeinen Durchschnitt handeln. Wenn jemand beispielsweise nie Schokolade isst, dann wird er sich vielleicht nicht mit diesem Warenkorb „identifizieren“ können. Das heißt aber noch lange nicht, dass die Annahme eines solchen Warenkorbs für sich genommen falsch wäre. Ein Durchschnitt passt sowieso fast nie. Wenn beispielsweise der durchschnittliche Mann (sagen wir) 1,79 cm groß ist, dann kann man schlecht argumentieren, dass das nicht stimmen könne, weil man ja selbst 1,81 cm groß ist. Das liegt nun einmal im Wesen eines Durchschnitts. Für den konkreten Einzelnen passt er zwar nicht, für die Deutschen insgesamt aber schon.

Und genauso ist es mit dem Warenkorb.

Und wenn man so einigermaßen vernünftig einen Warenkorb zusammengestellt hat, dann kann man ihn z.B. zum 1.1.2017 bewerten. Indem man einfach heraussucht, welche Preise ein Verbraucher gerade für die jeweiligen Waren bezahlen muss. Und genauso kann man es machen für den 31.12.2017. Setzt man beide ins Verhältnis, dann bekommt man die Inflationsrate fürs Jahr 2017.

Das ist ein empirischer Messwert. Ähnlich, wie man das Fieber eines Patienten misst, oder die Zeit, mit der ein Stein aus bestimmter Höhe zur Erde fällt und die man mit der Stoppuhr gemessen hat.

Auf der anderen Seite kann man versuchen, sich die Inflation theoretisch zu erklären. Man kann sich Gedanken machen, welche Faktoren wesentlich sind für die Geldentwertung. Ähnlich wie Ärzte Theorien darüber aufstellen, wie bei einem Patienten das gemessene Fieber zustande gekommen ist. Oder wie Physiker Formeln aufstellen, in denen Masse und Erdbeschleunigung vorkommen, um sich die Zeit zu erklären, die ein Stein zum Fallen braucht. Das sind theoretische Überlegungen, die man anstellt, um sich ein beobachtetes Phänomen zu erklären. Und solche Theorien können richtig oder falsch sein, je nachdem wie zutreffend sie das beobachtete Phänomen erklären.

Und so kann man sich auch eine Theorie zurecht legen, wie das beobachtete Phänomen Inflation zu erklären ist. Ein denkbarer Ansatz dabei ist, dass die Geldentwertung irgendwie mit dem Geldmengenwachstum  und dem Wirtschaftswachstum zu tun hat (beides auch beobachtbare Phänomene). Das kann stimmen, muss aber nicht. Die Geschichte ist voll von irrtümlichen Theorien.

Lächerlich wird es aber dann, wenn man die aufgestellte Theorie für wahrer hält, als das zu erklärende Phänomen. Wenn beispielsweise Ärzte zu dem Schluss kommen, dass gemäß ihres Erklärungsschemas der betreffende Patient gar kein Fieber haben dürfte. Und weil einem ja die eigene Theorie so heilig ist, dann schlicht leugnet, dass der Patient Fieber hat. Was nicht in die Theorie passt, wird einfach geleugnet.

Oder wenn ein Physiker eine Gravitationstheorie aufstellt, die ihm sehr gut und schlüssig erscheint. Leider aber die Zeit für den Fall eines Steines zur Erde anders berechnet, als es tatsächlich passiert. Wenn dann der Physiker behauptet, dass das nur Messfehler sein müssten, seine Theorie aber gewiss richtig wäre, kann man wohl an der Wissenschaftlichkeit dieses Physikers zweifeln.

Und ganz ähnlich ist es nun mit den Verfechtern der sogenannten „realen Inflation“. Da wird eine nette Theorie aufgestellt, die meinetwegen plausibel klingt, nur leider das Phänomen der Geldentwertung nicht so berechnet, wie man es tatsächlich beobachtet hat. Nun wird sich darauf verstiegen, dass die Theorie ja nicht falsch sein könne, sondern vielmehr diejenigen, die gemessen haben (das statistische Bundesamt) dunkle Absichten verfolgen würden. Die empirisch beobachtete Inflation von 2,28% könne ja nicht richtig sein, weil die theoretisch berechnete ja bei 4,0 % liegen müsse.

