Verführerische Vergangenheitsdaten

Ich erlebe es immer wieder: Anleger setzen mit Vorliebe auf das, was in der jüngsten Vergangenheit gerade gut lief. Gold muss zwei Jahre hintereinander gute Preissteigerungen haben und plötzlich heißt es, dass Gold „schon immer“ eine gute Anlageform war. Oder ein Fonds X hat zwei Jahre lang eine überdurchschnittliche Performance und in den Medien wird der Fondsmanager als Genie gefeiert.

Dumm nur, dass die meisten Anleger erst mal nicht dabei waren. Dumm ist auch, dass man sich als Anleger natürlich in erster Linie für eines interessieren sollte: die Zukunft. Nicht die Vergangenheit zählt, sondern die voraussichtliche künftig Entwicklung. Der Fehler vieler Anleger ist, von der Vergangenheit auf die Zukunft zu schließen.

 

In vielen Bereichen ist das ja auch zulässig. Nehmen wir mal das Beispiel eines Handwerkers. Jemand, der bereits gute Arbeit geleistet hat, dem traut man auch zu, in der Zukunft gute Arbeit zu leisten.

Es gibt aber auch andere Bereiche des Alltags, bei denen jeder weiß, dass man von vergangenen Erfolgen nicht auf künftige Erfolge schließen darf. Zum Beispiel beim Würfeln. Wer ein paar Mal die Sechs gewürfelt hat, wird deswegen keine höhere Wahrscheinlichkeit, auch künftig überdurchschnittlich häufig Sechser zu würfeln. Wer doch daran glaubt, glaubt vielleicht an magische Zauberhände, oder an den Erfolg einer bestimmten Würfeltechnik.

Die Frage ist nun: Ist der Bereich Geldanlage eher mit der Leistung eines Handwerkers vergleichbar oder mit dem Würfeln?

So traurig es ist, so scheint es mir doch auf der Hand zu liegen, dass Geldanlage viel mehr mit Glück und Zufall zu tun hat, als die allermeisten Menschen zugeben möchten. Ein sehr guter Beleg dafür ist, dass in schöner Regelmäßigkeit die Börsenstars von gestern die Verlierer von heute sind. Oder anders formuliert: Man einiges darauf wetten, dass die Börsenstars von heute die Verlierer von morgen sind.

Bestes aktuelles Beispiel ist der Hedgefondsmanager John Paulson. Er traf kurz vor der Finanzkrise die richtigen Entscheidungen und verdiente Milliarden. Zur Zeit steht er in der Kritik, weil er im großen Stil Geld vernichtet hat. Einer seiner Fonds hat alleine im ersten Halbjahr 2013 über 60 % Verlust gemacht.

Sehr lesenswert in diesem Zusammenhang ist das Buch von Nassim Taleb: „Narren des Zufalls“. Taleb liefert hier eine Fülle von Beispielen von hochgefeierten Geldmanagern, die sich selbst für unfehlbar hielten, und dann bitterbös abgestürzt sind. Leider scheint es, dass die große Mehrheit der Anleger aus dieser Überfülle an Beispielen nichts zu lernen scheint.

Der Zufall spiel also sicherlich eine sehr große Rolle bei der Geldanlage. Und dennoch gibt es auch hier einen handwerklichen Aspekt. Gerade vor dem Hintergrund des Zufalls halte ich folgendes für unabdingbar:

  • Klare Ausrichtung der Geldanlage auf die Anlageziele des Anlegers
  • Minimierung der Kosten
  • Risikomanagement (!!!)

Gerade das Risikomanagement ist eigentlich eine Art Handwerk. Es kann aber keine Überrenditen garantieren und auch nicht vor Verlusten bewahren. Hierin ähnelt das Risikomanagement ein wenig der Feuerwehr. Die Feuerwehr kann Brände auch nicht (gänzlich) verhindern. Die wichtigste Funktion der Feuerwehr besteht vielmehr darin, dass sie weiß, was zu tun ist, im Falle eines Brandes. Auf diese Weise wird Schlimmeres verhindert.

Ein Risikomanager weiß, was zu tun ist für den Fall, dass die Dinge anders laufen als gewünscht. Und genau darüber machen sich sehr viele Privatanleger, aber auch viele professionelle Anleger gar keine Gedanken. Gekauft wird, was aussichtsreich erscheint, die Möglichkeit eines Anlagefehlers wird weggeblendet. „Da wird schon nichts schiefgehen“, denkt sich der Anleger. Und wenn es dann doch schief geht, handelt der Anleger mit ziemlicher Sicherheit in irgendeiner Form irrational.

Ich möchte es mal so formulieren: Ein guter Risikomanager ist ein Handwerker des Zufalls.

 

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