Kluge Bemerkungen zum Thema Gold

Zum Thema Gold wird derzeit beliebig viel Unsinn veröffentlicht. Umso wohltuender ist es, einmal etwas Vernünftiges zu diesem Thema zu lesen. Nikolaus Piper aht am 20. Juli in der Süddeutschen Zeitung einen Artikel mit dem Titel „Metall der Angst“ geschrieben. Nachfolgend ein paar ausgewählte Zitat daraus …

Nikolaus Piper schreibt in dem genannten Artikel (SZ 20.07.11 Seite 17):

„Gold ist also… ein Barometer der Angst auf der Welt und insofern von volkswirtschaftlichem Nutzen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass all jene, die jetzt massenhaft ins Gold fliehen, rational handeln, ganz im Gegenteil.

Sie wollen sich und ihr Vermögen schützen, jedenfalls soweit es sich um Kleinanleger handelt. Aber vor was eigentlich? Bei der letzten großen Gold-Hausse Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hatten die Vereinigten Staaten zweistellige Teuerungsraten. Gold diente dazu, Vermögen vor Inflation zu schützen, und es erfüllte diese Funktion sehr gut … Aber heute? Heute gibt es keine Inflation, allenfalls die vage Angst davor.

Zumindest in Amerika ist das Risiko einer Deflation, also eines anhaltend sinkenden Preisniveaus immer noch akuter. Wenn Preise fallen ist Gold nur eine Last. Es hat keinen Gebrauchswert …, es wirft keine Rendite ab, sondern verursacht nur Kosten…

In Wirklichkeit hat die Gold-Hausse nur am Rande mit solchen rationalen Argumenten zu tun. Die Zukunftsangst der Anleger ist seit Asubruch der Finanzkrise umfassend. Und es betrifft nicht nur die Anleger… Viele Propagandisten des Goldes schüren zusätzlich die Weltuntergangsstimmung. Die einen sind überzeugt, dass unser Geldsystem vor dem Zusammenbruch steht, wenn die Welt nicht zum Goldstandard zurückkehrt … Dazu wird es nicht kommen, aber das Thema bewegt die Phantasie unzähliger Experten, Laien und Ideologen. Andere wollen nur möglichst viel Gold mit möglichst hohen Margen verkaufen und machen sich die Träume und Albträume der Goldfanatiker zunutze.

Weltuntergangsstimmung kann ansteckend sein – und dann ist sie gefährlich …

Nüchtern betrachtet hat die Gold-Hausse alle Anzeichen einer Spekulationsblase. Sie wird irgendwann platzen und viele Menschen werden viel Geld dabei verlieren …“

An diesen Ausführungen ist von meiner Seite nichts hinzuzufügen. Ich kann Herrn Piper nur eine Gratulation aussprechen für seinen hervorragenden Artikel zum Thema Gold.

6 Antworten
  1. Klardenker
    Klardenker says:

    Beim Thema Gold scheiden sich die Geister. Die Wahrheit ist. Alle reden zwar über Gold und mit Einschränkungen Silber. Doch Hand aufs Herz. Haben Sie es? Gehörten Sie auch zu denjenigen, die bei Preisen um 1.000 USD pro Unze von Übertreibung sprachen? Meine Erfahrung ist, dass 4 von 5 Menschen heute wie vor drei Jahren sagen, Gold sei zu teuer. Mag sein, dass der Preis sehr schnell sehr hoch ging und dadurch Korrekturen durchaus möglich, wenn nicht gesund sind. Es gibt keinen ökonomischen Grund Gold zu halten, wenn dieses nicht als Geldersatz gesehen wird. Gold ist keine Investition, Gold ist Geld. Denn Geld soll insbesondere zwei Funktionen erfüllen: Tauschmittel und Wertaufbewahrung. Dass der Euro und US-Dollar Tauschmittel sind, steht außer Frage. Doch wie sieht es aus mit Wertaufbewahrung? Wir verstehen die Inflation als ganz normal, ja sogar notwendig. Doch würden Sie freiwillig zuschauen, wie Ihr Geld Jahr ein Jahr aus an Wert verliert? Der Goldpreisanstieg hat sich insbesondere seit dem ersten Quantitative Easing (auch Gelddrucken) der amerikanischen Notenbank FED beschleunigt. Denn je mehr Geld bzw. USD es gibt, desto weniger ist dieser wert, wenn die entsprechende Gütermenge nicht im gleichen Maß steigt. Gold, in der Funktion als Geld, vollzieht nur diese Steigerung. Zur Erinnerung: Es ist keine Investition, es ist Geld. Das Gold steigt nicht, es ist der USD, der fällt bzw. immer schwächer wird. Selbst in CHF steigt Gold, wenn auch weniger stark als in USD. Für ein Barrel Öl musste man 1950 in etwa die gleiche Menge Gold bezahlen wie heute. Wie verhält es sich dagegen mit dem USD? Wollen Sie immer noch zu den Menschen gehören, die nur davon reden?

