Angst vor dem Finanzkollaps?

In den letzten Monaten hat sich die Situation an den Kapitalmärkten deutlich entspannt. Die Finanzkrise scheint vorüber zu sein. Jedenfalls haben die Aktienkurse eine Höchstmarke nach den anderen überwunden.

Dennoch glauben viele Privatanleger noch nicht an das Ende der Krise. Manche meinen sogar, dass die eigentliche Katastrophe noch bevorsteht. Ich hingegen verweise gerne darauf, dass dergleichen Katastrophenängste Anlegern schon sehr viel Geld gekostet hat, und dass es besser ist, sich davon nicht anstecken zu lassen.

Als es so richtig krachte im September 2008 hatte ich nur einen einzigen Kunden, der ausstieg. Im März 2009 waren es dann aber eine ganze Reihe. Einige meiner Kunden sind selbst aus der Finanzbranche, arbeiten als Manager in Banken oder Versicherung oder sind für Hedgefonds oder Private Equity Fonds tätig.

Einer dieser Kunden aus diesem Umfeld rief mich  im März 2009 an, ich solle jetzt schnellstmöglich alles verkaufen, denn er sei sich sicher, dass das Finanzsystem jetzt kurz vor dem Kollaps stünde. Seinem Wunsch entsprechend habe ich natürlich alles für ihn verkauft.

Bei der Geldanlage verwende ich ja immer quantitative Strategien. Und danach sollte ich zeitgleich mit diesem warnenden Anruf Aktien zu kaufen. Psychologisch war das damals sehr schwer. Aber ich habe mich eisern an meine Strategie gehalten.

Dieser Tag damals im März 2009 war exakt der Tiefpunkt der ganzen Finanzkrise. Von da ab ging es nur noch nach oben. Sehr viele Anleger, die damals verkauften, bereuen es heute zutiefst.

In den letzten Jahren hatte ich dann immer wieder mit Anlegern zu tun, die das Ende unseres Finanzsystems unmittelbar bervorstehend sahen. So hatte ich Anleger, die bei einem DAX-Stand von 7000 meinten, von jetzt ab könne es nur noch nach unten gehen, der DAX sei einfach übertrieben hoch. Oder manche glaubten, dass der große Crash nach dem Bundestagswahl kommen müsse. Etc. etc.

Und da gab es natürlich auch die viele Literatur zum Thema Finanzkollaps. Wenn man in die Bücherläden ging, waren die Auslagen voll von Büchern, die alle von einem nahen Ende unseres Finanzsystems fabulierten und wie man sich dagegen schützen könne. Sehr viel offensichtlicher Schund, zum Teil aber auch Bücher von sehr anerkannten Ökonomen. Beispielsweise das von Jospeh Stiglitz: „Im freien Fall: Vom Versagen der Märkte zur Neuordnung der Weltwirtschaft“, erschienen 2011.

Kein Wunder, dass um diese Zeit fast jeder Anleger pessimistisch und beunruhigt war. Wer aber damals seine Aktienbestände aus dieser Angst heraus liquidierte, bereut es heute. Oder noch schlimmer: Manche gingen ja Finanzwetten auf fallende Märkte ein. Während die ersteren nur über einen entgangenen Gewinn klagen, dürfen sich die letzteren über tatsächliche massive Verluste ärgern.

Genauso erging es jenen, die ihr Heil in Gold oder Silber suchten. Auch solche Anleger waren fast immer angstgetrieben. Ihnen schienen Edelmetalle der einzige sichere Hafen zu sein, um sich vor dem Finanzkollaps zu retten. Heute blicken sie auf Verluste und ein dickes Minus.

Ich für meinen Teil kann nicht daran glauben, dass der Finanzkollaps unmittelbar bevorsteht oder auch in näherer Zukunft kommen wird. Und selbst wenn. Wer weiß, was einen dann retten wird? Vielleicht sind es dann die vielbeschworenen Sachwerte (unter anderem auch Aktien), die einem helfen werden. Vielleicht werden einen aber Tagesgeld, Festgeld und Staatsanleihen retten (wie in den letzten Jahren). Wer will das heute wissen?

Ich konnte jedenfalls seit Beginn der Krise sowohl Anleger erleben, die ihr Geld mittels Festgeld/Tagesgeld zu retten meinten, und andere, die dazu auf Sachwerte auswählten. Das zeigt ja nur, dass keiner weiß, was in einer wirklichen Krise tatsächlich passieren wird.

Eines ist aber schon heute klar: Der Glaube an den Finanzkollaps hat vielen Anleger bislang richtig viel Geld gekostet.

1 Antwort
  1. robert
    robert says:

    Super Beitrag. Habe den Blog gerade erst entdeckt und bin immer interessiert an kontroversen Betirägen zum Thema Finanzmarkt. Das Thema Finazkollaps wird meiner Meinung nach enorm unterschätzt. Jeder versucht seine Interessen zu wahren und keiner will die Realität sehen.

    Antworten

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