Kleiner Börsenausblick

Das Börsenjahr 2013 war sehr positiv. Einen starken Anstieg erlebten wir vor allem im Mai, der allerdings mit einer unruhigen Börse im Juni gefolgt wurde. In 2013 sorgten vor allem zwei Dinge für Verunsicherung: erstens der schwelende US-Haushaltsstreit und zweitens die Frage, ob die europäische Staatsschuldenkrise tatsächlich überwunden ist oder nicht.

Seit Juli ging es an den Aktienmärkten im Wesentlichen nur noch nach oben, mit einer kleinen Delle nach unten Anfang Dezember.

Die Zeit um den Jahreswechsel ist traditionell die Zeit der Börsenausblicke und Prognosen. Ich bin ja sehr vorsichtig, was Prognosen betrifft. Meine langjährige Erfahrung hat gezeigt, dass es doch immer wieder anders kommt als gedacht.

Wie jedes Jahr gibt es auch jetzt Experten, die eher pessimistisch in die Zukunft schauen, und solche, die eher optimistisch sind. Wer von beiden Recht hat, werden wir in einem Jahr wissen.

Dennoch möchte ich an dieser Stelle drei Gründe für einen positiven Börsenausblick geben.

Erstens ist der Aufschwung in Amerika sehr stabil. Wahrscheinlich steigt die US-Wirtschaftsleistung im ersten Quartal um 4 %. So jedenfalls die aktuellen Schätzungen. Hilfreich ist in jedem Fall, dass sich die Demokraten und Republikaner auf einen Haushaltskompromiss geeinigt haben.

Zweitens haben die europäischen Krisenstaaten in der letzten Zeit positiv überrascht. Die Daten sehen jedenfalls deutlich besser aus als erwartet. Insbesondere aus Spanien, Portugal und Italien kommen positive Signale. Auch wenn die Probleme noch nicht endgültig gelöst sind, so scheint das Schlimmste abgewendet zu sein.

Drittens kann man erwarten, dass von dem jüngst abgeschlossenen Freihandelsabkommen positive Impulse ausgehen werden. Dieses Abkommen wurde von den Mitgliedsstaaten der Welthandelsorganisation WTO vereinbart. Dazu sind Verhandlungen vorangegangen, die von zahlreichen Rückschlägen gekennzeichnet waren und insgesamt über zwölf Jahr gedauert haben. Umso erstaunlicher ist es, dass dieses weitreichende Abkommen bisher in den Medien kaum erwähnt wurde. Jedenfalls haben sich Industrie- und Schwellenländer über den Abbau von Handelsschranken geeinigt. Die Weltgemeinschaft rückt deutlich näher zusammen. Und der Effekt auf die wirtschaftliche Entwicklung wird mit Sicherheit positiv sein.

5 Antworten
  1. Simon
    Simon says:

    Ich glaube seriöserweise kann man nicht von einem positiven Börsenausblick sprechen. Vielmehr kann man von einer positiven Marktlage sprechen. Aber ob dies irgendwelche Auswirkungen auf die Kurse hat kann man nicht sagen. Trotz positiven Vorzeichen können sich die Aktien konträr entwickeln. Prognosen abzugeben ist wie in die Glaskugel zu schauen. Also reines Glück ohne Fundament. Wie ein Münzwurf. Besser ist es den Sachverhalt neural zu schildern. Menschen versuchen immer Gründe zu finden um ein Marktgeschehen zb. retrospektiv zu begründen. Jedoch ist dies in der Finanzwirtschaft wesentlich komplexer.

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  2. Christian
    Christian says:

    Ich bin ja gespannt, wie der Banken-Stress-Test verlaufen wird und wie die Ergebnisse vom „Markt“ aufgenommen werden. Immerhin ist zu befürchten, dass irgendwo (off balance?) noch jede Menge Schrott herumliegt.