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    • Peterreins
      Peterreins says:

      Ich weiß nicht, wie Sie darauf kommen, dass Gold = Geld. Das ist zur Zeit nicht der Fall und es war auch den größten Teil der Vergangenheit nicht der Fall. Im Mittelalter hatten wir in Europa einen Silberstandard und keinen Goldstandard. Gold wurde in England erst ab Anfang des 19. Jahrhunderts zur Währung und in Deutschland erst ab 1871. In den USA übrigens erst ab 1900, also sehr spät. Das sind historische Tatsachen. Man kann das nicht einfach wegwischen mit einer solchen pauschalen – und falschen – Behauptung: Gold = Geld.

      Versuchen Sie doch mal mit einer Goldmünze im Supermarkt einkaufen zu gehen, da werden Sie sehr schnell feststellen, inwiefern Ihr Gold wirklich Geld ist.

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  2. Jungbulle
    Jungbulle says:

    Vorweg: Ich besitze kein Gold und will auch keins. Ich mag lieber Renditen als reine Kursspekulation und investiere seit Oktober 2011 sukzessive in Aktien, daher mein Pseudonym.

    Trotzdem ergreife ich halbherzig (!) Partei für Klardenker, auch wenn ich sein Pseudonym etwas optimistisch finde. Das Argument mit dem Supermarkt geht ins Leere: Versuchen Sie mal im Supermarkt mit Renminbi oder D-Mark zu bezahlen. Sie werden schnell feststellen, dass Währungen nicht universell in Raum und Zeit einsetzbar sind. Das beweist leider nichts.

    Goldmünzen sind ebenso wie Yen und Pfund zu offiziellen Kursen konvertierbar. Genau darum werden Goldbarren im Gegensatz zu Schweinebäuchen von den Zentralbanken gehortet. Und vielleicht würde selbst eine deutsche Marktfrau wie damals am Yukon einen Sack Kartoffeln für einen schönen Nugget herausrücken, so wie Straßenhändler in Entwicklungsländern teils auch Fremdwährungen zu miserablen Kursen akzeptieren.

    Natürlich ist Gold vor allem auch Rohstoff. Aber erstens ein Rohstoff, von dem verschwindend wenig verbraucht wird, und zweitens trifft das auf alles Geld zu. Ich habe kürzlich im Internet vom Inflations-Hedge gelesen, Cents zu sammeln und mit Gewinn als Kupfer zu verkaufen. Und alte D-Mark-Scheine kann man noch als Briketts verheizen. Beides Geld, das gleichzeitig Rohstoff ist. Schließlich ist die Frage, was Geld ist und was nicht, reine Definitionssache. Versuchen Sie mal, mit Salz oder Muscheln im Supermarkt zu bezahlen 😉

    Können wir uns darauf einigen: Gold ist ein seltsamer, aber ansehnlicher Rohstoff, den eigentlich kaum jemand braucht, der aber auf der ganze Welt jederzeit frei in amtliche Zahlungsmittel konvertierbar ist und sich durch seine Beständigkeit im Rahmen seiner Wechselkurse als Wertaufbewahrungsmittel eignet, was ihn sehr geldähnlich macht. Andere Rohstoffe haben, wenn schon keine Dividende, immerhin einen bezifferbaren Nutzwert. Gold hat fast nur seinen Kurs, und damit ähnelt Goldhandel sehr einer Devisenspekulation.

