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Verbund von Honorarberatern vermittelt Provisionsberater

Ein Anleger, nennen wir ihn Herrn X, hat mich vor etwa zwei Wochen kontaktiert. Er war bei einem (angeblichen) Honorarberater und wollte jetzt noch eine Zweitmeinung zu dessen Anlagevorschlägen von mir.

In den Medien heißt es ja immer, dass man in Finanzdingen lieber zu einem Honorarberater gehen sollte als zu einem herkömmlichen, provisionsorientierten Finanzberater. Deswegen war Herr X auf die Suche nach einem Honorarberater gegangen. Nur: Wie findet man einen guten Honorarberater?

Herr X. dachte, dass er sich über einen großen Verband von Honorarberatern einen empfehlen lassen kann. Auf seiner Internet-Seite wirbt dieser Verband damit, dass die bei ihm registrierten Berater sich unter anderem auf bestimmte Leitlinien der Honorarberatung verpflichtet hätten.

Interessant ist, auf was für eine Art Berater Herr X auf diese Weise gestoßen ist …

Zu den Leitlinien der Honorarberatung, an die sich alle Mitglieder des genannten Verbands von Honorarberatern gebunden fühlen sollen, gehören unter anderem:

  • Honorarberatung soll nur nach Zeitaufwand vergütet werden.
  • Honorarberatung beruhe auf Transparenz und jegliche offenen oder versteckten Vergütungen durch Dritte (auch „Provisionen“ genannt) sollen abgelehnt werden
  • Es soll ausschließlich das Kundeninteresse im Vordergrund stehen.
  • Aufklärungspflicht bei möglichen Interessenkonflikten.

Man möchte meinen, dass ein Berater, der über einen solchen Verband empfohlen wird, schon sehr hohe Qualitätskriterien erfüllt.

Honorarberatung muss einige Qualitätskriterien erfüllen

Umso bemerkenswerter war, an was für einen Finanzberater Herr X auf Empfehlung dieses Verbands geraten ist. Nennen wir diesen Berater Herrn Y. Er ist wohlgemerkt bei diesem Verbund von Honorarberatern registriert und so kam Herr X an ihn.

Herr Y hatte nach langen Gesprächen folgenden Anlagevorschlag für Herrn X:

  1. Einmalanlage in einen geschlossenen Dach-Beteiligungsfonds
  2. Einmalanlage in einen zweiten geschlossenen Dach-Beteiligungsfonds
  3. Einmalanlage in einen dritten geschlossenen Dach-Beteiligungsfonds
  4. Einmalanlage in einen US-amerikanischen Immobilienfonds
  5. Ein Direktinvestment in Dubai
  6. Gold
  7. Verschiedene weitere Metalle
  8. Eine kombinierte Kapitallebens- und BU-Versicherung
  9. Monatliches Ansparen von 200 Euro in eine fondsgebundene Rentenversicherung.

Sieht man sich diesen Anlagevorschlag einmal an, so muss man sich zunächst wundern, dass eine ganze Reihe eher fragwürdiger und sehr kostenintensiver Anlageformen empfohlen werden.

Zu den fragwürdigen Anlagevorschlägen zähle ich das Direktinvestment in Dubai. Haben sich nicht bereits genug Anleger die Finger an Immobilien in Dubai verbrannt? Auch bei der Investition in die verschiedenen Metalle frage ich mich, was sich Herr Y hier gedacht hat.

Zufälligerweise hatte ich den vorgeschlagenen US-Immobilienfonds bereits einmal für einen anderen Kunden analysiert. So wusste ich, dass die Zielinvestments dieses Fonds 4% Rendite p.a. erzielen müssen, nur damit der Anleger am Ende auf plus/minus Null kommt.

Jeder Fachkundige weiß, dass es bei geschlossenen Dach-Beteiligungsfonds zu einer unseligen Akkumulation von Kosten kommt. Ich habe mir einen dieser Dachfonds angesehen und bereits auf Dachfondsebene fallen Anfangskosten von fast 10% an.

Aufschlussreich ist hier, dass der Initiator im Risikoteil des Verkaufsprospekt darauf hinweist, dass die laufenden Kosten auf Dachfondsebene möglicherweise höher ausfallen als kalkuliert. Es wird auch darauf hingewiesen, dass die Rabatte auf die Anschaffungskosten für die Zielfonds (auch Provisionen genannt) möglicherweise geringer ausfallen werden als erwartet. Interessant ist auch der Hinweis, dass Interessenkonflikte nicht auszuschließen sind, weil die Initiatoren auch mit den in Frage kommenden Zielfonds verflochten sein können. (Oje, kann ich da nur sagen…)

Nicht überall, wo „Honorarberatung“ draufsteht, ist auch Honorarberatung drin

Das Beste kommt aber noch. Der Kunde hat in einer Übersicht sauber die verschiedenen Anlagevorschläge aufgelistet. Und darin hat er unter anderem aufgelistet, was ihm Herr Y als „einmaliges Honorar“ genannt hat, nämlich:

  • Honorar für den ersten Dach-Beteiligungsfonds: „5% Agio = 1200 Euro“
  • Honorar für den zweiten Dach-Beteiligungsfonds: „5% Agio = 1200 Euro“
  • Honorar für den dritten Dach-Beteiligungsfonds: „5% Agio = 1200 Euro“
  • Honorar für den US-Immobilienfonds: „5% Agio = 900 Euro“
  • Honorar für das Dubai-Direktinvestment: „4% Agio = 720 Euro“
  • Honorar für Gold und andere Metalle: „5% Agio = 780 Euro“
  • Honorar für die fondsgebundene RV: „6028 Euro“
  • Laufendes Honorar von 16 Euro pro Monat für die fondsgebundene RV (bezogen auf einen Sparbetrag von 200 Euro pro Monat entspricht dies einem Ausgabeaufschlag von sage und schreibe 8%!).

Würde Herr X bei dem „Honorarberater“ Y abschließen, so würde für ihn mindestens Kosten in Höhe von 15.000 Euro anfallen. Diese Kosten nennt Herr Y „einmaliges Honorar“. Früher hat man so etwas schlicht „Provision“ genannt.

Herr Y ist also ein ganz herkömmlicher, normaler provisionsorientierter Finanzberater, der auf die Idee gekommen ist, Provisionen als „Honorare“ umzudeklarieren. Und wenn Provisionen nicht mehr Provisionen heißen, sondern „Honorare“, hurra, dann gehört man ja mit einem Schlag zu den „Guten“. Denn Honorarberater sind doch die Guten, nicht wahr?

Als ich das gesehen habe, konnte ich fast meinen Augen nicht trauen. Es zeigt aber tatsächlich eine Tendenz, die ich in letzter Zeit verstärkt wahrgenommen habe. Nicht selten sogar die übelste Sorte der provisionsorientierten Finanzberater laufen inzwischen herum und nennen sich – dem Zeitgeist entsprechend – „Honorarberater“.

Beispielsweise habe ich bereits im Oktober 2013 einen Blog-Beitrag geschrieben mit dem Titel „Nicht jeder Honorarberater ist wirklich unabhängig„. Der „Honorarberater“, um den es dort damals ging, hat seine Firma inzwischen Konkurs gehen lassen, seine Anleger hat er mit horrenden Verlusten im Stich gelassen.

In dem aktuellen Fall ist die Sache auch deswegen so brisant, weil der angebliche „Honorarberater“ von einem Verbund von Honorarberatern vermittelt wurde. Und zwar einem Verbund, wie gesagt, der mit sehr hohen Ansprüchen Werbung macht. Kann man also selbst solch einem Verbund nicht vertrauen?

Der Kunde hat mir übrigens mitgeteilt, dass er sich bei diesem Verbund über Herrn Y beschwert hat und bis zum dem Zeitpunkt als ich ihn das letzte mal sprach (1 Woche nach der Beschwerde) noch keine Antwort von dem Verbund erhalten hat.

Aber sehen wir uns noch einmal die Sache genauer an. Eine Honorarberatung soll laut den Leitlinien des Verbundes nur nach Zeitaufwand vergütet werden. Bei den oben aufgelisteten „Honoraren“ handelt es sich um klassische Vermittlungsvergütungen. Das sind Vergütungen, die ein Produktanbieter zahlt für den Fall, dass es zu einem Abschluss kommt. Das Kriterium, dass nur nach Zeitaufwand honoriert wird, ist offensichtlich nicht gegeben. Der Finanzberater Y verdient also vor allem dann, wenn er den Kunden zu einem Abschluss überreden kann.

Somit ist  es auch fraglich, wie sehr für Herrn Y tatsächlich das Kundeninteresse im Vordergrund steht. In jedem Fall müsste er über einen möglichen Interessenkonflikt aufmerksam machen.

Ein weiterer Grundsatz für die Honorarberatung laut der Homepage des Verbundes ist;

  • Honorarberatung beruhe auf Transparenz und jegliche offenen oder versteckten Vergütungen durch Dritte sollen abgelehnt werden

Aber das, was Herr Y als „einmaliges Honorar“ bezeichnet hat, sind exakt Vergütungen durch Dritte. Besonders traurig ist, dass Herr Y auch noch unkorrekt war, was die versteckten Vergütungen betrifft. Denn bei den vorgeschlagenen geschlossenen Fonds gibt es neben dem Agio auch noch eine versteckte Provision. Laut Herrn X hat dieser „Honorarberater“ ihn nicht auf solche versteckten Provisionen aufmerksam gemacht.

Von Transparenz, Offenlegung und Ablehnung offener oder versteckter Provisionen keine Spur! Aber Herr Y behauptet, eine „Honorarberatung“ anzubieten und wird auch noch von einem Verbund von Honorarberatern vermittelt!

Herr X hatte Glück, weil ihm sein Bauchgefühl sagte, dass hier irgendwas nicht stimmt. Mich würde aber interessieren, wie viel Schaden derzeit unter dem Deckmantel einer angeblichen „Honorarberatung“ verursacht wird.

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