Das Gerede über Inflation dient nicht der Aufklärung, sondern dem Verkauf dubioser Anlageideen

Ich kann da nur sagen: Oje, oje, oje. Solche Leute haben offenbar von einer wissenschaftlich Vorgehensweise keine Ahnung, geschweige denn von dem Unterschied zwischen empirisch/beobachtet einerseits und theoretisch/berechnet auf der anderen Seite. Die theoretische Größe „reale Inflation“ wird dadurch nicht realer, dass ich ihr den Namen „real“ gebe. Was für eine Augenwischerei!

Letztlich ist sowieso eines klar. Solchen Leuten, die uns Angst vor einer Inflation machen wollen, liegt nichts an objektiver Aufklärung, sondern darum, erschreckte Menschen abzuzocken. Sie reden uns ein, dass wir uns dringend vor einer immensen Geldentwertung schützen müssen. Und wenn uns diese Geldentwertung noch nicht aufgefallen ist, dann fangen sie an, uns irgendetwas vorzurechnen. Dass wir – ohne es zu merken – jedes Jahr 4,0 % ärmer werden.

Und ja, genau diese Leute haben dann auch glücklicherweise genau das richtige Rezept, um uns vor dieser großen Inflation zu retten. Na Gott sei Dank! Dass sich diese Menschen an diesem Rezept dumm und dämlich verdienen, mittels Provisionen und dergleichen, soll nicht weiter beachtet werden.

Ich kann nur jedem den Rat geben, solchen Leuten nicht zu vertrauen. Sie machen Angst vor schleichenden Verlusten, die man nur entdeckt, wenn man von dem, was man hat, fiktiv Jahr für Jahr etwas abzieht. Nach dem Motto: „Deine 10.000 Euro, die du seit einem Jahr auf dem Girokonto hast, sind heute ‚real‘ 4% weniger wert, als nur noch 9.600 Euro. “ Ich sehe aber auf mein Konto, sehe keine 9.600 Euro, sondern nach wie vor 10.000 Euro. Das Sich-Ärmer-Rechnen geschieht also vor allem im Kopf.

Das alles aber nur, um den Anleger in Anlagemodelle hineinzutreiben, bei denen nach ein paar Jahren keine fiktiven Verluste da sind, sondern ein sehr reales, nominales Minus. Das heißt: das ach so geniale Investitionskonzept, in das ich einmal 10.000 Euro angelegt habe, ist nach, sagen wir, zehn Jahren faktisch nur noch 8.000 Euro wert. Die Angst vor einer kaum merkbaren Geldentwertung treibt Leute in reale, schmerzhafte Verluste.

Darum (ich wiederhole mich): Hört nicht auf die Inflations-Angstmacher!

Ich wurde auf einen Artikel auf tagesschau.de aufmerksam gemacht: „Neue Finanzkrise durch ETFs? – 10 Jahre Lehman-Pleite„, Autor: Andreas Braun, veröffentlicht am 13.09.2018.

Der Autor, Herr Braun, vergleicht ETFs mit den Hypothekenanleihen (CDOs) und Finanzderivaten, die mit der Finanzkrise ab 2008 in Verbindung gebracht werden. Ähnlich wie damals diese synthetischen Finanzprodukte für eine globale Finanzkrise gesorgt haben, würden jetzt ETFs unser Finanzsystem bedrohen, so suggeriert der Artikel.

Herr Braun schreibt:

„Deutliche Hinweise auf Gefahren, die vom Erfolg der Produkte [gemeint sind ETFs] ausgehen könnten, sammelten Beobachter in den vergangenen Jahren immer dann, wenn es an den Börsen einmal heftig abwärts ging. Berühmtes Beispiel ist ein Ein-Tages-Crash an der Wall Street im August 2015… Die ETFs auf die US-Indizes verloren zum Teil deutlich mehr an Wert und mussten massenweise vom Handel ausgesetzt werden. Zudem schafften es die Produkte nicht mehr, den ihnen zugrundliegenden Index abzubilden.“

Hier wird also Bezug genommen auf die Geschehnisse am 24. August 2015. Die Ereignisse und Hintergründe sind in dem SZ-Artikel „Was für ein Montag“ gut beschrieben.

Was geschah am schwarzen Montag, 24. August 2015? – Welche Rolle hatten ETFs?

