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Seit 25 Jahren gibt es Zertifikate

Heutzutage ist das Wort „Zertifikat“ für viele Anleger negativ besetzt. Man assoziiert damit die Lehman-Pleite, Emittentenrisiko und Verluste während der Finanzkrise. Vergessen ist, dass vor 25 Jahren mit den ersten Zertifikaten eine Revolution stattfand, und zwar im positiven Sinne. Lange Zeit galten Zertifikate hervorragende Finanzinstrumente, mit denen der Anleger kostengünstig und sehr effizient sein Geld anlegen konnte.

Die Frage ist, wie es zu der Veränderung in der Bewertung von Zertifikaten gekommen ist…

Der 11. Juli 1990 ist der Geburtstag der Zertifikate

Am 11. Juli 1990 emittierte die Dresdner Bank den sogenannten DAX-Partizipationsschein mit der Wertpapierkennnummer 879463. Heute würde man dieses Wertpapier ein Indexzertifikat nennen. Damals war diese Art von Wertpapieren ein Novum.

Anleger konnten damals nur in Aktien, Anleihen und Fonds investieren. Wenn man in einen Börsenindex wie beispielsweise den DAX kostengünstig anlegen wollte, so stand einem damals kein Finanzprodukt zur Verfügung. Alle Fonds damals waren aktiv gemanagt mit einer Kostenbelastung um die 1,7% p.a., Indexfonds (auch ETFs genannt) gab es damals noch nicht.

Mit dem DAX-Partizipationsschein der Dresdner Bank konnte man damals erstmalig  mit einem einzigen Wertpapier kostengünstig und effizient in einen Index anlegen. Für Privatanleger eröffnete sich somit das erste Mal die Möglichkeit fürs passive Investieren. Das heißt, dass man einfach nur an der Wertentwicklung eines Börsenindex teilhaben konnte, und nicht sein Geld einem Fondsmanager anvertrauen musste, der durch seine aktiven Anlageentscheidungen versucht, seinen Vergleichsindex zu schlagen.

Heute wissen wir, dass es sowieso den aller wenigsten aktiven Fondsmanagern gelingt, langfristig ihren Vergleichsindex zu schlagen. Gemäß einer aktuellen Studie lagen 83 % der aktiven Fondsmanager in 2014 hinter ihrem Vergleichsindex.

Wie Zertifikaten ihre Unschuld verloren

Nach dem Start mit dem Dresdner Bank DAX-Partizipationsschein entwickelte sich der Zertifikate-Markt Anfang der 1990er-Jahre zunächst zaghaft. Nach und nach kamen weitere Zertifikate hinzu, in der Regel weitere Indexzertifikate.

Der Boom ging aber erst ab der Mitte der 1990er-Jahre los. Aufgrund des Erfolgs damals kamen die Emittenten auf die Idee, immer weitere Arten von Zertifikaten aufzulegen. So tauchten neben den ursprünglichen Indexzertifikaten plötzlich Discountzertifikate auf, sowie Bonuszertifikate, Express-Zertifikate, Garantiezertifikate, etc. etc.

Während ein Indexzertifikat noch sehr leicht zu verstehen war, wurden diese Finanzinnovationen immer komplizierte strukturiert. So dass ein normaler Privatanleger sie am Ende nicht einmal mehr ansatzweise verstehen konnte.

Die Zertifikate wurden also immer intransparenter. Und das half den Emittenten dabei, die Kosten zu verstecken. Auf diese Weise wandelte sich eine zunächst sehr positive Finanzinnovation immer mehr zu einem undurchschaubaren Finanzprodukt.

Ende der 1990er-Jahre kamen die ersten Warner. Manche Finanzexperten warnten davor, dass einige Zertifikate für Privatanleger letztlich nicht geeignet sind. Man muss hier zwischen den verschiedenen Arten von Zertifikaten unterscheiden. Bis heute halte ich Indexzertifikate (auf Performance-Indizes) sowie Discountzertifikate für sinnvoll. Von anderen Arten von Zertifikaten (wie beispielsweise Express-Zertifikaten oder Knock-Out-Zertifikaten)  sollte man lieber die Finger lassen.

