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Rückblick auf eine turbulente Börsenwoche

Der Mensch ist von Natur aus kein guter Anleger. Eher im Gegenteil. Wir scheinen so programmiert zu sein, dass wir im entscheidenden Augenblick dazu neigen, exakt das Falsche zu tun. Jedenfalls was die Geldanlage betrifft.

Dies konnte man am Montag 24. August wieder einmal mustergültig beobachten. Schon die Woche zuvor begannen die Aktienkurse zu bröckeln, am Freitagnachmittag kam dann der erste Teil des Absturzes, aber am Montag ging es richtig zur Sache. Der DAX verlor zeitweise bis zu 8%. Das ist ein so hoher Verlust, wie wir ihn nicht einmal am 11. September, dem Tag der Terroranschläge in New York hatten.

Das ist schon erstaunlich genug. Noch erstaunlicher aber ist es, recht bedacht, wie viele Anleger (und auch professionelle Vermögensverwalter) sich sofort anstecken lassen und sofort darüber nachdenken, ihre Aktienbestände zu verkaufen und „ruhigere Zeiten“ abwarten zu wollen…

Wer darüber nachdenkt, ruhigere Zeiten abzuwarten, sollte sich zunächst einmal fragen, woran man solche „ruhigere Zeiten“ überhaupt erkennen kann. Das kann man nämlich normalerweise nur dadurch, dass die Kurse wieder deutlich gestiegen sind. Es ist ein Irrglaube zu meinen, dass die Kurse erst panikartig fallen, und dann auf dem Tiefpunkt dann ein klares Zeichen erkennbar ist, dass es jetzt wieder nur noch nach oben gehen könne. In der Regel werden die Anleger am Tiefpunkt am aller pessimistischsten sein. Erst wenn die Kurse wieder stark gestiegen sind, meinen die Anleger, dass sich die Zeiten geändert haben und man wieder getrost einsteigen könne.

Nur dann hat man bei Tiefstkursen verkauft und bei höheren Aktienkursen ist man wieder eingestiegen. Wirklich sinnvoll kann das nicht sein.

Das Problem sehe ich vor allem in zwei Punkten. Erstens denken die allermeisten Anleger zu kurzfristig. Zweitens glauben sie an Timing, also der Möglichkeit die richtigen Zeitpunkte für den Kauf bzw. Verkauf von Aktien erkennen zu können.

Wer kurzfristig denkt, sollte tunlichst gar nicht in Aktien anlegen. Hierfür muss man ohne Frage einen langfristigen Anlagehorizont haben. Und mit „langfristig“ meine ich 10-15 Jahre.

Zum Thema Timing zitiere ich an dieser Stelle aus dem Buch „Erfolgreich Investieren“ von David Swensen (S. 34):

 „…Vielleicht vermeiden professionelle Vermögensverwalter Spekulationen, da sie wissen, wie wenig nachhaltig eine kurzfristige Spekulation im Vergleich zu einem umsichtig ausgewählten Portfolio mit langfristigen Renditezielen ist …

Bei Privatanlegern sieht das anders aus. Vieles deutet darauf hin, dass verhältnismäßig viel in jene Unternehmen investiert wird, die in jüngster Zeit gute Performance erzielten. Underperformer werden kaum berücksichtigt. … Investoren machen aktiv Jagd auf die Gewinner des Marktes von gestern und lassen bewusst frühere Verlierer fallen. Spekulationen dieser Art wirken sich in der Regel negativ auf die Portfolios von Privatanlegern aus…

Eine Übergewichtung von Anlagen, die in der Vergangenheit gute Performance erzielten, und eine Untergewichtung von schwachen Anlagen ist eine schlechte Empfehlung …“

Aber wie gesagt, wir sind wohl so programmiert, ständig zu Fehlentscheidungen im Anlagebereich zu neigen. Wenn die Kurse am Boden sind und ich als Anlageberater sage, dass man jetzt ohne Weiteres in Aktien einsteigen kann, dann erhalte ich ungläubige Blicke. Auf der anderen Seite zögern sehr konservative Anleger keine Sekunde, Aktien zu erwerben, – sofern sie nur schon bereits seit einiger Zeit gestiegen sind.

 

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