An diesem Montag, 24. August 2015, gab es zunächst an den europäischen Aktienmärkten starke Kursturbulenzen. Die New Yorker Börse machte daraufhin von ihrer „Regel 48“ Gebrauch. Danach kann der Handel bestimmter Aktien ausgesetzt werden mit dem Ziel, unerwünschte übertriebene Kursausschläge zu verhindern. Als die New Yorker Börse an jenem Montagmorgen startete, konnten somit 35 Prozent der amerikanischen Aktien keine korrekten Kurse gestellt werden. Für Börsianer ist das als würde man ein Flugzeug blind steuern müssen.

Auf der anderen Seite mussten Kurse für die Aktien-ETFs gestellt werden. Wie soll man aber ein Gesamtportfolio von Aktien bewerten, wenn man die Kurse vieler enthaltener Aktien nicht kennt? Eine faire Bewertung von ETFs war zu diesem Zeitpunkt schlicht nicht möglich.

Hier zeigt sich übrigens ein wesentlicher Unterschied zwischen herkömmlichen Investmentfonds und ETFs. Wie der Name „exchange traded funds“ schon sagt, werden ETFs fortwährend an der Börse gehandelt. Sogenannte Market Maker müssen laufend Kauf- und Verkaufkurse für ETFs stellen, damit Anleger jederzeit ihre ETF-Anteile kaufen bzw. verkaufen können.

Die Preisfeststellung von herkömmlichen Fonds läuft hingegen nicht über eine Börse. Vielmehr wird einmal am Tag (meistens um die Mittagszeit herum) der fairer Preis eines Investmentfonds von der Depotbank des Fonds berechnet. Und zwar  wird der sogenannte Nettoinventarwert (Net Asset Value) auf der Basis der aktuellen Kurse der gehaltenen Wertpapiere festgestellt. Während sich also die Kurse eines ETFs nach Angebot und Nachfrage im Markt richten, ist der Kurs eines herkömmlichen Investmentfonds ein berechneter Wert, egal ob jemand kaufen oder verkaufen will.

Jedenfalls gerieten Anteilsinhaber von ETFs am Montagmorgen des 24.8.2015 in Panik und wollten unbedingt ihre Anteile verkaufen. Allerdings zu einem Zeitpunkt, als für ein Drittel der im ETF-Portfolio gehaltenen Aktien kein aktueller Kurs zur Verfügung stand. Während ein Inhaber von ETF-Anteilen jederzeit verkaufen kann, kann ein Inhaber von herkömmlichen Investmentfonds, wie gesagt, nur einmal am Tag zu einem klar berechneten Kurs verkaufen. Dei Verkauforder von herkömmlichen Fondsanteilen hat mithin keinerlei Einfluss auf die Kursfeststellung des Fonds selbst.

Haben die Market Maker für ETFs hingegen keinerlei Anhaltspunkte für den fairen Wert eines ETFs, weil zu viele Aktien gerade keinen aktuellen Kurs haben, und wollen gleichzeitig zu viele Anleger ihre ETFs verkaufen, so ist es logisch, dass die ETF-Kurse massiv fallen.

Klar ist auch, dass sich solche in Panik geratene Anleger, die in einer solchen Situation überstürzt ihre ETF-Anteile verkauft haben, hinterher massiv ärgern werden.

Jetzt aber noch einmal die Frage: Waren damals, am Montag des 24.08.2015, ETFs eine Bedrohung für das Finanzsystem? Hätte damals die Finanzkonstruktion eines ETFs als solches die Märkte zu Fall bringen können?

Ursache und Wirkung werden verwechselt. ETFs waren nicht das Problem.

Zunächst ist einmal festzustellen, dass hier offenbar Ursache und Wirkung verwechselt werden. Es ist eben NICHT so, dass an jenem Montagmorgen die Aktienkurse wegen ETFs gefallen wären. Es gab an den europäischen Börsen Kursturbulenzen, viele Stunden bevor in New York überstürzt verkaufende ETF-Inhaber zu hohe Verluste realisierten. Auch waren die ETFs für sich genommen nicht schuld daran, dass in New York für etwa ein Drittel der Aktien die Kursstellung ausgesetzt wurde. Die New Yorker Börse machte von Ihrer Möglichkeit Gebrauch, den Handel für bestimmte Aktien einzustellen – aber nicht wegen der ETFs, sondern um einen sich anbahnenden Börsencrash zu vermeiden. Wie sinnvoll diese Maßnahme damals war, darüber kann man diskutieren, sie hatte jedenfalls nichts, aber rein gar nicht mit der Finanzkonstruktion von ETFs zu tun.

