Infinus, Future Business und proSavus bei Fonds professionell

Im März 2012 habe ich bereits über die Orderschuldverschreibungen der Future Business KGaA geschrieben. Die Infinus AG bietet vielen Finanzvermittlern ein Haftungsdach und vertreibt diese Orderschuldverschreibungen. In meinem Artikel habe ich durchgerechnet, welche Renditen die Future Business KG erzielen muss, um ihre Anleger ausbezahlen zu können ohne selbst dabei Verlust zu machen.

2012 bot die Future Business KG (Fubu) verschiedene Orderschuldverschreibungen mit unterschiedlichen Laufzeiten und unterschiedlichen Zinscoupons an. Versprochen wurden unter anderem Zinsen zwischen 5 und 8 % p.a. Da die  Platzierung mit Vertriebskosten verbunden ist, muss Fubu nach meinen Berechnungen zwischen 7,66 % und   10,68 % Rendite p.a. auf das eingesammelte Kapital erzielen, damit Fubu seine Anleger auszahlen kann und selbst noch in der Gewinnzone bleibt.

Ich selbst kann das Geschäftsmodell der Future Business KGaA schlecht beurteilen. Insbesondere ob damit wirklich eine Rendite on 7,66 und 10,68 % p.a. möglich ist. Diese Frage muss sich jeder Anleger, der eine Fubu-Orderschuldverschreibung erwerben möchte, für sich selbst beantworten.

Das Firmen-Netzwerk

Ein wenig überrascht war ich, als ich im Juli 2013 feststellte, dass Infinus und Fubu Teil eines größeren Unternehmensnetzwerks gehört, dem auch weitere Firmen angehören, die Kapital von Anlegern einwerben. Beispielsweise

Sieht man sich den Geschäftszweck dieser Firmen an (Fubu, ProSavus und eoConsort), dann wird hier jedes Mal unter anderem von zwei Dingen gesprochen:

  • Investition bzw. Handel mit Immobilien
  • Kauf von Lebens-und Rentenversicherungen am Zweitmarkt.

Warum genügt dazu nicht eine einzige Firma? Ich für meinen Teil muss gestehen, dass sich mir nicht der Sinn eines solchen Firmen-Netzwerkes erschließt. Aber es muss natürlich gar nichts bedeuten, und es kann seine speziellen Gründe haben, ein solches Netzwerk aufzubauen.

Ein aktueller Artikel in FONDS professionell

Vor ein paar Tagen nun hat mich ein Leser meines Weblogs auf einen Artikel von FONDS professionell aufmerksam gemacht. Titel des Artikels: „Wundersame Gewinnvermehrung“. Untertitel: „Infinus und Future Business eilen von Erfolg zu Erfolg. Ohne einen ungewöhnlichen Gold-Deal hätten die Zahlen zuletzt aber deutlich schlechter ausgesehen.“

Nachfolgend ein paar Zitate aus diesem Artikel:

„…Spricht man mit Vertretern der Finanz­szene, gibt es viele, die … fürchten, das Vertrauen der Anleger könnte eines Tages enttäuscht werden – mit Konsequenzen für die gesamte Branche. Die wenigsten wissen etwas Handfestes zu berichten über Infinus und Future Business, eher beschleicht sie ein dumpfes Gefühl: Ein rasant wachsender Finanzvertrieb aus Dresden, der mit üppigen Provisionen Festzinsanlagen aus konzerneigener Emission verkauft? Das kann doch nicht gutgehen, so die Vermutung…

Pauschale Verdächtigungen helfen freilich nicht weiter. Um das Phänomen Future Business zu verstehen, hat FONDS professionell mehr als 20 Jahresabschlüsse verschiedener Konzerngesellschaften analysiert, drei Emissions- und Verkaufsprospekte durchgearbeitet und mit Bilanzexperten gesprochen. Ergänzt wurden diese Recherchen durch einen Besuch in Dresden – drei Topmanager des Konzerns standen unserer Redaktion fast fünf Stunden lang Rede und Antwort. Auf jede Frage kam eine offene Antwort, auch wenn manchmal beharrliches Nachbohren nötig war. Rückblickend lassen sich zwei Geschichten erzählen. Die erste handelt von einem erfolgreichen Unternehmer …

Gerade für Anleihengläubiger ist es entscheidend zu wissen, wie wahrscheinlich es ist, dass sie am Ende der Laufzeit ihr Geld ­zurückerhalten. Ein tiefer Blick in die Bilanzen zeigt, dass bei Future Business einige ­Risiken lauern, insbesondere wegen der sehr kurzfristigen Refinanzierung.
Ende 2012 hatte die Future Business KGaA Anleihen für 589,2 Millionen Euro ausstehen, davon 424,9 Millionen Euro mit einer Restlaufzeit von unter einem Jahr. Der Anteil dieser kurzfristig fälligen Papiere ist in den vergangenen fünf Jahren sukzessive gestiegen – von 53 auf inzwischen 72 Prozent.

