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Warum ich von Börsenbriefen nichts halte

Viele Börsenbriefe kommen marktschreierisch daher und werben aggressiv um Kunden. Ich habe eben mit dem Stichwort „Börsenbrief“ im Internet gesucht. Und dann springen mich sofort folgende Zeilen an:

  • „51% seit 2013 – Überzeugend erfolgreich seit Jahren. Jetzt anmelden für nur 199 € p.a.“
  • „Ihre Börsenprofis für mehr Gewinn in 2015“
  • „3000 € Gewinn pro Monat durch Daytrading“
  • „Jetzt KRISENSICHER INVESTIEREN (sic!) 30 Tage kostenlos testen“
  • „+10,4% mit US-Treasuries und +23,8% mit Trendfolgefonds“
  • „Unser Musterdepot hat seit Bestehen 74% Rendite erzielt!“
  • etc. etc.

Was ist von solchen Angeboten zu halten?

Börsenbriefe verkaufen Gewissheit, wo es keine Gewissheit gibt

Das Problem mit Börsenbriefen ist, dass sie vorgeben, Dinge zu wissen, die man eigentlich nicht wissen kann. Sie geben Prognosen ab über künftige Entwicklungen an den Kapitalmärkten. Beispielsweise, dass eine bestimmte Aktie steigen wird, dass ein Crash unmittelbar bevorsteht, dass ein bestimmter Rohstoff kurz vor eine Rallye steht oder dass ein Devisenkurs sicher nicht eine bestimmte Marke überschreiten wird.

Man kann sich hier immer fragen: Woher will das denn der Börsenbriefschreiber wissen? Warum sollte dieser Mensch mehr wissen oder können als alle anderen Menschen?

Jeder, der sich mit Kapitalmarktprognosen beschäftigt hat, weiß, dass sie durchschnittlich in (mindestens) 50% der Fällen falsch sind. Das ist das Ergebnis aller systematischen Studien zu diesem Thema.

Behauptet jemand von sich, deutlich bessere Trefferquoten zu haben, so ist das etwa so als würde jemand behaupten, er könne wahrsagen. In jedem Fall widerspricht es jeder Wahrscheinlichkeit und ein solcher Glaube ist eigentlich ein Glaube an mysteriöse Wunder.

Seriöse Anlageberater geben ihr Nicht-Wissen zu

Das ist auch der Unterschied zu einem serösen Anlageberater. Ein solcher würde nämlich niemals mit Selbstbewusstsein behaupten, dass man mit seinen Tipps nur Gewinne machen könne. Vielmehr ist die Rendite selbstverständlich abhängig von Risiken. Und Risiko bedeutet, dass Dinge auch anders laufen können als gedacht.

Wer auf diese Weise zugibt, keine Gewissheiten zu haben, verkauft sich natürlich schlechter. Börsenbriefe hingegen, die mit Selbstbewusstsein behaupten, ein unumstößliches Wissen für sich gepachtet zu haben, haben für viele Anleger die Aura des Genies, des Börsengurus oder des unangefochtenen Experten.

Es waren aber im Geldanlagebereich schon immer genau jene Selbstbewussten, die vermeintliche Gewissheiten für sich beanspruchen, die sich selbst und auch andere in finanzielle Desaster gestürzt haben. Wer unsicher ist, verkauft sich selbst nicht so gut, agiert und berät dagegen vorsichtig und zurückhaltend.

Das falsche Bild vorm Börsenerfolg

Leider gibt es bei vielen Menschen in unserer Gesellschaft ein falsches Bild vom erfolgreichen Börsentrader. Viele meinen, dass es bestimmte Methoden, bestimmte Fähigkeiten oder ein bestimmtes Wissen gibt, so dass der eingeweihte unweigerlich hohe Gewinne an der Börse erzielen kann.

Man hat nicht selten das Bild eines Börsenhändlers, der ständig am PC sitzt, Charts und Marktpreise beobachtet und exakt im richtigen Moment weiß, wann etwas zu kaufen oder zu verkaufen ist.

Oft gehen solche Vorstellungen auch mit einer Art Verschwörungstheorie einher. Etwa, dass die großen Banken sehr wohl wüssten, wie man an der Börse exorbitant hohe Renditen mit hoher Sicherheit erspekulieren könnte, und dass diese Banken nur dieses Wissen geheim halten. Ein Börsenbrief wäre somit ein Weg, um an dieses vermeintliche Geheimwissen heranzukommen. Manche Börsenbriefe verkaufen sich auch exakt so.

Ein solches Bild vom erfolgreichen Börsentrader ist aber definitiv falsch und hat sehr wenig mit der Realität zu tun. Erfolgreich ist man an den Kapitalmärkten in erster Linie mittels eines adäquaten Risikomanagements. Und das bedeutet, dass man sich darüber Gedanken macht, wie zu handeln ist für den Fall, dass die Dinge anders laufen als gedacht.

Vom Problem der Verführung

Wer in ein Spielcasino geht, ist zunächst selbst schuld. Jeder müsste eigentlich wissen, dass die Chancen im Casino zu gewinnen eher schlecht stehen, dass Verluste wahrscheinlich sind. Das ist sicherlich so.

Und dennoch arbeiten die Spielcasinos systematisch daran, die Leute zum spielen zu verführen. In Las Vegas beispielsweise stehen mehrere Hundert „Einarmige Banditen“ in einer Halle. Rein nach der Wahrscheinlichkeit zahlt irgendeiner dieser Spielautomaten einen Gewinn aus, und zwar mit großem Trara: Die Münzen klirren absichtlich laut und lange, eine Sirene geht los, blinkt und piepst mindestens eine Minute. An den Wänden hängen viele Fotos von früheren glücklichen Gewinnern.

Den Menschen wird so suggeriert, dass ständig jemand gewinnt. Das Verlieren geschieht ziemlich unspektakulär und lautlos. All das sind bewusste Maßnahmen, um die Casion-Besucher zum Spielen zu verführen.

Und ganz ähnlich ist es mit Börsenbriefen. Einerseits ist jeder Anleger selbst dafür verantwortlich, einen Börsenbrief (für teures Geld) zu abonnieren und sich auf die dort gegebenen Anlageempfehlungen einzulassen. Andererseits ziehen die Börsenbriefe alle Register, um Leute dazu zu verführen. Wer eine Neigung dazu hat, muss schon sehr, sehr stark sein, sich durch die Sprüche der Börsenbrief-Werbung nicht verführen zu lassen.

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