Ja, in Folge dieser Ereignisse und Maßnahmen, fielen die ETF-Kurse über die Maßen. Und wer in dieser Situation verkaufte, bekam denkbar schlechte Kurse und durfte sich hinterher über seine Verluste ärgern.

Aber bitteschön: Niemand wurde damals am Montagmorgen des 24.08.2015 gezwungen, seine ETF-Anteile zu verkaufen. Und es waren auch nicht diese ETF-Verluste, die für die Börsenturbulenzen verantwortlich waren. Sondern umgekehrt, die Börsenturbulenzen waren die Ursache dafür, dass sich die Kurse bei den ETFs nur noch nach Angebot und Nachfrage richteten, und nicht mehr nach einem inneren fairen Wert.

Die Behauptung, dass am 24.08.2015 ETFs für sich genommen eine Gefahr für das Finanzsystem gewesen sein sollen, steht somit auf extrem wackeligen Beinen. Um nicht zu sagen, sie ist ziemlich haltlos.

Man hätte damals das Problem nicht gehabt, wenn man schlicht auch den Handel von ETFs ausgesetzt hätte. Und zwar so lange, bis wieder die Kursfeststellung für genügend Aktien funktioniert hätte.

Warum der Vergleich von ETFs mit CDOs hinkt

Der Vergleich mit den CDOs und Hypothekenanleihen, die während der Finanzkrise ab 2008 eine Rolle spielten, ist zudem völlig unzutreffend und vollkommen an den Haaren herbeigezogen. Ich frage mich wirklich, wie man so etwas ernsthaft behaupten kann.

CDOs waren damals extrem intransparente Anlageprodukte, deren Wert nach sehr komplizierten mathematischen Formeln berechnet wurden. In den 1990er Jahren musste ich mich einmal als Finazexperte mit der Frage beschäftigen, ob die Investition in ein bestimmtes CDO interessant wäre. Ich beschäftigte mich zwei Tage damit und konnte beim besten Willen nicht sagen, dass ich die Konstruktion verstanden hätte. Daraufhin war meine Empfehlung: Wenn ich nach zwei Tagen intensiver finanzmathematischer Arbeit das Produkt nicht verstehe, dann kann ich nur jedem Anleger raten, die Finger davon zu lassen.

ETFs hingegen sind extrem simpel. Insofern das genaue Gegenteil von CDOs oder Hypothekenanleihen.

Ein weiterer Unterschied ist, dass sich CDOs bei der Bewertung auf einen Portfolio von Hypothekendarlehen an Privatpersonen beziehen. Der Wert einer solchen Hypothek hängt wesentlich von zwei Dingen ab, a) von der Zahlungsfähigkeit der Privatperson, b) dem Wert der zugrundeliegenden Immobilie. Beides ist nicht auf die Schnelle herauszufinden, sondern bedarf normalerweise aufwendiger Recherche-Arbeit. Hat man nun Hunderte oder sogar Tausende solche Immobilien-Hypotheken gebündelt, so ist es extrem schwierig, zu beurteilen, wie viel das entsprechende Hypothekendarlehen gerade tatsächlich wert ist.

Und jetzt kommt ja eines noch dazu. Die Hypothekendarlehen und CDOs wurden dann ja noch weiter gestaffelt. Das heißt dass es Anleihen gab, die sich nicht auf Immobilien-Kredite bezogen, sondern auf andere Hypothekenanleihen. Und so weiter. Das war ein komplizierter Verhau an ineinander geschachtelter Wertpapiere, die sich am Ende auf etwas bezogen, was selbst extrem schwer zu bewerten war.

Und noch einmal: Wie einfach sind im Vergleich dazu ETFs? Sie beziehen sich ausschließlich auf Wertpapiere, zu denen – normalerweise – jederzeit Kurse gestellt werden. Es ist nichts verschachtelt, es ist einfach die Summe dieser Wertpapiere, die gemäß den Quoten eines bestimmten Index zusammengesetzt sind.

