Was ist von Fondsratings (Morningstar, Feri, etc.) zu halten?

Meiner Meinung nach ist die Auswahl von Investmentfonds nach Fondsratings (Morningstar, Feri, etc.) nicht zielführend. Genau genommen halte ich ein solches Vorgehen sogar für gefährlich. Rating-Agenturen sind mit ihren Kennzahlen nämlich immer rückwärtsgewandt. D.h. sie beziehen sich auf Vergangenheitsdaten, um damit den – gewagten – Schluss auf die Zukunft zu wagen. Nach dem Motto: Wer die letzten (sagen wir) 3 Jahre gut war, wird auch die nächsten 3 Jahre gut sein. Bzw. umgekehrt: Wer die letzten Jahre schlecht war, wird auch in Zukunft schlecht sein. 

Die Korrektheit dieses Schlusses von der Vergangenheit auf die Zukunft ist durch nichts belegt. Gerade im Gegenteil. Alle Indizien sprechen dafür, dass ein solcher Schluss nicht nur falsch ist, sonder regelmäßig zu verhängnisvollen Fehlentscheidungen im Anlagebereich führt.

Auffällig ist beispielsweise, dass die Stars der Vergangenheit heute durch die Bank durch neue ersetzt sind. So glänzten in den 1990er Jahren Templeton Growth und Fidelity European Growth. Heute hört man von beiden nichts mehr, und wenn dann Negatives. Oder der Fonds First Private Aktienfonds Europa ULM des ca. um 2005 hochgefeierten Fondsmanagers Klein (wenn ich mich recht erinnere). Damals hoch gefeiert, viele Fondspreise gewonnen – heute große Enttäuschung für die Anleger.

Und diejenigen Fonds, die heute hoch gelobt werden, von denen hat man beispielsweise vor 5 oder 10 Jahren noch nichts gewußt. Das zeigt aber sehr deutlich: Das Lob ist immer retroperspektiv. Im Nachhinein. Aber das nutzt dem Anleger nichts. Denn das gute Abschneiden könnte ja auch auf bloßem Glück und Zufall beruhen. Seriöse wissenschaftliche Studien gehen davon aus, dass Anleger regelmäßig den Beitrag von Glück und Zufall beim Fondsmanagement stark unterschätzen.

Bemerkenswert häufig kommt es im Geldanlagebereich vor, dass Manager, die über einen gewissen (auch langen Zeitraum hinweg) hervorragende Ergebnisse erzielt haben, mit einem Mal ganz böse abstürzen und ihren Anlegern massive Verluste bescheren. Nassim Taleb hat diesem Phänomen mit seinen „Narren des Zufalls“ ein ganzes Buch gewidmet.

Hier ein Zitat aus Nassim Talebs Buch (S. 128 ff)):

“Der frisch gegründete Emerging-Markets-Desk einer New Yorker Bank stellte Carlos im Jahr 1992 ein. … Carlos traf zum richtigen Zeitpunkt ein, um den Aufschwung des Markets mitzuerleben … Carlos blühte als volkswirtschaftlich versierter Händler auf. Er hatte ein umfangreiches Netz von Freunden in verschiedenen lateinamerikanischen Ländern und wusste genau, was sich dort abspielte … Carlos wurde mehrfach befördert, bis in die Posi-tion des Chefhändlers … Ab 1995 erzielte er in der neuen Funktion ungeheure Erfolge und konnte sein Kapitalvolumen kontinuierlich ausweiten … Dann kam der Sommer 1998 und richtete Carlos zugrunde … In den Vorjahren hatte er für seine Bank insgesamt nahezu 80 Millionen Dollar verdient. In einem einzigen Sommer verlor er dann aber 300 Millionen Dollar. ”

Mit Bezug auf die Fondsratings von Morningstar schreibt David Swensen in seinem Buch „Erfolgreich Investieren“ (S. 254):

“Leider erhalten die Investoren keine hilfreiche Unterstützung von Morningstar, da sich deren Bewertungssystem als hoffnungslos naiv herausstellt. Historische Performancezahlen, kombiniert mit einem Instrument zur Risikobewertung, bilden die Grundlage für die Verteilung der Sterne … Morningstars offensichtlich fehlerhaftes System versagt, da es sich ausschließlich auf historische Daten bezieht … Morningstar erkennt nicht, dass Informationen über die historische Performance wenig hilfreich bei renditesteigernden Entscheidungen sind. Somit sind die regelmäßigen Versuche, das Bewertungssystem zu verändern, nicht sehr Erfolg versprechend … Kluge Investoren schenken dem nutzlosen Bewertungsschema von Morningstar keine Beachtung.”

Man kann sich nun fragen, welches die wirklich guten Kriterien bei der Auswahl von Investmentfonds sind. Jedenfalls sicher nicht Ratings der Agenturen. Mit des wichtigste Kriterium sind schlicht die Gebühren und Kosten. In der Fachwelt ist diese banale Weisheit eigentlich unumstritten. Bemerkenswerterweise kommt Monrningstar in einer Studie selbst zu diesem Ergebnis. Link dorthin.

 

 

1 Antwort
  1. Peter
    Peter says:

    Anleger sollten Ratings bei der Fondsauswahl nutzen, aber nicht überbewerten. Sinnvoll ist es, zuerst zu überlegen, welche Fondskategorien für die Geldanlage überhaupt infrage kommen, und die Ratings erst danach als Entscheidungshilfe für die Wahl des konkreten Fonds hinzuziehen. Dabei sollte man die Bewertungen mehrerer Ratinghäuser anschauen. Weichen deren Urteile voneinander ab, ist das ein Grund, den Fonds noch genauer zu prüfen. Go ahead, make my day!

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