Ständiges Überprüfen der Aktienpositionen ist schädlich

Viele Anleger meinen, dass man nur dann in Aktien investieren dürfe, wenn man die Zeit hätte, sich täglich darum zu kümmern. Dahinter steckt die Idee, dass ein besonders aktiver Anleger mit seinen ständigen Rein-/Rausgeschäften die besten Erträge erzielen würde.

Mit Bezug auf die Geldanlage gibt es viele Mythen. Und in die genannte Meinung gehört mit zu den hartnäckigsten und schädlichsten Mythen …

Wer nämlich besonders viel nach seinen Aktien sieht, erreicht vor allem eines: Er macht sich selbst über die Maßen nervös.

Das Problem ist nämlich, dass Verluste etwa doppelt so schmerzen wie entsprechende Gewinne. Ein Verlust von 5 Prozent bringt nicht etwa das Maß an Unlust, wie ein  Gewinn von 5 Prozent Lust bringt, vielmehr überwiegt das Unlustgefühl bei weitem. Eben etwa mit Faktor Zwei, wie experimental-psychologische Studien nahelegen.

Das ist ein psychologisches Phänomen, das man auch gut an sich selbst beobachten kann. Hat aber auch die fatale Folge, dass das tägliche Überprüfen seiner Aktienpositionen, sofern das Auf und Ab etwa gleichverteilt, ist in Summe sehr unangenehm ist. Leider verführt es aber auch zu Fehlentscheidungen.

In diesem Zusammenhang zitiere ich das Buch von Daniel Kahnemann „Schnelles Denken, langsames Denken“ (S. 417):

„Das zeitnahe Verfolgen täglicher Wertschwankungen ist ein Verlustgeschäft, weil der Ärger über die häufigen kleinen Verluste die Freude über die genauso häufigen kleinen Gewinne überwiegt. Ein Mal im Quartal genügt, und es mag für Privatanleger sogar mehr als genug sein. Das gezielte Ignorieren kurzfristiger Ergebnisse verbessert nicht nur die emotionale Lebensqualität, sondern auch die Qualität der Anlageentscheidungen und –ergebnisse.“

Nun könnte es sein, dass das ständige Überprüfen der Aktienpositionen zwar unangenehm ist, dabei aber möglicherweise bessere Anlageergebnisse herauskommen. Auch darüber gibt es empirische Untersuchungen. Und die legen eindeutig nahe: Je häufiger jemand sein Aktien-Portfolio umschichtet, umso schlechter am Ende die Performance.

Die Amerikaner Brad Barber und Terrance Odean untersuchten Kauf- und Verkaufsdaten von 66.000 US-amerikanischen Anlegern von 1991 bis 1997. Die erste Erkenntnis war: Die Privatanleger erzielten im Schnitt eine Rendite, die 1,1 Prozent schlechter war als die Rendite des Marktdurchschnitts. Ein Indiz also dafür, dass es schlauer ist, gleich in Indizex bzw. ETFs zu investieren und nicht den Versuch zu unternehmen, den Markt schlagen zu wollen.

Die zweite interessante Erkenntnis war: Je häufiger ein Privatanleger aus dem Datensatz dieser Stichprobe „getradet“ hat, umso schlechter war die Performance. Und zwar um bis zu 7 % schlechter im Vergleich zum Marktdurchschnitt.

Also: Wer viel nach seinen Aktien sieht, bereitet sich selbst tendenziell eine schlechte Zeit. Und wer auch noch entsprechend oft sein Depot umschichtet, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch noch stark unterdurchschnittliche Ergebnisse erzielen. Dieses traurige Ergebnis steht im krassen Widerspruch zu dem Mythos, dass Privatanleger möglichst viel nach ihren Aktien sehen sollten. Eher das Gegenteil entspricht der Wahrheit.

 

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