CDOs mit ETFs zu vergleicht ist etwa so, als würde man Infinitesimalrechnung mit dem kleinen Einmaleins vergleichen. Ok, manche finden vielleicht auch schon das kleine Einmaleins kompliziert genug.

Noch ein gravierender Unterschied. Die Rating-Agenturen hatten damals CDOs mit extrem guten Ratings versehen, AAA zum Beispiel. Die Banken fanden das damals toll, weil sie für solch gut gerateten Wertpapiere deutlich weniger Eigenkapital hinterlegen mussten. So sind die Bilanzierungsregeln für Banken. Je riskanter ein Wertpapier ist, das eine Bank erwirbt, umso mehr Eigenkapital muss dafür für etwaige Kursverluste hinterlegt werden. Was ja auch an sich vernünftig ist.

Das Problem ab 2008 war dann, dass diese wunderschönen mit AAA bewerteten Wertpapiere mit einem Schlag massive Kursabschläge hinnehmen mussten. Von Sicherheit war plötzlich keine Spur mehr. Genau das brachte Banken zum wackeln. Dass sie für als sicher eingestufte Wertpapiere nicht hinreichend Eigenkapital hinterlegt hatte, die sich von einem Tag zum anderen als hochriskant herausgestellt haben.

Man frage mal bei seinem Banker nach, in welche Risikoklasse beispielsweise ein DAX-ETF eingestuft wird. Man wird die Antwort erhalten: Hohes Risiko. Auf keinen Fall wird irgendjemand behaupten, dass ein Aktien-ETF eine sichere Wertanlage im Sinne einer AAA-Bundesanleihe ist.

Kauft sich also eine Bank ein ETF ins Portfolio, so wird sie dafür immer relativ viel Eigenkapital dafür hinterlegen müssen.

Es ist also ziemlich weit hergeholt, um nicht zu sagen unsinnig, CDOs mit ETFs zu vergleichen oder zu behaupten, ETFs könnten ähnlich wie CDOs einmal zu einer Finanzkrise führen. Bevor man solche Dinge leichtfertig behauptet, würde ich es gut finden, sich detailliert und tiefgehend mit dieser Materie zu beschäftigen.

Leider werden gerade im Finanzbereich bemerkenswerte häufig leichtfertig Dinge behauptet, bei denen man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass es vor allem um eines geht: um Angstmacherei.

 

Vermögensverwaltung München

Das große Zauberwort im Finanzbereich lautet derzeit „ETFs“ (exchange traded funds). In den Medien werden sie hochgejubelt und es erscheinen immer wieder Beiträge darüber. Noch vor ein paar Jahren waren die Finanzdienstleister, vorneweg die Banken, auf sogenannte aktiv gemanagte Fonds fixiert. Kam ein Kunde mit der Idee, Geld in ETFs anlegen zu wollen, so wurde ihm das fast immer schlechtgeredet.

Vermeintliche Argumente für aktives Management und gegen ETFs

Das Argument war zumeist, dass bei einem aktiv gemanagten Investmentfonds ein professioneller Manager ständig die Märkte beobachtet. Im entscheidenden Moment, so wurde behauptet, hätte ein solcher Manager die Freiheit, aktiv gegenzusteuern. Würde sich also ein Crash ankündigen, so könnte ein aktiver Manager seine Aktienpositionen reduzieren. Bzw. umgekehrt, wenn er das Gefühl hätte, die Märkte würden in nächster Zeit gut laufen, könnte er noch eine Schippe dazulegen. Ein ETF hingegen hat immer exakt dieselbe Investitionsquote. Niemand trifft hier eine Entscheidung, wie man sich in welcher Marktsituation zu verhalten hat.

Ein weiteres Argument war folgendes. Ein ETF hat einfach alle Aktien eines bestimmten Börsenindex im Portfolio. Wenn man sich den einen oder anderen Wert genauer ansieht, dann könnte man schon zu dem Schluss kommen, dass man gerade diesen nicht so gerne besitzen würde. Man zweifelt möglicherweise an der Geschäftsstrategie dieses Unternehmens, oder es ist sonstwie negativ in den Schlagzeilen.

Ein aktiver Manager, so argumentieren Bankberater gerne, könne hier eine Auswahl treffen und die schlecht erscheinenden Aktien aussondern, und vielmehr nur solche Wertpapiere kaufen, bei denen die Analysten und sonstige Experten eine positive Meinung haben.

