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Wie bedrohlich sind Niedrigzinsen?

Wenn es derzeit um die Geldanlage geht, wird fast immer über die aktuelle Niedrigzinsphase gestöhnt. Nicht selten heißt es, dass sich Sparen heute nicht mehr lohnen würde, oder dass die Altersvorsorge vieler Menschen in Gefahr sei.

Ich selbst sehe die Sache differenziert. Für die Finanzbranche, das heißt die Banken und die Versicherer, sind die aktuellen niedrigen Zinsen tatsächlich schlimm, nicht aber für den Privatanleger.

Hätten wir allgemein Zinssätze von beispielsweise 5%, so ist es für Bank viel leichter ihre Margen zu erwirtschaften. Sie würden dann, sagen wir 4% Zinsen auf ihre Einlagen zahlen und 6% für Kredite verlangen.Von der Marge von 2% läßt sich dann gut leben.

Ist das Zinsniveau niedrig, wie aktuell, dann fallen naturgemäß auch die Margen für die Banken viel niedriger aus.

Die Versicherer haben ein Problem, weil sie mit einem Garantiezins von 1,25% kalkulieren. Je niedriger aber das allgemeine Zinsniveau, umso schwieriger ist es, diesen Garantiezins tatsächlich zu erwirtschaften. Mit Bundesanleihen oder ähnlich sicheren Geldanlagen geht das derzeit beim besten Willen nicht.

Ohne Zweifel stellt also die Niedrigzinsphase für die Finanzbranche ein großes Problem dar. Für Privatanleger aber zählt letztlich nur das Verhältnis zwischen Netto-Rendite (also Zinsen abzüglich Steuern) zur Inflation. Und dieses Verhältnis ist derzeit relativ gut.

Nehmen wir als Beispiel das Jahr 1980. Damals bekamen Anleger Zinsen auf ihr Tagesgeld von 9%. Das klingt erst mal sehr gut. Zu berücksichtigen ist aber, dass davon natürlich auch Steuern abgezogen werden mussten. Nach Steuern blieben dem Anleger damals, sagen wir, 6%. Bedenkt man nun, dass die Inflationsrate damals bei etwa 8% lag, so hatten Anleger damals unterm Strich ein Minus von -2%.

In den 1990er-Jahren bekam man einmal 4% Zinsen aufs Tagesgeld, nach Steuern sagen wir 2,5%. Die Inflation lag aber auch rund bei 3%, also hatten Anleger damals auch ein Minus von etwa 0,5% (alles grobe überschlägige Rechnungen).

Derzeit bekommt man auf Tagesgeldkonten noch 0,5% Zinsen. Nach Steuern sind das 0,37%. Dei Inflationsrate im April 2016 lag in Deutschland bei -0,1%, im Monat davor bei 0,30%. Je nachdem erhält man also ein Plus für den Sparer nach Inflation von zwischen 0,07 und 0,47 %. Das ist mehr als beispielsweise 1980.

Für den Sparer, so meine Meinung, kann Tagesgeld genau die richtige Wahl sein. Dann nämlich, wenn für ihn Sicherheit über alles steht und er keine hohen Zielrenditen benötigt um bestimmte (klar definierte) Anlageziele zu erreichen. Wer aber höhere Renditen anstrebt, und seien es derzeit nur 1%, dem muss bewusst sein, dass er das nur erzielen kann, wenn er bereit ist mehr oder weniger hohe Risiken einzugehen.  Und Risiken können immer auch Verluste bedeuten.

Wer also Verluste in jedem Fall vermeiden will, der sollte sich Tagesgeld nicht schlechtreden lassen.

4 Antworten
  1. Thinking
    Thinking says:

    Heute habe ich einen Artikel in der „Welt“ gelesen: Die Schweizer müssen seit langem mit Niedrigzinsen umgehen und horten deshalb die 1000-Franken-Scheine zu Hause, meistens in Tresoren. Was macht die EU? Sie behauptet, dass die 500-Euro-Scheine nur von Geldwäschern und Kriminellen benutzt würden. Die Banken sollen Ende 2018 keine 500-Euro-Scheine mehr ausgeben.Die Richtung in der EU ist ganz offensichtlich: Geld auf dem Konto zu lagern, bedeutet in Zukunft auch für Privatanleger Strafzinsen zu bezahlen. Man soll das Geld ausgeben, um die Konjunktur in Gang zu bringen. Wahrscheinlich werden die Tagesgeld-Zinsen bei Online-Banken bald auch gegen Null gehen, was bei den großen Banken und Sparkassen schon lange vollzogen ist.

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