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Warum antizyklisches Investieren sinnvoll ist

Letzte Woche hatte ich ein Gespräch mit einem Anleger. Er meinte, dass er prinzipiell geneigt ist, in Aktien zu investieren. Dass er aber erst abwarten möchte, wie das Ganze mit Griechenland ausgehen wird. Im Moment sei ihm eine Investition in Aktien noch zu unsicher.

Solch eine Argumentation höre ich in letzter Zeit immer wieder. Ich muss aber sagen, dass ich das nicht für sehr sinnvoll halte.

Das erste Problem ist, dass man bei Aktien immer einen langfristigen Anlagehorizont mitbringen sollte. Das heißt mindestens 5 bis 10 Jahre. Dann spielen aber kurzfristige Timing-Effekte so gut wie keine Rolle.

Aktien sind immer mit entsprechend hohen Risiken verbunden

In Aktien zu investieren ist eine prinzipielle und strategische Entscheidung. Entweder macht man es, und ist bereit, die entsprechenden Risiken zu tragen oder eben nicht. Aber die Idee, dass Aktien heute risikoreicher sind als ein paar Wochen später ist letztlich ein Illusion.

Die größten Gefahren sind sowieso diejenigen, an die momentan niemand denkt. So eine Sache wie die Griechenland-Krise kann keinen Anleger mehr überraschen, und somit nicht für übermäßiges Abwärtspotenzial sorgen.

Das Wichtigste aber ist folgendes. Wenn der Anleger warten möchte, bis sich die Griechenland-Krise gelöst hat, wird er dann mit Sicherheit deutlich höhere Kurse zu zahlen haben als derzeit.

Es gibt den Börsenspruch: „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“. Das ist die Essenz des antizyklischen Investierens. Wer in einer Phase einsteigt, in der Griechenland die Kapitalmärkte beunruhigt, wird deutlich günstiger Einstiegskurse zu zahlen haben. Er braucht aber eben vor allem eines: Mut.

Und da wir Menschen zu prozyklischem Verhalten neigen, fehlt sehr vielen Anlegern in turbulenten Marktphasen genau der Mut, der für gute Gewinne notwendig wäre.

Antizyklische Vermögensverwaltung mit ETFs

Eine meiner Strategien als Vermögensverwalter besteht darin, ein ETF-Porftfolio zusammenzustellen, Soll-Quoten festzulegen und dann möglichst häufig ein sogenanntes Reblancing durchzuführen (siehe auch ETF-Vermögensverwaltung München).

Diese Strategie kann man vereinfacht so beschreiben. Nehmen wir folgendes (wie gesagt vereinfachend) an: 70% des Vermögens soll in einen DAX-ETF angelegt werden und 30% in einen Renten-ETF. Man wählt sich also entsprechende ETFs aus, aber bereits nach ein paar Tagen, stimmt die Ist-Quote nicht mehr mit der Soll-Quote überein.

Ist der DAX beispielsweise gestiegen, dann ist die Ist-Quote möglicherweise: 75% DAX, 25% Renten-ETF. Das Rebalancing besteht dann darin, für 5% DAX-ETFs zu verkaufen, um von dem Verkaufserlös Renten-ETFs zu kaufen.

Ist der DAX hingegen gefallen, dann ist die Quote vielleicht bei: 65% DAX, 35 Renten-ETF. Das Rebalancing besteht jetzt darin, für 5% Renten-ETFs zu verkaufen, um DAX-ETFs nachzukaufen.

Man verkauft also immer tendenziell das, was gerade im Wert gestiegen ist, und kauft  das, was gerade gefallen ist. Diese Art des Geldanlegens ist antizyklisch.

In den turbulenten letzten Wochen stand ich immer auf der Käuferseite. Heute am 22.6.2015 ist die Börse fast 3% gestiegen. Da freue mich und verkaufe wieder ein wenig. Immer schön antizyklisch.  Aber wie gesagt, das ist nichts für schwache Nerven.

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