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    • Peterreins
      Peterreins says:

      Das mit dem „Schrott“ wäre ja keine Überraschung. Deise Befürchtungen gibt es seit 5 Jahren. Erfahurngsgemäß fürhen negative Dinge, sofern Sie nicht überrashcend kommen, an den Kapitalmärkten nicht zu Verwerfungen. Selbst negative Dinge, die tatsächlich eingetreten sind, führen häufig zu keinen großen Kursabshclägen. Das, was an der Börse am ehesten zu Kursabwertungen führt, ist, wenn die Marktteilnehmer Schlechtes (das noch nicht eingetreten ist) erwarten und wenn diese Erwartung überraschend kommt. Das ist ein wenig wie bei Gruselfilmen: Am schrecklichsten ist oft nicht das, was man sieht, sondern das, was man sich vorstellt.

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  3. Peter Wertesheimer
    Peter Wertesheimer says:

    Zum Thema Börsenausblick:
    Sehr geehrter Herr Dr. Peterreins,
    ich verfolge Ihren blog, bin zugegebermaßen wirklich positiv überrascht von der Offenheit und der offensichtlichen Unterschiede zu so vielen Anlagberatern.
    Ich dachte nicht, jemanden wie Sie in dieser Welt der Vermögensberater zu finden.
    Daher schätze ich Ihre Meinung auch zu dem hier diskutierten Thema.
    Eine Anmerkung/Frage im Zusammenhang des Themas „Ausblick“.
    Nach der Lehman Kirse haben sich inzwischen in aller Welt weit bedeutendere Schuldenberge aufgehäuft als bis 2007.
    Überall sind gigantische Kredit und Investitionsblasen noch groteskeren Ausmaßes entstanden. Nur ein paar Stichworte: Immobilienpreise in Great Britain, speziell London, überhitzer Häusermarkt, China, Schattenbanken außer Kontrolle, in den vergangenen Jahren haben die Banken dort ein Schattenbankensystem aufgebaut, sie haben Tochtergesellschaften gegründet, die außerhalb der eigenen Bilanzen agieren, die Summen, um die es hier geht, betragen rund ein Drittel der Wirtschaftsleistung Chinas !!, die Kredite werden wieder gebündelt an Investoren verkauft. Japan, allein dort ist inzwischen der Schuldenberg dreimal so hoch wie die gesamte Wirtschaftsleistung des Landes. Banken rund um die Welt verteilen wieder in großem Stil Kredite an Hedgefonds, damit diese mit dem Geld Collateralized Loan Obligations kaufen können, also Unternehmenskredite , die zusammengepackt wieder als Wertpapier verkauft werden. Diese Kredite liegen bsilang bei den Banken und belasten die Bilanz.
    Das hatten wir alles schon, kurzum, die Finanzwelt hat nichts dazugelernt, sie treibt ihr Spiel weiter, als ob es die Finanzkrise, die genau aus diesen Konstruktionen heraus entstanden ist, nie gegeben hätte. Mit der erbrobten Sicherheit, dass die Staaten sie im Falle eines Falles wieder retten. Auch bei en Anleihen mit schlechter Bonität haben wir 2013 ein Volumen von 378 Milliarden Dollar erreicht, mehr als doppelt so viel wie vor der Finanzkrise. Ebenso zu erwähnen das Ausmaß der „leveraged loans“, Kredite an Unternehmen, die bereits hoch verschuldet sind.Der IWF warnt bereits vor diesen Zuständen.Doch warum sieht niemand diese Anzeichen?
    Wer wird die Banken, vielmehr dann wahrscheinlich die Staaten das nächste Mal retten??
    Wird der Untergang des heutigen Finanzsysems denn von den Markteilnehmern vor lauter Gewinnsucht billigend in Kauf genommen?
    Vor diesem Hintergrund: Was wird dann mit den Aktien-, den Finanzmärketen, respektive dann auch einem Fonds wie Ihren Global Strategy passieren.
    Auch ich bin Investor, habe meine Altervorsorge unter anderem auf Dachfonds ETFs gesetzt bin aber vor all den genannten Hintergründen in grosser Sorge und bitte um Ihren Standpunkt.

    Peter

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    • Peterreins
      Peterreins says:

      Ich freue mich, dass Sie meine Meinung schätzen. Und ich bedanke mich für das Lob, das Sie für mein Weblog geäußert haben.

