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Am Dienstag, 6. November 2013, fand in Dresden eine Großrazzia statt. Mehr als 400 Beamten waren im Einsatz (siehe z.B. Beitrag im Manager Magazin online). Der Verdacht ist, dass die Infinus AG und verbundene Unternehmen möglicherweise 25.000 Anleger betrogen haben. Das Gesamtvolumen beläuft sich auf mindestens 400 Mio Euro. Sechs Personen wurden bereits verhaftet.

Zu dem Firmennetzwerk um Infinus gehörten unter anderem: Future Business KGaA, proSavus AG, ecoConsort AG.

Anleger die Geld in Finanzinstrumente dieser Firmen investiert haben, müssen nun mit dem Schlimmsten rechnen.

Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass man sich vor einer voreiligen Vorverurteilung hüten sollte. Zunächst geht es nur um den Verdacht auf Betrug, ob es das tatsächlich war, muss erst noch klar belegt werden.

Auf der anderen Seite gibt es schon seit langem Warnhinweise, unter anderem auf diesem Weblog …

Bereits im März 2012 (also vor mehr als eineinhalb) Jahren habe ich einen Beitrag über Infinus und die verbundene Future Business KGaA geschrieben:

Darin machte ich auf die sehr hohen Emissionskosten der Orderschuldverschreibungen der Future Business KGaA aufmerksam. Aufgrund dieser hohen Kosten kam ich zu dem Schluss, dass das Unternehmen sehr hohen Erträge erzielen muss, um überhaupt fähig zu sein die versprochenen Zinsen plus Endausschüttung stemmen zu können. Damals schrieb ich:

„Natürlich kann die Emittentin deutlich geringere Erträge erzielen und dennoch all ihren Gläubigern das geliehene Geld samt Zinsen zurückzahlen. Klar ist aber auch, dass ein Zahlungsausfall und damit Verluste für die Anleger umso
wahrscheinlicher werden, je größer die Differenz ist zwischen effektivem Jahreszins und dem tatsächlich durch das Unternehmen erwirtschaftete Ertrag.“

Mir war klar, dass ich mit meiner Analyse mit dem Feuer spielte. Denn viele Emissionshäuser sind sehr schnell, wenn es um eine Unterlassungsklage oder eine Abmahnung geht. Tatsächlich erhielt ich im Juni 2012 einen Anwaltsbrief von der Future Business KGaA: Anwaltsbrief.

Unterm Strich konnte mir Infinus bzw. die Future Business KGaA aber nichts anhaben, so dass mein Artikel ungekürzt im Netz blieb.

Im Juli 2013 habe ich dann entdeckt, dass zu dem Unternehmensnetzwerk von Infinus neben der Future Business KGaA auch die Prosavus AG und die ecoConsort AG gehören. Die Prosavus AG versuchte Genussrechte zu platzieren, die ecoConsort AG versuchte über eine Orderschuldverschreibung Anlegergelder einzusammeln. Siehe dazu:

Besonders schockiert war ich, als mich ein Anleger darauf aufmerksam machte, dass ein angeblich unabhängiger Honorarberater aus München in großem Stil Infinus-Finanzprodukte empfahl:

Meine Recherche ergab, dass der Honorarberater gar nicht so unabhängig war, wie er vorgab, sondern faktisch gebundener Agent der Infinus AG war.

Je mehr ich mich mit dem Thema Infinus beschäftigte, umso unheimlicher wurde mir die ganze Sache. Über befreundete Finanzdienstleister und Versicherungsmakler erfuhr ich, dass Infinus aktiv Vertriebspartner für seine Finanzprodukte suchte. Infinus köderte mit hohen Vertriebsprovisionen. Besonders bedenklich fand ich, dass einige Berater die Infinus-Finanzprodukte als „sicher“ oder als „renditetarken Festgeldersatz“ bewarben. Die Risiken wurden offenbar dramatisch heruntergespielt.

Dieses ungute Bauchgefühl wurde Ende September durch einen Artikel in dem Magazin Fonds professionell bestätigt. Der Autor war Bernd Mikosch. Titel: „Wundersame Geldvermehrung – Infinus und Future Businesseilen von Erfolg zu Erfolg. Ohne einen ungewöhnlichen Gold-Deal hätten die Zahlen zuletzt aber deutlich schlechter ausgesehen.“ Siehe auch:

Dass die Staatsanwalt aber so schnell zur Tat schreiten würde, hatte ich mir bis vor kurzem nicht gedacht. Der Schaden für die Anleger wird mit hoher Wahrscheinlichkeit immens sein.

Ich habe gehört, dass schätzungsweise 850 Finanzberater dabei geholfen haben, Infinus-Produkte zu verkaufen. Erschreckend finde ich, wie viele Berater entweder keine Ahnung haben oder trotz besseren Wissens Anleger ins Messer laufen lassen.

Noch erschreckend übrigens ist, dass sogar Fonds-Rating-Agenturen bis vor kurzem Future Business und Konsorten Bestnoten gegeben haben.

Immerhin waren die Leser dieses Weblogs frühzeitig gewarnt.

Nur nebenbei: Auch bei S&K-Fonds hatte ich schon sehr frühzeitig warnende Artikel geschrieben. Siehe: Haftbefehle bei S&K Immobilienfonds.

Und wer mein Buch „Grundsätze soliden Investierens“ gelesen hat, weiß, dass ich auch schon sehr früh vor offenen Immobilienfonds gewarnt habe. Lange bevor viele dieser angeblich sicheren Fonds einer nach dem anderen geschlossen wurde.

Das Interessante ist, dass ich ja selbst sehr zurückhaltend bin, was Zukunftsprognosen an den Kapitalmärkten betrifft. Meine langjährige Erfahrung ist, dass es doch immer anders kommt als gedacht. Deswegen gebe ich niemals Prognosen, wie sich wohl die Aktien, Zinsen oder Rohstoffe in den nächsten Monaten entwickeln werden. Ich bin der Meinung, dass niemand eine magische Kristallkugel hat, und dass das keiner wissen kann.

Manche Dinge kann man aber sehr wohl wissen und vorhersagen. Und zwar wenn man sich die Struktur mancher Finanzprodukte sorgfältig ansieht, dann kann man zu keinem anderen Ergebnis kommen, als dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass der Anleger damit glücklich werden wird. Ich finde es erstaunlich, dass es so viele Vermögensberater gibt, die zu solchen Analysen offenbar nicht fähig sind. Egal ob provisionsorientierte Berater oder Honorarberater (siehe oben).

Letztlich, so meine ich jedenfalls, sind es doch genau solche Analysen, die ein Privatanleger von einem Profi erwartet, wenn er sich bei ihm Rat einholt. Stattdessen stößt man fast immer nur Produktverkäufer, denen es nur ums Beschönigen geht, nicht aber um eine sorgfältige Analyse. Traurig, traurig, …

 

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