Ein drittes sehr beliebtes Argument für aktiv gemanagte Fonds im Vergleich zu ETFs war schließlich der Verweis darauf, dass es den oder jenen aktiv gemanagten Fonds gab, der in der Vergangenheit deutlich besser lief als sein Vergleichsindex. Der Finanzberater zeigte dann gerne Charts, die die klare Outperformance des besagten Fonds belegte. Ferner behauptete der Berater, dass genau er das Wissen habe, solche besonders guten Investmentfonds herauszufiltern.

Diese Argumente haben sicherlich den einen oder anderen Privatanleger davon abgehalten, ETFs zu kaufen. Stattdessen haben sie sich mit den Investmentfonds, zu denen der Bankberater zudem wunderschöne Charts präsentieren konnte, wohl gefühlt.

Traurig nur, dass nur in den seltensten Fällen aktiv gemanagte Fonds tatsächlich besser waren als vergleichbare ETFs. Irgendwann merkt fast jeder Privatanleger, dass der Chart zwar bis zum Kaufzeitpunkt sehr schön aussah, merkwürdigerweise aber ziemlich genau danach der empfohlene Fonds nur noch unbefriedigend war.

Besonders fadenscheinig war schon immer das oben genannte dritte Argument. Denn eine gute vergangene Performance ist noch lange keine Garantie für eine künftige Outperformance. Tatsächlich ist es sehr leicht im Nachhinein einen Fonds zu finden, der seine Benchmark geschlagen hat. Sehr sehr schwer hingegen ist es, einen solchen Fonds im Vorhinein zu finden.

Hier ein Zitat aus dem Buch „Erfolgreich Investieren“ von David Swensen (S. 18):

„Es gibt keinen Zweifel, dass ein aktives Management von Vermögenswerten keine zufriedenstellenden Ergebnisse für Privatanleger hervorbringt:“

Vermögensverwaltung mit ETFs

Der eigentliche Grund, warum Bankberater bislang gerne gegen ETFs argumentiert haben, ist, dass die Bank an ETFs so gut wie nichts verdient. Das ist die schlichte Wahrheit. Mit aktiv gemanagten Fonds hingegen können Banken gutes Geld verdienen.

Dass man aber mit ETFs aber als Privatanleger besser fährt als mit herkömmlichen Investmentfonds, dieses Tatsache konnten sich auch die großen Finanzdienstleister nicht auf Dauer leugnen. Nur wie konnte man einerseits auf den Zug ETFs aufspringen und gleichzeitig noch, wie bisher, gutes Geld verdienen?

Die Antwort auf diese Frage ist: Vermögensverwaltung mit ETFs.

Und ich muss zugeben, dass die Idee für sich genommen nicht schlecht ist. Das ist immer noch besser als das, was es bis heute auch noch gibt, nämlich Vermögensverwaltung mit aktiv gemanagten Investmentfonds.

Die Grundidee ist ohne Frage gut. Die Frage ist nur, wie das Ganze umgesetzt wird.

Erstens.

Der Anleger sollte unbedingt auf die Kosten achten. Auf die Vermögensverwaltungsgebühr kommt noch die Mehrwertsteuer oben drauf. Und zudem gibt es in der Regel Depotführungsgebühren und Transaktionskosten. Nicht selten belaufen sich die Gesamtgebühren auf mehr als 1,5 Prozent pro Jahr. Das ist sicherlich zu viel.

Zweitens.

Wichtig ist ferner nach welchem Konzept ETFs ausgewählt werden. Das Typische ist, dass ein Manager auf der Basis von Research und letztlich Bauchgefühl seine aktiven Anlageentscheidungen trifft. Er hat Positives über Japan gelesen, also investiert er in einen japanischen ETF. Oder er ist der Überzeugung, dass Indien ein Wachstumsmarkt ist, also wird ein Indien-ETF erworben.

Genau besehen ist man damit genau wieder beim aktiven Management angelangt, von dem man ja eigentlich wissen müsste, dass es nur zu suboptimalen Ergebnissen führt.

Wichtig ist, stattdessen einen systematischen Ansatz zu wählen, bei dem aktive Anlageentscheidungen keine Rolle spielen.