Seit über dreißig Jahren bin ich in der Finanzbranche tätig und fast wöchentlich werden mir Wertpapierdepots von Privatanlegern vorgelegt. Grob eingeteilt legen Privatanleger entweder bevorzugt in einzelne Aktien an oder in einer Auswahl von Investmentfonds.

Portfolio von einzelnen Aktien

Wenn ein Privatanleger in einzelne Aktien investiert, dann geht das fast immer auf eine frühere sehr gute Erfahrung zurück. Irgendwann in grauer Vergangenheit hat man selbst, ein Bekannter oder Verwandter, eine bestimmte Aktien gekauft und damit in kurzer Zeit sagenhafte Gewinne erzielt. Dieses positive Erlebnis sollte nun wiederholt werden, indem man sich eine Reihe von Aktien zulegt. In der Regel führt man dieses gute Initialerlebnis auf einen guten „Riecher“ oder besonders gute analytische Fähigkeiten zurück. Dass es schlicht Glück und Zufall (wie beim Glücksspiel) gewesen sein könnte, darauf kommt man in der Regel nicht.

Meistens studiert der Privatanleger dann Börsen-Zeitschriften oder lässt sich Börsenbriefe zuschicken. Immer auf der Suche nach vermeintlichen Geheimtipps.

Bei mir schlagen diese Anleger dann schließlich auf, weil sie irgendwann merken, dass sie auf keinen grünen Zweig kommen. Ja, da war einmal dieser schöne Gewinn viele Jahre her, aber irgendwie ist seitdem alles schief gelaufen.

Ich erkläre dann, dass die Geldanlage in einige wenige Einzelaktien eher einem Glücksspiel gleicht als professioneller, systematischer Geldanlage. Zumal fast immer der Punkt Risikodiversifikation zu kurz kommt. Letztlich gehen die Anleger mit ihren zehn bis zwanzig verschiedenen Werten Wetten ein, bei denen der zu erwartende Gewinn nicht im richtigen Verhältnis zu den eingegangenen Risiken stehen.

Auswahl von Investmentfonds

Eine andere Gruppe von Anlegern beachtet zumindest das Prinzip der Risikostreuung, indem sie vor allem Investmentfonds kaufen. Das Problem aber hier ist, dass sie nicht aufhören daran zu glauben, dass es ein paar Fonds-Manager gibt, die dauerhaft den Markt schlagen können. Und dass sie die Punkt Kosten sträflich unterschätzen.  Das Argument ist: Wenn ein Manager wirklich gut ist, bin ich auch bereit entsprechend hohe Gebühren zu bezahlen.

Nur wie erkennt man einen guten Fonds-Manager? Dazu greifen Anleger immer nur auf Vergangenheitsdaten zurück. Entweder indem Sie selbst Charts und vergangene Wertentwicklungen studieren oder indem sie auf Ranking-Listen zurückgreifen.

Dabei ist es mehr als auffällig, dass bei Ranking-Listen und dergleichen über die Jahre hinweg keine Konstanz da ist. 1999 waren beispielsweise Templeton Growth oder Fidelity European Growth die Renner. Ein paar Jahre später war es der Aktienfonds ULM. Wieder ein paar Jahre später wieder andere Fonds.

Wenn mir ein Depot von Investmentfonds vorgelegt wird, kann ich mit relativer guter Genauigkeit bestimmen, wann das Depot zusammengestellt wurde. Und zwar anhand den Fonds, die zu bestimmten Zeiten die Ranking-Listen anführten und gerade „in“ waren. Ähnlich wie eine Mode-Expertin anhand der Kleider in einem Schrank erkennen kann, wann alles gekauft wurde.

Fonds haben für ein paar Jahre eine gute Wertentwicklung, dann landen sie in den Ranking-Listen auf Top-Positionen, alle Anlageberater und Bankberater empfehlen sie jetzt. Immerhin führen sie ja gerade die Ranking-Listen an. Die Masse der Anleger steigt ein. Nur damit sie nach ein paar Jahren im großen Stil enttäuscht sind, wieder zu ihrem Anlageberater gehen, der dann wieder neue Investmentfonds aus dem Hut zaubert, die jetzt auf einmal ganz oben stehen. Und so geht das Spiel weiter und weiter.

Reich werden dabei vielleicht die Anlageberater, bestimmt aber nicht der Anleger.

Was ich vermisse ist eine klare Struktur, wobei der Kostenaspekt hinreichend berücksichtigt wird. Und hierbei sind ETFs das ideale Instrument.

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