Confirmation Bias

In der Wissenschaft ist dersogenannte Confirmaton Bias bekannt. Frei übersetzt: „der Bestätigungsfehler“.

Damit ist folgendes gemeint: Wir Menschen neigen dazu, überall Bestätigungen für unsere vorgefassten Meinungen zu sehen. Was unseren Ansichten widerspricht wird sehr häufig einfach nicht wahrgenommen.

Nehmen wir beispielsweise Frau X. Sie ist der Überzeugung, dass alle Männer gefühlsarm sind. Aus dem Stegreif kann sie dutzende Beispiele aufführen, in denen sie erlebt hat, dass Männer gefühlsarm sind. Selbstverständlich hat sie auch hin und wieder gefühlvolle Männer kennengelernt, das fällt ihr aber sozusagen durchs Raster. Trifft sie aber mal wieder auf einen unsensiblen Mann, dann wertet sie das als weiteren Beweis.

Dasselbe gilt für Herrn Y, der meint, dass Frauen nicht Autofahren können. Die vielen Frauen, die gut fahren, nimmt er gar nicht wahr. Fällt aber einmal eine Frau negativ im Verkehr auf, dann meint er: „Haben wir’s mal wieder: Frau am Steuer…“

Diese Neigung, überall Beweise für unsere vorgefassten Meinungen zu sehen, die Gegebneispiele aber gar nicht wahrzunehmen, ist in uns Menschen tief verwurzelt. Interessant ist, dass diese Neigung gerade auch bei der Geldanlage eine große Rolle spielt…

Zu diesem Thema „Confirmation Bias“ schreibt Rolf Dobelli in seinem Buch Die Kunst des klaren Denkens (S. 33 ff.):

„Astrologen und Wirtschaftsexperten operieren nach dem gleichen Prinzip. Ihre Aussagen sind so schwammig, dass sie Bestätigungen wie ein Magnet anziehen: ‚In den kommenden Wochen werden Sie traurige Momente erleben‘ bzw. ‚Mittelfristig wird der Abwertungsdruck auf den Dollar zunehmen.‘ Was heißt mittelfristig? Was heißt Abwertungsdruck? …

Keine Berufsgattung leidet stärker am Confirmation Bias als die Wirtschaftsjournalisten. Oft stellen sie eine billige Theorie auf, setzen zwei, drei ‚Beweise‘ hinzu, und fertig ist der Artikel. Beispiel: ‚Google ist so erfolgreich, weil die Firma eine Kultur der Kreativität lebt.‘ Also geht der Journalist hin, sucht sich zwei, drei Firmen heraus, die ebenfalls Kreativität leben und damit erfolgreich sind … Aber er macht sich nicht die Mühe …, jene Firmen zu suchen, die eine Kultur der Kreativität pflegen, aber nicht erfolgreich sind – bzw. solche, die erfolgreich sind, aber keine Kultur der Kreativität leben. Von beiden Sorten gibt es eine Menge, doch der Journalist übergeht sie geflissentlich …“

Hier noch ein paar weitere typische Beispiele für den Besätigungsfehler im Bereich Geldanlage.

Es gibt Leute, die nur auf eine einzige Anlageform schwören, sagen wir auf Immobilien. Solche Leute sagen: „Außer Immobilien kannst du alles vergessen.“ Solche Meinungen werden dann unterfüttert durch sehr selektive Argumente. So werden die aktuellen Börsenturbulenzen als Beleg dafür genommen, dass Immobilien generell besser seien. Dass es Zeiten gab, in denen Aktien deutlich besser liefen als Immobilien wird ausgeblendet.

Anderes Beispiel. Jemand hält eine bestimmte Anlagestrategie gut, sagen wir die Value-Strategie. Dann wird alles aufgeführt, was für diese Strategie spricht. Dinge, die gegen die Strategie sprechen, werden einfach „übersehen“.

Eine typische Art für den Confirmation Bias sind auch fast alles Formen der rückblickenden Kursanalyse. Man hat eine eine bestimmte Meinung über die Kapitalmärkte  (z.B. „immer wenn die Zinsen fallen, steigen die Aktienkurse“) und kann sie sehr leicht durch Vergangenheitsdaten belegen. Man muss die jeweilige Vergangenheit nur geschickt genug auswählen. Manchmal tun es 12 Monate zurück, manchmal 2 Jahre, manchmal 5 oder 10 Jahre. Manch einer nimmt aber auch spezielle Zeiträume, wie beispielsweise 1929 bis 1934. Oder die 1970-er Jahre. Es ist wirklich erstaunlich was man durch einen Blick in die Vergangenheit alles „beweisen“ kann. Gegeneispiele werden ausgeklammert.