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    • Peterreins
      Peterreins says:

      Es wird immer wieder die Behauptung aufgestellt: „Gold ist schon immer die Währung schlechthin gewesen.“
      Gegen diese Behauptung in ihrer verallgemeinerten Form wende ich mich. Natürlich gab es Zeiten, in denen Gold als Währung benutzt wurde. Und möglicherweise wird es wieder solche Zeiten geben. Man muss aber zwischen „Es gibt“-Aussagen und „Immer“-Aussagen unterscheiden. Das ist ein wichtiger logischer Unterschied.
      Wenn jemand eine „Immer“-Aussage macht, dann ist sie ganz leicht dadurch zu widerlegen, dass man eine Zeit findet, für die die Aussage nicht gilt. Also beispielsweise, wenn jemand sagt „Frauen fahren immer schlecht Auto“, so ist diese Aussage kinderleicht durch eine einzige Frau zu widerlegen, die meineitwegen nur an einem einzigen Tag hervorragend gefahren ist.

      Ich zitiere den Kommentator „Klardenker“: “ Zur Erinnerung: Es[Gold] ist keine Investition, es ist Geld.“ Diese Aussage „Gold ist Geld“ ist eine sehr starke und verallgemeinernde Aussage, so wie „Frauen sind emotional“ oder „Kinder sind laut“. Zu all diesen Aussagen lassen sich sehr leicht Gegenbeispiele finden und dann sind sie – logisch gesprochen – widerlegt. Entweder mache ich eine allgemeine Aussage, dann sollte sie aber bitte auch allgemein gelten. Oder ich formulier etwas vorsichtiger. Beispielsweise „Viele Frauen sind emotional“ oder „Ich kenne einige Kinder, die laut sind“ oder eben „Es gab Zeiten, in denen man Gold als Währung verwenden konnte“.

      Und nun zum Argument „Supermarkt“. Erstens ist das ein Beispiel, wo derzeit Gold nicht als Währung akzeptiert wird. Also ist die oben gemachte Verallgmeinerung schon widerlegt. Ganz einfach. Und zweitens kann einem an diesem Beispiel auffallen, warum Gold tatsächlich als Währung sogar ungeeignet ist. Weil nämlich Gold viel zu großteilig ist. Da müssen Sie Gold schon zu einem winzigen Krümel verarbeiten, wenn Sie beispielsweise im Gegenwert von 5 Euro mit Gold etwas einkaufen möchten. Das ist so gut wie nicht praktikabel.

      Der nächste Punkt, warum Ihr Argument nicht greift, ist: Bei Gold gibt es ja An- und Verkaufskurse mit einem zum Teil erheblichen Spread. Ja es gibt offizielle Kurse, aber welchen Kurs wollen Sie denn in der Praxis verwenden? Bid oder Ask? Je nachdem können Sie eine Preisdifferenz von bis zu 10% haben. Wie soll denn das in der Praxis funktionieren?
      Davon abgesehen, dass der Gold-Euro-Kurs sich ja minütlich verändert. Wer die Behauptung aufstellt, Gold könne wieder eine Währung sein, der soll sich doch bitte mal ausmalen, wie das ganz konkret in der Praxis funktionieren müsste. Wenn man das mal durchspielt, dann kommt man sehr schnell davon ab, Gold wirklich für eine Zahlungsalternative zu halten.

      Und nur deswegen, weil es einen offiziellen Umrechnungskurs gibt, wird etwas noch lange nicht zur Währung. Auch zur Allianz-Aktie gibt es ständig eine offiziellen Kurs, oder zu Iridium oder zu [tausend Sachen], und dennoch gibt es nur sehr sehr wenige Menschen, die davon reden, man könnte die Allianz-Aktie oder Iridium etc. als Währungsersatz verwenden.

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  3. Klardenker
    Klardenker says:

    Sehr geehrter Herr Dr. Peterreins,
    zunächst wünsche ich Ihnen ein gelungenes, neues Jahr 2012! Wie Sie zurecht angemerkt haben, wäre es sicherlich wünschenswert, dass das neue Jahr in ruhigeren Bahnen verläuft als das vorangegangene. Allein mir fehlt der Glaube… Im Jahr 2008 haben wir uns gewundert, wie es sein kann, dass der DAX an zwei Tagen in Folge 10% verlieren konnte. Immerhin gewann er dann am dritten Tag wieder deutlich an Boden. Das Jahr 2011 hatte eine weitere Überraschung parat: Die Verluste betrugen im „Horrormonat“ August zwar „nur“ 5% am Tag, allerdings setzte sich dieser Verlust über mehrere Handelstage fort, ohne eine Gegenbewegung. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Vor diesem Hintergrund wünsche ich Ihnen die Kraft, unter anderem diesen Blog weiterhin auf diesem hohen Niveau zu halten!