      Mit Ihrem Kommentar tue ich mich, ehrlich gesagt, etwas schwer. Ich weiß auch nicht recht, was ich hier antworten soll. Ebenso weiß ich nicht, woran Sie solche Aussagen wie:
      * „Schattenbanken außer Kontrolle“
      * „Investitionsblasen grotesken Ausmaßes“, etc.
      festmachen.

      Fakt ist doch, dass Unternehmen derzeit zu wenig Krediten erhalten. Das ist das aktuelle Dilemma der EZB und deswegen haben wir stark deflationäre Tendenzen. Nicht der Schuldenberg ist das Problem (ich weiß nicht wie Sie darauf kommen) sondern dass Banken eben keine riskante Darlehen vergeben. Riskante Darlehen zu geben, exakt das ist der volkswirtschaftliche Zweck von Banken. Und genau diesem Zweck kommen die Banken derzeit zu wenig nach.

      Nicht die Kredite selbst waren das Problem, das zur Finanzkrise geführt haben. Sondern a) der Glaube vieler Bänker, bei einem Kredit, der durch eine Immobilie gesichert ist, könne nichts passieren, b) dass der Anstieg der Immobilienpreise in Amerika von 1995 bis 2006 in alle Ewigkeit weitergehen müssen, c) dass man blind auf die Aussagen von Rating-Agenturen vertrauen darf, d) dass für eine Bank eine Eigenkapitalquote von 4% oder sogar darunter in Ordnung ist (in Ordnung wären meiner Meinung nah 10-20 %). Das waren Fehler der Banken, vielleicht auch noch mehr. Es war aber kein Fehler der Banken, riskante Darlehen zu vergeben.

      Sie äußern also Ängste bezüglich eines Sachverhaltes, denn ich komplett konträr zu Ihrer Auffassung sehe. Konträrer könnten unsere Auffassungen kaum sein.

      Ich kann auch Ihrer Auffassung nicht folgen, dass unser Finanzsystem kurz vor dem Zusammenbruch steht. OK, ich kann es nicht 100%ig ausschließen. Genauso wenig, wie ich es ausschließen kann, dass ein Meteorit Deutschland zerstören wird. Ja, das ist im Bereich des Möglichen, und dennoch sehe ich keinen großen Sinn darin, sich jetzt damit verrückt zu machen. Und ja, ein Zusammenbruch unseres Finanzsystems ist möglich, aber ich schätze die Wahrscheinlichkeit dafür nicht viel höher ein als die einer Zerstörung Deutschlands durch einen Meteorit.

      Die Menschen glauben nur, es sei derzeit besonders wahrscheinlich, weil die Medien ständig davon faseln. Und was faseln die nicht die ganze Zeit? Die Medien lieben „Weltuntergänge“, so können sie ihre Auflagen steigern. Gerade in Finanzdingen können Sie fast eine Wette darauf abgeben, dass das was in den Medien steht, gerade nicht zutrifft. Gerade dann, wenn die allgemeine Stimmungslage in diese Richtung geht.

      Fazit: ich sehe keine massiven Probleme auf uns zukommen und ich halte Aktieninvestments zum Zwecke des Vermögensaufbaus fürs Alter für sinnvoll. Aber möglicherweise täusche ich mich ja.

      Und es liegt mir nichts ferner, als Sie von meinem Standpunkt überzeugen zu wollen. Wenn Sie meine Auffassungen für falsch halten, und Sie ernsthaft an einen Untergang unseres Finanzsystems glauben, dann können Sie , wenn Sie möchten, Ihre Anlagestrategie danach ausrichten. Sie dürfen aber bitte mich nicht fragen, wie eine solche Strategie aussehen soll. Dazu etwas Vernünftiges zu sagen kann ich nicht, noch sonst irgendjemand, schon allein deswegen weil kein Mensch absehen kann, was genau während eines finanziellen Super-GAUs tatsächlich passieren wird. Alle Äußerungen zu diesem Thema sind reine Spekulation.

      Ich hoffe, Ihnen mit diesen Ausführungen geholfen zu haben.

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