MIG Fonds und die Frage nach den Kosten

Im Juni 2010 (also vor mehr als eineinhalb Jahren) habe ich eine Kurzanalyse des MIG Fonds 11 erstellt. Anhand des Emissionsprosepktes nahm ich vor allem die Gebührenstruktur des Fonds ins Visier. Mein überschlägiges Ergebnis: Die Investitionenen des MIG Fonds 11 müssen (grob gerechnet) 3 % pro Jahr Rendite erwirtschaften, nur damit der Anleger am Ende  mit plus/minus Null herauskommt.

In Folge dieses Artikels hat sich eine Diskussion entfaltet, die bis heute anhält. Ein paar unzufriedene MIG-Anleger haben sich zu Wort gemeldet. Aber insbesondere manche Vermittler fühlen sich berufen, die MIG-Fonds zu verteidigen.

Das jüngste Beispiel ist ein Kommentar von Herrn Bühringer vom 04.03.2012. Dazu will ich durch diesen Blog-Beitrag Stellung nehmen …

Erstens. Herr Bühringer behauptet, dass Kosten und Gebühren nur wenig über die Qualität eines Fonds aussagen.

Herr Bühringer hat sich offenbar die einschlägige Fachliteratur nicht angesehen. Der Befund ist nämlich sehr eindeutig. Mit das beste Kritierum, um die Güte eines Fonds zu beurteilen sind die Gebühren und Kosten. Ich zitiere hier einmal den Amerikaner Jason Zweig:

„Anlageberater haben kürzlich die Kosten als den 8-wichtigsten Faktor bei der Analyse eines Investmentfonds eingestuft, nach anderen Faktoren wie Performance, Risiko, Alter des Fonds und Dienstalter des aktuellen Fondsmanagers. Leider kann keiner dieser Faktoren diesen sogenannten Experten dabei helfen, diejenigen Fonds zu erkennen, die künftig Toprenditen erzielen werden. Jahrzehnte rigider Forschung haben gezeigt, dass der wichtigste einzelne Faktor für die zukünftige Performance eines Investmentfonds diese kleine, relativ statische Zahl ist: die Gebühren und Kosten.“

Siehe auch meinen Weblog-Beitrag Morningstar-Studie: Niedrige Gebühren sind ein guter Erfolgsindikator.

Die Sachlage ist so eindeutig, dass die Behauptung von Herrn Bühringer der Behauptung gleichkommt, die Sonne würde sich um die Erde drehen (und nicht umgekehrt). Weil die Sachlage so eindeutig ist, frage ich mich, ob Herr Bühringer nur unwissend ist oder bewusst falsch informiert.

Zweitens. Herr Bühringer schreibt, dass der MIG Fonds der einzige ihm bekannte Fonds ist, der die kompletten Kosten dem Kunden zurückerstattet. Zitat: „Wenn Sie also Ihrer Copy und Paste Aussage zustimmen, dann muss MIG weltklasse sein da am Ende des Tages der Kunde exakt 0,- an Kosten und Gebühren hat!“

Na dann schaun wir mal in den Emisstionsprospekt des MIG-Fonds 11. Ab Seite 42 werden die anfänglichen Provisionen aufgelistet:

  • Vertriebskosten: 6,77%
  • Eigenkapitalvermittlung (daraus finanziert sich Herr Bühringer): 6,00 %
  • Grundkosten, Initiativleistungsgebühr: 2,25 %
  • Portfolioeinrichtung: 1,70 %
  • Markeiting: 1,25 %
  • Finanzbuchhaltung und Abrechnung 0,75 %.

Zusätzlich zu diesen Kosten fällt noch das Agio an.

Ohne Agio weist der Emissionsprospekt eine anfängliche Gebührenbelastung von insgesamt 19,85 % aus.

Nehmen wir einmal einen Anleger an, der 20.000 Euro in den MIG-Fonds 11 angelegt hat, dann hat er in der Regel erstens ein Agio in Höhe von 1000 Euro bezahlt und zweitens fallen ihm noch interne anfängliche Kosten in Höhe von ca. 3.970 Euro an. Wenn er also 21.000 Euro aufwenden hat müssen, so stehen am Ende (laut Prospekt) nur 16.030 Euro zur Verfügung, um in junge Unternehmen investiert zu werden. Diese Unternehmen müssen also sage und schreibe eine Rendite von 31 % erzielen, nur damit der Anleger am Ende wieder 21.000 Euro hat. Eine nicht schlechte Herausforderung, kann ich da nur sagen.

