Nur wenige kümmern sich …

Ich habe letztens von einer Umfrage zum Anlegerverhalten in Deutschland gelesen. Danach würden sich nur ein Fünftel der 20- bis 59-Jährigen gerne mit Finanzen auseinandersetzen. Bei jüngeren Menschen sieht die Quote noch schlechter aus, demnach hätten 59 Prozent der Anleger zwischen 20 und 29 Jahren ein unzureichendes Finanzwissen.

Wir haben es also im großen Stil mit unmündigen Bürgern zu tun, was Finanzangelegenheiten betrifft.

Umgekehrt könnte man gegenhalten: Warum sollte man über Finanzdinge Bescheid wissen? Nicht jeder muss in allem ein Experte sein.

Nehmen wir einmal als Vergleich das Wissen rund ums Auto. Auch hier wird nur ein kleiner Bruchteil von Deutschen wirklich Ahnung haben. Macht ja auch nichts, denn wenn etwas mit dem Auto nicht stimmt, geht man einfach in eine Autowerkstatt und das Problem wird wahrscheinlich behoben werden.

So sieht man, dass das Problem um unzureichendes Finanzwissen eigentlich ein Problem unzureichender Finanzberatung ist. Denn hätten wir in Deutschland großflächig eine hervorragende Beratung durch Bankberater oder freie Finanzberater, dann wäre das mangelnde Finanzwissen so vieler Deutscher ohne Belang. Wer keine Ahnung auf dem Gebiet der Finanzen, geht einfach zu einem Finanzberater (wie ein Autobesitzer in einem Kfz-Werkstatt) und wird dann eine Lösung seines Anliegens bekommen – so der Idealfall.

Da aber die Gilde der Bank- und Finanzberater einen so schlechten Ruf hat, sind eigene Kenntnisse gefordert. So als gäbe es in ganz Deutschland so gut wie keine zuverlässigen Kfz-Werkstätten, dann wäre es auch wichtig, dass sich die meisten Deutschen selbst mit ihrem Fahrzeug auskennen.

Die Frage ist aber auch: Ist das was ein KFZ-Meister weiß und kann vergleichbar mit dem, was ein Finanzberater können und wissen sollte?

Denn meiner Meinung nach fängt exakt hier das Problem an. Bei einem Auto ist ziemlich klar, was in Ordnung ist und was nicht, und wie der Schaden zu beheben ist. Im Finanzbereich gibt es normalerweise leider keine eindeutigen und unumstößlich richtigen Antworten. Hier geht es viel mehr um solche Dinge wie Wahrscheinlichkeiten, Vermutungen, unbestimmten Zukunftserwartungen, subjektiven Vorlieben etc.

Viele angebliche Finanzexperten behaupten zudem ein Wissen zu haben, das – näher beleuchtet – gar kein Wissen ist. Leider herrscht in der Finanzbranche der schöne Schein vor, mit dem der eigene Verstand und der des Anlegers vernebelt wird. „Chartanalyse“, „Fundamentalanalyse“, oh was gibt es da alles für nette Worte und Theorien. Und leider – nichts wert!

Das dumpfe Gefühl vieler Anleger ist somit auch: Es geht nicht darum, dem Anleger mit einem speziellen Expertenwissen zu helfen, sondern darum durch einen Wortschwall ein Wissen vorzugaukeln, um dem Anleger bestimmte Finanzprodukte oder Finanzdienstleistungen zu verkaufen. Man spürt, dass der Finanzberater eigentlich nur ein Verkäufer ist, der einem wortreich etwas andrehen möchte, um selbst gut zu verdienen.

Daher ja auch die aktuelle Kritik an der provisionsorientierten Finanzberatung. Hinter dieser Kritik steht eigentlich die Kritik am Finanzberater als Verkäufer.

Diese Kritik greift, wenn man so will, nur leider zu kurz. Denn auch ein Honorarberater kann ein bloßer Verkäufer sein. Er verkauft eben nicht ein Finanzprodukt, sondern eine (möglicherweise überteuerte) Finanzdienstleistung. Und umgekehrt kann ein durch Provisionen finanzierter Berater korrekt sein und nicht bloßer Verkäufer sein. So einfach ist es leider nicht.

Das beste Kriterium, um zu erkennen, ob es einem Berater nur ums verkaufen geht (egal ob ein Finanzprodukt oder eine Finanzdienstleistung auf Honorarbasis), ist, wie freimütig der Berater dem Anleger erklärt, wie der Anleger seine Finanzangelegenheiten ganz alleine (ohne weitere Hilfe des Finanzberaters) auf die Reihe bringen kann.

Und die Wahrheit ist, dass das gar nicht so schwierig ist. Es sind gerade die verkaufsorientierten Finanzberater, die aus dem Thema Finanzen eine schwer durchschaubare, sehr komplizierte Sache machen. Die Botschaft dieser Berater ist: „Das alles ist so schwierig, du selbst kannst das alleine auf keinen Fall. Vielmehr bist du auf mich angewiesen, nur mit mir kannst du deine Finanz- und Vermögensangelegenheiten geregelt bekommen.“

Und hier ein Abriss dieser ganz einfachen Wahrheiten:

  • Wer maximale Sicherheit möchte, ist mit Tagesgeld am besten aufgehoben (interessant ist, dass in den Medien und durch viele Berater das Tagesgeld so schlecht geredet wird. Warum? Weil es zu einfach ist, und kaum einer was dran verdient)
  • Wer mehr Rendite möchte, als mit Tagesgeld möglich ist, ist immer (immer, immer, immer!) bereits irgendwie im Risiko. Höhere Renditen bei maximaler Sicherheit gibt es nicht.
  • Und daher sollte jeder, der höhere Renditen anstrebt, sich a) der Risiken bewusst sein, und b) sich Gedanken um ein geeignetes Risikomanagement machen.
  • Überhaupt: Unnötige Risiken sind dumme Risiken. Welche Risiken im Finanzbereich notwendig sind und welche nicht, ergibt sich aus den Anlagezielen, die ein Anleger verfolgt (meiner Erfahrung nach machen sich die Anleger viel zu wenig Gedanken darüber, was sie mit ihrer Geldanlage eigentlich wollen.)
  • Und wer in Risiken gehen möchte, ist mit ETFs am besten dran.
  • Ferner sollte man auf eine gute Diversifikation achten  (seltsamerweise übersehen das ständig viele Anleger – übrigens gerade bei Immobilieninvestments)
  • Von Prognosen und auf Timing-Versuchen sollte man Abstand nehmen.

 

1 Antwort
  1. Thinking
    Thinking says:

    Vielen Dank für die Liste der „einfachen Wahrheiten“. Soweit ich die veröffentlichten Beiträge verschiedener Finanzberater und die Vorschläge in Finanzzeitschriften überblicke, sind Sie der Einzige, der den Unterschied einer Tagesgeldanlage mit anderen Anlagemöglichkeiten so eindeutig erklärt.

    Antworten

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