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Bewertung einer fondsgebundene Lebensversicherung

Ich habe vor kurzem eine fondsgebundene Lebensversicherung für einen Kunden analysiert. Der Vertrag sieht vor, dass der Kunde noch über mehr als 20 Jahre 300 Euro einzahlt. Was am Ende herauskommt, hängt wesentlich davon ab, welche Rendite die  gewählten Fonds erzielen werden. Das ist natürlich die große Unbekannte.

Immerhin gibt die Versicherungsgesellschaft an, welche Beträge zur Auszahlung kommen werden in Abhängigkeit von der durchschnittlichen Rendite der Investmentfonds:

  • bei 0% Rendite: 287.500 Euro, nach Steuern 287.500 Euro
  • bei 3% Rendite: 430.400 Euro, nach Steuern 412.900 Euro
  • bei 6% Rendite: 689.800 Euro, nach Steuern 633.450 Euro
  • bei 9% Rendite: 1.17.800 Euro, nach Steuern 1.050.900 Euro.

Die Frage ist, ob das für den Kunden attraktiv ist oder nicht?

Um diese Frage entscheiden zu können, muss man sich ansehen, was eine einfache Alternative bringen würde. Die einfachste Alternative ist ein ETF-Sparplan.

Nehmen wir an, dass der Kunde die 300 Euro im Montag künftig nicht mehr in die Versicherung, sondern in einen vergleichbaren ETF einzahlt. Vergleichbar bedeutet: Ein solcher ETF, der in seiner Risiko/Rendite-Struktur mit denen im Versicherungsvertrag gewählten Investmentfonds entspricht.

Was würde bei einem solchen ETF-Sparplan herauskommen?

Bei der Berechnung muss man die Kostenbelastung berücksichtigen, die mit den im Versicherungsvertrag gewählten Fonds verbunden sind. Bei genauer Betrachtung sieht man, dass diese Kostenbelastung bei diesen Fonds bei etwa 1,94% liegt. Ich nehme einmal an, dass eine entsprechende kostengünstige Alternative nicht mehr als 1,20 % p.a. kostet (das ist großzügig gerechnet).

Die vorausgesetzt, erhält man für den alternativen Fondssparplan folgende Ergebnisse:

  • Bei einer Rendite von 0% hat der Kunde am Ende nach Steuern  333.100 Euro (also 45.000 Euro mehr im Vergleich zur fondsgebundenen LV)
  • Bei einer Rendite von 3% hat der Kunde am Ende nach Steuern  465.800 Euro (also 52.000 Euro mehr im Vergleich zur fondsgebundenen LV)
  • Bei einer Rendite von 6% hat der Kunde am Ende nach Steuern  704,000 Euro (also 70.000 Euro mehr im Vergleich zur fondsgebundenen LV)
  • Bei einer Rendite von 9% hat der Kunde am Ende nach Steuern  1.145.000 Euro (also 95.000 Euro mehr im Vergleich zur fondsgebundenen LV)

Angesichts dieser Zahlen muss man sich wundern, dass der Kunde überhaupt die fondsgebundene LV abgeschlossen hat. Offenbar wurde ihm eine vernünftige Alternative niemals aufgezeigt.

Stattdessen wird mit „steuerlichen Vorteilen“ bei Versicherungsverträgen geworben, die Rechnung bleibt aber auf halbem Wege stehen. Denn was nützt es mir wenn ich einerseits beispielsweise 1000 Euro Steuern sparen, dafür aber 2000 Euro kosten in Kauf nehmen muss?

Meiner Erfahrung nach sind die allermeisten fondsgebundenen Renten- oder Lebensversicherungsverträge ein trauriges Beispiel dafür, dass entweder vielen Finanzberatern nicht rechnen können, oder es ihnen nur um die eigene Provision geht. Schlimmstenfalls trifft sogar beides zu.

 

2 Antworten
  1. Gast
    Gast says:

    Ihre Kritik scheint mir etwas pauschal zu sein. Bei fondsgebundenen Lebensversicherungen kann man häufig zwischen verschiedenen Fonds hin- und herschichten, ohne Abgeltungssteuer zu zahlen. Dies ist bei einem Depot hingegen nicht möglich. Sollten sich die Anlage-Schwerpunkte des Kunden also einmal ändern (weswegen auch immer), könnte er im Rahmen der LV flexibler agieren, ohne Steuern zahlen zu müssen.

    Allerdings bin ich überrascht, dass die LV im Vergleich so gut abschneidet: Da knappst sich der Versicherer ja verhältnismäßig wenig ab, oder? Immerhin hat der Versicherte ja auch einen Todesfallschutz, den er bei einem ETF-Sparplan nicht hätte?

    Fraglich scheint mir vor allem, ob die Investmentfonds überhaupt eine so hohe Rendite erwirtschaften wie die ETFs. Statistisch gesehen ist dies nicht sehr wahrscheinlich.

    Antworten
  2. Gast2
    Gast2 says:

    Natürlich sind Versicherungslösungen meist sehr kostenlastig. Trotzdem bin ich mit meinen Abschlüssen zufrieden. Zum einen habe ich jetzt schon eine Rentengarantie, die mir ihr Sparplan nicht bieten kann. Und eine lebenslange Rente kann er mir auch später nicht bieten. Und zum anderen habe ich eine Beitragsbefreiung im Fall der Berufsunfähigkeit vereinbart, die ohne Gesundheitsfragen möglich war. Auch das kann mir ihre Variante nicht bieten.

    Antworten

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