Interessant ist auch, einmal aufzuzeigen, wo Herr Bühringer verdient: Der Prospekt weist eine Eigenkapitalvermittlungsprovision in Höhe von 6% aus. Das geht ganz oder größtenteils in die Taschen Herrn Bühringers. Daneben kassiert er das Agio. Bezogen auf einen Anlagebetrag von 20.000 Euro sind das  zwichen 1200 Euro und 2200 Euro. Im Prospekt auf Seite 15 steht aber außerdem noch:

„Das mit der Eigenkapitalvermittlung beauftragte Vertriebsunternehmen erhält zusätzlich zur Provision für Vertrieb und Eigenkapitalvermittlung sowie zusätzlich zum Agio eine erfolgsabhängige Tantieme in Höhe von 8,0 % des Veräußerunsgewinns der Gesellschaft (vor Steuern) bei Verkauf von Unternehmensbeteiligungen (abzüglich bestimmter Freibeträge zugunsten der Gesellschaft) und 8,0 % der Dividenendausschüttungen (vor Steuern) von Beteiligungsunternehmen.“

Herr Bühringer verdient also auch an Dividenden und an Verkaufserlösen (sofern gewissen Freibeträge überschritten sind). Möglicherweise kommt daher seine große Begeisterung für die MIG-Fonds. Denn solche Gewinnbeteiligungen für den Vertrieb sind eher ungewöhnlich.

Da Herr Bühringer behauptet, dass die kompletten Kosten dem Anleger zurückerstattet werden, möchte ich ihn fragen, ob er all die genannten Provisionen, die er selbst kassiert, an seine Anleger zurückzahlt. Machen Sie das wirklich? Vielleicht gibt es ja draußen ein Anleger, der über Herrn Bühringer 20.000 Euro in einen MIG-Fonds investiert hat: Können Sie mir bestätigen, dass Ihnen Herr Bühringer über 1.000 Euro zurücküberwiesen hat?

Sieht man sich den MIG-Fonds-11-Prospekt an, so ist an keiner Stelle davon die Rede, dass dem Anleger Kosten und Gebühren „zurückerstattet“ werden. Vielmehr ist der Sachverhalt so: Vertrieb und Portfolio Management erhalten in Form einer Tantieme eine Gewinnbeteiligung. Und zwar sowohl bezogen auf Veräußerungsgewinne als auch bezogen auf Dividendenausschüttungen. Der Vertrieb erhält (wie gesagt) 8% Tantieme und der Porfolio-Manager  17,0 % (Seite 16).

Auf Seite 66 des Emissionsprospektes steht beispielsweise:

„Die Fondsnebenkosten setzen sich zusammen aus den ‚Provisionen‘, betragsmäßig fest vereinbarten Vergütungen, den laufenden Kosten für das Portfoliomanagement (‚Management-Gebühr‘), erfolgsabhängigen Tantiemen sowie laufenden Geschäftskosten der Gesellschaft…“

Bevor es aber zur Auszahlung dieser Tantiemen kommt, werden zunächst gewisse „Freibeträge“ berücksichtigt (Siehe Seite 68):

„Vom ‚Veräußerungsgewinn‘ werden vor Berechnung der Tantieme zwei Freibeträge in Abzug gebracht, nämlich ein Freibetrag in Höhe von 10,0 % der Anschaffungskosten der veräußerten Unternehmentsbeteiligung p.a. für den Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung (‚Hurdl-Rate‘) sowie ein weiterer Freibetrag in Höhe von 20,0 % des Festkapitals der Gesellschaft am 31.12. des der Veräußerung vorhergehenden Geschäftsjahres (‚Nebenkosten-Freibetrag‘) …“

Anders formuliert: Falls der Fonds Verluste macht, dann bleiben die Anleger auf den Gebühren und Kosten sitzen. Falls der Fonds gute Gewinne macht, dann beginnt der Zusatzverdienst des Portfolio Managements und des Vertriebs erst, nachdem gewissen Hürden übersprungen werden. Der zusätzliche Verdienst wird geschmälert. Dies als „Gebührenrückzahlung“ zu bezeichnen, ist schon eine dreiste Fehldarstellung.

Denn: Sollten die Dinge schlecht laufen, dann erhält Vertrieb und Portfolio Management keine Gewinnbeteiligung. Aber von einer Rückzahlung der anfänglichen oder laufenden Gebühren kann in diesem Fall keine  Rede sein. Sollten die Dinge sehr gut laufen, dann fallen nach wie vor die anfänglichen und laufenden Gebühren an, die zusätzliche Gewinnbeteiligung von Vertrieb und Portfoliomanagement fällt nur entsprechend geringer aus.

Sehr geehrter Herr Bühringer, ich kann mich nicht des Eindrucks erwehren, dass Sie entweder den Emissionsprospekt des MIG Fonds 11 nicht gelesen haben oder bewusst falsch informieren. Jedenfalls ist Ihre Behauptung, dass einen MIG Fonds-11-Anleger die Kosten komplett zurückerstattet werden, eine klare Falschaussage. Ich hoffe, Sie haben Verständnis dafür, dass ich mein Weblog künftig nicht mehr als Plattform für Ihre Falschaussagen missbrauchen lasse.

 

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