Kann Charttechnik eine Kurskorrektur voraussagen?

Am Montag, 27.02.2012, startete der DAX bei 6823 Punkten. Im weiteren Verlauf verlor der Index 1,2% und fiel auf 6744. Prompt konnte man Analysen finden, dass jetzt die Trendumkehr eingetreten sei und die Aktienkurse wieder fallen würden. So sagte der Charttechniker Gregor Bauer dem Handelsblatt: „Der Kursrutsch des DAX hat schon begonnen.“ 

Dumm nur, dass sich der DAX bereits am Montagnachmittag wieder erholte, um am Ende des Tages bei 6838 Punkten zu schließen. Wenn der Kursrutsch bereits begonnen hat, wie Charttechniker analysiert haben, so ist es umso erstaunlicher, dass der DAX inzischen bei 6924 steht.

Mir ist es ein echtes Rätsel, wie vernünftige Menschen an so etwas wie Charttechnik glauben können…

Hier ein Zitat von Prof. Martin Weber zum Thema Chartanalyse:

„Viele Anleger entscheiden irrational. Ein Beispiel dafür ist ihr Vertrauen in die Chartanalyse. Hinter dieser Analysetechnik steckt die Idee, dass man den Kurs eines Wertpapiers durch geschicktes grafisches Aufarbeiten vergangener Kursverläufe vorhersagen kann. Da malen also erwachsene Männer mit Bleistift und Lineal die Kursverlaufslinien von Wertpapieren mit Wimpeln, Trendlinien und allen möglichen anderen Figuren, in der Erwartung, auf diese Weise schnellstmöglich reich zu werden. Dass dies indes wenig mehr ist als ein teurer Irrglaube, lässt sich mit Mitteln der Mathematik theoretisch zeigen – und obendrein empirisch belegen! Dass dennoch Heerscharen von Finanzprofis dieser Idee verfallen sind, lässt sich wiederum mit Mitteln der Psychologie erklären.“

Und hier noch ein Zitat des amerikanischen Wirtschaftsjorunalisten Jason Zweig:

„Millionen von Investoren glauben an technische Analyse, die vermeintlich zukünftige Kurse auf der Basis historischer Daten vorhersagen kann … Es gibt – wenn überhaupt – kaum objektive Belege dafür, dass diese Taktiken langfristig funktionieren.“

 

1 Antwort
  1. Stefan | Investment-Analyse.net
    Stefan | Investment-Analyse.net says:

    Das schöne an der Charttechnik ist ja, dass sie recht einfach ist. Man muss nicht erst stundenlang Fakten auswerten und sich wirklich Gedanken machen. Ob das Ganze auch funktioniert wird selten hinterfragt. Man glaubt halt einfach dran. Und es gibt immer genügend Leute, die mit Charttechnik recht haben. Genauso wie es genügend Wahrsager gibt, deren Prognosen eintreffen.

    Der Confirmation Bias, über den Sie ja auch vor kurzem geschrieben haben, sorgt vielleicht dafür, dass man die vielen Beispiele, wo Charttechnik nicht funktioniert hat, ausblendet.

    Antworten

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