Gerade diese Art, von Vergangenheitsdaten auf eine allgemein gültigen Zusammenhang schließen zu wollen, halte ich für sehr problematisch. Und das geschieht bei Kapitalanlegern, Wirtschaftsjournalisten und Analysten ungeführ 1 Million Mal am Tag. Auch das ein typischer Bestätigungsfehler. Man sucht sich EIN, oder ZWEI Besipiele um eine allgemeine Theorie belegen zu wollen.

Dasselbe gilt für sogenannte Börsengurus. Wie sehr wünschen sich die Leute doch, dass es Menschen mit fast magischen Fähigkeiten gibt, die es irgendwie im Bauch oder sonstwo haben, und so sagen können, wohin sich dieAktienkurse bewegen werden. Diese Leichtgläubigkeit wird unterfüttert mit solchen Sätzen wie: „Bereits den Crash in 2008 hat er richtig vorausgesagt … “ oder „Dass Gold ein gutes Investment sein wird, wusste er bereits im Jahr 2000…“

Gerne wird mit EINER einzigen richtigen Prognose, die jemand in der Vergangenheit gemacht hat, begründet, dass er auch sonst immer richtig liegen müsse. Sehr merkwürdig eigentlich, wenn man recht darüber nachdenkt.

So oder so: den Bestätigungsfehler findet man auf Schritt und Tritt, wenn man sich mit dem Thema Geldanlage beschäftigt. Warum ist das aber ein Problem? Ganz einfach: Weil dieser Fehler zu schlechten oder kostspieligen Anlageentscheidungen führt. Anders formuliert: Erfolgreiche Investoren zeichen sich zumeist gerade dadurch aus, dass sie den Confidence Bias soweit möglich zu vermeiden suchen.

So wird der sehr erfolgreiche Hedgefonds-Manager George Soros in dem Buch von Robert Slater „George Soros – Sein Leben, seine Ideen, sein Einfluss auf die globale Wirtschaft“ wie folgt zitiert (S. 86):

“Die Menschen sind ganz einfach auf dem Holzweg, wenn sie denken, ich sei unfehlbar. Denn wie jeder andere auch … mache ich Fehler. Worin ich aber durchaus besser bin als die breite Masse, ist das das Erkennen meiner Fehler … Das ist der Schlüssel zu meinem Erfolg.“

Und auf Seite 85 beschreibt Robert Slater das Vorgehen von Soros so:

“[Soros] stellte eine Hypothese auf, und auf deren Basis ging er eine Investmentposition ein. Dann wartete er ab, um zu sehen, ob seine Hypothese bestätigt würde. War das der Fall, baute er seine Position aus … Erwies sich seine Hypothese jedoch als falsch, dann handelte er umgehend. Er stieg aus der Position aus.”

S. 100: ” Wenn [Soros] feststellt, dass sich eine Situation nicht zu seinen Gunsten entwickelt, dann steigt er aus.”

Kluge Anleger sind also flexibel und offen dafür, ihre einmal gefassten Meinungen auch wieder zu widerrufen. Es ist eher ein Anzeichen schlechter Investoren, unbeirrt an Geldanlage-Vorurteilen festzuhalten.

Zum guten Schluss zitiere ich noch einmal Rolf Dobelli:

„Der Fluch besteht darin, dass der Confirmation Bias unbewusst bleibt. Natürlich, wir haben es nicht gern, wenn Löcher in unsere Überzeugungen geschossen werden. Doch ist es nicht so, dass wir Schutzschilder vor unsern Überzeugungen aufrichten. Es ist eher so, als ob mit einem Schalldämpfer auf uns geschossen wärde: Die Schüsse fallen, aber wir hören sie nicht.“

1 Antwort
  1. Christian Probst
    Christian Probst says:

    Sehr interessant, diesen psychologischen Effekt mal etwas näher betrachtet zu haben. Wir leben tagtäglich damit und nehmen es gar nicht richtig wahr, aber das ist wohl menschlich. In der Finanzwelt kann der Confirmation Bias natürlich fatale Konsequenzen haben, deswegen sollte man alles versuchen, um ihn einzudämmen.

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