Vorsicht bei hohen Renditeversprechungen!

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Ein Anleger nahm letztens Kontakt zu mir auf. Er hätte im Internet eine Vermögensverwaltung gefunden, die mit einer Rendite von 7-8% wirbt. Und das mit festverzinslichen Wertpapieren, also Anleihen. Der Anleger (aus München)  hatte sich schon ein Angebot machen lassen, samt einer sehr detaillierten Aufstellung derjenigen Anleihen, mit denen die angeblichen 7-8% Rendite möglich sein sollen.

Zunächst sagt einem, meine ich, der gesunde Menschenverstand, dass hier irgendetwas nicht stimmen kann. Wie soll in einer Marktphase, bei denen Anleihen guter Emittenten keine 3% Rendite bringen, plötzlich eine Vermögensverwaltung Renditen mit festverzinslichen Wertpapieren  im Bereich 7-8% erzielen können?

Aber selbstverständlich habe ich mir die Sache im Detail angesehen. Das war übrigens deswegen sehr schwierig, weil die Vermögensverwaltung, die mit dieser Rendite wirbt, natürlich nicht die Wertpapierkennnummern genannt hat, wohl aber Emittent, Laufzeit, Coupon. Anhand dieser Angaben suchte ich mühsam jede einzelne Anleihe heraus.

Entscheident sind die aktuellen Restlaufzeitrenditen

In der Aufstellung der Vermögensverwaltung waren neben jeder Anleihe auch die sogenannten Restlaufzeitrenditen genannt. Die Restlaufzeitrendite einer Anleihe ist diejenige Rendite, die ein Anleger, der die Anleihe heute kauft, mit diesem Wertpapier erzielen kann.

Nehmen wir ein einfaches Besipiel. Sagen wir, X ist eine Anleihe, die heute für 100 Euro zu haben ist, in einem Jahr endfällig ist und einen Coupon von 5% hat. Offensichtlich kann ein Anleger mit dieser Anleihe mit dieser Anleihe innerhalb eines Jahres 5% Rendite erzielen. Ist die Anleihe aber nur zu einem Kurs von 101 Euro erwerbbar, so ist zwar der Coupon immer noch 5%, bezogen aber auf 101 Euro entsprechen die 105 Euro (die der Anleger am Ende zurückbekommt) einer Rendite von 4%. Kostet X also 101 Euro, so ist die Restlaufzeitrendite 4%.

Liegt der Kurs von X hingegen bei nur 99 Euro, so bekommt der Anleger immer noch am Ende 105 Euro. Und das entspricht eine Restlaufzeitrendite von 6,1 % (=105/99-1).

Offenbar steigen also die Restlaufzeitrenditen bei sinkenden Anleihekursen. Und sie fallen bei steigenden Anleihekursen. Wichtig ist zu verstehen, dass die Restlaufzeitrenditen keine fixe Größe sind (wie es beispielsweise der Coupon bei einer Anleihe ist), sondern sich mit der Marktlage verändern. Klar ist auch, dass dieselben Anleihen, die vielleicht vor einem Jahr eine hohe Restlaufzeitrendite hatten, heute deutlich geringere Restlaufzeitrenditen aufweisen, weil nämlich ihre Kurse gestiegen sind.

Das Interessante war nämlich, dass die Aufstellung, die mir der besagte Anleger vorlegte den Stand Mai 2012 hatte. Die dort genannten Restlaufzeitrenditen waren also klar veraltet. Sorgfältig suchte ich für jede genannte Anleihe die aktuelle Restlaufzeitrendite heraus. Wohlgemerkt: das ist mit mathematischer Präsission diejenige Rendite, die ein Anleger erzielt, wenn er heute diese Anleihen kauft und bis zum Laufzeitende hält.

Die aktuellen Restlaufzeitrenditen verglich ich mit den (veralteten) Restlaufzeitrenditen, mit denen die Vermögensverwaltung warb. Wie gesagt, das Versprechen waren 7-8% Rendite für den Anleger.

Heraus kam folgendes: Eine Anleihe, bei der das Institut eine Restlaufzeitrendite vonbeispielsweise 8,1% angab, hatte heute eine faktische Restlaufzeitrendite von etwa 6,1%. Anleihen, die dort mit 10% Rendite aufgelistet waren, hatten heute nur noch eine Restlaufzeitrendite von 8%.  Im Schnitt lagen die Restlaufzeitrenditen der Anleihen Stand heute im Vergleich zu den angegebenen Renditen etwa 2 % niedriger. Ich selbst bin auf eine geschätzte durchschnittliche Restlaufzeitrendite büer das gesamte Depot hinweg von 6,35 % gekommen.

