Wenn ich andere Vermögensberater oder Bankberater höre, dann dreht sich mir regelmäßig der Magen um. Ohne Ende werden vollkommen sinnlose Anglizismen und Fachbegriffe verwendet, die der Kunde in der Regel nicht versteht:

  • „Candlestick-Charts“
  • „KGV“
  • „Lockback-Zertifikate“
  • das Unternehmen hat ein gutes „Ebit“
  • eine „long Position“ eingehen
  • Unternehmen schaffen ihren „Turnaround“
  • eine Aktie ist ein „strong buy“
  • der eine Asset Manager geht „bottom up“ der andere „top down“
  • etc. etc.

Man kann sich fragen, warum diese Berater überhaupt so sprechen. Warum wird eine solche Sprache verwendet, die ein normaler Mensch nicht verstehen kann?

Meine Meinung ist, dass Finanzberater gerne ihre Dienstleistung „mystifizierten“.  Es geht nicht darum, die Kunden so zu informieren, dass sie eigenständig eine rationale Anlageentscheidung treffen können. Vielmehr ist der Zweck einer solchen Sprache, den Kunden einzuschüchtern und ihm seine vermeintliche Unwissenheit klarzumachen. Der Berater hingegen stellt sich als (vermeintlich) wissender Experte dar. Der Anleger soll das Gefühl bekommen, dass er ohne den Berater hoffnungslos verloren wäre.

Letztlich ist das nicht viel anders als das Vorgehen der Priester, Weissager und Vogelschauer in der Antike. Auch diese Herrschaften bedienten sich Rituale und einer unverständlichen Sprache, um den Menschen ein angebliches Wissen vorzuspielen. Letztlich nicht zum Nutzen dieser Menschen, sondern nur zum eigenen Vorteil.

Immerhin, und das scheint man heutzutage immer wieder zu vergessen, leben wir heute ja eigentlich in einem aufgeklärten Zeitalter. Um so merkwürdiger, was man im Bereich Vermögensverwaltung und Geldanlage zu lesen oder zu hören bekommt. Genau betrachtet handelt es sich fast immer um eine Art Aberglauben und um vage Heilsversprechungen.

Sehr vielen Menschen scheint dies gar nicht aufzufallen. Beispielsweise bieten auch Volkshochschulen Kurse in Chart-Analyse an. Menschen besuchen entsprechende Seminare, und auch die Medien sind voller Finanz-Mystizismus.

Tatsächlich werden den Anlegern ein Scheinwissen vorgegaukelt, das nicht existiert, nur um für die eigene Dienstleistung eine fadenscheinige Existenzberechtigung zu konstruieren.

Ich bin ja selbst in der Vermögensverwaltung und Vermögensberatung tätig. Und selbstverständlich glaube ich, dass meine Tätigkeit ihre Berechtigung hat und volkswirtschaftlich sinnvoll ist. Aber die Begründung dazu sollte bitte ehrlich und aufrichtig sein.

Und die beste Begründung ist: die Vermögensverwaltung stellt eine Dienstleistung dar, um dem Anleger etwas abzunehmen, wozu er selbst entweder keine Lust oder keine Zeit hat. Aber selbstverständlich könnte er es auch alleine und ohne fremde Hilfe erledigen (wenn er/sie wollte). Man soll zu den Leuten so ehrlich sein, und zugeben, dass es im Geldanlagebereich kein mysteriöses Spezial- oder Geheimwissen gibt.

Ich denke, dass eine Vermögensverwaltung nicht viel anders ist als viele andere Dienstleistungen auch. Beispielswiese dem Reifenwechsel. Selbstverständlich kann jeder, wenn man nur will, selbst die Reifen seines Autos wechseln. Es gibt aber einige (mich eingeschlossen), die dazu keine Lust haben oder die Zeit haben. Das ist auch in Ordnung so, da wir in einer arbeitsteiligen Gesellschaft leben. Der eine hat sich auf das eine spezialisiert, der andere auf etwas anderes.

Genauso nüchtern und entmystifiziert sollte man, meiner Meinung nach auch eine Vermögensbetreuung auffassen. Als Finanzprofi ist man auf sein Gebiet spezialisiert und kann daher manches effizienter und kostengünstiger umsetzen als der Anleger. Außerdem nimmt der Vermögensverwalter durch seine Dienstleistung dem Privatanleger Arbeit ab.

Das ist so alles schön und gut. Vermögensverwaltung oder Finanzberatung ist aber keine mysteriöse Tätigkeit, die Wunder bewirkt. Beispielsweise kann kein Finanzprofi in die Zukunft schauen, oder mit minimalen Risiken hohe Renditen erzielen, oder stets nur durchgehend hohe Renditen erzielen. Das gibt es einfach nicht. Wer so etwas behauptet, lügt entweder oder er weiß es nicht besser. Und als aufgeklärter Anleger sollte man an so etwas auch nicht glauben.

Wer  solche „Wunder“ erwartet, darf sich nicht wundern, wenn er bzw. sie irgendwann einmal enttäuscht werden wird.

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