Emittentenrisiko bei Zertifikaten

Was aber bei allen Zertifikaten von Anfang an besteht ist das sogenannte Emittentenrisiko. Damit ist das Verlustrisiko im Falle der Insolvenz des Emittenten gemeint. Diese Art von Risiko ist für sich genommen nichts Zertifikate-Spezifisches. Auch bei herkömmlichen Anleihen gibt es selbstverständlich ein Emittentenrisiko.

Als 2008 die amerikanische Bank Lehman Brothers Pleite ging, hatte sie zuvor am deutschen Markt einige Zertifikate an Privatanleger platziert. Viele Privatanleger waren dann überrascht, dass die Insolvenz von Lehman Brothers auch für ihre Lehman-Zertifikate herbe Verluste bedeutete. Offenbar wurden sie vorher von ihren Bankberatern nicht richtig über das Emittentenrisiko aufgeklärt.

Seitdem assoziieren Privatanleger mit dem Wort „Zertifikat“ vor allem das damit verbundene Emittentenrisiko.

Und überhaupt waren Zertifikate mit einem Male negativ belegt. Denn mit Zuge der Finanzkrise rächte es sich, dass viele Anleger die Struktur ihrer Zertifikate nicht richtig verstanden hatte. Im Zusammenhang mit Zertifikaten erlebten sie so manche böse Überraschung.

All das führte zu einer Diskreditierung von Zertifikaten im Allgemeinen.

Die Wahrheit ist, dass man sehr wohl auch heute geeignete Zertifikate finden kann. Man muss nur wissen, was man tut. Gegebenenfalls sollte man sich durch einen kompetenten Anlageberater beraten lassen. Aber natürlich am besten durch einen solchen Berater, der bankenunabhängig arbeitet. Siehe beispielsweise: Anlageberatung München.

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2 Antworten
  1. Michael Huber
    Michael Huber says:

    Hallo Herr Dr. Peterreins,

    dem kann ich in keinster Weise zustimmen. Kein größerer Investor würde jemals auf die Idee kommen und Zertifikate kaufen, da das reine Retailprodukte sind.

    Wie wollen Sie den Preis eines Zertifikats beurteilen? Können Sie nicht.

    Zertifikate sind unbrauchbar und ich finde es merkwürdig, dass Sie diese Ihren Kunden anbieten. Würde mein Vermögensverwalter mir Zertifikate anbieten, dann würde ich eben diesen wechseln, da es ihn disqualifiziert.

    Beste Grüße!

    Michael Huber

    Antworten
    • Peterreins
      Peterreins says:

      Naja, ein DAX-Zertifikat ist sehr einfach zu berechnen. Da ist überhaupt nichts dabei. Auch der faire Preis eines Discountzertifikats ist relativ einfach zu berechnen (ich jedenfalls kann das auf einem Excel-Spreads innerhalb von einer Minute). Wo ich Ihnen aber recht gebe, ist, dass es sehr viele andere Arten von Zertifikaten gibt, deren Fairer Preis nicht einfach zu berechnen ist. Dazu gehören Bonuszertifikate, Turbozertifikate alle möglichen Knock-in- oder Knock-out-Zertifikate. Bei diesen Finanzprodukten kann ich nur jedem raten, die Finger davon zu lassen.
      Es ist hier wie mit den Pilzen: Es gibt giftige und es gibt gute bekömmliche. Man kann aber nicht sagen, dass Pilze generell schlecht sind. Ebenso sind Zertifikate nicht generell schlecht. Man muss hier (wie auch bei Pilzen) unterscheiden können. Und wer es sich selbst nicht zutraut, kenntnisreich zu unterscheiden, der hat zwei Möglichkeiten: a) er lässt generell die Finger von Zertifikaten/Pilzen, oder b) er zieht einen kundigen Experten hinzu.
      Klar ist aber: In den 1990er Jahren waren Privatanleger mit einem simplen Indexzertifikat auf einen Performance-Index besser bedient als mit einem herkömmlichen aktiv gemanagten Fonds. ETFs gibt es ja erst seit den 2000er-Jahren. Und warum wurden damals diese (guten) Indexprodukten nicht Anlegern empfohlen, bzw. sogar madig gemacht? Weil der Anlageberater damals daran keine Provisionen verdient hat.

      Antworten

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