Insgesamt beläuft sich die Bilanzsumme Ende 2012 auf 810 Millionen Euro. Das ­Unternehmen muss also binnen eines Jahres mehr als die Hälfte der Bilanz refinanzieren. Bislang gelingt das problemlos. Sollte der ­Zufluss an frischem Geld eines Tages jedoch ins Stocken geraten, stünde das Unternehmen vor einer großen Herausforderung.

Eigentlich sind alle Fubus-Investments langfristiger Natur: Die Lebensversicherungen werfen den erhofften Ertrag in der Regel erst dann ab, wenn sie bis zum Laufzeitende fortgeführt werden. Immobilien sind per se kein kurzfristiges Geschäft, Unternehmensbeteiligungen auch nicht. Die Goldposition, die seit einigen Jahren aufgebaut wird, ist noch recht klein, außerdem zielt auch sie auf einen langfristigen Wertzuwachs ab.

Sollte das Unternehmen schnell Geld benötigen, ließe sich trotzdem einiges versilbern…“

 Der interessanteste Teil des Artikels ist mit „Seltsamer Sparplan-Deal“ überschrieben:

„Hoher Hebel, kurzfristig refinanziert – solange das operative Geschäft läuft, ist das allein kein Grund zur Sorge. Die Frage ist aber, ob es wirklich so viel Gewinn abwirft, wie ein Blick auf die Geschäftszahlen suggeriert.

Im vergangenen Jahr nahm der Konzern 192,9 Millionen Euro Provisionen ein. 154,6 Millionen Euro davon entfallen auf Edelmetallvermittlungen, … Besonders gut kommen bei den Infinus-Kunden die flexiblen Goldsparpläne eines österreichischen Unternehmens an: Sparer können hier problemlos einige Monate aussetzen oder auch mal Zusatzzahlungen leisten. Die Kosten summieren sich auf zwölf Prozent der vereinbarten Sparplansumme, die auf einen Schlag vorab oder zusätzlich zu den ersten Raten zu zahlen sind… Infinus bekommt Sonderkonditionen, die Dresdner erhalten neben dem Agio auch große Teile des Kleinmengenzuschlags, in Summe 11,9 Prozent.

Dieser Satz bedeutet, dass Infinus 2012 ein Volumen von fast 1,3 Milliarden Euro vermittelt hat. Gezeichnet haben die Sparpläne ­allerdings nicht nur Anleger, sondern auch ­Fubus selbst. Ende 2012 beläuft sich der Edelmetallbestand des Konzerns auf 207,3 Millionen Euro. 187 Millionen Euro davon entfallen auf „vorperiodische Anschaffungsnebenkos­ten“. Direkt in Gold und andere Barren waren also nur gut 20 Millionen Euro investiert.

Kein vernünftig denkender Vorstand würde binnen zwei Jahren 187 Millionen Euro vorab bezahlen, nur damit er in Zukunft in Gold investieren kann – auch die Führungsriege von Fubus nicht. Für den Dresdner Konzern hat das Geschäft allerdings einen netten Nebeneffekt: Der Großteil der bezahlten Kosten landet nämlich wieder in den eigenen Büchern. Und zwar als Gewinn.

Schematisch läuft das Geschäft so: Pro 100 Millionen Euro Sparplanvolumen, die der Konzern über Infinus abschließt, überweist er die Kosten von zwölf Millionen Euro an den österreichischen Anbieter. Dieser behält 100.000 Euro ein und leitet den Rest als Provision an Infinus weiter. Dort werden sie als Umsatz verbucht und polstern die Kasse auf. Da Infinus quasi keine Kosten entstehen, steigt der Gewinn in gleicher Höhe. Dank der Gewinnabführung landen die 11,9 Millionen  Euro schließlich in der Kasse der Mutter.

