Geschäftsmann mit fallender Kurve

BRICs Ade …

Der damalige Chefökonom von Goldman Sachs, Jim O’Neil, hat 2001 die „Brics“ erfunden. Damit wurden vier Länder, Brasilien, Russland, Indien und China unter einen Begriff zusammengefasst. Diese eigentlich doch sehr unterschiedlichen Länder sollten eines gemeinsam haben, nämlich dass sie langsam den Schritt von Entwicklungsländern hin zu entwickelten Industrieländer schaffen würden. Und dass deswegen diese Länder eine  überragende wirtschaftlich Dynamik aufweisen würden.

Eine Zeitlang waren „Brics“ sehr modern. Goldman Sachs legte einen Brics Investmentfonds auf, andere zogen nach. Ich kann mich noch gut an eine Konferenz im Jahre 2009 erinnern. Es ging um Geldanlage für Stiftungsvermögen, was ja an sich sehr sicherheitsorientiert angelegt sein sollte. Damals sagten mehrere Redner, dass ihrer Meinung nach, Aktien aus Brics-Staaten sicherer seien als deutsche Bundesanleihen. Ich schüttelte damals nur innerlich meinen Kopf und wunderte mich darüber, dass so viele Anleger ständig irgendwelchen Moden nachlaufen.

Heute wird niemand mehr sagen, dass Brics-Aktien sicherer als Bundesanleihen seien. Der Goldman Sachs-Bric-Fonds hat beispielsweise seit 2010 ein Minus von 88%.

Für mich sind die Brics ein Musterbeispiel für Modeerscheinungen am Kapitalmarkt. Es ist immer dasselbe. Eine bestimmte Branche oder Börsensegment ist eine Zeitlang gut gelaufen. Dann kommen irgendwelche Banker, Anlageberater oder Vermögensverwalter auf die Idee, hier eine nachhaltige Wachstumsgeschichte erkannt zu haben. Jetzt steigen die Anleger im großen Stil ein, auch die Journalisten schreiben munter darüber. Irgendein großartiger neuer Schlüssel zum Anlageerfolg schein gefunden zu sein. Das geht auch tatsächlich in der Regel eine Weile gut. Die Sache befeuert sich sozusagen selbst. Am Höhepunkt meinen die Leute dann, dass man mit diesem Segment eigentlich überhaupt nichts falsch machen könne …  Bis die böse Überraschung kommt und sich das anfänglich dicke Plus in ein dickes Minus gewandelt hat.

Und ist der eine Zyklus vorbei, schnurstracks wird eine neue Branche oder ein neues Segment gefunden. Und das Spiel geht von neuem los.

Am Ende wundern sich die Anleger, warum sei auf keinen grünen Zweig kommen. Die naheliegendste Antwort ist: Weil sie ständig irgendwelchen Moden nachrennen und somit zumeist gerade einsteigen, wenn etwas schon sehr gut gelaufen ist.

Das Hauptproblem hierbei ist, dass sich die allermeisten Anleger – sowohl Privatanleger als auch professionelle Berater oder Vermögensverwalter – zu sehr an Vergangenheitsdaten orientieren. Das scheint gut und attraktiv zu sein, was in der Vergangenheit eine gute Rendite erzielt hat. Man schließt von vergangenen Renditen auf künftige Renditen. Was bisher gut war, wird auch künftig gut sein. In vielen Lebensbereichen stimmt das vielleicht auch, nicht aber bei der Geldanlage. Da führt genau dieses Denken zu herben Enttäuschungen.

 

1 Antwort
  1. Michael
    Michael says:

    Kann dem Beitrag nur zustimmen! Jedoch berufen wir uns ja immer irgendwie auf die Vergangenheit. Die Durchschnittsrendite des S&P 500, die Bandbreite des Ölpreis, usw.

    Wichtig finde ich, und das wurde hier sehr gut dargestellt, dass man den Moden nicht hinterherläuft. Die schönste Zeit für mich ist, wenn diese Moden anfangen zu Bröckeln. Nach 88% Minus ist dann genau die richtige Zeit zum einsteigen.

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