Vermögensverwaltung München

Das große Zauberwort im Finanzbereich lautet derzeit „ETFs“ (exchange traded funds). In den Medien werden sie hochgejubelt und es erscheinen immer wieder Beiträge darüber. Noch vor ein paar Jahren waren die Finanzdienstleister, vorneweg die Banken, auf sogenannte aktiv gemanagte Fonds fixiert. Kam ein Kunde mit der Idee, Geld in ETFs anlegen zu wollen, so wurde ihm das fast immer schlechtgeredet.

Vermeintliche Argumente für aktives Management und gegen ETFs

Das Argument war zumeist, dass bei einem aktiv gemanagten Investmentfonds ein professioneller Manager ständig die Märkte beobachtet. Im entscheidenden Moment, so wurde behauptet, hätte ein solcher Manager die Freiheit, aktiv gegenzusteuern. Würde sich also ein Crash ankündigen, so könnte ein aktiver Manager seine Aktienpositionen reduzieren. Bzw. umgekehrt, wenn er das Gefühl hätte, die Märkte würden in nächster Zeit gut laufen, könnte er noch eine Schippe dazulegen. Ein ETF hingegen hat immer exakt dieselbe Investitionsquote. Niemand trifft hier eine Entscheidung, wie man sich in welcher Marktsituation zu verhalten hat.

Ein weiteres Argument war folgendes. Ein ETF hat einfach alle Aktien eines bestimmten Börsenindex im Portfolio. Wenn man sich den einen oder anderen Wert genauer ansieht, dann könnte man schon zu dem Schluss kommen, dass man gerade diesen nicht so gerne besitzen würde. Man zweifelt möglicherweise an der Geschäftsstrategie dieses Unternehmens, oder es ist sonstwie negativ in den Schlagzeilen.

Ein aktiver Manager, so argumentieren Bankberater gerne, könne hier eine Auswahl treffen und die schlecht erscheinenden Aktien aussondern, und vielmehr nur solche Wertpapiere kaufen, bei denen die Analysten und sonstige Experten eine positive Meinung haben.

Ein drittes sehr beliebtes Argument für aktiv gemanagte Fonds im Vergleich zu ETFs war schließlich der Verweis darauf, dass es den oder jenen aktiv gemanagten Fonds gab, der in der Vergangenheit deutlich besser lief als sein Vergleichsindex. Der Finanzberater zeigte dann gerne Charts, die die klare Outperformance des besagten Fonds belegte. Ferner behauptete der Berater, dass genau er das Wissen habe, solche besonders guten Investmentfonds herauszufiltern.

Diese Argumente haben sicherlich den einen oder anderen Privatanleger davon abgehalten, ETFs zu kaufen. Stattdessen haben sie sich mit den Investmentfonds, zu denen der Bankberater zudem wunderschöne Charts präsentieren konnte, wohl gefühlt.

Traurig nur, dass nur in den seltensten Fällen aktiv gemanagte Fonds tatsächlich besser waren als vergleichbare ETFs. Irgendwann merkt fast jeder Privatanleger, dass der Chart zwar bis zum Kaufzeitpunkt sehr schön aussah, merkwürdigerweise aber ziemlich genau danach der empfohlene Fonds nur noch unbefriedigend war.

Besonders fadenscheinig war schon immer das oben genannte dritte Argument. Denn eine gute vergangene Performance ist noch lange keine Garantie für eine künftige Outperformance. Tatsächlich ist es sehr leicht im Nachhinein einen Fonds zu finden, der seine Benchmark geschlagen hat. Sehr sehr schwer hingegen ist es, einen solchen Fonds im Vorhinein zu finden.

Hier ein Zitat aus dem Buch „Erfolgreich Investieren“ von David Swensen (S. 18):

„Es gibt keinen Zweifel, dass ein aktives Management von Vermögenswerten keine zufriedenstellenden Ergebnisse für Privatanleger hervorbringt:“

Vermögensverwaltung mit ETFs

Der eigentliche Grund, warum Bankberater bislang gerne gegen ETFs argumentiert haben, ist, dass die Bank an ETFs so gut wie nichts verdient. Das ist die schlichte Wahrheit. Mit aktiv gemanagten Fonds hingegen können Banken gutes Geld verdienen.

Dass man aber mit ETFs aber als Privatanleger besser fährt als mit herkömmlichen Investmentfonds, dieses Tatsache konnten sich auch die großen Finanzdienstleister nicht auf Dauer leugnen. Nur wie konnte man einerseits auf den Zug ETFs aufspringen und gleichzeitig noch, wie bisher, gutes Geld verdienen?