Das Ergebnis des Geschäfts? In der Konzernbilanz erhöhen die zwölf Millionen als Anschaffungsnebenkosten die Sachanlagen, weiten also die Bilanz aus. Die Kasse schrumpft unterm Strich nur um 100.000 Euro, der Gewinn steigt um 11,9 Millionen. Auch in der Kapitalflussrechnung wirkt sich das Geschäft positiv aus: Unterm Strich verändert sich die Kasse zwar kaum – im Beispiel nur um 100.000 Euro. Doch die 11,9 Millionen Euro Provisionsumsatz heben den Cashflow aus laufender Tätigkeit. Diese Kennzahl ist insbesondere für Anleihen­gläubiger relevant: Solange der operative Cashflow die Zinslast übersteigt, droht ihnen kein Ungemach. Die beispielhaften zwölf Millionen Euro Kosten wiederum werden nicht im operativen Cashflow verbucht, sondern im Cashflow aus Investitionstätigkeit. Im Ergebnis sieht der operative Cashflow deutlich besser aus als ohne das Goldgeschäft…

Was wäre nun passiert, wenn Future Business das Sparplankarussell im vergangenen Jahr nicht gedreht hätte, alle anderen Zahlen und Wertansätze aber gleich geblieben wären? Der Umsatz hätte konzernweit nicht fast 196 Millionen Euro betragen, sondern nur rund 114 Millionen. Der Konzern hätte – andere Maßnahmen außen vor gelassen – keinen ­Gewinn ausgewiesen, sondern einen hohen Verlust…“

Wie gründlich dieser Artikel tatsächlich recherchiert ist, kann ich nicht beurteilen. So oder so rate ich jedem, der eine Future Business Orderschuldverschreibung erwerben möchte, sich mit den Bilanzen, Gewinn-/Verlustrechnungen, Rechenschaftsberichten, sowie den entsprechenden Verkaufsprospekten sorgfältig auseinanderzusetzen.

Siehe auch: „Rätselhafte Gewinne bei Infinus und Future Business„.

4 Antworten
  1. Petra Jacob-Matthes
    Petra Jacob-Matthes says:

    von der renommierten Rating-Agentur http://www.scoredex.com (Tochterfirma des Finanznachrichtendienstes Goldman, Morgenstern & Partners – GOMOPA) erhält Prosavus eine Punktzahl von 837 von 1000 Punkten bezw. 4 von 5 Sternen.

    „Die Auswertung von 99 Prozent vorliegender Daten hat einen Gesamt-SCOREDEX von 837 ergeben.
    Bei den folgenden Merkmalen erreicht der/die Unternehmer gute Ergebnisse: Bonität Unternehmen, Georating.
    Bei den folgenden Merkmalen erreicht der/die Unternehmer exzellente Ergebnisse: Finanzielle Situation des Unternehmens, Risikoprävention, Referenzen, Ausbildung, Soziales Umfeld, Finanzielle Situation des Entscheiders, Bonität Entscheider, Juristische Merkmale, Branchenvergleich.
    Die Auswertung der vorliegenden Daten über das Unternehmen hat einen Unternehmens-SCOREDEX von 71,78 Prozent ergeben.
    Die Auswertung vorliegender Daten hat einen Geschäftsleitungs-SCOREDEX von 92,03 Prozent ergeben.“

    Antworten
    • Peterreins
      Peterreins says:

      Naja, manche Anleger vertrauen auf das Urteil einer Rating-Agentur. Manche Anleger machen sich ihre eigenen Gedanken. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere daran, wie sehr renommierte Rating-Agenturen sogenannte CDOs im Jahre 2007 geratet haben. Nämlich mit AAA. Heute gelten sie als toxisch. Und viele Anleger fragen sich, wie Standard & Poors und Konsorten damals so gute Noten vergeben konnten.
      Ich hoffe, dass es mit den Prosavus-Namensgenussrechten anders sein wird. Aber ich kann jedem Anleger nur raten, sich unabhängig von der Bewertung von Rating-Agenturen immer auch noch seine eigenen Gedanken zu machen.

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  2. Felicitas
    Felicitas says:

    Heute hat mir ein unabhängiger Geldberater, der im Internet viele gute Bewertungen erhalten hat, empfohlen, dort auch mit Anleihen einzusteigen. Aber irgendwie beschleicht mich ein mulmiges Gefühl.Aber mein Bankberater ist auch eine Pfeife und hat mich nicht nur schlecht beraten, sondern hohe Verluste eingefahren, obwohl ich kein spekulatives Depot wollte.
    . Irgendwie habe ich langsam das Gefühl, dass man niemanden mehr so recht trauen kann. Und ich habe als Selbstständige einfach nicht die Zeit mich jeden Tag hinzusetzen und selber zu informieren. Irgendwie fühlt man sich ziemlich hilflos.

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