Ich erlebe es sehr häufig, dass mir Anleger ihre Investments vorlegen, die sie im Laufe ihres Lebens so abgeschlossen haben, und mich fragen, ob sie gut sind. Dahinter steckt die Idee, dass es Anlageprodukte gibt, die an sich richtig oder falsch sind. Bis zu einem gewissen Grade kann man das tatsächlich sagen, nämlich vor allem bezogen auf die Kosten.

Ein Investment, das mit übermäßig hohen Kosten verbunden ist, ist für sich genommen einfach schlecht. Da muss man nicht lang weiter herummachen.

Liegen die Kosten aber im normalen Bereich, dann ist das Hauptkriterium, ob ein Investment gut oder schlecht ist, das jeweilige Anlageziel des Anlegers. Letztlich kommt es darauf, an was man mit der Geldanlage erreichen möchte. Um es einmal mit dem Autokauf zu vergleichen: Man kann nicht sagen, dass ein VW Touran an sich ein schlechteres Auto als ein Mercedes SL ist. Es kommt darauf an, wozu man das Auto verwenden will. Also Familienauto ist der Touran sicherlich besser, für den Fahrspaß der SL. Ähnlich ist es bei der Geldanlage. Man kann nicht sagen, dass ein Rentenfonds oder Tagesgeld an sich schlechter wäre als ein Aktienfonds, es kommt eben darauf an, was man damit erreichen will.

Ich muss also erst nach den Anlagezielen fragen, um beurteilen zu können, ob bestimmte Anlageprodukte für einen Kunden geeignet oder ungeeignet sind. Meiner Erfahrung nach ist das aber oft gerade ein blinder Fleck bei vielen Anlegern.

Wenn ich nach den Anlagezielen frage, dann bekomme ich nicht selten sinngemäß die Antwort: „Ich möchte möglichst viel Rendite bei möglichst geringem Risiko erreichen.“ Das ist kein Anlageziel, sondern ein frommer Wunsch. Natürlich wäre es schön, wenn es so etwas gäbe: Hohe Renditen bei minimalem Risiko. Man sollte sich aber realistischerweise darüber im Klaren sein, dass es so etwas nicht gibt. Entweder will ich hohe Renditen, dann muss ich in den sauren Apfel „Risiko“ beißen, oder mir ist Sicherheit wichtig, dann muss ich in den sauren Apfel „geringe Renditen“ beißen. Alles zusammen geht nicht.

Interessant ist ferner, dass es kein wirkliches Anlageziel ist, wenn man sagt: „Ich will hohe Renditen“. Die Frage hier ist sofort: „OK. Hohe Renditen. Aber für was? Zu welchem Zweck?“

Um im Autobeispiel zu bleiben: Das ist etwa so, als würde man sagen, dass man ein Auto will, das möglichst schnell fahren kann. Und auch hier stellt sich sofort die Frage: Wozu will man denn schnell fahren? Für den Nervenkitzel auf der Autobahn, oder weil man an Autorennen teilnehmen möchte, oder weil man beruflich viel unterwegs ist und es dabei bisweilen eilig hat.

Bei der Geldanlage sind meistens solche Dinge wichtig wie:

  • ab dem Jahre x will ich meinem Vermögen monatlich y Euro entnehmen können, um damit gut leben zu können; oder
  • in x Jahren will ich mir eine bestimmte Sache anschaffen, wofür ich y Euro benötige.

Das sind, ich möchte mal sagen, gute Anlageziele, mit denen man etwas anfangen kann. Denn dann kann man sozusagen finanzmathematisch weiter vorgehen. Ich muss nur wissen, wieviel der Anleger jetzt hat bzw. wie viel er in den nächsten Jahren zur Seite legen kann. Ich kenne das Ziel und kann dann ausrechnen, welche Zielrendite der Anleger benötigt, um sein Ziel zu erreichen.

Nehmen wir einen Anleger A, der heute 50 Jahre alt ist und sich fragt, wie er einen Geldbetrag in Höhe von 370.000 Euro anlegen soll. Wenn man seine Anlageziele klärt, so stellt sich heraus, dass er sich in 15 Jahre zur Ruhe setzen will. Dazu wird er dann 1500 Euro pro Monat zusätzlich neben seinen sonstigen Rentenbezügen brauchen. Die Frage ist nun, welches Vermögen er mit 65 benötigen wird, um diesen monatlichen Betrag regelmäßig entnehmen zu können.

Die Antwort lautet: Sofern er mit einem allmählichen Kapitalverzehr leben kann, wird er mit 65 ein Vermögen von etwa 550.000 Euro benötigen. Dann kann er einmal im Jahr seine Monatsentnahmen um 1,5% anheben und das Geld reicht mindestens bis zu seinem 95. Lebensjahr.

Bezogen auf dieses Vermögensziel von 550.000 Euro, kann man jetzt leicht berechnen, mit welcher Zielrendite A sein derzeitiges Vermögen von 370.000 Euro für die nächsten 15 Jahre anlegen muss. Er wird nämlich durchschnittlich eine Rendite von 2,7% p.a. benötigen.

Das ist nicht besonders viel, aber es ist auch nicht komplett risikolos zu erreichen. Der weitere Gang der Beratung kann dann so aussehen, dass man sich überlegt, wie man den Anlagebetrag auf verschiedene Anlageformen aufteilen muss, damit eine Zielrendite von 2,7% mit hoher Wahrscheinlichkeit erreichbar ist.

Das Gute an diesem Vorgehen ist, dass man mit konkreten Zahlen arbeiten kann. Man kann so sein Geld zielorientiert anlegen, und so wie es zur Erreichung konkret definierter Anlageziele wirklich notwendig ist. Ein Gerede ins Blaue entfällt dann.

2 Kommentare
  1. Thinking
    Thinking sagte:

    Vielen Dank für diese ganz klare Darstellung, dass der Anleger seine Ziele selbst festlegen muss. Das Problem in Ihrem Beispiel ist die Zielrendite von 2,7%. Nach der gestrigen Absage der FED an eine „Zinswende“ kann diese Zielrendite in absehbarer Zeit weder mit Tagesgeldkonten, noch mit Anleihen höchster Bonität erreicht werden. Welche Anlagen würden Sie dem „50jährigen Anleger A“ empfehlen, wenn er bereits eine Immobilie hat oder bis zum 65. Lebensjahr nicht in eine Immobilie investieren wird? Wie schätzen Sie Aktien mit hoher Dividendenausschüttung ein?

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  2. AdPoint GmbH
    AdPoint GmbH sagte:

    Hallo Peter,

    danke für diesen sehr tollen Beitrag zum Thema Anlageziele. Das ist ein wirklich schöner Artikel, der anschaulich aufzeigt, dass vom Anleger selbst aufgestellte Ziele sehr entscheidend sind. Vielen Dank für die tollen Impulse

    Liebe Grüße, Felix von AdPoint

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