Diese 6,35 % ist diejenige Rendite, die ein Anleger, wenn er sich das genannten Anleihenportfolio heute kauft und alle Anleihen bis zum Laufzeitende hält (und es auch keine Ausfälle gibt) bekommt. Und zwar mit mathematischer Gewissheit.

High-Yield-Anleihen sind mit erheblichen Risiken verbunden

Wichtig ist aber auch, dass an dieser Stelle noch überhaupt keine Kosten oder Steuern berücksichtigt sind. Und klar ist an dieser Stelle auch, dass eine Zielrendite von 7-8% eigentliche eine mathematische Unmöglichkeit ist. – Es sei denn, die allgeminen Zinssätze sinken noch weiter, und die Anleihen werden vor Laufzeitende verkauft. Das mag aber jeder für sich beurteilen, wie wahrscheinlich angesichts des aktuellen Zinstiefs ein noch weiterer Zinsverfall ist. Umgekehrt ist auch klar, dass ein allgemeiner Zinsanstieg zu Kursverlusten führen wird. Für einen Anleger, der vorzeitig an sein Geld will, kann das herbe Verluste bedeuten.

Alles Zusammenhänge, über die der Anleger von der Vermögensverwaltung nicht aufgeklärt wurde. Ihm wurden nur die genannten 7-8 % Rendite in Aussicht gestellt, vielleicht noch mit dem Hinweis, dass man hier einen Anlagehorizont von 5-7 Jahre mitbringen sollte. Dass es aber auch die Möglichkeit gibt, hier zwischenzeitlich herbe Verluste durchstehen zu müssen – davon kein Wort.

Zumal ja noch eines hinzkommt. Bei Anleihen, die aktuell Renditen zwischen 6 und 8 Prozent bringen, handelt es sich um sogenannte „High Yield-Anleihen“. Und solche hohen Renditen zahlen selbstverständlich keine Emittenten mit guten Bonitäten. Ich habe mir die Ratings der aufgelisteten Anleihen angesehen. Teilweise konnte ich gar kein Rating finden (was ein schlechtes Zeichen ist), in der Regel lagen die Anleihen bei einem BB. Die deutsche Beschreibung dieses Ratings lautet

„Spekulative Anlage. Bei Verschlechterung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage ist mit Ausfällen zu rechnen.“ (siehe Wikipedia: Ratingagentur):

Dem Anleger war jedenfalls nicht bewusst, dass ihm mit den genannten festverzinslichen Wertpapieren „spekulative“ Anlageformen angeboten wurden. Immerhin warb das Institut auch damit, dass diese Anlageform deutlich sicherer als Aktien sind. Wer sich mit High-Yield-Unternehmensanleihen auskennt, weiß, dass diese Anleihen, was ihr Risiko betrifft, schon sehr nah am Aktienrisiko sind.

Steuern und Kosten reduzieren die Rendite deutlich

Aber die Sache ist ja noch nicht zu Ende. Wie gesagt, die Vermögensverwaltung wirbt mit einer Rendite von 7-8 %. Schaut man sich die aktuellen Restaufzeitrenditen an, so ist eher – vor Kosten und Steuern – mit einer Rendite von 6,35 % zu rechnen. Und das mit erheblichen Risiken, wie wir eben gesehen haben.

Natürlich müssen aber auch noch die Steuern und Kosten berücksichtigt werden. Das Institut verlangt 1,5 % Vermögensverwerwaltungshonorar pro Jahr zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer. Für den Kunden ist das insgesamt eine Kostenbelastung von 1,785 %. Die Kosten für die Depotbank und Transaktionskosten lasse ich mal unter den Tisch fallen.

Das Vermögensverwaltungshonorar ist derzeit leider nicht von der Steuer absetzbar. Das heißt, dass der erzielte Gewinn zunächst zu versteuern ist und erst danach die Vermögensverwaltungskosten abgezogen werden.

Nehmen wir an, dass dieser Anleger aus München 100.000 Euro diesem Institut anvertraut, mit der Hoffnung hier am Ende zwischen 7-8 % Rendite zu erhalten, wie es ja versprochen wird. Nehmen wir weiter an, dass der Anleger einen Freibetrag von 801 Euro auf das verwaltete Depor vergibt, dann ergibt sich folgende grob überschlägige Rechnung:

  • 6,35 % von 100.000 Euro (mehr geben die aktuellen Restlaufzeitrenditen nicht her): 6.350 Euro Ertrag im Jahr.
  • Bei einem Steuerstatz von 28 % (Abg.steuer+SolZ+KiSt) mit Berücksichtigung des Freibetrags: abzüglich 1553 Euro Steuern.
  • Abzüglich des Vermögensverwaltungshonorars mit MwSt: 1.785 Euro.
  • Ergibt unterm Strich nach Steuern und Kosten: 3.011 Euro = 3,01 % Rendite

Geworben wird mit einer Rendite zwischen 7 und 8 Prozent. Wenn man aber genau rechnet, kann der Anleger mit einer Rendite von um die 3 Prozent rechnen. Das ist doch ein erheblicher Unterschied. Und wie gesagt, zu bedenken sind ja noch folgende Risiken:

  • Bei einem starken Zinsanstieg, wird es hier deutliche Kursverluste geben.
  • Bei BB-Anleihen ist durchaus mit dem einen oder anderen Ausfall zu rechnen.