    Zum Thema Gold: Es ging mir hier nicht primär um den Beweis, dass Gold Geld ist (ich bin übrigens ein ausgesprochener Silberfan). Immerhin ist das gelbe Edelmetall zumindest in einigen Ländern als offizielles Zahlungsmittel anerkannt. So stellt die Notenbank in Südafrika einen täglichen Umtauschkurs für den Krügerrand fest. Vielmehr lag mir die Tatsache am Herzen, dass Gold kein Investment ist, sondern vielmehr die Entwicklung unserer Papierwährungen spiegelt. Die Schwäche/Stärke der Währung spiegelt sich in Preisen für Öl, Kupfer, Weizen und auch Gold wieder. Was ich in 2011 sehr spannend fand, war der relativ stabil gebliebene Preis für Öl. Sinkende Aktienmärkte und teils düstere Konjunkturprognosen hatten im Vergleich zu 2008 einen geringen Einfluss auf den Ölpreis gehabt.
    Ich fürchte, wir könnten in ein Stagflationszenario wie in den 1970er Jahren schlittern. Das viele Geld sucht sich seinen Weg… Öl, Gold etc. steigen. Die Unternehmen sehen sich von heute auf morgen höheren Rohstoffkosten gegenüber. Lassen sich die gestiegenen Kosten nicht an die Verbraucher weitergeben, sinken die Gewinne. Mitarbeiter müssen entlassen werden und die Negativspirale beginnt. Im Gegensatz zur „reinen“ Deflation bleiben aber die Preise hoch. Genau in den 70er Jahren erreichte Gold bis dato seine Höchsstände. Denn nach Aufhebung des Goldstandards 1971 wurde die Geldmenge massiv ausgeweitet und der Weg für die Stagflation geebnet. Einen echten Schutz gibt es in solch einem Szenario nicht. Dennoch finde ich, dass Gold und Silber dann zu den besseren Alternativen gehören.
    Immerhin uns geht es insgesamt noch sehr gut.

    Viel Lebensqualität, Glück und Erfolg!

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    • Peterreins
      Peterreins says:

      Vielen Dank, sehr geehrter „Klardenker“, für diesen Kommentar.
      Ich kann leider nicht nachvollziehen, warum Sie meinen, dass Gold kein Investment ist. Warum denn nicht? Wenn jemand sein Geld in Gold anlegt, weil er/sie hier auf Kurssteigerungen hofft, was ist das anderes als ein Invetment? Wo ist der Unterschied, sagen wir einmal, zu einer Aktie, bei der man auch auf Kurssteigerungen hofft?

      Was Sie über Rohstoffe, Deflation und Negativspirale schrieben, klingt alles logisch. Und ich könnte Ihnen dutzende von Argumentationsketten nennen, die jemand mir vor ein paar Jahren vorlegte und meinte, dass deswegen eine bestimmte wirtschaftliche Entwicklung unausweichlich ist. Vollkommen schlüssige Argumente – und dennoch ist es am Ende ganz anders gekommen. Meiner Erfahrung nach ist das eher die Regel als die Ausnahme. Daher sehe ich all diese Argumentationsketten im wirtschaftlichen Bereich äußerst, äußerst skeptisch. Es ist manchmal ein ganz netter Gedankengang, man sollte sich aber erinnern, dass es immer wieder Faktoren gibt, an die wir heute gar nicht denken.

      Das Problem ist folgendes: Wir können uns im Nachhinein und die Dinge wunderbar zurechtlegen. Wir können uns im Nachhinein sehr gut erklären, wie es zu Internet-Balse in den späten 1990er-Jahren kam und dann zum Platzen der Blase, oder wie es zur aktuellen Finanzkrise kam. Im Nachhinein finden wir (fast) immer sehr logische Erklärungen. Und nun denken wir, dass wir diese logischen Erklärungen auch ex ante machen können. Also im Vorhinein. Merkwürdigerwese, wie gesagt, klappte das fast nie. Ich möchte sogar sagen: Wer weise ist, hält sich mit solchen Argumentationsketten, um küfntige wirtschaftliche Entwicklungen erklären zu wollen, zurück.

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