Die Antwort auf diese Frage ist: Vermögensverwaltung mit ETFs.

Und ich muss zugeben, dass die Idee für sich genommen nicht schlecht ist. Das ist immer noch besser als das, was es bis heute auch noch gibt, nämlich Vermögensverwaltung mit aktiv gemanagten Investmentfonds.

Die Grundidee ist ohne Frage gut. Die Frage ist nur, wie das Ganze umgesetzt wird.

Erstens.

Der Anleger sollte unbedingt auf die Kosten achten. Auf die Vermögensverwaltungsgebühr kommt noch die Mehrwertsteuer oben drauf. Und zudem gibt es in der Regel Depotführungsgebühren und Transaktionskosten. Nicht selten belaufen sich die Gesamtgebühren auf mehr als 1,5 Prozent pro Jahr. Das ist sicherlich zu viel.

Zweitens.

Wichtig ist ferner nach welchem Konzept ETFs ausgewählt werden. Das Typische ist, dass ein Manager auf der Basis von Research und letztlich Bauchgefühl seine aktiven Anlageentscheidungen trifft. Er hat Positives über Japan gelesen, also investiert er in einen japanischen ETF. Oder er ist der Überzeugung, dass Indien ein Wachstumsmarkt ist, also wird ein Indien-ETF erworben.

Genau besehen ist man damit genau wieder beim aktiven Management angelangt, von dem man ja eigentlich wissen müsste, dass es nur zu suboptimalen Ergebnissen führt.

Wichtig ist, stattdessen einen systematischen Ansatz zu wählen, bei dem aktive Anlageentscheidungen keine Rolle spielen.

3 Kommentare
  1. Thinking
    Thinking sagte:

    Eigentlich ergänzen die früheren Blogs „Anlageziele sind wichtig“ und „Warum Computerfonds nicht besser sind“ die Frage, ob eine digitale Vermögensverwaltung mit ETFs besser ist als eine individuelle Vermögensberatung.
    Ich bin davon überzeugt, dass man den „systematischen Ansatz“ nur im vertrauensvollen Gespräch gemeinsam finden kann. Das Computerprogramm mit der individuellen Festlegung des Risikoprofils korrigiert den Anleger nicht, wenn er sich einfach subjektiv falsch einschätzt oder einen Denkfehler begeht.

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  2. David Strauss
    David Strauss sagte:

    Sehr guter Blog-Beitrag, der den Finger genau in die Wunde legt. Es ist seit Jahrzehnten klar, dass klassische diskretionäre Fonds aus vielerlei Gründen in der Regel das versprochene Alpha nicht liefern. Letztlich funktionieren die meisten Fonds immer gleich: ein Fondsmanager strebt an, durch das Eingehen von Konzentrationsrisiken Mehrwert zu liefern. Und das ist schon vom Grundsatz her zumindest ein schwieriger Ansatz, da der Anleger ja eigentlich größtmögliche Diversifikation anstreben sollte.
    Auf der anderen Seite: wenn ETFs (also ganze Märkte) diskretionär angesteuert werden wird das ganze auch wieder zu einem Glücksspiel, welches auf der Basis von vermeintlich klugen Prognosen basiert.
    Ein besserer Ansatz scheint mir das systematische, prognosefreie „Ernten“ erwartbarer Prämien von Marktrisikofaktoren zu sein, welches in ein striktes Risikomanagement eingebettet werden sollte, das den Anleger vor großen, für ihn nicht aushaltbaren Verlusten schützt.

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    • Peterreins
      Peterreins sagte:

      Wenn es klappt, das „systematische, prognosefreie Ernten erwartbarer Prämien von Marktrisikofaktoren“, dann soll es mir recht sein. Ich bin aber eher skeptisch, dass das -langfristig- wirklich funktioniert. (In der Retroperspektive übrigens klappt fast jeder Anlageansatz, – bis man ihn dann in der Praxis ausprobiert). Ein striktes Risikomanagement, das für mehr Sicherheit sorgen soll, kann eigentlich nur eine Beschneidung der Renditechancen bedeuten. Alles anderes wäre eigentlich eher unlogisch. Die Sache bei der Geldanlage ist zunächst sehr einfach: Mehr Sicherheit müsste eigentlich weniger Rendite bedeuten. Wäre es anders würden sich alle Anleger auf diese Anlagestrategie stürzen, mit dem Effekt, dass bei dieser Strategie nicht mehr mit hohen Renditen zu rechnen ist.

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