Ich kann nur warnen vor Angeboten, bei denen jemand mit hohen Renditen bei geringen Risiken wirbt. Das gibt es einfach nicht. Leider wollen sich Anleger hier immer wieder etwas vormachen lassen. Offensichtlich können aber hohe Zielrenditen nur mit entsprechend hohen Risiken verbunden sein. Anders geht es nicht. Und mit der wichtigste Faktor, der zu erwartende Renditen beeinträchtigt, sind zu hohe Gebühren.

Vergangenheitsdaten sind wertlos

Der Anleger glaubte aber meiner Analyse nicht. Er verwies darauf, dass das Institut nachweislich in der Vergangenheit dei versprochenen 7-8% nach Kosten erwirtschaftet hätten. Da kann ich nur sagen: Ja, in der Vergangenheit, was aber doch zählt ist die Zukunft. Und hier kann man gerade bei Anleihen sehr genau die künftig möglichen Renditen ausrechnen. Eben mithilfe der Restlaufzeitrenditen.

Wer heute investiert, den muss doch interessieren, was von heute ab in die Zukunft möglich ist. Und nicht was – vielleicht zufälligerweise – letztes Jahr geschehen ist. Denn gerade im High-Yield-Bereich hat es in der letzten Zeit gute Kursgewinne gegeben. Einerseits weil die Zinsen gefallen sind, andererseits weil sich viele Anleger auf dieses Segment gestürzt haben. Jeder kann für sich abschätzen, wie wahrscheinlich es ist, dass sich diese beiden Trends fortsetzen werden. Und wenn sie sich nicht fortsetzen werden oder sogar umkehren, dann kann es für Leute, die jetzt in High-Yields anlegen, sehr eng werden.

Den Fehler, von der unmittelbaren Vergangenheit auf die Zukunft zu schließen, begehen leider viele Anleger immer wieder. Ohne Zweifel ist das einer derjenigen Fehler, derden Anleger langfrstig am meisten Geld kostet.

Ich führe selbst eine Vermögensverwaltung in München. Ich achte aber darauf, dass ich den Kunden keine unrealistischen Renditeversprechungen mache. Gerade im Gegenteil erstelle ich meinen Neukunden zunächst einen Anlagevorschlag, dessen Zielrendite gerade so hoch ist, um die Anlageziele des Kunden mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erreichen. Denn klar ist: Je höher die avisierte Zielrendite ist, umso höher auch das Risiko. Und ein unnötiges Risiko sollte man vernünftigerweise nicht eingehen.

2 Kommentare
  1. Andreas Teufl
    Andreas Teufl sagte:

    Ich lese hier nicht nur den weiter verbreiteten Fehler „von der Vergangenheit aus die Zukunft zu schließen“ heraus, sondern ich denke ebenfalls, dass eventuell übersehen wurde, dass Risiko immer mit Rendite einher geht. Und 7% – 8% in Zeiten wie diesen, müssen doch etwas stärker Risikobehaftet sein…

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  2. Helena
    Helena sagte:

    Sehr guter Beitrag. Sollte vielen die Augen öffnen. Natürlich sollte man vorsichtig sein wenn jemand mit unglaublichen Renditen wirbt. Andererseits, sind die Produkte die wir Ottonormalverbraucher auf dem Markt finden, sind eh der letzte Dreck. Oder denkt ihr das ein Globalplayer in eine Anlage mit 1,75 % oder in einen Fondsparplan investieren würde? Nein! Die Globalplayer erhalten ganz, ganz andere Anlagen und Anlageformen. Den Geld liebt Geld. Wenn ich heute in eine Bank gehe und sage ich möchte ein Produkt welches 7 % Rendite bringt, dann sagt mir der Banker ich soll lieber ein Bausparer abschließen. Den 7 % seien unseriöse. Mal abgesehen davon das ich nicht bauen will, verlangt doch die Bank selbst für den Dispo Zins 8 bis 15,5 %. Ist dies etwa seriöse? Was ich damit sagen will ist. Seit Vorsichtig wenn es um euer Geld geht. Es gibt Anlagen die eigenes machen können. Doch an diese kommt man so leicht nicht ran.

    Grüße Helena

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