Immer wieder kommen Anleger zu mir und fragen sich, ob ihr Wertpapierdepot wirklich passt. Sie möchten einen Depotcheck. Was ist bei einem Depotcheck zu beachten?

Als erstes ist es wichtig, dass man sich darüber im Klaren wird, was mit dem Wertpapierdepot überhaupt erreicht werden soll. Ein Depot ist nicht für sich genommen gut oder schlecht, sondern vor allem bezogen auf ein Anlageziel. Mein Erfahrung ist, dass viele Anleger gerade diesen Punkt nicht hinreichend klären.

Die Idee ist oft, dass man eine gute Rendite haben möchte bei möglichst geringen Risiken. Das ist aber eigentlich gar nicht möglich. Wahr ist hingegen, dass gute Renditen immer mit entsprechenden Risiken zu haben sind. Die entscheidende Frage ist: Sind die eingegangenen Risiken wirklich notwendig – bezogen auf das zu erreichende Anlageziel? Oder schlummern im Depot Risiken, die nicht zu rechtfertigen sind?

Es gilt die Regel: So viel Risiko wie nötig, so wenig Risiko wie möglich. Das ist in jedem Fall ein wichtiges Prinzip für einen Depotcheck.

Meine Erfahrung ist übrigens, dass viele Depots eher zu riskant aufgestellt sind als umgekehrt.

Ein gutes Anlageziel ist übrigens vor allem ein Ziel folgender Art: Bis zum Jahr 2030 will ich ein Vermögen von 1 Mio Euro erreicht haben, um ab dann monatlich 1500 Euro aus dem Vermögen entnehmen zu können.

Ein schlechtes Anlageziel ist die Angabe einer Renditezahl. Also beispielsweise: Ich möchte 5% p.a. erzielen. Denn hier stellt sich sofort die Frage: 5% Rendite wozu?

Ein weiterer wichtiger Punkt beim Depotcheck sind die Gebühren und Kosten. Gerade bei Depots, die viele Investmentfonds enthalten, gibt es häufig eine sehr hohe Kostenbelastung durch versteckte Gebühren. Ein aktiv gemanagte Fonds hat in der Regel eine Gesamtkostenbelastung von 1,6 – 2,5% p.a. Das muss erst einmal erwirtschaftet werden.

Ein weiteres Problem beim Depotcheck ist, dass viele Depots sozusagen „zerfleddert“ sind. Das Stichwort ist hier auch: Schein-Diversifikation. Das heißt, dass der Schein einer Diversifikation da ist, einfach durch die Tatsache, dass das Depot viele verschiedene Wertpapiere enthält. Sind es aber beispielsweise nur viele Aktien deutscher Unternehmen, so ist vielleicht faktisch eben der Anlagebereich Deutschland übergewichtet, während z.B. USA, Asien oder die Emerging Markets fehlen.

Ähnliches kann passieren, wenn sehr viele Fonds einer einzigen Anlageklasse erworben worden sind. Beispielsweise lauter Europäische Aktienfonds.

So paradox es klingen mag, aber manchmal kann man mit einem einzigen Fonds eine größere Diversifikation erreichen als mit vielen einzelnen Investmentfonds. Ein Depot z.B., das nur aus einem einzigen weltweit anlegenden Fonds anlegt, ist besser diversifiziert als ein Depot, das 20 europäische Aktienfonds enthält. Zumal bei Investmentfonds ja das Emittentenrisiko keine Rolle spielt.

 

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